FORSCHEN : ARCHIV

Wien: polyzentral
Forschungsstudie zur Zentrenentwicklung Wiens

Jede Stadt hat ihre Zentren – intensive, räumlich und kulturell verdichtete Orte, an denen sich das städtische Leben konzentriert, Orte der Vielfalt und Lebendigkeit. Sie bilden die Gesichter der Stadt, sind Identifikationspunkte für die BewohnerInnen, prägen deren Identität und ihr Selbstverständnis und sind gleichzeitig Anziehungspunkte für TouristInnen, die die Stadt besuchen.

Wien: polyzentral <br> Forschungsstudie zur Zentrenentwicklung Wiens

Diese Stadtkerne sind multifunktionale Schnittstellen zwischen Wohnen, Wirtschaft, Kultur, Dienstleistung, Verwaltung, Gastronomie, Verkehr und Erholung und im Besonderen dem Handel, dem neben seiner reinen Versorgungsfunktion auch eine maßgebliche gestalterische und soziale Funktion zukommt. Stadtzentren sind die Versorgungsbereiche in einer Stadt und gleichzeitig weit mehr als das. Diese Vielfalt und Mischung im funktionalen und im gestalterischen Sinne sowie in Bezug auf die Unterschiedlichkeit der NutzerInnen generiert öffentliches Leben und benötigt attraktive öffentliche Räume.

Doch das eine universelle Stadtzentrum gibt immer weniger. Stadtzentren waren in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder starken Veränderungen ausgesetzt, die ihre Bedeutung, ihr Bild und ihre Ausrichtung beeinflussten. Schon lange sind es nicht mehr allein die Bereiche innerhalb der Stadtmauer, in denen sich zentrale Funktionen bündeln oder allein die Marktplätze, die als wirtschaftliche Zentren der Städte dienen. Auch die gewachsene multifunktionale Struktur der Zentren – mit der ganz selbstverständlichen punktuellen Konzentration von Geschäften, Verwaltung, sowie sozialen und kulturellen Einrichtungen an städtischen und städtebaulich besonders gestalteten Plätzen – hat sich immer stärker ausgedünnt und in die einzelnen Funktionen spezialisiert.

War die multifunktionale und hybride Struktur der gewachsenen Zentren, ihre gute öffentliche Erreichbarkeit und lokale Konzentration von verschiedensten Funktionen früher ausschlaggebend für die Bedeutung der Zentren, konnte man im Zuge eines veränderten Mobilitäts- und Konsumverhaltens eine Differenzierung in funktional spezialisierte Zentrenbausteine und eine Ansiedelung außerhalb der traditionellen zentralen Räume beobachten. Die traditionelle Zentrenhierarchie wurde dadurch teils ausgehebelt, teils noch weiter überhöht. Und auch der öffentliche Raum, vormals verknüpfend zwischen den Zentrenfunktionen und städtebaulich und architektonisch identifikationsstiftend, sowie in seiner Funktion als Bühne des öffentlichen Lebens hat mit dieser Entwicklung an Bedeutung eingebüßt, zumindest hat er sich enorm verändert und verlagert.

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Die Stadt sieht sich mit veränderten Anforderungen an die Zentrenplanung, sowie einer erhöhten Geschwindigkeit und Halbwertszeit der sich verändernden Zentrenstruktur konfrontiert. Der ökonomische und gesellschaftliche Wandel wirkt sich tiefgreifend auf die Bedeutung, die Funktion und den Gebrauch der Zentren aus. So haben sich heute viele verschiedene, disperse Bausteine ausgebildet, die in der Stadt unterschiedlichste Zentrenfunktionen übernehmen und damit individuell Einfluss auf ein polyzentrales Zentrensystem ausüben. Angefangen von alten Dorfkernen über das Stadtteilzentrum bis zum Central Business District, vom Wissensstandort bis zum Einkaufszentrum, von Freizeit- und Tourismuszentren bis zum „lokalen Mikrozentrum“.

Diese Studie untersucht die unterschiedlichen Bausteine der Zentrenlandschaft Wiens, ihre geschichtliche Entwicklung und spezifischen Besonderheiten, ihre Qualitäten und die Potenziale dieser Räume. Sie zeigt aktuelle Trends und zukünftige Herausforderungen für die Zentren auf und gibt Empfehlungen für die weitere Auseinandersetzung und die Förderung der Wiener Zentrenlandschaft.

Voraussichtliche Veröffentlichung der Studie als Werkstattbericht: Dezember 2015