Gentrification is a Thing!

Die Agenda unseres heutigen Tag war es allgemeine Informationen von BewohnerInnen mittels Mental Maps zu sammeln, um das Viertel genauer untersuchen zu können. Jedoch wurde bei allen Gesprächen ein Thema sehr betont – Gentrifizierung.

Heute erzählen wir euch warum man nach Bijlmer zieht, warum man hier bleibt und wie die BewohnerInnen die Aktivitäten privater Investoren und Politik bewerten.

Wir beginnen heute mit den Geschichten von Marie, Jabaral und Louisa – drei Personen in deren 20er, Anfang 30er Jahren, deren Storys wir als Teil der Gentrifizierungsprozesse einstufen können. Alle drei sind aus unterschiedlichsten Gründen nach Bijlmer gezogen, und alle lieben den Ort von Henno Eggenkamp am Wasser (dort trafen wir sie auch). Marie ist ein Familienmensch und wohnt seit etwa 2 Jahren in Bijlmer. Hier haben sich auch ihre Eltern angesiedelt. Obwohl sie und ihr Ehemann gute Jobs haben und sich selbst in die “Mittelklasse” einstufen, erzählte sie uns, dass eine große Wohnung für ihre Familie in Amsterdam nicht leistbar wäre. Sie wollten ursprünglich nicht hierher umziehen, jedoch sieht sie es jetzt anders – “Die Medien seien Schuld für den schlechten Ruf des Viertels!”.

Ähnlich sieht es auch der 27-jähriger Jabaral. Er ist 2019 nach Bijlmer zugezogen, da viele seiner Kommilitone und Freunde da wohnten. Wie man von seiner Mind Map erkennen kann spaltet sich sein Leben in zwei Teile – “Living” in Bijlmer und “Life” eher im Amsterdamer Zentrum. Im Vergleich zu seiner letzten Wohnung in Diemen (näher zum Zentrum und der Universität), zahlt er hier fast den gleichen Betrag an Miete, jedoch ist er hier “Teil einer Community und nicht nur der anonyme Nachbar, von nebenan”.

IMG_5521-minDie letzte Karte kam von Louisa – einer Studentin, welche erst ihren dritten Tag als Bewohnerin mit uns verbrachte. Selber hat sie sich nicht so gut in der Gegend ausgekannt, wusste aber bereits welche Bereiche sie nach bestimmten Aspekten zuordnen konnte. Ihren Worte nach muss man als Frau “tough” sein. Ihren Safe-Space findet sie wie viele andere StudentInnen in Kleiburg und teilte uns mit, dass wenn sie es sich leisten könnte, gerne wieder im Zentrum Amsterdams wohnen wollen.

Die Gemeinsamkeiten dieser drei Personen kann man leicht von deren Mental Maps  erkennen. Eine weitere überraschende Gemeinsamkeit ist, dass man in der Gegend als “NeuzugezogeneR” hohe Miete zahlt. Wir haben uns ein bisschen tiefer mit der Thematik befasst und haben entdeckt, dass es ein Businessmodell ist, Wohnungen (aber auch gesamte Gebäude) zu kaufen und weiterzuvermieten, insbesondere an StudentInnen. Vor allem in Bijlmer funktioniert dieses Modell ganz gut, da die Wohnungen relativ groß sind und sich dadurch vor allem für Wohngemeinschaften eignen. Eine 100 m2 Wohnung kann z.B. leicht drei Studenten unterbringen, welche jeweils etwa 700 Euro pro Monat zahlen. In den alten Gebäuden kostete so eine Wohnung nur etwa 100.000 Euro vor 10 Jahren – heute jedoch mindestens dreifach so viel.

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Diese Problematik haben wir auch mit unseren nächsten GeschprächspartnerInnen – Zuwena und Nathifa – besprochen.

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Die zwei Schwestern mit surinamischen Wurzeln sind neue Entrepreneurs und haben den Bijlmer Bookstore gegründet. Der Grund – es gab einfach keinen Bookstore mit Werken von Autoren, welche die Gesellschaft gerne liest. Hier kann man Bücher von afrikanischen, surinamischen aber auch amerikanischen Autoren finden, welche auf den niederländischen Massenmarkt fehlen. Selber wohnen die zwei Schwester bereits deren ganzes Leben in der Nähe unseres Untersuchungsgebiet. Während  Zuwena noch bei ihren Eltern in einem Low-Rise-Building wohnt, wohnt die Nathifa 2 Minuten von ihre Familie entfernt in einem der Bijlmer High Rise Building – Ganzenhof. Die gleichen Probleme am Wohnungsmarkt haben wir auch von den zwei Entrepreneurs gehört – die Gentrifizierung hat sich im Laufe der Jahre  auch in Bijlmer stark ausgeprägt. Dadurch dass sich in den letzten Jahrzehnten eine starke Community in den verschiedenen Ethnien gebildet hat, wollen die Leute die hier aufwachsen, nicht wegziehen. Jedoch macht sich der Druck am Wohnungsmarkt auch in Amsterdam bemerkbar, die Nachfrage in den urbanen Raum zu ziehen steigt und deshalb wird das Angebot am Wohnungsmarkt immer geringer. Somit sind im Laufe der Jahre auch in Bijlmer die Miet und Kaufpreise angestiegen. Zuwena erzählte uns dass man die ehemaligen Gemeindewohnungen “verwahrlosen” ließ bis man sich entschied die Gebäude abzureißen und neue freifinanzierte Wohnungen zu bauen. Einerseits lassen die neuen Wohngebäude dem Viertel eine Aufwertung spüren… zumindest was die Kosten für Wohnraum betrifft – doch zu welchem Preis?! Es ist offensichtlich dass selbst in Bijlmer Verdrängungsprozesse stattfinden, welche von Politik und Gesellschaft unterschiedlich verstanden werden. Nathifa und Zuwena wünschen wir viel Erfolg bei der Realisierung ihrer Ideen und bedanken uns herzlich für das Interview und deren Geschenke.

In den nächsten Blogeinträge versprechen wir die gesammelten Fragen und Meinungen von den Interviews und BewohnerInnengesprächen mit unseren nächsten Interviewpartner aus Planung und Politik zu diskutieren.

Bleibt dran und bis morgen!

Euer Amsterdam Team,

Gabi und Martin

 

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Bijlmermeer ist einzigartig! Gespräche über Mode, Freiraum und Gesellschaft.

In unserem heutigen Blogeintrag erzählen wir euch über zwei Bijlmerperspektiven – jene des 75-jährigen Henno Eggenkamp und vom 16-jährigen Michael.

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Beide Männer wohnen direkt in Bijlmermeer und neben Alter und ethnischer Zugehörigkeit, unterscheiden sie sich auch in ihrer Lebensperspektive. Sowohl Henno, als auch Michael, sehen die Raw Facts gleich und wollten vor uns nichts “euphemistisch” darstellen bzw. ausblenden. Bei der Frage was den Menschen hier prioritär ist, haben sich zwei Aspekte hervorgehoben: Mode und Haare! Wenn man Einheimische in Bijlmer treffen will, muss man einen der vielen Friseursalons (nur in Grubbehoeve waren das sieben) besuchen. Ironischerweise hat uns Michael – seine Worte – ausnahmsweise erlaubt ein Foto mit ihm zu machen, da er heute beim Friseur war. Zusätzlich hat er uns empfohlen heimische Modegeschäfte wie SMIB zu besuchen, da sie seiner Meinung nach die lokale Kultur repräsentieren und “günstig” sind.

smib

Zu unseren Fragen über die Leere und dem Mangel an Menschen im öffentlichen Raum, haben wir von beiden gleiche Antworten bekommen – “Die BewohnerInnen isolieren sich”. Beide könnten genau verorten in welchen Gebäuden, welche Art von Personen leben:

  • Kikkenstein und Kruitberg – laut Henno – die Menschen ohne Ausbildung, Neuankömmlinge und Problemverursacher. Interessanterweise gehörte dieses Quartier auch nicht zu den “oft besuchten” von Michaels Gebieten. Zwischen den beiden Gebäuden hatten wir beim Spazieren ebenso diesen Eindruck da sich die BewohnerInnen attackiert gefühlt hatten und wir sogar bedroht wurden.
  • Kleiburg, in dessen Nähe wir auch Michael getroffen haben, beschrieb Henno als das Gebäude der “Jungen und Kreativen”. Dieses Beispiel haben wir bereits in unserem Forschungsantrag im Detail erläutert, aber auch im gestrigen Blog haben wir angedeutet, dass in Kleiburg hauptsächlich StudentInnen und junge Familien wohnen.
  • Im Gegensatz wird das Nachbargebäude Grubbehoeve hauptsächlich von Singles jeder Altersgruppe bewohnt. Hier befindet sich auch das BijlmerMuseum, Henno’s Wohnung, zahlreiche Friseursalons und in unmittelbarer Nähe die einzige Bar in der Gegend.
  • Der Rest des G-Buurtes – Gooirood, Groeneveen, Gravestein und Geldershoofd sind laut beiden ziemlich durchgemischt und modernisiert worden. Obwohl beide über Segregation des gesamten Gebietes erzählten, haben sie zugegeben, dass es hier mehrere Versuche gab eine soziale Durchmischung zu schaffen. Eines davon war eine Limitierung von Seiten der Politik dass sich in Gravestein und Geldershoofd nicht über 30% Schwarze ansiedeln dürfen. Diese ist bis heute gültig, wird jedoch laut Henno umgegangen.

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Beide Personen haben uns ein ähnliches Bild von Bijlmer gezeigt, jedoch empfehlen sie sehr diverse Lösungen, welche unserer Meinung nach von deren Erfahrung geprägt sind.

Henno Eggenkamp , geboren 1945, wohnte bis 1969 illegal in Amsterdam South, da er aber aus seinem ehemaligen Apartment rausgeworfen wurde, blieb ihm keine andere Möglichkeit als nach Bijlmer zu ziehen.

Er ist eine kreative Persönlichkeit und neben verschiedenen Jobs als Regisseur, TV-Produzent und Chef eines Radiosender, Produzent mehrerer Ausstellungen und Festivals, ist er auch der Gründer des BijlmerMuseums. Er beschreibt sich als “Stadtmacher” und ist der Meinung, dass ihn keiner mag, nichtsdestotrotz erzählt er stolz wie seine Projekte in der Gegend von der gesamten Nachbarschaft geschätzt und genutzt werden. Wenn über Nutzungen im öffentlicher Raum die Rede ist, ist Henno der festen Meinung, dass das Angebot nicht den Wünschen der BewohnerInnen entspricht. Er sieht die diversen Spiel- und Sportplätze, aber auch alleinstehende Bänke im Grünen als “Geldverschwendung”. Sein Wunsch – Eine Nachbarschaft, wo sich Menschen gern im Freien unterhalten. Er bezieht sich auf die Barbecueplätze und betont seine zwei “selfmade” Erholungsorte. Der erste liegt direkt vor dem BijlmerMuseum im Grünen und unterscheidet sich von den zahlreichen Bänken der Gemeinde nur mit einem Tisch dazwischen. “Es sei das, was die Menschen wollen” – sagte der Stadtmacher. Während des 2-stündigen Interviews konnte man verschiedene Personen sehen die diesen Ort zum Verweilen aufsuchten.

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Der zweite Ort, den der Gründer des BijlmerMuseum ansprach, ist der einzige Erholungsort mit Sitzmöglichkeit unmittelbar am Wasser. Auch hier stimmen wir zu und glauben, dass eine Gestaltung der Uferbereiche attraktiv für die BewohnerInnen sein könnte. Nach Untersuchung des Gebietes ist dies auch unser Lieblingsort im Gebiet geworden und perfekte Platz für unsere Interviews mit BewohnerInnen.

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Michael, geboren 2004 in der Nähe von Bijlmer, befindet sich gerade in seinem Abschluss Schuljahr, arbeitet nebenbei in einem Supermarkt und zielt auf ein Medizinstudium an. Seine Familie sind Migranten aus Ghana. Wir wollen etwas detaillierter auf ihn eingehen, da er uns sehr überrascht und fasziniert hat. Michael haben wir spontan mit seinem Fahrrad auf dem Fußweg getroffen und ihn gebeten eine Mental Map für uns zeichnen. Diese betitelte er mit “My Beautiful Bijlmer” – und laut seinen Erzählungen ist Bijlmer der beste Wohnort – nicht aufgrund der Wohnungen oder Infrastruktur, sondern aufgrund der Menschen. Auch mit ihm haben wir lang über Nutzungen im öffentlichen Raum gesprochen. Er erzählte uns über seine Kindheit mit vielen Aktivitäten wie Fußballspielen und Grillen im Freien. Jedoch nutzt er dieses Angebot nicht mehr, da er der Meinung ist, dass das soziale Leben entweder privat in den Wohnungen oder durch Social Media stattfindet. Auch diverse öffentliche und private Organisationen wie seine Schule, die Black Archives, die Bijlmer News usw. schaffen es Menschen zu vernetzen ohne spezielle Orte dafür gestalten zu müssen. “Grün sei für die Gänse” – stellte der jungen Schüler fest und zeichnete seine Radroute weiter.

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Bijlmer ist einzigartig! Nach unserem heutigen Tag hat sich dieser Satz am stärksten hervorgehoben. Ja – viele Menschen konnten wir auch heute nicht treffen, jedoch haben wir zumindest die Gründe dafür von “Insidern” gehört. Ob wir erfolgreich mit den Mental Maps sein werden, lässt sich in den nächsten Tagen herausfinden. Die ersten Interviews liefen jedoch reibungslos und wir hoffen, dass wir in den nächsten Tagen auch interessante Ergebnisse bekommen werden.

 

Wir hoffen, dass ihr auch weiterhin unsere Blogeinträge mit Interesse verfolgt!

 

Euer Amsterdam-Team,

Gabi und Martin

 

 

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ES IST, WIE ES IST

In Rumänien gibt es die Redewendung „Asta e“ – „Es ist, wie es ist“. Uns scheint, dass das dein Lebensmotto ist. Oft erscheinst du uns zu träge, um selbst Etwas aufzubauen und im selben Moment bist du zu stolz, um helfende Hände anzunehmen. Du bist eingefahren, hältst an Altem fest, ohne Neuem eine Chance zu geben. Bei dir fühlen wir uns in die Vergangenheit zurückversetzt, weil du nicht mit der Zeit mitgehst. 

– – –

Ausschnitt aus dem Film “Asta e” (Minute 17:48) von Thomas Ciulei, 2001 
GESELLSCHAFT 

Während der Gespräche, die wir hier mit den Bewohner*innen führten, wurde es uns ermöglicht einen Einblick in das Zusammenleben zu erhalten. Die Gemeinschaft ist in sich gekehrt, doch untereinander gut vernetzt. Man grüßt sich auf der Straße, plaudert und hilft einander. Dennoch bleibt man gerne unter sich, für Neuankömmlinge ist es eine Herausforderung Teil ihrer Gemeinschaft zu werden. Anonym zu bleiben, ist aber auch unmöglich.

Die ältere Dame, die sich um das Museum kümmert, lebt schon ihr ganzes Leben in Sulina und kennt das Innenleben der Gemeinschaft. Ihrer Meinung nach erfolgt die soziale Abgrenzung nicht nur gegenüber Tourist*innen, sondern auch unter den Bewohner*innen. So gibt es eine Bevölkerungsgruppe, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg hier lebte oder deren Eltern diese Zeit miterlebt haben. Sie sind gegenüber Zugezogenen offen, kennen und schätzen dabei die Multiethnizität. Die zweite Gruppe setzt sich aus den Personen zusammen, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Sulina gezogenen sind. Unter Ceausescu wurden hier Arbeitsplätze geschaffen die vor allem von Rumän*innen besetzt werden sollten. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase festigten sie ihre Stellung in der Gemeinschaft und treten seitdem Neuankömmlingen gegenüber skeptisch auf. Vor allem die in den letzten 10-20 Jahren Zugezogenen bekamen ihre Skepsis zu spüren und fühlen sich noch heute nicht ganz in die Gemeinschaft integriert.

Die Kirche spielt im gesellschaftlichen Leben Sulinas eine zentrale Rolle. Religion und Tradition sind eng miteinander verbunden. Jung und Alt fühlt sich den Traditionen verpflichtet und trägt sie weiter. Die traditionelle Rolle der Frau entspricht hier nicht dem modernen Frauenbild. Wir beobachten, dass in Lokalen und im öffentlichen Raum zu einem großen Teil die Männer beisammensitzen. Währenddessen tragen ihre Frauen die Einkäufe nach Hause, kümmern sich um Haushalt, Garten und Kinder.

POLITIK 

In Sulina lässt sich eine allgemeine Politikverdrossenheit erkennen. Der Verdacht, dass Politiker*innen in korrupte Machenschaften verwickelt sind, besteht auch heute noch. Dieses Misstrauen zieht sich von der lokalen bis zur nationalen Ebene durch. Auf der regionalen Ebene macht sich das in einer von Bewohner*innen empfundenen Rivalität zwischen Sulina und der Kreishauptstadt Tulcea bemerkbar. Sie beschrieben uns die Einflussnahme Tulceas in das lokale Geschehen als bewusste Störung der Entwicklung. Oft hieß es, dass Tulcea sich mal wieder querstelle.

Nur auf europäischer Ebene zeigt man sich enthusiastischer. Seit dem Beitritt im Jahr 2007 ist die EU in den Köpfen der Rumän*innen sehr präsent. In Sulina ist die EU-Flagge überall zu sehen. Über den Eingängen öffentlicher Gebäude oder auf Schildern, die auf vergangene bzw. kommende Projekte hinweisen. Unser Eindruck ist, dass die EU den hier lebenden Menschen Hoffnung auf eine schönere Zukunft ihrer Stadt verleiht. Andererseits greift sie mit ihren Richtlinien regulierend in unterschiedliche Lebensbereiche ein. Egal ob man der EU gegenüber positiv oder negativ eingestimmt ist: es ist nicht gleichgültig, man hat eine Meinung. Vielleicht können Ausgang und Wahlbeteiligung der heutigen EU-Wahl diesen Eindruck bestärken. 

Es scheint uns als sei die Umsetzung von Projekten hier kompliziert. Unsere (Nicht)Sehenswürdigkeiten sind der Beweis. Bei vielen von ihnen traten private Unternehmer*innen von Außen mit ihren Plänen an die Gemeinde heran um die Gebäude zu sanieren und die verlassenen Orte wieder aufleben zu lassen. Die Verwaltung und Politik unterstützte in vielen Fällen die Projekte weder mit finanziellen Mitteln noch in der Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen. Anstatt neue Projekte zu initiieren, nimmt die Gemeinde eine passive Stellung ein. Wenn etwas dann doch in die Wege geleitet wird, dann stellt wieder einmal die isolierte Lage der Kleinstadt und der damit einhergehende Mangel an Arbeitskräften eine Hürde dar.

Wir fragten uns woher diese Passivität kommt. In den letzten Tagen haben wir die Mentalität der Menschen dieser Stadt miterlebt, ihren Stolz, der es ihnen manchmal verwehrt fremde Hilfe anzunehmen. Sulina pocht auf ihre Autonomie, will die gute, alte Zeit wieder aufleben lassen und zwar aus eigener Kraft heraus. Vielleicht ist das die Erklärung.

ARMUT 

Ein Teil der Bevölkerung lebt in armutsgefährdeten Verhältnissen und vor allem von der finanziellen Unterstützung von Verwandten und all dem was Garten und Vieh hergibt. Besonders an den Rändern Sulinas sind diese Zustände zu erkennen. Die Siedlungen am Rand wirken informell, weil vieles willkürlich platziert und Materialien einfach zweckentfremdet als Baustoff verwendet werden. Wir haben Schiffsteile gesehen, die zu Gartentoren umfunktioniert wurden, alte Textilien dienen heute als Sichtschutz und der Abfall, der gar keine Verwendung findet, landet in der Natur.

Viele der Menschen wollen und können trotz ihrer Situation ihre Heimat nicht aufgeben und hoffen auf bessere Aussichten für ihre Kinder. Die jungen Menschen zieht es nach dem Abschluss ihrer Schulausbildung in die größeren Städte der Region, um weitere Ausbildungsmöglichkeiten wahrzunehmen.

Der rumänische Regisseur Thomas Ciulei thematisiert in seinem Film „Asta e“ (2001) die Armut der im Donaudelta lebenden Bevölkerung. Die Familien, deren Leben der Film porträtiert, stehen dabei sinnbildlich für die Krisen des postkommunistischen Rumäniens.

Zurück in Wien – unser Fazit

Heute morgen sind wir drei wieder nach Wien zurückgekehrt. Damit ist der erste Teil unseres Projektes, die Forschungsexpedition nach Belgrad, zur Erforschung des öffentlichen Raumes in Kaludjerica, beendet. Es wartet aber noch viel Arbeit auf uns, wie wir im gestrigen Blogeintrag anklingen ließen. Während der letzen sieben Tage haben wir versucht so viele Eindrücke und Meinungen wie möglich in Kaludjerica zu sammeln. Insgesamt blicken wir sehr positiv auf unsere Forschungsexpedition zurück. Obwohl wir etwas überfordert in Belgrad ankamen, fanden wir sehr schnell Zugang zur Siedlung und deren BewohnerInnen. Wir lernten sehr hilfsbereite und nette Leute kennen, die viel zu unserem Verständnis der Siedlung beitrugen. Mit so viel Offenheit und Interesse hätten wir nicht gerechnet. Überraschenderweise war es viel einfacher als erwartet, Anschluss zu finden, obwohl uns die BewohnerInnen von Kaludjerica anfangs eher skeptisch gegenüberstanden.

Insgesamt besuchten wir die Siedlung fünf mal, wir durchquerten sie mit dem Auto, zu Fuß und mit dem Bus. Wir schossen zirka 900 Fotos, nahmen fast vier Stunden Audiomaterial bei Gesprächen und Interviews auf. Diese führten wir auf drei verschiedenen Sprachen, auf Deutsch, Englisch und Serbisch. Wir führten Interviews mit den ExpertInnen Prof. Eva Vanista Lazarevic und Vladimir Parezanin, den BewohnerInnen Danijela, Mladen und Sladjana, sowie den Angehörigen der Kirchengemeinde Djordje und Jovan, die sich beide aufgrund ihrer Arbeit sehr gut mit der sozialen Struktur der Siedlung auskennen.

Wir haben nun nach dieser intensiven Beschäftigung mit dem Thema das Gefühl die Vorgänge und Strukturen in der Siedlung sehr gut zu verstehen. Den öffentlichen Raum in Kaludjerica kann man auf zwei Ebenen betrachten. Einerseits als den klassischen institutionellen öffentlichen Raum, also Plätze, Märkte, die Kirche, den Friedhof, Spielplätze, usw., der zum Großteil in den letzten Jahren geschaffen wurden um die Siedlung aufzuwerten. Andererseits als jenes nachbarschaftliches Zusammenleben, durch das die lange Nicht-Existenz der oben genannten Treffpunkte kompensiert wird. Das gesellschaftliche Leben und die Öffentlichkeit in dieser Siedlung funktioniert wohl noch immer sehr niederschwellig über Nachbarschaftstreffen in privaten Gärten, gemeinsames Essen und Trinken nach der Kirche, am Vorplatz des Supermarktes reden usw., also klassisches dörfliches Gemeinschaftsleben.

In den nächsten Wochen werden wir euch weiterhin über die Aufarbeitung unserer Forschungsergebnisse auf dem Laufenden halten und euch im Herbst unsere Ergebnisse präsentieren. Wir werden dazu einen kleinen Radiobeitrag in der Architektursendung A Palaver auf Radio Orange produzieren und gemeinsam mit den anderen Fieldtrips Teams die Publikation Fieldtrips 3 des Future Labs gestalten.

Also bleibt dran – es geht spannend weiter…

Vielen Dank für euer Interesse und bis bald!!

Hannes, Danijel und Rafael

die Gesellschaft muss sich verändern

Von links nach rechts (gereiht nach der Abfolge der geführten Interviews): Dr. Ilse  Stockinger, Dr. Andreas Dillinger, DI Stefan Geier 

 

Um unsere (sehr) übergeordnete Fragestellung „Wie können technologische Entwicklungen dazu beitragen weniger Ressourcen zu verbrauchen und welche Rahmenbedingungen sind abseits der technologischen Entwicklungen dazu notwendig?“ besser fassen und beantworten zu können, haben wir spannende Meinungen unterschiedlicher AkteurInnen in Wien eingefangen. Als ProtagonistInnen haben wir uns jeweils eine VertreterIn der Stadt, der Politik und der Wirtschaft ausgesucht. Wir hatten dabei Gelegenheit ExpertInnen der Wiener Stadtwerke (Frau Dr. Ilse Stockinger), der Wirtschaftskammer Österreich (Dr. Andreas Dillinger), und der MA20 – Energieplanung (DI Stefan Geier) und deren Meinungen und notwendige Maßnahmen für die Entwicklung Wiens kennenzulernen.

Wir haben erfahren, dass ein solch komplexes und unüberschaubares Thema, wie es die Digitalisierung ist, Angst erzeugt. Die Digitalisierung muss so genutzt werden, dass wir die Komplexität verstehen lernen. Die Herausforderung besteht darin, dass wir die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen, richtig in die Anwendung bringen. Die digitalen Möglichkeiten sind dabei als ein Werkzeug zu sehen. Maßnahmen der Gesellschaft, wie das Licht nicht unnötig lange eingeschaltet zu lassen, sind nett, aber nicht ausreichend. Langfristig müssten die Strompreise erhöht werden, damit wirklich etwas passiert.

Zusammenfassend lässt sich der Klimawandel nicht wegretuschieren. Er ist da und wir stehen vor großen Herausforderungen. Es gibt keine Normen und Standards, jedoch befinden wir uns in Wien, mit der Smart City und übergeordnet mit den Klimazielen des Pariser Abkommens, auf einem guten Weg. Die Komplexität der Ressourcen, im Hinblick auf die Zukunft der europäischen Stadt ist sehr groß. Systematische Zusammenhänge sind schwer zu verstehen, Wechselwirkungen nicht einfach abzuschätzen. Die digitalen Werkzeuge um gesteckte Ziele zu erreichen, sind vorhanden, jedoch ist die Implementierung nicht ganz einfach.

Letztendlich liegt der Schlüssel in der Gesellschaft. Jede/Jeder muss sich verändern. Veränderung beginnt bei uns selbst.

 

Coverphoto – eigene Aufnahme und Bearbeitung

Felix Assmann, Michael Kerschbaumer, Marina Siebenhofer

wir werden mit ExpertInnen sprechen

Um das große Thema der Digitalisierung und im wesentlichen auch die Ressourcen selbst, einfacher fassen zu können, werden wir Interviews mit ExpertInnen aus der Stadt – der Wiener Stadtwerke, der Wirtschaft – der Wirtschaftskammer Österreich und der Politik – der MA20 Energieplanung führen.

Speziell werden wir die Wiener Stadtwerke zu Programmen wie der Smart City und dem Nachhaltigkeitsbericht befragen, sowie die umfassende Frage Stellen, wo sie denn die Chancen der stetigen Entwicklung unserer Gesellschaft sehen. Wir möchten erfahren, inwiefern technologische Entwicklungen dazu beitragen können, weniger Ressourcen zu verbrauchen. Außerdem auch wie sie das Potential von digitalen Technologien sehen und damit, urbane Systeme ressourcenschonender zu betreiben. Welche Möglichkeiten werden in städtischen Energiesystemen, hinsichtlich der Effizienzsteigerung gesehen? Im Speziellen auch, wie denn nun die Stadtwerke eine Effizienzsteigerung erreichen. Auch der Standpunkt zum Umgang mit dem Stadtwachstum in Wien und die Vereinigung mit Ressourcenschonung sind Bereiche, die wir gerne mit den Stadtwerken diskutieren möchten. Auch möchten wir die Vertreterin von den Wiener Stadtwerken mit dem Begriff des Rebound Effekts konfrontieren.

Der Wirtschaftskammer Österreich möchten wir ebenfalls, wie den Wiener Stadtwerken, die Frage stellen, wo sie denn die Chancen und Potentiale in der fortschreitenden Digitalisierung sieht. Auch interessiert uns ihr Standpunkt dazu, wie technologische Entwicklungen, dazu beitragen können, weniger Ressourcen zu verbrauchen. Spannend finden wir auch, dass die WKO im vergangenen Jahr die Zero Emissions Tagung veranstaltet hat, sich aber gleichzeitig für das Lobautunnel Projekt, oder die dritte Piste am Flughafen Wien ausspricht. Ob das nicht ein Widerspruch in sich ist? Auch von der WKO möchten wir wissen, welche Rolle die Gesellschaft hinsichtlich einer ressourcenschonenden Stadt spielt.

Die MA 20, genauer das Referat für erneuerbare Energie und Energieraumplanung, möchten wir auf das Urban Learning Projekt ansprechen. Wir möchten erfahren, welche Chancen sie in der stetigen Digitalisierung unserer Gesellschaft sieht. Welche technischen Entwicklungen werden von Seiten der Stadt Wien erprobt bzw. eingeführt, um in Zukunft den Ressourcenverbrauch zu senken? Und welche Potentiale sieht die Stadt Wien, in digitalen Technologien, wie zum Beispiel den Smart Grids? Weiter Antworten, möchten wir darüber erhalten, welche Auswirkungen das starke Wachstum auf die Stadt Wien hat und in Folge auch, ob sich dieses Wachstum mit Ressourcenschonung vereinbaren lässt. Hier interessiert uns auch die Positionierung zu Rebound Effekten. Wesentlich ist zum Abschluss natürlich auch die Frage bezüglich der Gesellschaft. 

Wir erwarten uns spannende und informative Interviews und werden berichten, wie es war 🙂 .

 

Coverphoto – Quelle: https://d3irk3g7luh32r.cloudfront.net/wp-content/uploads/sites/7/2016/11/interview-stick-figures.png

Felix Assmann, Michael Kerschbaumer, Marina Siebenhofer

Von der Theorie in die Praxis

Nun sind die Weihnachtsfeiertage und Silvester wie im Flug vergangen und da stehen auch schon die ersten Interviews im Raum! Wir sind gespannt wie der Output vom ersten Interview aussehen wird. Da wir das Interview mit einer Kamera aufzeichnen müssen – um es später für einen Film verwenden zu können – müssen wir Fragen bezüglich räsentation, Fragenauswahl und Interviewformat, stellen.

Guter Tipp für alle zukünftigen Profifilmer: Sucht euch Tipps im Internet, zum Beispiel auf YouTube um euch Tipps für die Kameraführung zu holen. Wir bekamen außerdem noch Input-Vorträge von Philipp Krebs, die uns sehr geholfen haben. Also immer nach Ratschlägen und Tipps ausschau halten, es hilft!

Jedenfalls trafen wir uns am 4. Januar am Vortag des 1. Interviews um das ganze Equipment zu testen und das Interview nochmals durchzugehen. In insgesamt 4 Stunden haben wir dann den Fragebogen, nochmals für das Interview adaptiert. Guter Tipp: Vor einem Interview sollte man die ausgearbeiteten Fragen nochmals mit eigenen Antwortmöglichkeiten durchgehen. Solche Vorgänge sind wichtig um die Fragen anschließend nochmal überarbeiten, kürzen oder auch ausformulieren zu können.

Auch die Kamera-Settings haben wir durch verschiedene Probevideos geprobt.

Anschließend haben wir unsere Favoriten aus einer großen Auswahl an Shots gewählt, um diese dann für das Interview anzuwenden.

Am Freitag werden wir dann das erste Interview mit Thomas Madreiter haben, wir sind alle schon gespannt, wie es werden wird.

Katja Schwaigerlehner, Michael Masching, Hannes Schachner, Finja Callesen

Coverphoto – Quelle: eigene Darstellung

Der unstillbare Hunger.

Unser Hunger nach Energie.

Ein Anfang ist es nicht mehr auf endliche Ressourcen wie Erdgas- und Erdöl zurückzugreifen zu müssen (wir beziehen ca. 80% aller Energien daraus). Nicht nur, dass es sonst früher oder später keine fossilen Brennstoffe mehr geben wird, auch treiben die daraus generierten CO² Emissionen immens den Klimawandel an. –> CO2-Bilanzen 

Über Atomenergie möchten wir gar nicht erst beginnen zu reden. In der direkten Gegenüberstellung mit fossilen Brennstoffen vielleicht umweltschonender, jedoch beherbergen sie ein nicht beherrschbares Katastrophenpotential. (Atomkraft und Nachhaltigkeit)

Wir müssen also Umdenken, sonst ist es irgendwann zu spät. Es muss genügend billige Energie aus erneuerbaren Ressourcen, wie dem Wind und der Sonne, erzeugt werden. Nur wenn die Versorgung dadurch wirklich sichergestellt werden kann, können wir auf fossile Brennstoffe verzichten. Um diese Versorgung sicherzustellen benötigen wir Innovationen und Technologien und die Wissenschaft. Nur so können wir wirtschaftlich weiter wachsen.

Und dann natürlich noch die Bewusstseinsbildung für die Gesellschaft. Das Problem angreifbar machen. Eine Idee wäre hier, um wieder ein wenig auf unser Katastrophen-Szenario (kein Strom mehr) zurückzukommen, das Aufzeigen von und Konfrontieren mit möglichen Szenarien einer plötzlichen Energiewende.

Wenn jemand ein Problem erkannt hat und nichts zur Lösung des Problems beiträgt, ist er selbst ein Teil des Problems. (Unbekannt)

 

Coverphoto – Quelle: https://bilder.t-online.de/b/71/22/14/94/id_71221494/610/tid_da/die-deutschen-verbrauchen-fuer-ihren-lebensstil-pro-jahr-weit-mehr-als-doppelt-so-viele-natuerliche-ressourcen-wie-ihr-eigenes-land-dauerhaft-zur-verfuegung-stellen-kann-.jpg

Felix Assmann, Michael Kerschbaumer, Marina Siebenhofer

die Lösung der Probleme?

Wenn wir von Effizienz, Konsistenz und Suffizienz sprechen, stellen wir uns sehr schnell die Frage, wie anpassungsfähig unsere Gesellschaft denn eigentlich ist?

Uns allen ist inzwischen das Konzept des ökologischen Fußabdrucks bekannt (oder der ökologische Rucksack, den wir in einem der vorherigen Blogbeiträge vorgestellt haben). Die Folgen des eigenen Konsums sind für uns nachvollziehbar, ob es nun die ökologischen oder sozialen sind. Der Klimawandel wird tagtäglich sichtbarer, die Produktionsbedingungen von Kleidung in Bangladesch kennen wir. Doch welche Konsequenzen zieht unsere Gesellschaft daraus?

Wenn wir die politischen Entwicklungen betrachten, sind die 2-Grad-Ziele von Paris der Maßstab, den es gilt zu halten. Gleichzeitig wird bei einem Blick in die Medien deutlich, dass zahlreiche Staaten ihre gesteckten Ziele nicht einhalten können. Die Anstrengungen auf dem Weg zum 2-Grad-Ziel sind auf der politischen Agenda nicht sehr weit oben angesiedelt, bzw. PolitikerInnen scheuen einschneidende Schritte aus Angst vor den Reaktionen der WählerInnen. An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, dass die Politik und letztendlich der Gesetzgeber nicht der entscheidende Treiber für ökologische und nachhaltige Veränderungen unserer Gesellschaft ist. Dazu möchten wir gerne auf einen Artikel im Standard verweisen. 

Aber wie kann eine nachhaltige Veränderung aussehen, wie können wir selbst zu einer Veränderung beitragen? Viele Probleme die unsere Gesellschaft erzeugt, sind bekannt, aber Veränderungen lassen sich nur sehr langsam umsetzen. Vielleicht zu langsam?

Zum einen gibt es Produkte, die mit hoher Effizienz arbeiten, aber einfach von der Kundschaft nicht akzeptiert wurden. Der VW Lupo 3L wurde schon vor knapp 20 Jahren (1999) auf den Markt gebracht, hat aber nur wenig Interesse und Anklang gefunden. Dagegen sind SUV’s zu einer der beliebtesten Fahrzeugkategorie geworden, trotz der Folgen. –> Der SUV-Boom und seine Folgen

Welche Lösung bleibt dann, um die immer stärker werdenden Probleme die durch Umweltbelastung und Klimawandel auf uns zukommen, anzugehen? Können wir auf die große technische Innovation hoffen, die diese Probleme auf einen Schlag lösen kann?

 

Coverphoto – Quelle: http://www.uni-bayreuth.de/de/forschung/profilfelder/emerging-fields/innovation-und-verbraucherschutz/images/layoutbilder_zentral/Birne.jpg

Felix Assmann, Michael Kerschbaumer, Marina Siebenhofer

from efficiency to sufficiency

Von der Effizient zur Suffizienz. Es soll ein Bewusstsein für die Begrenztheit natürlicher Ressourcen, für den Klimawandel und in Folge zur dringenden Notwendigkeit des Einsparens der Energie geschaffen werden. An dieser Stelle, möchten wir euch gerne einladen, einen Blick in die Fachzeitschrift “movum” zu werfen. In mehreren Artikeln wurde sich mit dem Thema “Nachhaltigkeit heißt Effizienz und Befreiung” beschäftigt. –> hier nachzulesen

Auf den ersten Blick, könnte man einen starken Kontrast zwischen Suffizienz und Technik sehen. Jedoch, darf sich die Suffizienz niemals gegen technologische Fortschritte richten. Es gibt eine Vielzahl an technischer Innovationen die diesem Anspruch gerechnet werden. Nehmen wir einmal das Carsharing. Dabei geht es nicht um Einsparung oder gar Verzicht, es geht um eine vernünftige und bewusste Nutzung. Genau mit dieser Herausforderung hat sich das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie beschäftigt. –> “Öko-Effizienz und Öko-Suffizienz von professionalisiertem Car-Sharing” S71ff”

Suffizienz birgt viele Potenziale. Ein Energiesparhaus ist immer nur so effektiv und sparsam wie seine BewohnerInnen.

 

Coverphoto – Quelle: http://www.forumfutureenergy.de/wp-content/uploads/2014/10/effizienz_slide.jpg

Felix Assmann, Michael Kerschbaumer, Marina Siebenhofer

less is still less… or is it more?

Der ökologische Rucksack

“Die Politik hat den Eindruck vermittelt, dass sich die Klimaerwärmung aufhalten ließe, ohne dass wir unseren Lebensstil und unsere Produktionsweise ändern. Nach den verschwendeten Jahrzehnten voller Augenwischerei und Gewöhnung sind revolutionäre Veränderungen in der Wirtschaftspolitik, im Verkehr, in der Landwirtschaft notwendig.” (Schulte von Drach 2017)
Mehr Infos: Markus Schulte von Drach

Wenn man sich mit den Themen Ressourcen und Energieeffizienz beschäftigt, landet man zum einen automatisch bei Konsistenz und Suffizienz und zum anderen bei Klimawandel. Hierbei stellt sich dann immer stärker die Frage, was dies für das eigene Leben bedeutet. Wie sehr muss sich unsere Gesellschaft ändern? Ist es richtig, ein neues Handy zu kaufen, obwohl das alte noch funktioniert? Sollte ich fliegen oder doch die Bahn nehmen? Aber nutzt dies überhaupt noch was oder müssen wir hier in viel radikaleren Schritten denken? Oder nur auf etwas Luxus verzichten? Wird es möglich sein, durch technischen Fortschritt Lösungen zu finden, also “die nächste Stufe der Zivilisationsrakete zünden” (Schellnhuber 2017)?

In den nächsten Blogeinträgen werden die erwähnten Ansätze genauer erläutert, um einen tieferen Einblick in die aktuelle Forschung zu erlangen und in weiterer Folge zukunftsweisende Modelle aufstellen zu können.
Und etwas zur Berechnung des eigenen Lebensstils: Lebensstil -Rechner

Quellen:
Schellnhuber, Hans 2017: Schwachsinn ist, wenn Politiker wieder in Gummistiefeln auf dem Deich stehen. Im Magazin Stern, vom 20.11.2017; Interview von Dieter Hoß. https://www.stern.de/panorama/wissen/klimaforscher-schellnhuber–schwachsinn-ist–wenn-politiker-wieder-in-gummistiefeln-auf-dem-deich-stehen-7756216.html [abgerufen am 21.11.2017]

Schulte von Drach, Markus 2017: Die Zeit der kleinen Schritte ist vorbei. In der Süddeutschen Zeitung, vom 9.11.2017.
http://www.sueddeutsche.de/politik/klimaerhitzung-die-zeit-der-kleinen-schritte-ist-vorbei-1.3722037 [abgerufen am 15.11.2017]

Coverphoto-Quelle: http://www.barthauer.de/fileadmin/Redaktion/Bildmaterial/1_Unternehmen/Aktuelles_Newsletter_Videoblog/-Bilder_Newsletter_Landing-Pages/Grafik_Rucksack.jpg

Felix Assmann, Michael Kerschbaumer, Marina Siebenhofer

efficiency for what?

Gesellschaftlicher Wachstum und weniger Ressourcenverbrauch? 

Im Zuge unserer letzten gruppeninternen Diskussionsrunde verständigten wir uns bereits (unbewusst) auf das Thema der Smart Grids. Durch unser strukturiertes und fokussiertes Vorgehen, dass nach schnellen Lösungsansätzen sucht, drifteten wir schnell in eine bestimmte Ecke und hatten den Blick auf das große Ganze verloren.

Nach der Feedbackrunde mit den Lehrenden sind wir zu dem Schluss gekommen, einen Schritt zurück machen zu wollen um in weiterer Folge zwei Schritte nach vorne machen zu können.

In unserer nächsten Diskussionsrunde versuchten wir die grundsätzliche Verbindung zwischen Technologie und Ressourcen herzustellen und herauszufinden in wie fern sich die beiden beeinflussen. Technologie ist der treibende Faktor hinsichtlich Ressourcenverbrauch, Technologie macht uns effizienter, Technologie ermöglicht neue Ressourcen. Das Vorkommen von erneuerbaren Ressourcen ist sozusagen “unendlich”, das Vorkommen von technisch zugänglichen Vorkommen von Ressourcen jedoch sehr wohl “endlich”. Eine weitere Überlegung brachte uns zu dem Gedanken, dass durch technische Innovationen, Entwicklungen und Fortschritte die Zugänglichkeit zu den Vorkommen erleichtert wird.

An diesem Punkt sind wir bei einem Paradoxon unserer Gesellschaft angelangt. Bis dato haben unsere technologischen Errungenschaften, unseren Ressourcenverbrauch eher angekurbelt und diesen beschleunigt, als in zu minimieren und unser Verhalten nachhaltiger zu gestalten. Beispielsweise kann hier der Verbrennungsmotor genannt werden, der grundsätzliche eine tolle Erfindung ist und uns als Menschheit große Freiheit ermöglicht hat. Durch die Tatsache, dass aber mittlerweile fast jede Familie (zumindest in Europa und den USA) ein oder mehr Autos besitzt hat die Erfindung zu einem enormen Anstieg des Erdölverbrauches geführt. Dass sich der Verbrauch von Autos pro Kilometer grundsätzlich verringert hat, wird vielfach durch höheren Komfort und Sicherheit, was zu mehr Gewicht führen, aufgebraucht. Auch zeigt sich, dass sparsame Fahrzeuge häufiger genutzt werden und der Gesamtverbrauch somit höher wird (Rebound-Effekt).

An diesem Punkt wollen wir ansetzen: Was muss sich ändern, dass Technologie zu einem geringeren Verbrauch an Ressourcen führt?

Somit lautet unsere überarbeitete Forschungsfrage nun:

Wie kann uns Technologie helfen gesellschaftlichen Wachstum aufrechtzuerhalten bzw. ist es möglich und gleichzeitig weniger/keine nicht-erneuerbare Ressourcen zu verbrauchen?

Coverphoto – Quelle: https://media.diepresse.com/images/uploads_800/e/2/5/4881957/7A6265C4-2B62-46B1-A08B-529D0E272DBE_v0_l.jpg

Felix Assmann, Michael Kerschbaumer, Marina Siebenhofer