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Konzeptuelle Fotografie – Der multiversale Raum in der Fotografie

Häufig wird ein von der Kamera dokumentierter Sachverhalt so dargestellt, dass eine bestimmte Eigenschaft der zugrundeliegenden Realität dominant in den Vordergrund gerückt wird. Dabei werden die fotografischen Abbildungseigenschaften (Ausschnitt, Flachheit, Zeit, Fokus, Belichtung/Farbe) für die Präzisierung oder Überhöhung des intendierten Inhalts instrumentalisiert. Die Kehrseite dieser visuellen Entschiedenheit ist ein Mangel an Vielschichtigkeit, wodurch die Referenzqualität eines Bildes leidet.

Konzeptuelle Fotografie – Der multiversale Raum in der Fotografie

Vanek Michael, “Realität am Hauptbahnhof”, Juni 2014

Im Rahmen unserer Semesterlehrveranstaltung untersuchen wir die Entstehung ikonischen Bildmaterials. Als Erweiterung dazu entwickeln wir eine Dialektik des Abbildens mit einer allgemein verbindlicheren Objektivität. Ist es möglich, von einem Ort oder einem sozialen Milieu widersprüchliche Aufnahmen zu machen, beziehungsweise ganz unterschiedliche Aspekte einer Wirklichkeit zum Vorschein zu bringen? “Man lügt …wie fotografiert”, hat Günter Anders kritisch angemerkt, um auf das Wechselspiel von Zeigen und Verbergen hin zu weisen. In zumeist seriellen Arbeitskonzepten versuchten wir, dieser Ambivalenz der fotografischen Wahrnehmung zu folgen.