Tag 2: Tour de Sulina II

An unserem zweiten Tag lernten wir dein anderes Gesicht kennen. Wir überquerten den Fluss, um das zu erforschen, was eigentlich direkt vor unserer Nase war. Erneut wurden wir von deiner Vielschichtigkeit überrascht. Wir haben verwilderte, private, idyllische und zerstörte Orte entdeckt. Diese Orte in der Peripherie der Peripherie sind ein wichtiger Teil deiner Geschichte und lassen uns in deine Vergangenheiten eintauchen. Für uns sind deine geschichtsträchtigen Orte, die sich nach und nach die Natur zurückerobert, jene (Nicht)Sehenswürdigkeiten, welchen wir auf die Spur gehen.

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Hier könnt ihr unsere Tour de Sulina II verfolgen

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An das linke Ufer des Sulina-Kanals gelangen wir mit einem kleinen, blauen Boot. Zwei ältere Personen steigen mit uns ein, um das südliche Ufer zu verlassen. Angekommen in Prospect weisen sie freundlich unsere helfenden Hände ab, steigen schwerfällig aus dem Boot und unsere Wege trennen sich.

Wir folgen einem schmalen Weg zwischen den Häusern und haben schon wenige Augenblicke später das Ende der Siedlung erreicht. An einem kleinen Kanal wandern wir einen leicht erhöhten Feldweg entlang in Richtung Westen. Die Boote am Ufer verschmelzen nahezu mit der Landschaft. Das hohe Schilf weht im Wind, nur selten hört man Kröten oder Insekten im Gebüsch. Prospect wirkt noch ruhiger, privater und ländlicher als die hinteren Straßen der südlichen Seite Sulinas.

Die stillen Gewässer grenzen Landschaft und Siedlung klar ab. Am Ende des Weges führt eine von Rost überdeckte, wackelige Brücke über einen weiteren Kanal. Wir folgen den Trampelpfaden unserer Vorgänger und befinden uns inmitten einer prärieähnlichen Landschaft. Das Gras wächst nicht hoch und nur die scheinbar willkürlich platzierten Betonklötze stellen echte Erhebungen dar. Eine ideale Kulisse für einen Alien-Film. Das Grau der Mauern ist im Laufe der Jahrzehnte vergilbt und von Flecken bedeckt. Die Rinder, die die Überreste der Industrieanlage heute bewohnen, haben sich farblich an ihre Behausungen angepasst. Neben den Tieren haben sich auch Menschen diesen Ort zu Eigen gemacht. Graffitis und verbrannte Böden sind das, was sie zurückgelassen haben.

An einer Anlegestelle befindet sich ein altes Schiff im Sulina-Kanal, >Print Constantin< steht in blauer Farbe auf der Außenwand. Das Innere des Schiffs wurde schamlos ausgeräumt und alles Verwertbare herausgerissen. Nur noch wenige Überbleibsel bedecken den blau-lackierten Boden.

Der Trampelpfad führt weiter zu einer schmalen Siedlung. Die Fläche zwischen den Zäunen der Grundstücke und dem Sulina-Kanal ist verwildert, das Gras wird nur durch die Radspuren der Autos unterbrochen, die sich selten in die Siedlung verirren.

Der Weg wirkt mehr wie eine Verlängerung des Vorgartens, als wie ein öffentlicher Raum. Männer lackieren dort ihre Booten und flechten Fischernetze. Je weiter wir dem Weg flusseinwärts folgen, desto größer werden die Abstände zwischen den Häusern.

Wir kehren um. An dem Mini-Markt der Siedlung vorbei führt eine zweite Brücke in den östlichen Teil von Prospect. Ein paar Häuser grenzen an das abgesperrte Gelände der Schiffswerft. Hier und da sehen wir ein eingestürztes Schilfdach. Schilder deuten darauf hin, dass das Betreten des Areals verboten ist, doch ein Grenzpolizist öffnet uns achselzuckend die Tore und wir betreten die Industriebrache.

Seit dem Ende des Ceaucescu-Regimes liegt die gesamte Werftanlage still, heute sind wir die Einzigen, die durch das großflächige Areal streifen. Wir wandern von Gebäude zu Gebäude und spähen durch zerbrochene Fenster. Die Böden sind mit Überbleibseln früherer Zeiten, Müll und Schutt bedeckt.

Die Tür des alten Verwaltungsgebäudes steht offen. Dahinter liegen alte Magazine und vergilbte Dokumente am Boden verteilt. In einem Zimmer verstecken sich sogar sechs kleine Welpen, die sich schnell in ihrer Höhle in der Wand verstecken, als sie uns entdecken.

Wir gehen weiter, schauen durch zerbrochene Fenster, klettern durch blockierte Türen, bis wir das Ende des Areals erreicht haben. Das letzte Gebäude war einmal eine große Werkhalle. Mächtige, rote Tore verleihen dem Betonbau einen modernen Touch. Durch die zerbrochenen Fenster sehen wir Überreste aus vergangen Zeiten. Kräne hängen von der Decke, Helme und Werkzeuge liegen am Boden verstreut. Die Hallen sind gekennzeichnet durch die regelmäßige Anordnung ihrer Bestandteile. Rohre, Pfeiler, Balken sind geordnet und bilden klaren Strukturen. Die Landschaft umgibt diese alten Hallen. Die verblassten Farben der Gemäuer harmonieren mit den gräulichen Gräsern und Sträuchern.

Neben der Halle mit den roten Toren befinden sich Schienen, die zum Sulina-Kanal führen und darin verschwinden. Vier Flutlichtmasten ragen in den Himmel. Von oben kann man bis zum Schwarze Meer blicken. Gewaltige Schiffe kämpfen sich flussaufwärts.

Bei unserer Reise zurück in vergangene Zeiten verlieren wir jegliches Zeitgefühl. Am Weg zurück zu unserer Unterkunft werfen wir erneut einen Blick auf das besondere Gelände, dessen Schönheit versteckt ist. Doch wenn man sich auf die Spuren der Vergangenheit begibt, entdeckt man ständig Neues und verliert den Blick in Details.

Denis, Mari und Viki

Tag 1: Tour de Sulina I

Der Weg zu dir fühlte sich an, wie eine Reise ins Nirgendwo. Unvorstellbar, dass du so versteckt am Rande eines Naturschutzgebiets liegst. Am ersten Blick wirktest du wie ein Fremdkörper in der Landschaft, aber nach und nach verstehen wir, weshalb du noch da bist.

Wir kommen in einem deiner höchsten Plattenbauten unter. Die Fassade bröckelt, die Gänge sind fensterlos und die Balkone besetzt von Klimaanlagen. Doch wir fühlen uns wohl in unserem neuen authentischen Reich.

Heute haben uns deine Kirchenglocken und krähenden Hähne aus den Federn gerissen. So schlenderten wir schon früh morgens die südliche Seite deines Ufers ab. Wir entdeckten leerstehende Fabriken, Wohnhäuser und Hotels. Kirchen, die alle Gebäude überragen, bunte Häuser mit prächtigen Gärten, sanfte Landschaften und vieles mehr. Sulina, deine Facetten sind vielseitig und wir sind gespannt was du noch so zu bieten hast.

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Hier könnt ihr unsere Tour de Sulina I verfolgen

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Unweit unserer Unterkunft befindet sich die Fischkonservenfabrik, ein Überbleibsel aus der Zeit als Sulinas Industrie noch eine Rolle spielte. Seit dem Ende des Ceaucescu-Regimes stehen die hohen Fabrikhallen am Wasser leer. Schon während unserer Vorbereitungen erfuhren wir von diesem postindustriellen Erbe, daher schlüpften wir drei durch die Löcher bröckelnden Mauer, um uns ein eigenes Bild zu machen. In der alten Fabrik riecht es noch nach Fisch. Wir laufen durch ein Labyrinth aus Hallen, Stiegen, Fluren und Kammern. Licht und Dunkeln wechselt sich ständig ab. Wir genießen Ausblicke, lauschen der andächtigen Stille dieses Ortes und uns wird klar: Falls es einen Fischkonservengott gibt, das wäre wohl sein Tempel.

Wir schlendern vorbei an den Häusern und Hütten der Strada 3 und folgen dann der Donau bis ans Ende der Strada 1. Links von uns werfen die Trauerweiden ihre Schatten, die Wellen der Donau wiegen die Boote gemächlich auf und ab. Rechts fallen uns zahlreiche Restaurants, Hotels, Plattenbauten und historische Gebäude auf. Einem Teil davon ist der Verfall schon deutlich anzusehen. Prospect, der Stadtteil links der Donau, kommt uns dabei so nah vor. Die kurze Distanz ist aber trotzdem ohne Boot unüberwindbar.

Wir lassen den Palast der Donaukommission, den alten Leuchtturm und das Krankenhaus hinter uns und gelangen zur Freizone. Die alten Lagerhallen werden von einem rostigen Stacheldrahtzaun und Sichtschutzfolien umringt. Wir fragen uns, welcher Schatz sich wohl darin befinden muss und spazieren weiter zum benachbarten Hotel Sulina.

Das Hotelgelände liegt verborgen zwischen Böschungen und Bäumen direkt an der Donau und einem kleinen Hafenbecken. Die Architektur der Anlage lässt uns schlussfolgern, dass sie wohl nach dem Krieg erbaut wurde. Wie so viele Gebäude in Sulina steht auch dieses leer, auch wenn der Verfall nicht das Stadium der Fischkonservenfabrik erreicht hat. Die Farben und Schilder der Fassade sind verblasst, nur die grellen Graffitis stechen hervor. 

Streunende Hunde (unsere neuen Freunde) begleiten uns bis zum Friedhof von Sulina. Zwei ältere Frauen kümmern sich um die Grabstätten. Hier am östlichen Rand der Stadt fließen Friedhof und Landschaft ineinander über. Zwischen den weißen, formenreichen Grabsteinen wuchern überall Wildblumen und Gräser.

Am hinteren Ende des Friedhofes führt uns eine lange, gerade Straße in Richtung Strand. Nur wenige besuchen ihn heute, sammeln Muscheln oder halten ihre Füße ins Schwarze Meer. Schwarz glänzender Sand färbt das Wasser in dunkles Grün. Etwas dahinter beobachten uns wenige Kühe unaufgeregt.

Wir wandern wieder zurück in das Stadtinnere in die breite, ungepflasterte Strada 4. Straßenmarkierungen und -abgrenzungen gibt es hier keine. Die Mitte der Straße ist von sandigem Erdboden bedeckt, rechts und links davon lagern Bewohner*innen Baumaterialien und Boote. Überall sehen wir farbenfrohe Zäune. Dahinter ragen bunte Gärten und Häusermauern hervor. Für uns fühlt es sich so an als würden wir private Räume betreten. Während wir an den gärtnernden Bewohner*innen vorbeispazieren, bleiben ihre Blicke neugierig an uns haften.

Fortsetzung folgt …

Denis, Mari und Viki

 

SALUT ROMANIA, SALUT BUCURESTI!

Zeppelin bei der Romanian Design Week

Zeppelin bei der Romanian Design Week

Lange hat es gedauert bis wir unsere Expedition endlich beginnen konnten, doch jetzt ist es so weit und wir können es kaum mehr erwarten dich persönlich kennenzulernen. Es fühlt sich an als würden wir uns schon lange kennen, beinahe so als wären wir alte Bekannte.

Sulina, wir wissen schon so viel über dich, doch alles was wir wissen, stammt aus Büchern und Karten die wir gelesen, Filmen die wir gesehen und Gesprächen die wir geführt haben. Jetzt ist der Zeitpunkt an dem all dies mit eigenen Eindrücken vervollständigt wird.

Zu dir zu kommen, ist gar nicht so einfach. Unsere Anreise dauerte zwei Tage und wir mussten vier verschiedene Verkehrsmittel nutzen – nur um bei dir sein zu können. Damit wir deine Heimat und dein Umfeld besser verstehen, stoppten wir in Bukarest um die Hauptstadt und drei ihrer Bewohnerinnen kennenzulernen.

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Nach einem kurzen Flug betreten wir drei zum ersten Mal am Bukarester Flughafen rumänischen Boden. Am Weg ins Zentrum sammeln wir erste Eindrücke. Aus dem Fenster des Busses sehen wir überdimensionierte Werbetafeln, EU-Flaggen und vor allem eines: Autos.

Nach einem Spaziergang durch das Stadtzentrum fällt auf, dass die baulichen Typologien der Stadt sich nicht in Vierteln konzentrieren, sondern überall aufeinandertreffen.

Alte Stadtvillen, Prunkbauten, Fabriken, Plattenbauten und moderne Bürohochhäuser bilden ein Mosaik. Zwischen den Gebäuden wuseln die Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und Autos. So wirkt Bukarest auf uns viel großstädtischer als Wien.

Wir drängten uns zwischen die parkenden Autos hin zum Green Hours Jazz Café. Geschützt vom Lärm der pulsierenden Stadt trafen wir uns mit drei jungen Architektinnen, um mit ihnen über Rumänien, Bukarest und Sulina zu sprechen.

Sie erzählten uns, dass rumänische Gemeinden nicht sehr bemüht sind Ortsbilder und baukulturelles Erbe zu erhalten und verglichen mit Wien nur sehr wenig reguliert wird. Das Besondere steckt daher nicht in einzelnen Bauten und Plätzen, sondern in der Überlagerung der einzelnen Stadtschichten. Als außenstehende Person sei das nicht immer zu erkennen, umso glücklicher sind wir Sulina für zehn Tage zu erkunden und hinter die (bröckelnden) Fassaden zu blicken.

Morgen gibt’s den nächsten Blogbeitrag!
Bis dann,
Denis, Mari und Viki

Tag 10: Ein schöner Abschluss der Forschungsreise

Am letzten Tag hatte ich echtes Glück, denn an diesem Tag fand in Sulina das Folklore-Festival „Festival Scrumbiei“ statt. Es traten unterschiedliche Ensembles ethnischer Minderheiten aus der Region auf einem kleinen Platz vor dem Palast der ehemaligen Europäischen Donaukommission auf. Da solche Festivals eher verhältnismäßig selten stattfinden, freute ich es mich besonders dieses mitzuerleben. Durch die vielen Besucher wirkte die Stadt sehr belebt und auf der Straße 1 strömten die Menschen wie auf einem Boulevard Richtung Festivalgelände.

In diesem Blogeintrag werde ich mich der kollektiven Identität der Lipowaner und deren Bezug zum öffentlichen Raum widmen. Durch den heutigen Tag habe ich wieder neuen Input zu diesem Thema bekommen.

Laut Christmann kann kollektive Identität als einen auf einen Raum bezogenen gesellschaftlichen Wissensvorrat gesehen werden. Neben Landschaftsmerkmalen, Bauwerken und Bekleidungsvorschriften können auch Bräuche, Feste und Dialekte als Referenzpunkt für diesen Wissensvorrat dienen. In Bezug auf den Raum stellt es sich als notwendig dar, dass um Investoren und Touristen zu gewinnen zu können, müssen Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit vermittelt werden.

Angefangen über die Lage Sulinas im Delta, welche durch sein artenreiches Ökosystem ein hohes touristisches Potential birgt, ist die Präsenz von Tradition im öffentlicher Raum in der Stadt als wichtig zu erachten wird wichtiger für den Tourismus in der Stadt. Tradition kann in Form von der gebauten Umwelt, beispielsweise durch Gebäude, aber auch durch kulturelle Veranstaltungen im öffentlichen Raum präsent sein.

Die typischen Wohnhäuser der Lipowaner mit ihren weiß-blauen Fassaden stellen beispielsweise einen Referenzpunkt zur kollektiven Identität dar.  Menschen in Sulina und andere Dörfern, wie beispielsweise dem touristisch orientierten Mila 23, haben dieses Potential erkannt und den Stil des lipowanischen Hauses für Hotels und Restaurant adaptiert.

Festivalisierung der Stadt

Die Festivals repräsentieren nicht nur die Tradition und Kultur der Lipowaner im öffentlichen Raum in der Stadt, sondern dienen hauptsächlich dem tertiären Wirtschaftssektor, vor allem der Gastronomie. Daher kann auch davon ausgegangen werden, dass durch die Festivalisierung der Stadt ein wesentlicher Beitrag zum Tourismus und damit zum wachsenden Wohlstand Sulinas beigetragen werden kann.

 

Damit beende ich meinen Blog mit diesem Eintrag und bedanke mich bei allen Menschen, welche mich auf dieser Forschungsreise unterstützt haben.

La Revedere, Sulina!

Tag 9: Auf den Spuren der Identität

Meine Forschungsreise in Sulina neigt sich langsam dem Ende zu und ich möchte in den letzten zwei Blogeinträgen Resümee ziehen und meine Forschungsfragen beantworten. Der  öffentliche Raum soll anhand von personaler und kollektiver Identität aus Sicht der Lipowaner analysiert werden. In diesem Blogeintrag soll es um die personale Identität gehen.

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Heute besuchte ich einige Dörfer im Delta von Sulina. Anhand von Periprava sieht man, dass die fehlende Identifikation mit dem Raum die Abnahme der Bevölkerung zur Folge hat. In dem Dorf sind mehr als 90% der Bevölkerung lipowanisch. Der öffentlliche Raum in Periprava ist durch seine ungepflasterte Straßen, welche von Einfamilienhäusern gesäumt werden, den eher ländlich geprägten Teilen Sulinas ähnlich. (siehe Titelbild) Die Bevölkerung Peripravas ist überaltert, die jungen Leute sind nach Sulina oder Tulcea abgewandert. Ich befragte eine ältere Frau und auf die Frage ob sie gerne hier lebe, antwortet sie resigniert, dass man keine andere Wahl habe.

Personale Identität in Bezug auf den öffentlichen Raum in Sulina

Nach Gabriela Christmann ist die personale Identität mit dem Gefühl der persönlichen Zugehörigkeit verbunden. (vgl. Christmann 2008: 1) Bezogen auf den Raum zeichnet sich diese Ebene dadurch aus, dass Menschen an einem Ort verbleiben, der soziale Zusammenhalt gestärkt wird und ein verantwortungsbewusstes Handeln für den Raum mit sich bringt. Letzteres bezieht Christmann beispielsweise auf die Mitwirkung in Vereinen. (vgl. Christmann 2008: 3)

Eine Erkenntnis aus der Forschung ist, dass die Lipowaner den öffentlichen Raum nicht anders nutzen als die Mehrheitsgesellschaft. In der Identifikation mit dem Raum, also dem Kontext Stadt in Bezug auf deren Tradition und Kultur, können schon Unterschiede festgestellt werden.

Die Urbanisierung einer ruralen Gemeinschaft

In meiner Forschung habe ich Hinweise darauf gefunden, dass sich die Gemeinschaft von seiner ruralen Kultur löst und zu einer von Urbanisierung geprägten Gemeinschaft wird. Die Gemeinschaft der Lipowaner kann als Verein betrachtet werden, welcher laut Christmann  zu einem verantwortungsbewussteren Handeln für den Raum betragen kann. Die Lipowaner befinden sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne und das Bild dieser ethnischen Gruppe hat sich verändert. Wie auch die Mehrheitsgesellschaft sind die Lipowaner auch durch die Schrumpfung der Stadt, Arbeitskosigkeit und zunehmende Abhängigkeit vom Tourismus betroffen.

Für eine Urbanisierung der Gemeinschaft kann erstens der Wandel der Erwerbstätigkeit und sogar das Verlassen der Dörfer bzw. die Zuwanderung in die Städte als Indikator dafür gesehen werden. Zweitens werden Kultur und Religion im alltäglichen Leben vieler junger Menschen immer unwichtiger. Drittens kann die generelle Öffnung der Gemeinschaft und die Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft ebenfalls für diesen Wandel sprechen.

Quelle: Christmann, G, „Statement Identität und Raum“, 2008: 1, 3

Tag 8: Perspektivenwechsel

An diesem Tag machte ich einen Perspektivenwechsel: Ich fuhr mit einem kleinen Motorboot über die Donau und erreichte zum ersten Mal den nördlichen Stadtteil. Von Norden her blickt man anders auf die Stadt und die starke West-Ost-Ausrichtung wird aus dieser Perspektive besonders deutlich.

Hier sprach ich mit einem Fischer, welcher meint, dass die Lage Sulinas an der Donau, den vielen Kanälen des Donaudeltas und am Schwarzen Meer viele Vorteile für das Fischen hat, doch die hohen Steuern und fehlenden Subventionen diesen Beruf zunehmend unattraktiver machen. Neben dem freien Fischen sollte es außerdem erlaubt sein auch in den alten Armen der Donau, welche im Zuge der Regulierung dieses Donauarms abgeschnitten wurden, dieses Gewerbe auszuüben.

Er meint, dass es eigentlich keinen Unterschied der beiden Donauseiten Sulinas gibt. Mir fällt auf, dass die Nordseite durch seine geringe Bebauung viel ruraler wirkt, auch das Fehlen einer Promenade lässt dieses Donauufer nicht so elegant wirken. Die Menschen gehen hier ihren täglichen Aktivitäten nach, Touristen verirren sich hierher kaum. Die rote Fußgängerbrücke ist hingegen ein schönes Motiv zum Fotografieren und kann als Sehenswürdigkeit dieses Stadtteils gesehen werden.  (siehe Titelbild)

In den letzten Tagen konnte ich vieles über die Stadt, den öffentlichen Raum und die Lipowaner erfahren. Die nächsten zwei Blogeinträgen sollen dazu dienen meine Forschungsreise zu reflektieren und anhand der Theorie über den öffentlichen Raum meine Fragestellung zu beantworten.

Tag 7: Hat der Tourismus in Sulina eine Chance?

Die Stadt benötigt dringend Geldmittel, um seine Lage zu verbessern, Jobs zu schaffen und die Abwanderung von jungen Menschen im erwerbsfähigen Alter zu verhindern. Heute sprach ich mit zwei Menschen über deren Sicht auf dieses Thema.

Eine Barfrau, welche an der Straße 1 arbeitet, meint, dass Sulina dringend Investitionen bräuchte, um Infrastrukturen bzw. sein Stadtbild zu erhalten. Ihrer Meinung nach ist die Korruption in Rumänien leider zu hoch und aus diesem Grund hat die Regierung kein Geld für die Stadt übrig. Die fehlenden Investitionen wirken sich auch negativ auf den Tourismus aus, welches in Sulina heute noch in den Kinderschuhen steckt.

Der zweite Gesprächspartner war ein Matrose, welcher davon berichtete, dass Sulina im internationalen Vergleich mit seinen Bedingungen für die Schifffahrt nicht mithalten kann. Es werden zwar Fonds für die Erhaltung der Infrastrukturen vergeben, doch der Sitz der Behörde befindet sich in Galatz. Da Sulina aus heutiger Sicht keine bedeutende Rolle im internationalen Schiffsverkehrs mehr spielt und der Fonds nur begrenzte Ressourcen zu vergeben hat, werden die Gelder eher an den Hafen von Galatz vergeben, welcher durch seine Lage an der Donau eine direkte Konkurrenz zu Sulina darstellt.

Tag 6: Sulina hat nicht mehr den Charme den es einmal hatte

In diesem Blogeintrag werde ich mich mehr auf die Stadt und den öffentlichen Raum konzentrieren. Der heutige Tag war für mich wieder produktiv, da ich die Gelegenheit hatte mit verschiedenen interessanten Menschen über ihre Sicht auf die Stadt sprechen zu können. Im Folgenden möchte ich thematisch sortiert über die verschiedenen Felder berichten über welche ich heute und in den letzten Tagen Erkenntnisse gewinnen konnte.

Das rasterförmige Straßennetz

Das rasterförmige Straßennetz Sulinas folgt demselben Prinzip wie das von New York. Es spiegelt wieder das Sulina damals eine entwickelte Stadt war, welche durch das Raster schnell erweitert werden sollte. Zwar erleichtert diese Form des Straßennetzes die Erschließung der Stadt, jedoch nehmen die Wege durch die weite West-Ost-Ausdehnung des Stadtgebietes zu. Das Auto spielt eher eine untergeordnete Rolle im Straßenraum, da es für viele nicht leistbar ist. Die meisten Wege werden zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Die Nutzung des öffentlichen Raums

Das Wetter, der Wochentag und die Uhrzeit haben auf jeden Fall einen Einfluss auf die Nutzung des öffentlichen Raumes in Sulina. Besonders am Abend füllt sich die Straße1 mit Leben, welche direkt an der Donau liegt, und wird dabei zur Flaniermeile. Hier findet im Gegensatz zu den restlichen Querstraßen, welche fast ausschließlich an Wohngebieten liegen, das öffentliche Leben statt.  Häufig sieht man wie Gruppen von Menschen zusammenstehen, reden und rauchen. Es finden auch Gespräche statt, welche meist aus dem spontanen Begegnen entstehen. Die niedrige Mauer, welche die Straße 1 von der Donau trennt, wird häufig als Sitzgelegenheiten von einzelnen Personen oder Gruppen benutzt. Parkbänke existieren zwar, wurden aber nach bei meinen Beobachtungen eher selten genutzt.

Meiner Meinung nach nutzen die Lipowaner den öffentlichen Raum in Sulina nicht anders als andere Gruppen. Eine junge Frau der Gemeinschaft meint, dass sie dieselben Aktivitäten wie ihre rumänischen Freunde aus der Schule betreibt.

Die schrumpfende Stadt

Einst war Sulina war kein isolierter Ort wie heute, denn die internationale Schifffahrt verband es mit dem Rest der Welt. Die Leute kamen in die Stadt um Geld zu verdienen. Ein Mann verglich es in einem Gespräch mit dem Goldrausch in Kalifornien. Doch Sulina hat nicht mehr den Charme den es einmal hatte, denn heute ist die Stadt von Schrumpfung betroffen. Diese ist nicht auf die exponierte geopolitische Lage zurückzuführen, sondern hat rein ökonomische Ursachen, wie man mir erzählte. Fehlende Jobs führen zu Armut und bieten keine Perspektive für die kommenden Generationen, weshalb die Jugendlichen nach dem Abschluss der Schule Sulina verlassen und in andere Städte ziehen. Zwar existieren die Fischfabrik und Werft noch, doch die Industrie ist schon lange zusammengebrochen. Es ist nicht mehr wie es in der Vergangenheit einmal war. Nicht mal mehr durch die Frachtschiffe, welche fast täglich durch Sulina fahren, kann die Stadt bzw. der Hafen Geld verdienen.

Historische Aufnahmen von Sulinas Blütezeit findet man hier: Monografia Orasului Sulina

Die Zukunft des Tourismus

Nur wenige Touristen erreichen heute Sulina. Die Stadt könnte durch seine Lage im Donaudelta und ihrem Zugang zum Schwarzen Meer profitieren, doch die unterschiedlichen Anbieter in der Stadt kooperieren nicht miteinander und arbeiten lieber für sich. Es ist wie ein Orchester ohne Dirigenten, erklärte man mir. Da die Saison mit nur eineinhalb Monaten im Sommer recht kurz ist, setzt man in Sulina eher auf Qualität statt Quantität und hofft mit sanftem Ökotourismus eher die gebildeteren Touristen anzulocken.

Tag 5: Von den Toten zu den Lebenden

„Zwischen verlassenen Baustellen, Schutt von Straßenarbeiten, zwischen Erikagestrüpp und Teergeruch reihen sich auf dem stoppeligen Heideland zahlreiche Friedhöfe aneinander – der Orthodoxen, der Türken, der Juden, der Altgläubigen in unmittelbarer Nachbarschaft“

So beschrieb Claudio Magris 1988 in seinem Werk „Donau. Biographie eines Flusses“ den Friedhof von Sulina, welchen ich heute Vormittag besuchte und menschenleer vorfand. (siehe Titelbild) Ich habe den Eindruck, auch durch die Interviews der letzten Tage, dass die Menschen eher Friedhöfe meiden und im Hier und Jetzt leben möchten. Trotzdem wirken die Grabstellen gepflegt und sind nach der Tradition der altgläubigen orthodoxen Christen gestaltet worden.

Nach dem Besuch des Friedhofs begann ich mit dem Mapping der relevanten Orte der Lipowaner und fuhr deshalb wieder an den westlichen Stadtrand, um die genaueren Positionen einiger Siedlungsschwerpunkte zu eruieren.

Am Nachmittag traf ich im Haus der lipowanischen Gemeinschaft die Russischlehrerin und den Präsidenten der Gemeinschaft zum Interview. Ich erfuhr, dass die Kinder in der Schule Russisch lernen und in der Gemeinschaft dann traditionelle Tänze und Lieder proben. An diesem Tag war die Probe für das Festival, welches am kommenden Samstag in Sulina stattfinden wird. Die Lehrerein meint, dass durch die Tänze und Lieder die Tradition leichter weitergegeben werden kann.

Durch den Präsident der Gemeinschaft erfuhr ich mehr über die Organisation der Gemeinschaften. Er erklärte, dass jede Stadt bzw. jedes Dorf seine eigene Gemeinschaft hat, welche die Traditionen pflegt. Er meinte auch, dass die Gemeinschaft in Sulina akzeptiert werde und auch die unterschiedlichen Kirchengemeinden seit jeher friedlich nebeneinander existieren.  Seiner Meinung nach ist neben der Kirche die Gemeinschaft die wichtigste Institution der Lipowaner in Sulina.

Tag 4: Gesangsprobe im Haus der russisch lipowanischen Gemeinschaft

Nachdem ich am Vortag den westlichen Stadtrand näher betrachtet hatte, wiederholte ich das heute wieder mit dem östlichen bzw. südlichen Stadtrand. Dort konnte ich rund um ein kleines Hafenbecken bzw. entlang der Straße 6 ebenfalls einige typisch Wohnhäuser identifizieren. Damit steht fest, dass die Lipowaner in Sulina eher am Stadtrand leben, vermutlich weil sie dort eher ihrer traditionellen und naturverbundenen Lebensweise gerecht werden können.

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Am Nachmittag nahm ich an der Gesangsprobe im Haus der russisch lipowanischen Gemeinschaft, welches sehr zentral in Sulina liegt, teil. (siehe Titelbild) Die Gruppe bestand aus älteren Frauen. Neben dieser Gruppe  gibt es auch eine, welche eher aus jüngeren Frauen besteht. Im Gegensatz zu der älteren Gruppe, ist die jüngere auch mit rumänischen Frauen gemischt.  Besonders für die älteren Frauen ist neben der Gemeinschaft die Kirche ein wichtiger Teil in ihrem Alltag. Der Ort der Gemeinschaft scheint also für ältere Personen eine wichtigere Rolle zu spielen als für jüngere, dennoch wird er als wichtige Stätte zur Weiterhabe der Kultur und Tradition verstanden.

Nach der Probe traf ich mit meinem Übersetzer  einen Fischer, welcher spontan einem Gespräch zugestimmt hatte. Die Kirche hat für den Mann keine große Bedeutung in seinem Alltag mehr, da er auch zeitweise in einer anderen Stadt arbeitet. So wie er gehen auch viele jüngere Lipowaner nur mehr zu den wichtigsten Feiertagen in die Kirche. Der restliche Sonntagabend verlief sehr ruhig in Sulina und ich bemerkte, dass viel weniger Menschen auf den Straßen unterwegs waren als an den Abenden zuvor.

Tag 3: Am Stadtrand von einer „Stadt am Rand“

An diesem Tag lag der Fokus der Betrachtung auf den Stadträndern von Sulina. Besonders am westlichen Stadtrand reiht sich an der Donaupromende ein typisch lipowanisches Haus an das andere. Die Menschen, die hier leben, üben vor allem Fischfang aus und ihre Wohnhäuser liegen beinahe direkt an der Donau. Die Straße, welche bis hierhin führt, wurde vor ein paar Jahren sogar befestigt und kann problemlos mit dem Fahrrad befahren werden.

Die lipowanischen Wohnviertel liegen an den Rändern der Stadt, erklärt mir mein Übersetzer, da Fischfang und Jagd zu den ursprünglichen Erwerbstätigkeiten der ethnischen Gruppen gehören. Charakteristisch sind die blaue Farbe der Wohnhäuser, die riedgedeckten Dächer oder die charakteristisch gestaltete Gartentür, welche den Eingangsbereich zum Grundstück darstellt. (siehe Titelbild) Anhand dieser Merkmale kann einfach festgestellt werden welchen ethnischen Ursprung deren Bewohner haben.

Die Bar „Lebada Vesela“, welche ich am Nachmittag besuchte, liegt ebenfalls dort, fast mitten in der Natur und ist bei den Fischern durch die Nähe zu ihren Wohnorten recht beliebt. Doch an diesem Nachmittag kamen eher nur rumänische Männer mittleren Alters. Der Barmann erklärt mir, dass einige Lipowaner auch als Bauarbeiter arbeiten, aber das stellt eher einen Kompromiss zu ihrer ursprünglichen Lebensweise dar. Die Bauarbeit dient vor allem dem Verdienst und dem Aufbau eines guten Lebens.

Eine Erkenntnis dieses Tages ist, dass Bars die eigentlichen Treffpunkte der Lipowaner sind, obwohl sich das heute leider nicht anhand dieser Bar bestätigen lassen konnte. Besonders am späten Nachmittag werden die Bars gut besucht, versicherte mir der Barmann. Die Kirche und die Gemeinschaft verfolgen eher Erhalt und Weitergabe religiöser und kultureller Werte und Traditionen, während Bars jedermann offenstehen und Orte der Kommunikation darstellen. Die Bars in der Innenstadt von Sulina werrden zwar eher weniger von den Fischern besucht, können aber eher als Treffpunkte von der jüngeren Generation von Lipowanern gesehen werden. Dennoch sind jene an den Stadträndern authentischer, weil es näher an ihren Wohnorten liegt.

Morgen ist Sonntag und ich werde an einer Probe für einen Tanz- bzw. Gesangauftritt der Gemeinschaft der Lipowaner teilnehmen. Diese Gemeinschaft ist eine wichtige Institution in Sulina, um das Brauchtum zu erhalten und an die weiteren Generationen weiterzugeben. Der Field Trip bleibt also weiterhin spannend!

Tag 2: Erste Erkundungen und Gespräche

Am Vormittag erkundete ich die Stadt auf eigene Faust und legte den Fokus auf den öffentlichen Raum. Sulina besteht vereinfacht aus sechs parallel zur Donau verlaufenden Straßen, welche entsprechend als Straßen 1 bis 6 bezeichnet werden. Die donaunahen Straßen sind eher befestigt und die umgebende Gebäude mehrgeschossig. Einige Bänke an der Donauuferpromenade und an einigen Wohnblocks sorgen für Aufenthaltsqualität in diesem Bereich der Stadt. Die Straßen 3 bis 6 hingegen sind eher unbefestigt und Einfamilienhäuser dominieren das Straßenbild. In diesem Gebiet ist die scharfe Trennung zwischen dem öffentlichen und privaten Raum durch Zäune sehr auffällig und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum ist durch das Fehlen von Sitzmöglichkeiten sehr gering. (siehe Titelbild)

Den Nachmittag und Abend verbrachte ich wieder mit meinem Übersetzer. Er organisierte für mich ein Leihrad und führte mich zuerst zu dem Haus einer älteren Lipowanerin. In ihrem Vorgarten tranken wir zuerst ihren Schnaps und begonnen anschließend das Interview im Laufe dessen eine Freundin dazukam. Ich erfuhr, dass beide in der Gesangsgruppe der lipowanischen Gemeinschaft in Sulina aktiv sind und wurde sogleich zu der nächsten Probe eingeladen. Sie beide sind stolz auf ihre Herkunft und ich erfuhr etwas über ihre Lebensgeschichte. Sie  meinen, dass Sulina früher, zur Zeit der Donaukommission, eine offenere Stadt war. Für sie ist es wichtig in die Kirche zu gehen, da man dort andere Leute trifft und es für sie eine gewisse Tradition in ihrem Alltag hat.

Die nächste Station war die Bar „La Autogara“, welche das günstigste Bier der Stadt anbietet und aus diesem Grund viele Fischer, welche vor allem auch Lipowaner sind, zum Feierabend anlockt. Leider blieben die Versuche meines Übersetzers jemanden zum Interview zu bewegen erfolglos.

In der Bar des Vorabends organisierte er mir dann zwei Interviewpartner, einen Bauarbeiter und einen Schüler. Ich lernte in den Gesprächen, dass auch für die jüngeren Generationen ihre ethnische Herkunft und die Pflege der russischen Sprache wichtig sind. Die zwei Männer meinten aber, dass sie nicht aktiv an der lipowanischen Gemeinschaft teilnehmen und dieser Ort in ihrem Alltag keine so große Rolle spielt.

Tag 1: Ankunft in Sulina

Nachdem ich am Vorabend von Wien nach Bukarest flog, benötigte ich trotzdem noch fast den gesamten Tag 1 um nach Sulina zu reisen. Zuerst ging es von Bukarest mit dem Zug nach Tulcea und dann weiter mit dem Boot nach Sulina.

Nachdem man Tulcea verlassen hat, tauchen links und rechts der Donauufer eher kleinere Siedlungen auf, welche praktisch fast nur über den Wasserweg erreichbar sind. Nach dem Anlegen am späten Nachmittag, begrüßte mich gleich mein Übersetzer, welcher mich später treffen wollte, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Wir trafen uns dann in einer Bar direkt an der Uferpromenade der Donau und er bot mir an Gespräche mit unterschiedlichen Akteuren in Sulina bzw. verschiedenen Dörfern im Delta zu ermöglichen. Er lud zu dem Gespräch auch eine lipowanische ältere Frau und den ehemaligen Präsidenten der lipowanischen Gemeinschaft in Sulina zeitversetzt ein und ich bekam den ersten Eindruck, dass Interviews in Rumänien anders funktionieren als in Österreich. Dieses erste Gespräch mit diesen Menschen, so meinte mein Übersetzer, dient zum „Warmwerden“. Die Menschen müssen zuerst vertrauen schöpfen, um dann später, bei einem weiteren Treffen in den nächsten Tagen, mehr Dinge von sich preiszugeben.

Nach diesem ersten Tag bin ich nun zuversichtlich einen Zugang zu Lipowanern in Sulina im Laufe des Field Trip herstellen zu können und bleibe gespannt wie sich die Forschungsreise entwickeln wird.

Information, Communication, Facilitation

One of the oldest and biggest NGO in Bucharest is the Association for Urban Transition (ATU) which engages with urban development and policy, urban culture and heritage, mobility and public space, collective housing and combating social exclusion for 17 years. We met with one of the founding member, architect Vera Marin, and her two colleagues who are involved in the URBOTECA project – urban researcher Gruia Badescu and anthropologist Alexandra Ștef.

Nowadays, ATU has more than 70 active members from various professional backgrounds – architecture, urban planning, social studies, law, urban economics etc. ATU was established in 2001 which makes it one of the oldest NGO, even older than the Romanian Order of Architects. The founding members felt the need for a think tank focusing on urban management and participatory planning, as there was no such NGO in the 1990s in Romania. They aim to negotiate between different stakeholders in urban development – public authorities, civil society and private developers. With their projects, they want to empower the civil society and encourage people to participate in discussion with other stakeholders with more economic and decision-making power. Since 2008, ATU is recognised as an independent research centre by the Ministry of Education and contributes to the methodologies development and consultancy for the city. In its educational projects, it cooperates with universities and their students.

In 2014, the ATU team developed an innovation/education lab – or an open planning office, as they call it – URBOTECA, which uses service design, gamification and behavioural economics to foster engagement. It is an urban living lab that seeks to define how participatory planning should look like. They have redesigned a van and thus created a mobile pavilion with which they travel around the city and organise workshops – in the places where development is planned or which lacks something. With the van and its facilities (stage, exhibition panels, flip charts, printers, projectors, seats etc.), they create different settings for an ever-evolving negotiation environment for various stakeholders. Its design is inspired by modern food truck culture – and should act as temporary vibrant public space which stimulates interaction, creativity and curiosity for participants. They aim to disseminate information on urban planning and design and help citizens to understand public programmes, projects and the local planning regulations – e.g. the General Urban Plan (PUG, for the city) or the Zonal Urban Plan (PUZ, for a neighbourhood). For that, they use data visualisation methods and strive to make all their educational materials visually attractive and understandable. They also launched a map which shows different current processes in the city based on open data from the municipality and explains basic urban terminology.

URBOTECA also became part of the Urban Education Live network, a platform which seeks to identify innovative methods for collaboration between academic or associated professionals and local communities.

ATU members told us they have a similar experience as we have already heard from other initiatives – the municipality has no agenda or vision concerning the urban development or public space, e.g. the investment department arranges the renovations of public space chaotically and without any design projects or architecture competitions. It does not react to the needs or potentials but depends on the money available, voting period or bribing. Often the public administration “works against the people”; therefore the initiatives subvert the public sector and try to fight for the public good. ATU members admitted the situation improved a lot after Romania joined the European Union in 2007, in 2009–2011 the “angry” architects managed to persuade the municipality and prepared an Integrated Urban Development Plan for the City Centre in which they demand good quality urban design and ensure enough public space, but it would be more difficult to regulate the quality of public space. Also, after the last parliamentary elections in 2016, the conditions worsened, and many active people lost hope.

 

References:

Marin, Vera & Calciu, Daniela (2018). Urban Pedagogy in Bucharest: URBOTECA by ATU. In Revistei Arhitectura, 2018(2–3)

Back with Enthusiasm

Baza is “an urban initiative set to unleash Bucharest’s latent energies” and consists of five young professionals from the cultural field – two architects, two city planners and a film producer. Their joint aim is to move Bucharest forward, activate its citizens and share their experience (also from abroad). We met with Maria Duda, an architect who studied and worked in Switzerland before coming back to Bucharest, where she started to teach at the Faculty of Architecture at the (private) Spiru Haret University and graduated at the Ion Mincu University of Architecture and Urban Planning with the PhD thesis topic “Reality, Expectations, Offer. Current Public Space of Bucharest. Bucharest’s Central Plazas”.

Baza was established in 2016 and since then initiated and run various projects and events. They do not just design interventions in public space, but also research, counsel, help to educate through organising and leading workshops, lectures, conferences; they publish articles and radio podcasts (Urban Experience in which they interview experts) etc.

In her research, Maria conducted several interviews with the public, and when asking what public space means for them, the answers are parks (utopia of urbanity, no cars) and malls (clean, weather-proof, secure, no beggars etc.). They would like to have clean places, with clear identity and landmarks – to help them to orientate themselves in the physical space of the city.

An important project is an online application where architecture interns and their employers can share their working experience and evaluate each other. To become a certified architect in Romania, one has to gain years of working practice – which is often precarious and discriminating. The app should help to improve the working conditions, make the environment more transparent and motivate both sides to do their best.

The most actual project is the staircase for Kretzulescu, on which the collective has been working for 18 months, and they just got permit the day we met. The land, where it is supposed to be “built”, is owned by the church situated in the square and the project itself is funded by the Porsche Foundation, yet they needed a permit from the municipality. Maria said it was complicated; they were asked to arrange too many certifications (such as from firefighters, water and electricity infrastructure etc.), although the construction is very simple. The staircase will reconnect spaces that historically belonged together – the square with the loggia of an adjacent palace, in whose ground floor many facilities are located – e.g. bookshop, café etc. But it will be more than an accessibility point: it will act as a landmark, meeting point, resting area, waiting, reading and book launch space, a place for choir festivities or wedding pictures – simply serves all the everyday and occasional happenings in the space (Baza, 2017).

This brought us to a more general discussion about the situation of such initiatives like Baza and their activities in public space in Bucharest. Maria criticized the public administration for lack of interest, responsibility and visions for urban planning and public space, or even boycotting any public participation – when development projects are planned, there are no public discussions (officially there are, but not well advertised or the meeting spaces are not big enough etc.), the politicians decide “quietly”. But similar also applies to the private “donators” who funds such projects or initiatives. Maria thinks the foundations should not only provide money but also get involved in the chosen projects. And maybe it would help if they choose fewer projects, but better and help them with the process. Unfortunately, many projects fail on getting the official permission from the municipality.

But she admitted that the general interest in public space is questionable – they have worked on many projects, which led to disappointment in the end. Sometimes it seems that it is only us, architects, who are interested and aim for more lively public space, but actually, our target group – the people – does not care. As an example she mentioned a semester course with students, that was entirely voluntary for all participants (no honorary, no credits for it). They engaged for weeks with community work in one of the Bucharest neighbourhoods and in the end decided to organise a three days open-air cinema festival. They collaborated with the NGO Urboteca, local cultural centre and got funding from the Romanian Order of Architects. After the semester, everything returned to normal.

It is a vicious circle – the municipality does not encourage active citizen participation, but on the other hand, the public is not prepared/educated to get involved in decision-making – that is also the reason why so many initiatives and NGOs emerged in Bucharest. The exceptions when the people claim the public space are during protests – which are recently more usual. Only then, they realise they need (real) public space – that public space is not (just) a park or a mall. During the communist era, the ruling party wanted to depolarise the people’s attention and moved several representative buildings. Civic action was not welcomed at all, and many public spaces were “protected” from mass gatherings (with barriers such as fences, walls or roads) – especially those with a particular identity, e.g. the People’s House or the Piaţa Victoriei [Victory Square] where the Government Office is seated. In many cases, the situation is still the same.

 

References:

Baza (2017). Little Improvements – A Stair for Kretzulescu. Baza [online]. Retrieved September 20, 2018, from https://debaza.ro/en/portfolio/items/romana-kretzulescu/

Community Architects

Alex Axinte and Cristi Borcan, two Romanian architects, set up the architecture office studioBASAR in 2006, shortly after their graduation. Since then, they managed to establish a strong position in the field of urban research (observation) and interventions in public space, they also refer to their working methods with the office’s subtitle “search and rescue”. The “search” dimension works across Bucharest, looking for overlooked urban conditions that people had come to tolerate. That leads to the “rescue” part of their practice, which can encompass a variety of architectural interventions, including developing single-family homes, exhibitions, and even a street installation of a pop-up pool made from stacked wooden pallets wrapped in foliage and filled with water. We met with Cristi Borcan in one of their realised project – the Tei Community Centre. We generally discussed the concept of public space in Bucharest but also what it means for an architect to be involved in a community project.

They, as architects, not only wait for someone to come and give them an assignment but they also proactively initiate and develop actions and projects within public space. Although they do not always ask for permission, they never do “guerrilla” (illegal) interventions – possibly they create temporary interventions or art installations (which comes under projects that do not require a permit), and if it is successful (favourite), it could turn into something more long-term. A large part of their practice consists of a process – be it practice-based research, participatory action research, community activation, live-education, civic pedagogy etc. But they work on bigger projects as well, but usually, aim to co-produce or co-design them with their clients. Their research and publishing activity was also presented Europe-wide. One of their first book focused on the “architectures of survival” – the study explores the history of evictions and the varying status of private property over the last 150 years in Romania.

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In the presentation Cristi gave us, he also talked about the Bucharest context – the changing perception on public space in different political regimes, the consequences of the earthquake in 1977 and following urban renewal or what changes came after the revolution. Interestingly, Ceausescu was not a fan of modernist/socialist planning and in the 1980s ordered to “complete” the urban structure of housing estates with eclectic buildings creating block structures along the streets. Next wave of densification (and loss of free space; this time much less regulated) happened after the revolution, after the retrocession of the properties. The “new” owners saw it as an investment opportunity and built the land up. The capitalist regime changes the public space into a commodity; the municipality became very weak in regulating the urban development after decades of top-down planning. But that was (or is) the demand of the liberated society – private property became sacred.

When talking about their work with communities, he emphasised how important it is to gain trust – usually through long-term collaboration and personal commitment. For instance, in the case of the Tei Community Centre, Cristi is official the owner of the “container” in the park. The studio continues collaborating with the community and its further development and events organisation.

 

References:

studioBASAR (2010). Bucharest: The State of Uncertainty. In studioBASAR (ed.): Evicting the Ghost. Architectures of Survival. Bucharest: Centre for Visual Introspection / pepluspatru Association. p. 108–112

Curry Stone Foundation (2018). studioBASAR. Curry Stone Foundation [online]. Retrieved September 20, 2018, from https://currystonefoundation.org/practice/studiobasar/

From a Makerspace to a Community Center

We set up a meeting with a collective who revitalise a former cotton factory in the south of Bucharest. We took advantage of its location and decided to connect the meeting with visiting the Văcărești Natural Park.

The Văcărești Natural Park is the first urban natural park in Romania, only 5 km away from the city centre, being the largest green space in Bucharest. In 1986 Communist regime built a hydro-technical project but left it unfinished and unused after 1989. Gradually, nature took over and turned it into a place with unique diversity. It is a vast green area bounded by steep concrete embankments, the contrast of vast free space and urbanised land in the surrounding creates impressive images. There are few stops in the perimeter, where one can enter and go down to the park. There are few walking trails accompanied by educational notice boards about the local flora and fauna, at some sport are observation stations. It is good to keep the paths as the area is quite swampy. We walked from one side to another, but then we had to hurry up not to come late to our meeting.

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In the cotton factory, Iulian Canov took care of us – first he gave us a presentation about the whole factory area and later guided us through. We were astonished by the size and complexity of projects “occupying” space as we came to see the community centre La Firul Ierbii [Grassroots] which is actually a small part of a larger progressive and developing complex.

After the revolution and fall of the communist regime, the Industria Bumbacului [Cotton Industry] was “privatised” in the early 1990s – it was sold to the workers and former management. That was quite a good decision as these people had the best interest to manage it well. But when the factory closed in 2003, they did not really have a vision for the space. The buildings served only as warehouses, rented in pieces and lacked maintenance). Group of architecture students, including Iulian Canov, Tamina Lolev, Vlad Stoica who later established a studio Wolfhouse Production, were in need of a makerspace for their architecture models. As there was no such a place in Bucharest, they started to look for a convenient space close to the city centre and well connected to public transport. They found out about the cotton factory on the bank of the Dâmbovița River and approached the owners. Iulian said it was easier to negotiate with the private owners than with a public body – the agreement was conditioned only by the rent price, but a municipality might have different (hardly comprehensive) interests.

The NOD Makerspace was opened in 2014 and is the biggest makerspace in Romania. Initially, only friends from the architecture school shared it together but the interest grew, and today the space is accessible upon a membership. NOD is a “dynamic ecosystem that welcomes designers, artists, engineers, inventors and entrepreneurs. Anyone who has an idea, an invention or a prototype and aims to develop it will find the tools and the manufacturing equipment to make any project come to life.” The space includes an open co-working space, 15 private studios and manufacturing and prototyping workshops; its equipment ranges from cutting-edge electronics to wood and metalwork tools via just about every other creativity-enabling tool imaginable. The space runs workshops and other community events on a continuous basis, and much of the extraordinary hive of activity within is visible from the street outside, with the aim of inspiring passers-by (Macdonald, 2018).

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Although its “central” location (it is basically only one stop by metro from the city centre), it is perceived quite remote from the centre (e.g. where the universities lie) and the group was aware that in order to attract a wider audience, they need to extend the offer of uses. The vision is to recreate the former factory into a large (independent) creative industry centre but with the locals (not all of them creatives) in mind.

Later, friends opened a rooftop bar which attracted a wider public, “hipsters” from the “city” but also residents from the surrounding neighbourhoods. More and more people got to know about the place, and different creatives decided to rent there a space for their studio and workshops. Although the factory used to be (and a big part of it still is) in a derelict state, the community work – mostly voluntarily – on improvements. With their enthusiasm, they were also able to get free materials from sponsoring firms. Thanks to many donations, the materials library MATER was opened – the first one in South-Eastern Europe. In comparison to only-members-accessible makerspace and co-working space, the library is open to the public.

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At the same time, there was a spare time on the ground floor for which they were looking for a use. Coincidentally, another civic NGO – the Urban INC – was just looking or a space to open for community groups and were able to finance the reconstruction and operation. So the community centre La Firul Ierbii [Grassroots] opened. It aims to provide neighbour groups and grassroots movements a space to meet (with facilities, e.g. beamer or flipchart), such a space for civic organisations is not at all usual in Bucharest (at least not provided by the municipality). It is offered for free for grassroots initiatives with public or common interest, but also other groups or companies can rent the space for events, depends on each ones’ possibilities. But the political situation in Bucharest has worsened after the last municipal elections in summer 2016, and many local initiatives lost hope, e.g. the UrbanINC left Bucharest at all and now is active only in Cluj.

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The community works so far on a very informal non-hierarchical structure, they all communicate together, but there is no umbrella organisation or a name for the cluster. The next plans are to open the area more to the public and connect it with the river across the street. They are organising a Dâmbovița Delivery Festival which will take place in summer 2019 and be part of the Street Delivery Festival. They want to change the perception of the river and urban water in general which they consider “the most unused public space in the city”. The Dâmbovița River has a reputation of a very polluted river because underneath leads a sewage canal that used to leak but was fixed.

We were really amazed by how lively the place is. If it is not completely successful in attracting the general public and mostly hipsters and creatives come, it is definitely caused by its location too – connected with the image of remote place among (abandoned) factories close to a very heavy traffic crossroad. But the community definitely strives to do their best to be open to everyone.

 

References:

Bogdan, D. (2017). Bucharest Believes in Design – the First Romanian Library of Materials is on the Roll. A City Made by People [online]. Retrieved October 1, 2018, from https://www.acitymadebypeople.com/journal/bucharest-believes-in-design-first-romanian-materials-library-mater

Macdonald, K. (2018). Creative Bucharest: Step Inside the Art Hubs, Bars and Co-Working Spaces Reimagining the City. The Calvert Journal [online]. Retrieved October 1, 2018, from https://www.calvertjournal.com/articles/show/9596/creative-bucharest-art-hubs-bars-co-working-spaces

Bucharest: Public life in protest

We are Anna and Sarah, urban planning and architecture students, looking forward to our journey to Bucharest in September 2018. Our research focus is on the romanian capital, its public space and protest culture.

What we are interested in are the connections between public space and protests, demonstrations, marches etc. as one of the main uses of public space in Bucharest – if not the main, predominant one. We have already heard from Stefan Ghenciulescu that public life takes place mostly at home or in what we have started calling ‘privatised public spaces‘ like shopping malls. That was sort of the starting point for our research interest.

Our research pointed out that there are some spots in the city, where public space isn’t used on a daily basis. We think that these public spaces are often too big, monumental and politically charged to be adopted by individuals and small groups. We want to explore the meaning of those largely unused public spaces, focusing specifically on what we call spaces of power and propaganda. From what we‘ve read and again, from what Stefan has told us, we are wondering whether there‘s a continuity regarding those spaces: Once a space of power and propaganda, always a space of power and propaganda?

We know by now that many of those public spaces have been built in the Ceausescu era, with the very specific purpose to show the power of the party, but especially Ceausescu‘s power over the people and to have spaces to be able to address and control them. So this is why we have formulated the hypothesis/assumption that those spaces might not only be too big in their dimensions and too unflexible but also a reminder of the past and this is why people might be hesitant to use them. Protests, demonstrations and marches might be the only possible ways to use and (re-)appropriate those spaces due to the large number of people involved.

Another reason for the lack of use of these politically charged public spaces could also be that people have become used to living their public lives at home, at other people’s homes or in shopping malls, so that they don’t even consider using actual public spaces in the city. But why is there this vacuum of use of public space?

This is what we want to investigate – with a focus on the role and function of protests in public spaces.

Looking forward to seeing and reading you soon on our blog!

Anna & Sarah

image source: Vlad Petri – http://www.vladpetri.ro/portfolios/proteste/

About the Private in the Public and the Public in the Private

We are on the train. Already for many hours. We feel a bit like in a Wes Anderson’s movie – blue, brown or orange elements on the train and the passing Romanian landscape. On the left side small towns by a river, on the right the Transylvanian Alps.

We have prepared a lot. We have contacted local experts and prepared interview questions, we discussed and researched Bucharest from different sources. Let’s get back once more to our preliminary research, other people’s statements about Bucharest and our expectations from the last few months.

During the totalitarian era, public space was highly controlled and policed by the state and top-down planned. The regime created an atmosphere of fear, where an individual actually controlled him- or herself. No personal manifestation was allowed in public space. “Public space was a politically and socially empty space, an impersonal and representational territory, in which the power of the system was exerted over the people in a concrete form” (Axinte & Borcan 2017). The revolution in 1989 and the change of political system brought in liberating feeling – Romanians were excited to take action in the politics and the civil society, in the economy, in the media or culture – also in form of interventions in (physical) public space, which, paradoxically to the functioning in Communism, became to be understood as a common good accessible to everyone. But most of the (private) activities were also accompanied with a drawback – everybody “became” and owner and claim the right to act freely in his or her own interest. The paradigm in the society shifted to the opposite extreme – instead of sharing the space collectively, it was used as a free resource for private interests. It applied not just to individual manifestations (parking on the pavement, fencing the lawn in front one’s flat, extending ground floor apartment), but also large private developers and partly to city administrations, which often acted like private entities. This led to extreme individualization, (almost) complete privatization and so the extinction of public space.

But the turmoil in the past 25 years “brought up” also new generation of architects (and other experts involved in urban and community planning), who are trying to give the public space back to the public – through participatory action-based research and design processes to create “open and inclusive, flexible and reversible” places. Many architects found out that “the ‘classical’ professional tools with which [they] were equipped [from the architecture school], such as the site analysis through historical plans, aerial views, street fronts or drawings and abstract models, namely methods of objectifying urban phenomenon, were useless when one wanted to engage with people and the city’s life” (Axinte & Borcan 2017). They started to look for methods from different fields of art or social sciences, which worked better for studying the everyday life. Bukarest turned for them into both a laboratory and a playground; the research methods were walking the streets and looking at the city, observing people’s behaviours, engaging in ad-hoc conversation and participating in the everyday city, findings were documented and archived in narratives, drawings, photos and texts. We adopted these ideas as well for our research and exploration of Bucharest, many of them we will have to chance to discuss personally with the local actors.

We can assume that Bucharest still seeks a way to negotiate social rules and social life. What we want to know is where these negotiations are heading and which actors are challenging this negotiation. Using different methods, we want to explore the public space. We want to explore Bucharest by walking (strolling) and positioning our bodies in public, but also privatized space. We want to understand the means of access to places, at least from our privileged situation, but also from the point of view of other people. By interviewing different stakeholders – architecture and planning offices, student initiatives or district communities, residents and users of public space, and the profiteers of privatisation – we want to get a better insight. Based on the experiences of actors with interventions in public space, we would like to get to know the possibilities in Bucharest.

We ask our self: What mix of felt and real private and public space creates spaces in Bucharest which are accessible, have a sense of belonging, responsibility and contestation. To what extent does the space that we in Vienna describe as public in terms of the ownership and design possibilities of a “public space” in Bucharest differ and which potentials and methods emerge from Bucharest’s issues?

Nevertheless, we do not feel perfectly prepared. After 19 hours rattling train arrives in Bucharest and throws us into the big city jungle, which seems to us still quite unknown. We are looking forward to the next days.

 

Mazarine, Karolína and Hannah