Gedankenspiel

06:00 der Wecker läutet; 06:45 ohne Kaffee aus dem Haus; 07:00 ein leerer Place Houweart; 07:05 Café Mustafa; 07:06 erster Kaffee; 07:12 ein Müllwagen 07:18 türkisches Konzert Ünal Canver (https://www.youtube.com/watch?v=6WTQpok-IEQ) 07:25 Reinigungskräfte sammeln den Müll auf  07:30 Zeitung lesen und die erste Frau sitzt auf dem Platz 07:45 der zweite Müllwagen 08:00 das Café füllt sich 08:30 die ersten Sonnenstrahlen 08:35 der Platz wird lebendig 08:36 wir beginnen zu schreiben 08:45 Passiert noch was? Sollen wir gehen? 08:50 wir schreiben weiter  08:55 viele Schulkinder gehen über den Platz 09:05 der zweite Kaffee 09:20 Männer diskutieren 09:40 Schulkinder passieren immer noch 09:45 ein alter Spanier wirft uns Kommentare zu 09:50 er stellt sich zu uns und fängt an auf Spanisch zu erklären 09:55 man versteht ihn sogar 10:15 er hört nicht mehr zu reden  10:25 er hat 10 Kinder, 4 in Spanien, 2 in Amerika und 3 in Brüssel, wirklich?(4+2+3 =  10) 10:40 die Kellnerin wirft uns einen Blick zu ” alles ok ? ” 10:55 ok er verabschiedet sich 11:00 er spricht immer noch 11:15 die Kellerin bittet ihn höflichst zu gehen! 11:16 unser Spanisch hat sich verbessert 11:17 unsere Ohren glühen 11:25 die Eindrücke aufschreiben 11:45 wir verlassen das Café 11:50 ein Obstverkäufer fährt durch die Straßen 11:55 wir holen das kaputte Handy 12:02 gespanntes Warten 12:08 es funktioniert wieder 12:10 fröhliches bedanken 12:10 unmotiviertes Nicken 12:16 Di-shop (BiBa) 12:30 im Gemüsehändler unseres Vertrauens 12:45 wieder zuhause 13:30 Mittagessen 14:00 reschere über den Bürgermeister von St. Josse 14:30 die Artikel werden immer kritischer 14:45 ein suspekter Mensch 15:00 Vorbereitung der Interviewfragen 15:20 erst loben dann ausquetschen 16:20 nochmalige Überarbeitung 16:55 Ton sortieren 17:00 Wäsche waschen 17:30 Blog-text schreiben.

2 Kommentare zu “Gedankenspiel

  1. Expeditionsteam Everybodys Land

    Schreiben in Cafés hieß das Buch, und jedes Mal, wenn ich beginne in einem Café zu schreiben, erinnere ich mich an diese Lektüre über’s Geschichten schreiben.

    Es ist noch dunkel, als wir den Platz betreten. Es sind ein paar Leute unterwegs. Es hat geregnet, oder es ist der Tau, der alles mit Feuchtigkeit benetzt. Nur das Licht der Boulangerie beleuchtet sanft die Gehsteige. Es riecht nach Bäckereien und Kaffee. Schulkinder, Mütter, Arbeiter, Angestellte, Väter, Ladenbesitzer. Die Geschichten sind zahlreiche, und wir können nur vermuten, wohin sie alle gehen.
    Uns begegnen bekannte Gesichter, von den letzten Tagen. Ohne Kaffee aus dem Haus, setzen wir uns ins Café Mustafa am Platz. Es ist eigentlich immer gut besucht gewesen. Der Besitzer sitzt vor dem Café auf einem Stuhl. Der Wind weht, hat eine gewisse Wärme. Der Tag wird schön.

    Wir sind nicht die ersten Besucher im Café, aber bald allein. Der Platz in der Auslage bietet uns eine gute Sicht auf den Platz. Wir bestellen 2 Kaffee. Er ist gut. Wir warten. Auf die Helligkeit des Tages, auf die Veränderungen, die Transformationen des Platzes mit dem Lauf der Zeit des Vormittags.
    Die Müllsäcke, die die Gehsteige und den Platz füllten, werden von den Männern vorsortiert und jetzt abgeholt, auch das dauert hier seine Zeit.
    Im Café ist es warm, obwohl wir direkt bei der offenen Türe sitzen. Im Fernsehen läuft Musik, türkische Musik. Folklore. Ünal Carver. Er wirkt wie ein Prediger der die Massen bewegt.

    Noch ist der Platz ein Transitort, an dem die menschen warten, einsteigen, aussteigen, vorbeigehen, einkaufen. Das Café füllt sich und jeder grüßt uns freundlich.
    Mit “deux cafés pour les mademoiselles” bekommen wir nochmals 2 Kaffee.

    2 Stunden sind vergangen und der Platz wird langsam von der durchkommenden Sonne beleuchtet. Es sind noch immer Schulkinder unterwegs und ich frage mich, wann hier wohl die Schule beginnt.

    Wir schreiben. In der Auslage. Ein Kunde von draußen lächelt von draussen durch das Fenster.
    Ich denke ihm gefällt dieses Bild.

    Agnes

  2. Expeditionsteam Everybodys Land

    Morgenstund hat Gold im Mund

    Naja eigentlich nicht aber heute schon mit einer angenehmen Art in den Tag zu starten, indem man in einem Café sitzt, gemütlich seinen Kaffee schlürft und dabei die Zeitung liest oder diskutiert. Die Musik ist vielleicht etwas zu laut und jaulend für meine Ohren aber es kommt Urlaubsstimmung auf. Es wirkt als wäre es für manche eine Art morgendliche Reise in das Heimatland, türkische Musik, türkische Zeitung und türkische Gesellschaft. Jeden Morgen die gleiche Tradition, jeden Morgen die gleichen Leute, man kennt sich, man mag sich, man genießt die Gemeinschaft, in Mustafas Café. Mustafas Ablösung kommt bereits um acht Uhr morgens nun kann er sich auch voll und ganz der Diskussion über Politik, dem Leben oder der Probleme widmen und das mit Ünal Canver dem Volksmusikstar im Hintergrund. Kaum scheint die Sonne füllt sich auch der Platz Houweart, es ist wohl die einzige Tageszeit um etwas „Ruhe“ zu genießen. Natürlich wurde der Platz vorher gepflegt, der Müll beseitigt die Reste der gestrigen Diskussion weggefegt um Raum für neue Gespräche zu schaffen. Es sind fast nur Männer auf dem Platz unter ihnen sind einige bekannte Gesichter, welche einen auf unterschiedlichste Art begrüßen, ein Blick, ein Kopf nicken, ein Lächeln und manchmal sogar ein bonne journée. Auch unbekannte begrüßen uns mit einem Lächeln und ein Gefühl von Nachbarschaft macht sich breit. Nach der anfänglichen Skepsis, gegenüber uns fühlt man sich nun respektiert wir trinken wie alle unseren Kaffe und lesen die Zeitung . Eigentlich bin ich kein Frühaufsteher aber in dieser Atmosphäre ist man schnell hell wach, evtl. liegt es auch nur an Mustafas Kaffee. Eine Frau hört mit überdimensionalen Kopfhörern Musik auf dem Platz und unsere bulgarischen Freundinnen von gestern gesellen sich dazu. –Französisch-Türkish-Bulgarisch-Spanisch wird hier schon vor 09:00 gesprochen und man versteht kein Wort aber doch alles. Durch kleine oder große Gestik weiß man genau was gesagt wird. Viel zu viel und doch zu wenig.

    Die Shoppingladys spazieren nun auch über den Platz, die Kinder sind in der Schule und die Männer in der Arbeit oder im Café, es gibt also genug Zeit um mit der Nachbarin zu sprechen, die Einkäufe zu erledigen und sich Abseits von den im Kaffeehaus sitzenden Männern einen schönen Vormittag zu machen.

    Während die Ehemänner im Gegensatz mit einer höchst seriösen Mimik über ein höchst ernstes Thema sprechen. Im kleinen Maße vergleichbar mit alten Wienern, welche auch für ihre seriösen Gesichter und Diskussionen bekannt sind. Hier in St. Josse werden die wichtigen Entscheidungen getroffen und das alles bereits vor 10:00 h

    Elli

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