LEHREN UND LERNEN : ARCHIV

„peer-to-peer -architecture“ oder StĂ€dtebau als kooperativer Architektur

Die Architektur, vor allem in der Gesellschaft von noch anderer Architektur, eine doppelte Aufgabe: Sie soll zum einen InnenrĂ€ume umhĂŒllen sowie deren Nutzung nach außen hin Ausdruck zu geben; zum andern soll sie AußenrĂ€ume definieren. In letzterer Aufgabe ist sie nicht allein und auf sich selbst, sondern auf andere Architekturen bezogen und auf deren Mitwirkung angewiesen.

„peer-to-peer -architecture“ oder StĂ€dtebau als kooperativer Architektur

Weil die Architektur darauf wartet, im Modus von open source und peer-to-peer (p2p) praktiziert zu werden, wurde am Institut fĂŒr StĂ€dtebau und der Abteilung fĂŒr digitale Methoden am Institut fĂŒr Architekturwissenschaften ein neuer Typ von EntwurfsĂŒbung entwickelt, der den StĂ€dtebau als die gemeinschaftliche – „commonale“ – Produktion guter Adressen durch die Anrainer urbaner Straßen- und PlatzrĂ€ume definiert. Das Lehrziel ist das Entwerfen der individuellen Architekturen, die ganz nach der Ensembleleistung bewertet werden. Die Bewertung erfolgt wie im Fußball: erst wenn die Ensembleleistung stimmt, zĂ€hlt auch die Einzelleistung. Es gibt nur eine Note fĂŒr die Gruppe insgesamt. Das Lehrziel ist die EinĂŒbung der kooperativen Entwerfens, in dem nur die Ensembleleistung zĂ€hlt. Das ist die Übung im Entwickeln des Ethos, welches die Wiederbelebung der Architektur als Mannschaftssport erst möglich macht.

Der neue Typ von EntwurfsĂŒbung wurde in einem Experiment unter Mitwirkung der Stadt ZĂŒrich getestet. Die Aufgabe bestand in der Entwicklung des Konzepts fĂŒr die Umwandlung der zusammenhangslosen Siedlungen im Bereich Rauti-/Alstettenerstrasse in eine Stadt mit urbanen Straßen- und PlatzrĂ€umen. Das Ergebnis wurde im Februar 2014 unter Mitwirkung von des ZĂŒricher Stadtbaurats juriert und mit sehr gut bewertet. Aufgrund des positiven Ausgangs des Experiments hat die Stadt ZĂŒrich einen Erfahrungsbericht zur Publikation bestellt. Eine Gruppe von 9 Studentinnen arbeitet zur Zeit an der Publikation. FĂŒr das WS 2014/15 ist eine Wiederholung beziehungsweise Fortsetzung des Experiments fĂŒr die Stadt Wien geplant.