AB1-Auswertung+Entfernte

Spaziergang im Reuterkiez

 

Vor kurzen war ich mit Heinz Wagner (Fraktionsmitglied der Grünen Bezirksverordnetenversammlung von Neukölln) im Reuterkiez spazieren. Wir sprachen über die soziale Durchmischung im Kiez, wie es sich in den letzten Jahren verändert hat, Gentrifizierungsprozesse, steigende Mieten, die wachsende Anzahl an Szenen Kneipen, Cafés und kleinen Läden und daraus der resultierende schwindender Leerstand in den Erdgeschosslokalen.

Heinz Wagner erzählte, wie sich im Kiez durch die Bemühungen einiger Menschen das Straßenbild verändert hat. Viele Privatpersonen, aber noch mehr Inhaber von Geschäftslokalen haben angefangen Baumscheiben vor ihrem Wohnhaus oder dem Lokal zu bepflanzen, pflegen und Sitzgelegenheiten zu bauen. Sie fühlten sich zuständig, kümmerten sich um Verunreinigen. Wobei diese durch eine Umfriedung und Bepflanzung stark abnehmen.

2010 nahm das Quartiersmanagement Reuterkiez das Phänomen auf und rief zu einem Wettbewerb zum Verschönern des Reuterkiez auf. Die drei schönsten wurden von einer Jury gekürt und mit Preisen versehen.

Im Flyer wurden die positiven Aspekte der begrünten Baumscheiben betont. Es werden positive ökologische, gestalterische und soziale Auswirkung auf den Straßenraum und die nahe Wohnumgebung genannt.

Im Artikel auf der Homepage werden auch Sitzmöglichkeiten um die Baumscheiben positiv angesprochen: Manche sind sogar so angelegt, dass sie müde Fußgänger einladen, auf einem kleinen Bänkchen ein wenig auszuruhen und die Blütenpracht auf kleinstem Raum zu genießen.

Im April 2013 veröffentlichte das Bezirksamt Neukölln von Berlin, Abt. Bauen, Natur und Bürgerdienste  Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt (SGA) einen Flyer zur Bepflanzung von Baumscheiben1 Der Baustadtrat Thomas Blesing schreibt, dass der Flyer engagierten Bürgern zeigen soll, wie sie in Zeiten knapper öffentlicher Mitteln zur Aufwertung des Wohnumfeldes beitragen können. Außerdem sagte er, dass (…) „das Engagement des Einzelnen gefragt und wünschenswert“ sei.

Der Flyer zeigt auf, was beim Bepflanzen von Baumscheiben beachtet werden soll und zeigt im Detail Baumscheibeneinfassung, dass Abstand zur Fahrbahn eingehalten werden muss und wie eine Einfassung aussehen könnte.

Im März 2015 wurde dann in der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln die Entfernung von Baumscheiben Gestaltungen, welche nicht den Vorschriften entsprechen, beschlossen.

Eine kleine Anfrage im April 2014 von Heinz Wagner ergab, dass damals 50 entfernt wurden und noch weitere folgen sollten.

Als Begründung gab der Baustadtrat Thomas Blesing an, dass

Die jetzt notwendigerweise abzuräumenden Baumscheiben sind leider an vielen Stellen weit über das ursprünglich Ziel –nämlich einer Verschönerung hinausgegangen.

Die Einfassungen sollten ursprünglich dem Schutze von privaten Anpflanzungen dienen und z.B. grundsätzlich nicht zu Sitzgelegenheiten umfunktioniert werden.

Die Nutzung der Einfassungen als Sitzgelegenheiten stellt zudem eine nicht genehmigte Sondernutzung des Öffentlichen Straßenlandes dar. Sehr oft sind ebendiese “umgestalteten” Baumscheiben vor Restaurants, Cafés oder Bars zu finden. Dies hat den Effekt, dass sich deren Gäste bis in die Nachtstunden angeregt und lautstark unterhalten, was eine Vielzahl von Lärmbeschwerden zur Folge hat, da sich die Anwohner in ihrer Nachtruhe gestört fühlen. Das Bezirksamt hatte daher eine Abwägung zwischen den schutzbedürftigen Interessen von Anwohnern hinsichtlich des Lärmschutzes und den privaten Interessen

Einzelner im Hinblick auf die bestehenden Baumscheiben zu treffen! Mit der vielfach vorgefundenen Kombination aus Sitzbank und Einfassung werden häufig andere Interessen bedient, als das bloße Zusammensitzen von Nachbarn. Der Schutz vor Lärm insbesondere in den Nachtstunden genießt hier den eindeutigen den Vorrang – auch rechtlich! (…)2

Wir spazierte die Pannierstraße und Weserstraße entlang und Hr. Wagner zeigte mir, wo Baumscheiben Gestaltungen entfernt wurden. Er erzählte, dass er von älteren Leuten angesprochen wurde, die die Möglichkeit sich im Straßenraum setzen zu können ohne etwas konsumieren zu müssen begrüßt haben und bedauern, dass die Sitzmöglichkeiten entfernt wurden. Vor allem wenn man bedenkt, wie wenige öffentliche Sitzbänke es im Reuterkiez gibt (nämlich zwei), ist dies gut nachvollziehbar.

Er zeigt mir den Müll, der abgeladen wurde (Kühlschrank, Matratze, Mülltüten, Kleidung, Schutzblech, Felgen und Anderes).

Und betont, dass seiner Meinung nach bürgerliches Engagement gefördert und nicht blockiert werden sollte.

 

 

1 https://www.berlin.de/ba-neukoelln/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/gruenflaechen/gruenflaechen/baumscheibenflyer.pdf

2 http://www.gruene-neukoelln.de/fileadmin/Neukoelln/BVV-Kleine_Anfragen/2015/150421_ka-175-XIX_baumscheiben.pdf

Meine Welt- gemeinsam gestalten

(M)Eine Entdeckung in Neukölln- genauer gesagt im Flughafenkiez: die Kindl-Treppe wurde eröffnet. Der Entwurf „Meine Welt – gemeinsam gestalten“ von Anja Röhling und Nicolas Freitag soll allen, die sich mit Neukölln verbunden fühlen die Möglichkeit geben, dies zu zeigen und die Kind-Treppe mit zu gestalten. Hierfür haben sie über 400 Kreise und Streifen aus Aluminium auf die Wände angebracht, welche von Einzelpersonen oder Gruppen gestaltet werden können. Wenn du dich angesprochen fühlst, findest du unter http://www.aktion-kms.de/ das nötige Kontaktformular. Ich finde das Projekt sehr gelungen, und bin schon gespannt, wie sich die Wände entwickeln werden.

Berlin_KindlTreppe

Berlin_KindlTreppe2

Flughafenkiez- auch hier sitzt es sich gut

Fughafenkiez_Sitzbank

Diese Sitzbank ist dem Zustand nach zu beurteilen erst vor kurzer Zeit aufgestellt.

 

 

Fughafenkiez_Sitzbank_2

Und diese steht allem Anschein nach schon seit langer Zeit vor dem Friedhof, und hat eine Sanierung notwendig.

 

 

Fughafenkiez_SitzbankvoLaden_3

 

Wie ein Rahmen wirken die Blumenkästen mit Kletterpflanzen und der lange Sitzbank.

 

Fughafenkiez_SitzenFensterbrett_4

Das Fensterbrett an der Fassade des Restaurant ist so gestaltet, dass es als Sitzbank genutzt werden kann.

 

 

Sitzen im Donaukiez

 

 

Kaputte_Baumscheieb_Berlin

Die Baumscheibeneinfassungen auf der Sonnenallee würden eigentlich der Forderung William Whytes entsprechen. »Even though benches and chairs can be added, the best course is to maximize the sittability of inherent features.« (Whyte 1980b, S.28).

 

Baumscheibe_Berlin (2)

Wie man hier sieht, besteht jedoch das Bedürfnis höher zu sitzen…

 

Baumscheibe_Berlin

So können Gruppen sitzend und stehend miteinander kommunizieren.

 

Baumscheibe_Berlin_

Diese Baumscheibenbank bietet einer Bewohnerin die Möglichkeit, sich kurz auszuruhen und die Frühlingsstrahlen zu genießen.

 

Baumscheibe_ohne_Baum_Berlin

Baumscheibe ohne Baum, mit Palette

 

Sitzbank_Laden_Berlin

Sonnenbank

Reuterkiez – Don´t sit here after 22 pm

DontSitHereAfter22

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Sitzen_Neukoelln1

Sitzen_Neukoelln4

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Und hier zu sehen: eine von zwei Sitzbänken, die vermutlich vom Grünflächenamt aufgestellt wurde- wenn auch wahrscheinlich an einer anderen Stelle) Also eine von zwei im ganzen Reuterkiez. Also eine von 204. Und das obwohl letztes Jahr 50 Baumscheiben, und somit auch einige Sitzbänke, entfernt wurden. Diese sollten doch nur zur Verschönerung des Gebiets durch Bepflanzung beitragen, die Einfassung nur zum Schutz dieser. Und nicht zu Sitzgelegenheiten umfunktioniert werden. Schließlich stellt diese eine nicht genehmigte Sondernutzung des Öffentlichen Straßenlandes dar. Cafes, Restaurant und Bars erweitern illegal ihren Geschäftsraum, Anrainer beschweren sich über Lärmbelästigung in den Nachtstunden. Und so.