Genua – Le Lavatrici // Conclusio

 

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In den letzten zwei Tagen in Genua haben wir versucht ein Gesamtbild nach allen Gesprächen und Beobachtungen zu schaffen. Wir haben uns auf den Ursprungskonzept des öffentlichen Raumes konzentriert, wie es verändert wurde und was für Potenziale es uns zeigt. Wir haben die verlorene Kontinuität der Wege verfolgt, die von einer schlechten Bausubstanz begleitet wird, wir haben versucht den Wegnetzwerk zu vervollständigen und sind immer wieder von nachträglich gesetzten Grenzen gestoppt worden. Die Aneignung die wir gesucht haben, haben wir nur in geschlossene Korridore oder abgegrenzte Räume im öffentlichen Raum gefunden. Die Spuren die die Einwohner in halböffentliche Orte hinterlassen sind eng mit einem Bedürfnis nach Privatheit und Schutz verknüpft. Das hat über die Zeit dazu geführt, dass die fließende Bewegung des Ursprungskonzepts immer weniger spürbar wird, und dass der Mehrwert des großzügig geplanten Freiraumes verloren geht. Wenn man die Wohnanlage wie eine kleine Stadt betrachtet, bemerkt man, dass die einzige Kontinuität die geblieben ist, von der Autostraße erfüllt wird, die Menschengassen wurden aufgelöst.

 

Eine weitere Beobachtung war, dass wir immer wieder dieselben Bewohner getroffen haben. Es gab kleine Gruppen die sich im öffentlichen Raum gesammelt haben, andere haben wir nur selten kurzfristig beim Vorbeigehen begegnet. Die unrealisierten Begegnungsorte des Ursprungskonzeptes und die fehlende Verwaltung könnten als Gründe für eine beschränkte Kommunikation in einem größeren Maßstab genannt werden. In einem kleineren Maßstab haben wir aber enge Beziehungen zwischen den Einwohnern bemerkt und einen Nachbarschaftsgefühl gespürt. Als wir den Generationenbezug zur Anlage betrachtet haben, haben wir festgestellt, dass sich die jüngere Generation wohler im „Lavatrici“ fühlt, weil sie einen Ausweg finden kann, entweder durch Freizeitverbringung in Pra, durch Schulbesuch im Zentrum oder Ähnliches. In Kontrast steht die älteren Einwohnern, die sich viel isolierter fühlen und für die eine Entweichungsmöglichkeit schwerer oder bedingt zu finden ist. Dabei gibt es aber universelle Qualitäten die von allen geschätzt werden. Um die vorhandenen Potenziale zu verwerten, muss die richtige Konstellation zwischen Bewohnern, Verwaltung und kollektive Bewusstsein, was ein Sozialbau ausmacht, getroffen werden. Im internationelen Kontext finden Prozesse der Wiederentdeckung und Aufwertung von Nachkriegssiedlungen statt. Im Rahmen dieser Lehrveranstaltung hoffen wir einen Beitrag dafür leisten zu können.

 

Am vorletzten Tag haben wir Alessandro Rizzo getroffen, den Neffe des Architekten, der uns mit zusätzliche Unterlagen besorgt hat. Leider mussten wir wegen einer Flugänderung Genua um ein Tag früher verlassen. Wir verbleiben mit den oben genannten Gedanken und freuen uns auf die Umsetzung unserer Beobachtungen.

 

Arrivederci!

 

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