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SPACE ANATOMY. Gesundheit und soziale Infrastruktur: Architektur, Planung und Praktiken

Der demografische Wandel, neue medizinische Methoden, die Digitalisierung, wachsende sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen sowie Behandlungsindividualisierung bringen grundsätzliche Neuerungen in unserem Gesundheitssystem und unseren Versorgungsbedürfnissen mit sich.

SPACE ANATOMY. Gesundheit und soziale Infrastruktur: Architektur, Planung und Praktiken

Bild: Wat voor zorg willen we? 2019 ©  Arjen Born http://www.arjenborn.nl/portfolio/nrc-19/

Die Definition der WHO von Gesundheit als „Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein [als] das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“ verdeutlicht dabei den vielfältigen und weitreichenden Wirkungsbereich des Themas. So entstehen u.a. neue Formen der Gesundheitsversorgung (z.B. Primärversorgungszentren, Patient*innenhotels, Tageskliniken) und der Pflege (z.B. Betreubares Wohnen, Tagespflege, Senior*innen-WGs). Diese neuen Versorgungsstrukturen, Gesundheitspraktiken und -typologien werfen Fragen auf, die die Architektur und Planung sowie die vielfältigen urbanen und ruralen Alltagswelten massiv betreffen.

Diskussionen zum rasanten Wandel im Gesundheitsbereich werden bisher großteils ohne Architekt*innen und Raumplaner*innen geführt, obwohl besonders die Expertise zu räumlichen Aspekten einen relevanten Beitrag zur Gesundheit bilden. Um diese Expertise in die Debatten einzubringen, braucht es für zukünftige Architekt*innen und Planer*innen Lehr- und Forschungskonzepte, die über das Umsetzen von Vorgaben und Anforderungen hinausgehen und einen transdisziplinären Dialog zur Erkundung der komplexen Thematik ermöglichen. Zusätzlich ist eine Erweiterung des disziplinären Blickfeldes der Architektur und Planung gefragt, das über funktionalisierte Versorgungsstrukturen hinaus alltägliche Räume des körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens einschließt.

Angesichts der benannten Ausgangslage wird das Projekt SPACE ANATOMY von Fragen angeleitet, nach der Rolle von Gesundheit und ihren Infrastrukturen in Architektur und Planung, nach den zukünftigen Anforderungen von Gesundheitsbauten und – infrastrukturen zur Erhaltung, Stabilisierung und Wiederherstellung von Gesundheit im Alltag für möglichst viele und nach der Entwicklung von Methoden der Architektur und Planung, die Alltagspraktiken zur Gesundheit als implizite Wissensformen aufnehmen. Im Rahmen von Forschung und Lehre sucht SPACE ANATOMY nach neuen Gesundheitsbauten und –Infrastrukturen in Österreich, und stellt sie die internationalen Positionen gegenüber. Die Ergebnisse werden 2021 im SPACE ANATOMY-Buch und in der SPACE ANATOMY-Ausstellung öffentlich präsentiert.


SPACE ANATOMY wird gefördert von der EXCITE-Initiative 2020 an der Fakultät für Architektur und Raumplanung an der TU Wien