Zweiter Blick

Wieder auf der Straße. Wieder sind Wände das, was wir genau betrachten, nun tritt aber der räumlich und gesellschaftliche Kontext von Exarchia zusätzlich in unseren Fokus.
Die Erwartung, in dem Viertel der Anarchisten viel zu sehen, hatte uns am Tag zuvor diesen Teil von Athen meiden lassen. Nun sind wir voller Neugier da, und müssen nicht lange Suchen um Spuren und Sirenen des politischen Diskurses auf den Häuserwänden zu entdecken.

Plakate, die wir schon kannten, welche, die neu für uns sind, sehen wir auf den schmalen Abständen zwischen den Fensterfronten von Bäckereinen, Apotheken und Cafes. Immer wieder bedecken sie auch dicht aneinander gereiht weite Teile der Erdgeschossfassaden von leerstehenden oder besetzten Häusern. Gepaart mit vielen Griechischen und auch manchen Englischen Schriftzügen, oft in schneller einfarbiger, manchmal auch in kunstvoller Ausführung. Ergänzt von einer Vielzahl an Stencils, mit bildhaftem Charakter oder als Schrift. Manchmal tun sich auch Street Art-Arbeiten zwischen diesem Gewirr von Botschaften auf und ergänzen den Eindruck von einer Tapete politischen Ausdrucks umgeben zu sein. Die Stützen der allgegenwärtigen Säulengänge (Stoa) verstärken dies, indem sie zusätzlich als Anschlagsplatz verwendet werden.

Oft sind es anonyme Äußerungen oder Botschaften von Gruppen, die ihr Symbol hinter lassen, zB. das A für die Anarchisten. Manche Arbeiten werden auch von Künstlern angefertigt. Meistens entdecken wir protestierende Haltungen, selten wird diese mit einem conträren Kommentar gleich neben oder darüber versehen. Von der Krise direkt handeln hier nur wenige Äußerungen.

Fast alle Wände tragen politische Äußerungen, dessen Inhalte links oder linksextrem gerichtet sind. Da wir auf der Suche nach gesellschaftlichen Diskurs sind und keine Milieustudie über Antifaschisten und Anarchisten machen wollen, macht sich Unzufriedenheit mit dieser Einsicht breit. Bis spät in die Nacht suchen wir in Texten Rat. Foucault Begriff der Heterotopie und das Konzept der Gegenöffentlichkeit als Teil er Öffentlichkeit beschäftigen uns. Mal schauen wohin uns das bringt!

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