Wort des Tages: Gentrifizierung

Heute steht uns ein voller Tag bevor.

Schon im Vorfeld haben wir Gespräche mit Architekt Dr. Cristian Blidariu, Senior Lecturer an der Fakultät für Architektur der Polytechnischen Universität in Temeswar, geführt. Er hat uns vorgeschlagen, zu einem Vortrag von Joar Nango zu kommen, damit er uns anschließend einige Frage zum öffentlichen Raum in Temeswar beantworten kann.

Der Vortrag von Joar Nango, einem Angehörigen des nordischen Eingeborenenvolkes der Samen (landläufig Lappen), dessen Arbeit von der Umfunktionierung westlicher kommerzieller Produkte durch Eingeborene handelt. Er plant, in den nächsten Monaten im Rahmen des Kunstfestivals “Art Encounter” manche seiner Arbeiten als Kunst im öffentlichen Raum auszustellen. Zunächst wollte er einen Dachboden in Cetate gemeinsam mit einem Roma-Künstler aus Transsilvanien umbauen, doch die Vielzahl der Interessen und lokalen Vorhaben verhinderte dies. Jetzt ist er auf der Suche nach einem passenden Ausstellungsort. Nach seinem Vortrag kommen wir ins Gespräch und empfehlen ihm, den Trajansplatz noch einmal genauer anzuschauen, da dieser fernab der umkämpften Innenstadtbereiche liegt und förmlich nach einer Belebung des öffentlichen Raumes schreit.

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Joar Nango beim Präsentieren

Hier treffen außerdem – wie vereinbart – mit Cristian Blidariu zusammen. Wir spazieren gemeinsam durch den Stadtteil, gehen in ein Café und führen ein ausführliches Gespräch. Wir können ihm in aller Offenheit Fragen stellen, auf alles antwortet er mit Begeisterung. Seine Antworten werfen außerdem ein neues Licht auf vieler der von uns bisher aufgegriffenen Themen und wir erlangen ein neues Verständnis verschiedener Zusammenhänge. Er berichtet von den für den urbanen Raum teils katastrophalen Maßnahmen für den öffentlichen Raum seitens der städtischen Administration und verweist dabei auch auf die Guerilla-Initiativen der AktivistInnegruppe A. U. (Actiunea Urbana). Auf die Frage, warum diese Maßnahmen nicht früher oder später politische Umwälzungen nach sich ziehen, antwortet er, dass die Menschen oft aufgrund der politischen Geschichte des Landes kein ausreichendes Bewusstsein für den öffentlichen Raum als Lebensraum hätten und es außerdem an Alternativen mangle. Der Freiheitsplatz in Cetate habe ursprünglich die Funktionen eines Verweilraumes für Menschen aus dem Stadtteil sowie eines Durchzugsraumes für die restlichen Menschen der Stadt gehabt. Nach der Neugestaltung sei der Platz immer noch ein Durchzugsraum, jedoch könne er nicht mehr als Lebensraum für die lokale Bevölkerung fungieren. In Verbindung mit dem Trajansplatz taucht nun zum ersten Mal der Begriff “Gentrifizierung” auf. Blidariu meint jedoch, dass die in anderen Städten der Welt beobachteten Probleme (die Verdrängung der finanziell schwächeren lokalen Bevölkerung) in Temeswar weniger ein Problem darstelle, da sich die Wohnhäuser größtenteils im Eigentum der Bewohnenden befänden. Spontan vermittelt er uns an Vladimir Obradovici, Mitarbeiter eines Architekturbüros in Fabric. In einer Stunden sollen wir ihn dort treffen.

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Mathias im Gespräch mit Cristian Blidariu

Bald bemerken wir allerdings, dass wir uns verplaudert haben. Bevor wir uns nach Fabric begeben können, benötigen wir dringend eine Stärkung. Wir beschließen, in “Omas Haus” zu Mittag zu essen, haben allerdings nur sehr wenig Zeit. Das Essen lässt viel zu lang auf sich warten, wir müssen den Termin um eine Viertelstunde verschieben. Die Goulashsuppe müssen wir runterstürzen und zum Taxi laufen. Eine Viertelstunde später kommen wir am Trajansplatz an. Unser Gesprächspartner wartet bereits auf uns.

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Goulash-Suppe in Omas Laden

Seit Vladimir Obradovici, Mitarbeiter des lokalen Planungsbüros CEVA Patrimoniu für Landschaftsarchitektur und Denkmalpflege, am Trajansplatz arbeitet, hat er die Gelegenheit, diesen tagtäglich zu beobachten und ein Verständnis für die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung zu entwickeln. Er erzählt uns, dass der Trajansplatz rasant an Lebendigkeit gewann, als er als Ausweichquartier während der Renovierung des nahegelegenen Badea-Cartan-Marktes dienen musste. Nach der Fertigstellung der Arbeiten kehrte er zu seinem ursprünglichen Zustand zurück. Seiner Meinung nach könne der Platz den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung nicht gerecht werden, er biete ihnen nichts. Das zeige sich daran, dass Kinder mit lockeren Pflastersteinen spielten – in Ermangelung anderer Angebote. Früher sei der Platz für ihn selbst kein Attraktor gewesen. Seit sich jedoch sein Arbeitsplatz hier befindet, habe er begonnen, manche der Angebote der Umgebung (z. B. manche der Lokale und besseren Geschäfte) zu nutzen. Auch er sieht im langsamen Auftauchen besserer Geschäfte erste Anzeichen von Gentrifizierung. Über ihn können wir Kontakt zum serbischen Priester der hier gelegenen orthodoxen Kirche herstellen, morgen sollen wir uns erneut bei ihm melden.

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Vladimirs Hund wollte auch etwas beitragen.

Wir haben bis zum nächsten Termin ein wenig Zeit und schauen uns einen neu eröffneten “Taproom” am Platz an, in welchem Craft Beer ausgeschenkt wird. Wir kommen mit dem Besitzer, Alexandru Bernaz, ins Gespräch. Hier gibt es für das Thema Gentrifizierung gar kein Verständnis. Der Besitzer meint, dass diese Entwicklung unaufhaltsam sei, sowieso früher oder später käme und ihm das Thema nicht besonders wichtig sei. Darüber hinaus sei in seinem Fall die Wahl des Standortes fast egal gewesen, da er mittlerweile einen festen Kundenstock habe und ihm dieser folge. Auf unsere Frage, ob er selbst in die Mall ziehen würde, antwortet er, dass er dort sicher nicht hinwolle, da er die Menschen dort nicht möge, ein Besuch des Einkaufszentrums viel zu viel Zeit in Anspruch nehme und er die Atmosphäre erschöpfend finde. Zu guter Letzt meint er, mittlerweile aber doch eine Verbindung zum Trajansplatz aufgebaut zu haben.

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Der Taproom-Besitzer von hinten: Es gibt neues Bier.

Um 18 Uhr findet unser letztes Treffen für heute statt. Architekt Sergiu Ioan Sabau arbeitet für die NGO “Tur de Arhitectura“, eine Gruppe von ArchitektInnen, die Führungen für BewohnerInnen der Statd organisieren. Er macht regelmäßig Führungen durch Cetate und erklärte sich bereit, mit uns vom Trajansplatz quer durch die Stadt bis zum Freiheitsplatz zu spazieren. Zunächst bleiben wir noch am Trajansplatz, wir gehen erneut in die Bar, holen dort Bier und plaudern noch etwa eine Dreiviertelstunde über die gegenwärtigen Entwicklungen im öffentlichen Raum. Auch Sabau gegenüber können wir mit großer Offenheit alle relevanten Themen ansprechen, er antwortet gerne schonungslos. Er schenkt uns insgesamt mehr als zwei Stunden Zeit. Er liefert uns Einblicke in die Wohnverhältnisse von Fabric sowie zur Rolle der Verwaltung. Darüber hinaus macht der auf die Prioritäten der Restaurierung und Denkmalpflege aufmerksam, welche in Fabric trotz ähnlicher Bausubstanz andere als in Cetate seien. Wir bitten ihn um soziodemographische Daten zur Stadt, er empfiehlt uns die Kontaktaufnahme mit einem Temeswarer Soziologen. Drei Gesprächspartner von heute bringen uns drei Kontakte für morgen. Kann denn das so weiter gehen? Obwohl sich seine Tour nicht bis nach Fabric erstreckt, wird überlegt, in Zukunft eine weitere für diesen Stadtteil anzubieten. Der Architekt kann sich vorstellen, dass sich Fabric in nächster Zeit verändern wird…z. B. aufgrund von Gentrification.

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Mathias interviewt voller Elan Sergiu Sabau.

1 Kilometer Park

Heute stand unser erstes Experteninterview mit Saimir Kristo, dem Vizedekan für Architektur und Design an der Polis Universität an. Am Tag davor haben wir uns extra noch informiert, wie wir denn zu der für österreichische Verhältnisse weit außerhalb liegenden Universität kommen würden. So weit so gut, sollte doch nicht so schwer sein. An der Station angekommen kam dann doch die große Verwirrung. Wir fragten eine Person, gekennzeichnet mit Warnweste und äußerst kompetent wirkend, nach dem Bus zum Einkaufszentrum QTU. Er verwies uns auf die andere Seite des Platzes. Dort fragten wir erneut ältere Männer, die den Anschein erweckten für den öffentlichen Verkehr zu arbeiten. Nach einer kurzen Diskussion wollten sie uns auf die andere Seite des Zentrums schicken. Verwirrt nahmen wir diese Aussage zur Kenntnis und fragten den Busfahrer im danebenstehenden Bus. Dieser verwies uns auf den Pepsi Stand nebenan. Diese Verkäuferin verwies uns wiederum auf die schon vorher angefragten Männer. Puh! Aber dann kam die Erleuchtung. Der ältere Mann deutete auf einen wegfahrenden Bus ca. 50 Meter vor uns. Er verständigte uns wir sollten uns doch beeilen. Wir erblickten die Aufschrift QTU. Nah endlich! Wir waren schon kurz davor ein Taxi zu nehmen, als wir uns in den alten BVG-Bus setzten, nicht ohne, dass der ältere Mann den Busfahrer noch ob unseres Zieles instruierte.

Pünktlich kamen wir dann in der Polis Universität an, die Sekretärin erwartete uns schon im Eingang. In einem sehr transparenten Besprechungszimmer ausgestattet mit Fenster anstatt von Wänden inmitten der Polis Universität breiteten wir unseren Urban Carpet aus. Überhaupt wirkte hier jede Wand transparent. Saimir begrüßte uns herzlich und konnte uns nach einer kurzen Einführung, warum auf dem Tisch ein vollgeschmierter Teppich liegt, nur beeindrucken. Sein Wissen über Tirana, aktuelle Projekte, die politische Situation in Albanien oder die U4-Verbindung in Wien ließen unser Aufnahme-Handy merklich Akku verschwitzen. So erzählte er uns nicht nur von der baulichen Strukturierung Tiranas, sondern auch von eigenen Problemen in der Stadt einen kostenlosen Fußballplatz für sein Hobby zu finden. Insgesamt waren seine Antworten so umfangreich, dass wir morgen erst einmal eine Transkript-Session im Kaffeehaus unseres Vertrauens starten müssen. Immer wieder wurden wir auch von vorbeigehenden Studierenden interessiert beobachtet. Nach dem Austausch von kleinen Geschenken – das Buch ´Visions for a new Tirana´ für uns und Mozartkugeln sowie Mannerschnitten für ihn – führte uns Saimir in die Bibliothek und zeigte uns nützliche Literatur. Nach der Literaturstudie verabschiedeten wir uns noch der Sekretärin. „Was, ihr seid ja immer noch da?“. Tatsächlich verbrachten wir doch gut fünf Stunden in der Polis Universität. Die Zeit geht wohl hier unten in Albanien um einiges schneller rum.

Am Heimweg machten wir dann noch einen Umweg über den Parku 1 Kilometer. Der Name ist Programm. Neben den auf der nördlichen Seite durch gesichtslose in die Höhe steigende Appartementblocks streckt sich eine ca. 20 Breite grüne Promenade. Die Südseite wirkt dagegen noch fast ländlich. Neben heruntergekommenen Sportplätzen, Basketballplätzen ohne Basketballkörbe und Zäune ohne Maschendraht reiht sich Sitzmobiliar aus Holz. Cafe´s und Bars findet man hier wie gefühlt an allen urbaneren Stellen zu genüge. Wir entschieden uns für die nächste Spontanintervention mit unserem Urban Carpet. Fazit: richtiger Ort zur Falschen Zeit. Wir konnten zwar mit unserem Zielpublikum ins Gespräch kommen und uns neue Orte zeigen lassen. Jedoch bemerkten wir am Heimweg – es war dann schon so ca. 18:00 Uhr – um die jüngere Generation zu erreichen, muss man später rauskommen. Alle Straßen waren voll mit Jungen Menschen, die es alle eilig hatten, die verkehrsbelärmten Hauptstraßen zu passieren. Unser Heimweg führte uns dann noch durch eine der städtebaulich interessantesten Gegenden Tiranas. Die bereits von Saimir erwähnten Strukturen im Stadtzentrum zeigten sich uns nun bildhaft vor Augen. Riesige kommunistische Scheiben- und Zeilenbauten türmten sich hinter den zumeist erdgeschosshohen orientalisch anmutenden Bauten der ottomanischen Zeit auf. Die Kleinteiligkeit mit all dem Charme von halböffentlich verwinkelten Gassen und Straßen wurde so in das strenge Korsett der diese flankierenden und umrahmenden diktatorischen Interventionen gezwängt. Sollte etwa die Vergangenheit zugunsten des damals propagierten starken und selbstständigen Albanien von den neugierigen Augen der Passanten der großen Boulevards abgeschirmt werden? Zumindest wir denken uns: ja. Und auch Saimir schilderte uns ähnliche Zusammenhänge. Auf dieses Thema werden wir aber in den nächsten Tagen genauer eingehen. Morgen steht der nächste Universitäts-Besuch an, dieses Mal an der Epoka-Universität.

Insofern bis morgen!

Tag 2: Maybe it’s not just war

On our first proper day in Sarajevo we pretty much changed our perception of what we actually should do in this city. During the day we interviewed three very interesting people, who are all very important to the cultural well-being of the city.

The first interview was held on the Faculty of Architecture of University of Sarajevo. We approach a 60s modernistic building that has many fine architectural details, although the building is not well maintained. While taking a picture of it’s impressive entrance, a student passing by tells us not to bother by taking any pictures, as there is nothing nice there, but to my mind it sometimes takes an extra effort to see the beauty behind. We interview the dean, Mevludin Zečević, who talks about Sarajevo and it’s current issues with urban planning like corruption. He mentions as well his personal experience from war time.

Our second interview takes place in a flat of an apartment block in the Austro-Hungarian part of the city. We are in the office of a local organisation called Crvena (bosnian for red). Crvena is a socially progressive and critical NGO focusing on topics like feminism, urbanism and art. It’s directress, Danijela Dugandžić, discusses with us very openly our project. She states that there many people coming to Sarajevo to do a research about the war and she thinks that the people of Sarajevo are fed up with the war topic, which is nourished by the constant flow of war tourism. In her mind the inhabitants need a positive message and not something that would remind them of the violence and the siege. This is a big turning point for us because most of the literature that we researched so far focused on the siege itself and saw the inhabitants of Sarajevo as victims, whereas it looks like that they don’t really feel like that.

The last interview is very informal and takes places in a bar called Blind Tiger, which the members of the festival Days Of Architecture consider as the chamber of architects – an institution which is not existing in the state of Bosnia and Herzegovina. We meet Nedim Mutevelic and Ervin Prasljivic, both co-founders of Days Of Architecture, along with their colleagues. We talked a lot about the festival and activities they planned and organised to strengthen the public space of Sarajevo. They shared the opinion that people here are simply fed up with the topic of war and want to live in an ordinary city. After several (happy) hours in the bar we came to the conclusion that we should focus on positive urban activities which happened after the siege.

Der letzte Tag in Kaluđerica

Der letzte Tag unserer Forschungsreise nach Belgrad ist vergangen und verbrachten ihn natürlich wieder in Kaludjerica. Wir versuchten in Kontakt mit den BewohnerInnen der Siedlung zu kommen, um die Forschungsergebnisse, die wir in den letzten Tagen gesammelt haben zu überprüfen und außerdem noch weitere Details herauszufinden. Wir sprachen deswegen mit Schülern in einer Bäckerei über ihre Treffpunkte und mit einer Kellnerin in einem Café über die BewohnerInnen der Siedlung. Die Schüler erzählten uns, dass sich Kinder und Jugendliche vor allem vor den beiden größeren Grundschulen in Kaludjerica treffen oder in den Gärten ihrer Eltern. Die Kellnerin empfahl uns ein weiteres Mal in ihr Café zu kommen, und zwar früh am Morgen, um mit älteren BewohnerInnen zu reden. Diese Aufgabe müssen wir leider Danijel übertragen, der im Juli wieder nach Belgrad kommen wird. Wir hatten unmittelbar danach aber ohnehin ein Gespräch mit einem älteren Bewohner der Siedlung, nämlich mit Mladen, einem serbokroatischen Einwanderer, den wir am Samstag in der Kirche kennengelernt hatten. Er wohnt schon seit fast 40 Jahren in Kaludjerica und erzählte uns bereitwillig von der Geschichte der Siedlung und den früheren Treffpunkten, beispielsweise von der ehemaligen Kegelbahn am heutigen Schulgelände.

Danach dokumentierten wir eine der größten Bauruinen in der Siedlung, von der wir annehmen, dass sie von Jugendlichen als Treffpunkt genutzt wird und außerdem die Busstationen der Linie 309, die die Verbindung nach Belgrad darstellen und um die sich deshalb auch kleinere Zentren mit Geschäften und Verkaufsständen entwickelt haben.

Obwohl wir heute den letzten Abend in Belgrad verbringen und wir eine intensive Forschungswoche hinter uns haben, ist die Arbeit damit natürlich noch nicht abgeschlossen. Die Interviews die Danijel auf Serbisch geführt hat müssen übersetzt und unsere Forschungsergebnisse dokumentiert und verarbeitet werden. Außerdem werden wir weiter Informationen zusammentragen. Danijel wird im Juli ein weiteres Mal nach Kaludjerica kommen, um dem Tipp der Kellnerin, mit den älteren BewohnerInnen im Café zu sprechen, nachzukommen. Außerdem werden wir von Wien aus noch ein letztes Interview mit Tiana, einer Architekturstudentin, die in Kaludjerica aufgewachsen ist, führen. Sie hatte leider unser heutiges Interview kurzfristig absagen müssen.

Es ist ein komisches Gefühl morgen nach Wien zurückzukehren. Die Woche in Belgrad war echt spannend, vielfältig und es gab viele Gelegenheiten Rakia zu trinken (vor allem mit den Interviewpartnern…), wir haben viel erlebt und einige neue Erfahrungen gemacht. Während unseres Aufenthaltes gab es Ups and Downs, sowohl was unseren Anspruch an den Erwartungen der Reise, als auch die Dynamiken in der Gruppe betrifft, was aber bei so einer intensiven Reise normal ist.

Unser letzter Tipp ist keine Literatur, sondern die Empfehlung euch die Stadt Belgrad (und vielleicht auch die Siedlung Kaludjerica) selbst anzusehen. Die Stadt ist von Tourismus noch sehr unberührt, wirkt sehr lebendig und nicht angepasst. Wie ihr seht lohnt es sich ihr einen Besuch abzustatten…

Kaluđerica between the Lines

Den heutigen Tag verbrachten wir ausnahmsweise nicht in Kaludjerica sondern im Zentrum von Belgrad. Am Vormittag hatten wir ein ausgedehntes Interview mit Vladimir Parezanin, Dozent an der Fakultät für Architektur der Belgrader Universität. Parezanin wurde uns von Djordje vermittelt, er hat in den letzten Jahren die Kirche und den umgebenden Platz für die Kirchengemeinde umgestaltet. Das Gespräch war außerordentlich hilfreich, da wir uns der Thematik des öffentlichen Raumes in Kaludjerica in einem weiter gefassten, philosophischen Kontext angenähert haben. Wir sprachen über die Ansprüche der Architektur, öffentlichen Raum zu gestalten, ohne das funktionierende Gemeinschaftsleben negativ zu beeinflussen, im Kontext von Kaludjerica betrachtet, wo man Architektur ohne Architekten, beziehungsweise Stadtplanung ohne Stadtplaner  vorfindet und die spezielle Dynamik, die sich daraus ergibt, ergibt. Das öffentliche Zusammenleben in Kaludjerica, abgesehen von klassischen öffentlichen Räumen und Plätzen funktioniert durch ein dichtes Netzwerk unter den BewohnerInnen sehr niederschwellig. Diese brauchten beispielsweise lange Zeit keine Arztpraxen, da man beim nachbarschaftlichen Leben ohnehin den Arzt trifft und diesen zu sich nach Hause bitten, oder gleich direkt auf der Straße um Hilfe bitten kann. Das Fehlen des öffentlichen Verkehrs wird dadurch kompensiert, dass man seine NachbarInnen mit dem Auto mit ins Stadtzentrum nimmt. Die Schwachstellen in der Infrastruktur der Siedlung werden so zum Potential des gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Ein Zitat Parezanis ist dabei besonders erwähnenswert: “Öffentlicher Raum ist nicht öffentlicher Raum weil er so genannt wird, sondern weil die sozialen Kontakte dort ablaufen”. Um Kaludjerica zu verstehen muss man zwischen den Zeilen lesen, sie funktioniert ohne Treffpunkte mit offensichtliche Aufenthaltsqualität, man trifft sich eben vor der Bäckerei, in einer ruhigen Seitenstraße, oder im Vorgarten. Insgesamt dauerte das Gespräch mehr als 2 Stunden, wir hatten aber alle nicht das Gefühl, dieses unterbrechen zu müssen, da es für uns sehr stark zu einem tieferen Verständnis der Siedlung beitrug.

Abends führten wir noch ein Interview mit den beiden Friseurinnen Danijela und Sladjana, die beide in Kaludjerica leben und uns sehr viel vom Leben in der Siedlung erzählen konnten. Wir fragten sie nach Treffpunkten, dem öffentlichen Leben und der Entwicklung von Kaludjerica während der letzten Jahre und sie zeigten uns auf der Karte jene Orte, die sie als öffentliche Treffpunkte identifizieren. Für uns erstaunlich war der Kontrast zwischen den beiden Interviews, die in der Ausführung beinahe gänzlich unterschiedlich waren. Die Ergebnisse führten aber schlussendlich zu einem schlüssigen Gesamtbild. Das Interview führte Danijel wieder auf Serbisch.

Der heutige Literaturtipp ist passend zu unseren heutigen Interviews “Researching the cityvon Kevin Ward. In diesem Buch werden unterschiedlichste Methoden zur Stadterforschung beschrieben, unter anderem auch Interviewführung.

Zusammengefasst ein langer und erkenntnisreicher Tag für uns alle.

Grüße aus Belgrad!

 

die Gesellschaft muss sich verändern

Von links nach rechts (gereiht nach der Abfolge der geführten Interviews): Dr. Ilse  Stockinger, Dr. Andreas Dillinger, DI Stefan Geier 

 

Um unsere (sehr) übergeordnete Fragestellung „Wie können technologische Entwicklungen dazu beitragen weniger Ressourcen zu verbrauchen und welche Rahmenbedingungen sind abseits der technologischen Entwicklungen dazu notwendig?“ besser fassen und beantworten zu können, haben wir spannende Meinungen unterschiedlicher AkteurInnen in Wien eingefangen. Als ProtagonistInnen haben wir uns jeweils eine VertreterIn der Stadt, der Politik und der Wirtschaft ausgesucht. Wir hatten dabei Gelegenheit ExpertInnen der Wiener Stadtwerke (Frau Dr. Ilse Stockinger), der Wirtschaftskammer Österreich (Dr. Andreas Dillinger), und der MA20 – Energieplanung (DI Stefan Geier) und deren Meinungen und notwendige Maßnahmen für die Entwicklung Wiens kennenzulernen.

Wir haben erfahren, dass ein solch komplexes und unüberschaubares Thema, wie es die Digitalisierung ist, Angst erzeugt. Die Digitalisierung muss so genutzt werden, dass wir die Komplexität verstehen lernen. Die Herausforderung besteht darin, dass wir die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen, richtig in die Anwendung bringen. Die digitalen Möglichkeiten sind dabei als ein Werkzeug zu sehen. Maßnahmen der Gesellschaft, wie das Licht nicht unnötig lange eingeschaltet zu lassen, sind nett, aber nicht ausreichend. Langfristig müssten die Strompreise erhöht werden, damit wirklich etwas passiert.

Zusammenfassend lässt sich der Klimawandel nicht wegretuschieren. Er ist da und wir stehen vor großen Herausforderungen. Es gibt keine Normen und Standards, jedoch befinden wir uns in Wien, mit der Smart City und übergeordnet mit den Klimazielen des Pariser Abkommens, auf einem guten Weg. Die Komplexität der Ressourcen, im Hinblick auf die Zukunft der europäischen Stadt ist sehr groß. Systematische Zusammenhänge sind schwer zu verstehen, Wechselwirkungen nicht einfach abzuschätzen. Die digitalen Werkzeuge um gesteckte Ziele zu erreichen, sind vorhanden, jedoch ist die Implementierung nicht ganz einfach.

Letztendlich liegt der Schlüssel in der Gesellschaft. Jede/Jeder muss sich verändern. Veränderung beginnt bei uns selbst.

 

Coverphoto – eigene Aufnahme und Bearbeitung

Felix Assmann, Michael Kerschbaumer, Marina Siebenhofer

wir werden mit ExpertInnen sprechen

Um das große Thema der Digitalisierung und im wesentlichen auch die Ressourcen selbst, einfacher fassen zu können, werden wir Interviews mit ExpertInnen aus der Stadt – der Wiener Stadtwerke, der Wirtschaft – der Wirtschaftskammer Österreich und der Politik – der MA20 Energieplanung führen.

Speziell werden wir die Wiener Stadtwerke zu Programmen wie der Smart City und dem Nachhaltigkeitsbericht befragen, sowie die umfassende Frage Stellen, wo sie denn die Chancen der stetigen Entwicklung unserer Gesellschaft sehen. Wir möchten erfahren, inwiefern technologische Entwicklungen dazu beitragen können, weniger Ressourcen zu verbrauchen. Außerdem auch wie sie das Potential von digitalen Technologien sehen und damit, urbane Systeme ressourcenschonender zu betreiben. Welche Möglichkeiten werden in städtischen Energiesystemen, hinsichtlich der Effizienzsteigerung gesehen? Im Speziellen auch, wie denn nun die Stadtwerke eine Effizienzsteigerung erreichen. Auch der Standpunkt zum Umgang mit dem Stadtwachstum in Wien und die Vereinigung mit Ressourcenschonung sind Bereiche, die wir gerne mit den Stadtwerken diskutieren möchten. Auch möchten wir die Vertreterin von den Wiener Stadtwerken mit dem Begriff des Rebound Effekts konfrontieren.

Der Wirtschaftskammer Österreich möchten wir ebenfalls, wie den Wiener Stadtwerken, die Frage stellen, wo sie denn die Chancen und Potentiale in der fortschreitenden Digitalisierung sieht. Auch interessiert uns ihr Standpunkt dazu, wie technologische Entwicklungen, dazu beitragen können, weniger Ressourcen zu verbrauchen. Spannend finden wir auch, dass die WKO im vergangenen Jahr die Zero Emissions Tagung veranstaltet hat, sich aber gleichzeitig für das Lobautunnel Projekt, oder die dritte Piste am Flughafen Wien ausspricht. Ob das nicht ein Widerspruch in sich ist? Auch von der WKO möchten wir wissen, welche Rolle die Gesellschaft hinsichtlich einer ressourcenschonenden Stadt spielt.

Die MA 20, genauer das Referat für erneuerbare Energie und Energieraumplanung, möchten wir auf das Urban Learning Projekt ansprechen. Wir möchten erfahren, welche Chancen sie in der stetigen Digitalisierung unserer Gesellschaft sieht. Welche technischen Entwicklungen werden von Seiten der Stadt Wien erprobt bzw. eingeführt, um in Zukunft den Ressourcenverbrauch zu senken? Und welche Potentiale sieht die Stadt Wien, in digitalen Technologien, wie zum Beispiel den Smart Grids? Weiter Antworten, möchten wir darüber erhalten, welche Auswirkungen das starke Wachstum auf die Stadt Wien hat und in Folge auch, ob sich dieses Wachstum mit Ressourcenschonung vereinbaren lässt. Hier interessiert uns auch die Positionierung zu Rebound Effekten. Wesentlich ist zum Abschluss natürlich auch die Frage bezüglich der Gesellschaft. 

Wir erwarten uns spannende und informative Interviews und werden berichten, wie es war 🙂 .

 

Coverphoto – Quelle: https://d3irk3g7luh32r.cloudfront.net/wp-content/uploads/sites/7/2016/11/interview-stick-figures.png

Felix Assmann, Michael Kerschbaumer, Marina Siebenhofer

Day four: First Interviews

Day04

On day four we wake up early to prepare for our first interview with a sociology professor at Yıldız University. The campus is huge and it reminds us of American university campuses. The security staff at the entrance arranges that a driver bring us to the professor´s office when they notice that we are foreigners. We learn about the historical meaning of Taksim Square and the changes during the past years, about hopes and fears.

“No matter how much you erase the historical footprint, you can not erase the society’s memory.”

For the second interview at Istanbul Technical University we are a lot more relaxed and talk about urban planning, policy of land use, the gentrification and privatization process in Istanbul – especially in Beyoğlu -, as well as the laws regarding public space and its use. This interview opens up new perspectives and gives insight into aspects, which we have not discussed so far, in a wider historical and political context.

“Public space means state space.”

After two intense interviews and a lot of new input we are exhausted, also because the city heats up strongly during the day and the humidity is extremely high. We spend the evening with pizza and beer in the garden of our apartment.