Das Eigene und das Fremde im peripheren Stadtraum am Beispiel Simmeringer Hauptstraße

Die Simmeringer Hauptstrasse wird in den Tagesmedien seit längerem diskutiert als ein Ort, an dem migrantische Geschäftsbetreiber/innen das Bild der Straße dominieren. In dieser Diskussion wird einerseits als Problem behauptet, dass bereits die Mehrheit der Geschäfte in türkischer Hand sei (Stichwort Klein-Instanbul), andererseits wird aber auch eine Dynamik bzw. ein Prozess behauptet, in dem die österreichischen Geschäfte, Wirtshäuser und andere Angebote für autochton österreichische Kundschaft zunehmend zurück gedrängt würden.

Ein erster Augenschein auf der Simmeringer Hauptstrasse konnte diese Behauptungen nicht bestätigen. Es ist im Gegenteil so, dass ethnisch eindeutig gebrandete Geschäfte, Dienstleister und Gastronomie (gleichgültig, ob eindeutig türkisch, eindeutig österreichisch oder eindeutig chinesisch) auf der Simmeringer Hauptstraße selbst deutlich in der Minderzahl sind. In den Seitengassen sind zwar türkische Gastronomie und türkische Lebensmittelhandlungen deutlich sichtbar und atmosphärisch spürbar, aber auch hier fehlen Angebote nicht, die von der österreichischen Bevölkerung als etwas “Eigenes” wahrgenommen werden können, wie beispielsweise Wirtshäuser mit Schweinsschntzeln im Mittagsangebot.

Meine Arbeit im Rahmen dieses Seminars wird sich der fotografischen Dokumentation des Strassenbildes widmen. Dabei werden mich vier Fragen leiten:

Welche Zeichen des “Eigenen” sind für die jeweils unterschiedlichen Gruppen auffindbar, die sich bereits im öffentlichen Raum der Simmeringer Hauptstraße befinden und bewegen? Welche Orte stellen sich mir selbst als “Eigenes” dar, was ist mir persönlich vertraut, was spricht mich an, wo würde ich kaufen oder zu Mittag essen? Was ist “das Fremde” für mich persönlich, wo ich mich nicht gemeint oder angesprochen fühle?

Welches Gesamtbild im Hinblick auf Eigenes und Fremdes vermitteln unterschiedliche Mikroräume entlang der Simmeringer Hauptstrasse (U-Bahnstation Zipperer Strasse, Enkplatz, U-Bahnstation Simmering, angrenzende Nebengassen)?

Welche Konzepte gibt es seitens der Geschäftstreibenden, mehr als eine ethnische Zielgruppe als Kund/inn/en anzusprechen?

Welche der Räume entlang der Simmeringer Hauptstraße laden Fremde, frisch Zugezogene, zum Beispiel Refuggees ein, sich in ihnen aufzuhalten und sie zu nutzen? Welche der auffindbaren Zeichen tragen dazu bei, welche tun es explizit nicht?

Türkische Bäckerei

Die angebotenen Torten und Backwaren sprechen nicht ausschließlich türkische Kund/inn/en an, sondern haben ein breiteres Zielpublikum. Ausserdem strahlt die Auslage auf den öffentlichen Raum der Simmeringer Hauptstrasse aus und trägt dazu bei, den Raum für Fußgänger/innen attraktiver zu machen.

Türkische Veranstaltungsplakate und Flyer

Zeichen im öffentlichen Raum beschränken sich nicht auf Geschäftsauslagen oder Gestaltungselemente, die von der Stadtverwaltung installiert werden. Veranstaltungsankündigungen wie die im Foto tragen zu der wahrgenommenen Atmosphäre im Raum wesentlich bei. 09_160614 Hofbauer Expos3_2

Österreichisches Gasthaus

Wein, Bier und Schweinsschnitzel – die mediale Diskussion legt nahe, dass es dieses von Östereicher/inne/n als das “Eigene” wahrenommenen Angebote nicht mehr geben würde. Tatsächlich gibt es noch viele als österreichisch gebrandete Wirtshäuser.

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Döner, Hot Dog, Pizza

Viele türkische Imbisse und Gastronomen setzen auf ein gemischtes Angebot, das nicht nur türkische Kund/inn/en anspricht. Dieser Imbiss in einer Seitengasse bietet neben Döner auch Hot Dogs und Pizza an. Ein anderer Gastronom auf der Sinmeringer Hauptstraße hat sein Lokal aufwändig modern eingerichtet – und den klassischen Döner zwar nicht aus dem Programm genommen, aber er präsentiert das schicke Lokal unter dem Namen “Burger und Lahmacan”.

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(Ursula Hofbauer)

Ein Kommentar zu “Das Eigene und das Fremde im peripheren Stadtraum am Beispiel Simmeringer Hauptstraße

  1. Erich Streichsbier

    Ich kenn Deine Arbeit jetzt nicht so gut, weil ich nicht durchgängig bei den Feedbackrunden dabei sein konnte. Insofern ist so ein Blogeintrag vielleicht auch überflüssig.

    Trotzdem möchte ich ein bisschen was anmerken.

    Ich finde gut, dass Du auf Deine subjektiven Verfassungen acht gibst und eine dahingehende Analyse machst.

    Große Teile der Aufnahme sollten aber gut objektivierbar sein. (z.B. Plandarstellungen und Analysen mit Lokalen, Fotodokumentation etc.) Ev. auch andere Zeichen im öffentlichen Raum, wie eben Plakate.

    Interessant wäre fände ich auch eine Konfrontation von “Autochtonen” mit Zwischenergebnissen Deiner Forschung. Was die dazu sagen, dass gar nicht so viele Lokale “nichtösterreichisch” sind, und woher ihre Wahrnehmung dann kommt.

    Viel Erfolg, Erich Streichsbier.

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