Tag 2: Tour de Sulina II

An unserem zweiten Tag lernten wir dein anderes Gesicht kennen. Wir überquerten den Fluss, um das zu erforschen, was eigentlich direkt vor unserer Nase war. Erneut wurden wir von deiner Vielschichtigkeit überrascht. Wir haben verwilderte, private, idyllische und zerstörte Orte entdeckt. Diese Orte in der Peripherie der Peripherie sind ein wichtiger Teil deiner Geschichte und lassen uns in deine Vergangenheiten eintauchen. Für uns sind deine geschichtsträchtigen Orte, die sich nach und nach die Natur zurückerobert, jene (Nicht)Sehenswürdigkeiten, welchen wir auf die Spur gehen.

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Hier könnt ihr unsere Tour de Sulina II verfolgen

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An das linke Ufer des Sulina-Kanals gelangen wir mit einem kleinen, blauen Boot. Zwei ältere Personen steigen mit uns ein, um das südliche Ufer zu verlassen. Angekommen in Prospect weisen sie freundlich unsere helfenden Hände ab, steigen schwerfällig aus dem Boot und unsere Wege trennen sich.

Wir folgen einem schmalen Weg zwischen den Häusern und haben schon wenige Augenblicke später das Ende der Siedlung erreicht. An einem kleinen Kanal wandern wir einen leicht erhöhten Feldweg entlang in Richtung Westen. Die Boote am Ufer verschmelzen nahezu mit der Landschaft. Das hohe Schilf weht im Wind, nur selten hört man Kröten oder Insekten im Gebüsch. Prospect wirkt noch ruhiger, privater und ländlicher als die hinteren Straßen der südlichen Seite Sulinas.

Die stillen Gewässer grenzen Landschaft und Siedlung klar ab. Am Ende des Weges führt eine von Rost überdeckte, wackelige Brücke über einen weiteren Kanal. Wir folgen den Trampelpfaden unserer Vorgänger und befinden uns inmitten einer prärieähnlichen Landschaft. Das Gras wächst nicht hoch und nur die scheinbar willkürlich platzierten Betonklötze stellen echte Erhebungen dar. Eine ideale Kulisse für einen Alien-Film. Das Grau der Mauern ist im Laufe der Jahrzehnte vergilbt und von Flecken bedeckt. Die Rinder, die die Überreste der Industrieanlage heute bewohnen, haben sich farblich an ihre Behausungen angepasst. Neben den Tieren haben sich auch Menschen diesen Ort zu Eigen gemacht. Graffitis und verbrannte Böden sind das, was sie zurückgelassen haben.

An einer Anlegestelle befindet sich ein altes Schiff im Sulina-Kanal, >Print Constantin< steht in blauer Farbe auf der Außenwand. Das Innere des Schiffs wurde schamlos ausgeräumt und alles Verwertbare herausgerissen. Nur noch wenige Überbleibsel bedecken den blau-lackierten Boden.

Der Trampelpfad führt weiter zu einer schmalen Siedlung. Die Fläche zwischen den Zäunen der Grundstücke und dem Sulina-Kanal ist verwildert, das Gras wird nur durch die Radspuren der Autos unterbrochen, die sich selten in die Siedlung verirren.

Der Weg wirkt mehr wie eine Verlängerung des Vorgartens, als wie ein öffentlicher Raum. Männer lackieren dort ihre Booten und flechten Fischernetze. Je weiter wir dem Weg flusseinwärts folgen, desto größer werden die Abstände zwischen den Häusern.

Wir kehren um. An dem Mini-Markt der Siedlung vorbei führt eine zweite Brücke in den östlichen Teil von Prospect. Ein paar Häuser grenzen an das abgesperrte Gelände der Schiffswerft. Hier und da sehen wir ein eingestürztes Schilfdach. Schilder deuten darauf hin, dass das Betreten des Areals verboten ist, doch ein Grenzpolizist öffnet uns achselzuckend die Tore und wir betreten die Industriebrache.

Seit dem Ende des Ceaucescu-Regimes liegt die gesamte Werftanlage still, heute sind wir die Einzigen, die durch das großflächige Areal streifen. Wir wandern von Gebäude zu Gebäude und spähen durch zerbrochene Fenster. Die Böden sind mit Überbleibseln früherer Zeiten, Müll und Schutt bedeckt.

Die Tür des alten Verwaltungsgebäudes steht offen. Dahinter liegen alte Magazine und vergilbte Dokumente am Boden verteilt. In einem Zimmer verstecken sich sogar sechs kleine Welpen, die sich schnell in ihrer Höhle in der Wand verstecken, als sie uns entdecken.

Wir gehen weiter, schauen durch zerbrochene Fenster, klettern durch blockierte Türen, bis wir das Ende des Areals erreicht haben. Das letzte Gebäude war einmal eine große Werkhalle. Mächtige, rote Tore verleihen dem Betonbau einen modernen Touch. Durch die zerbrochenen Fenster sehen wir Überreste aus vergangen Zeiten. Kräne hängen von der Decke, Helme und Werkzeuge liegen am Boden verstreut. Die Hallen sind gekennzeichnet durch die regelmäßige Anordnung ihrer Bestandteile. Rohre, Pfeiler, Balken sind geordnet und bilden klaren Strukturen. Die Landschaft umgibt diese alten Hallen. Die verblassten Farben der Gemäuer harmonieren mit den gräulichen Gräsern und Sträuchern.

Neben der Halle mit den roten Toren befinden sich Schienen, die zum Sulina-Kanal führen und darin verschwinden. Vier Flutlichtmasten ragen in den Himmel. Von oben kann man bis zum Schwarze Meer blicken. Gewaltige Schiffe kämpfen sich flussaufwärts.

Bei unserer Reise zurück in vergangene Zeiten verlieren wir jegliches Zeitgefühl. Am Weg zurück zu unserer Unterkunft werfen wir erneut einen Blick auf das besondere Gelände, dessen Schönheit versteckt ist. Doch wenn man sich auf die Spuren der Vergangenheit begibt, entdeckt man ständig Neues und verliert den Blick in Details.

Denis, Mari und Viki

SALUT ROMANIA, SALUT BUCURESTI!

Zeppelin bei der Romanian Design Week

Zeppelin bei der Romanian Design Week

Lange hat es gedauert bis wir unsere Expedition endlich beginnen konnten, doch jetzt ist es so weit und wir können es kaum mehr erwarten dich persönlich kennenzulernen. Es fühlt sich an als würden wir uns schon lange kennen, beinahe so als wären wir alte Bekannte.

Sulina, wir wissen schon so viel über dich, doch alles was wir wissen, stammt aus Büchern und Karten die wir gelesen, Filmen die wir gesehen und Gesprächen die wir geführt haben. Jetzt ist der Zeitpunkt an dem all dies mit eigenen Eindrücken vervollständigt wird.

Zu dir zu kommen, ist gar nicht so einfach. Unsere Anreise dauerte zwei Tage und wir mussten vier verschiedene Verkehrsmittel nutzen – nur um bei dir sein zu können. Damit wir deine Heimat und dein Umfeld besser verstehen, stoppten wir in Bukarest um die Hauptstadt und drei ihrer Bewohnerinnen kennenzulernen.

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Nach einem kurzen Flug betreten wir drei zum ersten Mal am Bukarester Flughafen rumänischen Boden. Am Weg ins Zentrum sammeln wir erste Eindrücke. Aus dem Fenster des Busses sehen wir überdimensionierte Werbetafeln, EU-Flaggen und vor allem eines: Autos.

Nach einem Spaziergang durch das Stadtzentrum fällt auf, dass die baulichen Typologien der Stadt sich nicht in Vierteln konzentrieren, sondern überall aufeinandertreffen.

Alte Stadtvillen, Prunkbauten, Fabriken, Plattenbauten und moderne Bürohochhäuser bilden ein Mosaik. Zwischen den Gebäuden wuseln die Fußgänger*innen, Radfahrer*innen und Autos. So wirkt Bukarest auf uns viel großstädtischer als Wien.

Wir drängten uns zwischen die parkenden Autos hin zum Green Hours Jazz Café. Geschützt vom Lärm der pulsierenden Stadt trafen wir uns mit drei jungen Architektinnen, um mit ihnen über Rumänien, Bukarest und Sulina zu sprechen.

Sie erzählten uns, dass rumänische Gemeinden nicht sehr bemüht sind Ortsbilder und baukulturelles Erbe zu erhalten und verglichen mit Wien nur sehr wenig reguliert wird. Das Besondere steckt daher nicht in einzelnen Bauten und Plätzen, sondern in der Überlagerung der einzelnen Stadtschichten. Als außenstehende Person sei das nicht immer zu erkennen, umso glücklicher sind wir Sulina für zehn Tage zu erkunden und hinter die (bröckelnden) Fassaden zu blicken.

Morgen gibt’s den nächsten Blogbeitrag!
Bis dann,
Denis, Mari und Viki

Kombinat – Lost Places in der Industriestadt

Unser heutiger Sonntag war für einen Ausflug reserviert, also hieß es wiederum früh aufstehen und alles Nötige einzupacken, um einen langen Tag im suburbanen Tirana verbringen zu können. Denn heute stand der ehemalige Textilindustrie-Vorort „Kombinat“ auf dem Programm. Hierfür hat uns Mirjana – wir haben sie bereits am Freitag kennengelernt – durch den Stadtteil geführt.

Bevor es jedoch nach Kombinat gehen sollte, trafen wir uns wieder mal auf einen Café um aufgekommene Fragen zu beantworten. Im Laufe der Konversation stellten sich einige interessante Thesen auf, die uns Mirjana auch bestätigen konnte. So fanden wir heraus, dass nach der kommunistischen Herrschaft im Zuge der Kapitalisierung des Landes auch eine osmanische Tradition, nämlich die der Café- und Teerunde im Privaten in den öffentlichen Raum reinterpretiert wurde. Als Dienstleistung in Form von Erdgeschossnutzungen finden sich so heute in Tirana eine bemerkenswerte Zahl an Cafés wieder. Denn nach dem Fall des Kommunismus, in einer Zeit, in der Chaos und wenig Strukturiertheit herrschten, öffneten die Menschen ihre Geschäfte ohne Erlaubnis heimlich und besetzten Räume für ihre Nutzung oder sie verwandelten ihre Häuser in gewerbliche Nutzungen.

Heute bestimmt so in Tirana zumindest im innerstädtischen Bereich, aber auch in den Vororten zumindest auf den Hauptstraßen die gesamte Nutzung im Erdgeschoss den öffentlichen Raum. Diese Beziehung löste sich wohl erst in den vergangenen Jahren etwas, als die Re-Inwertsetzung von öffentlichem Frei- und Grünraum in innerstädtischen Bereich ebenfalls hohen Anklang fand (siehe hierzu vor Allem die Einträge der Tage 2 und 3).

Inzwischen belegen die Cafés mit ihren Sitzmöbeln immer mehr die öffentlichen Plätze und Straßen, sowie Bürgersteige. Dies ist insofern problematisch, als dass es immer noch keine Vorschriften gibt. Doch dies war nur der Input bevor es nun zum eigentlichen Tagesziel ging.

Wir bestiegen den Bus 15, der von Kinostudio nach Kombinat fährt. Die Viertel heißen wirklich so, in ersterem Falle nach einem ehemals dort angesiedelten Filmstudio, das macht Sinn. Für 20 ct ist man dann in rund 15 Minuten in Kombinat. Die Einwohner*innen Tiranas, die das Glück einer zentralen Wohnung haben, sprechen bereits vom „zurück nach Tirana fahren“, wenn sie ins Stadtzentrum wollen. Alles klar, wir sind alle offiziell sehr weit draußen.

Als erstes führt Mirjana uns von der verkehrsinfrastrukturellen durchaus fuß- und radfreundlichen Hauptstraße, die mit unzähligen Cafes, Grills und Bars bespielt ist, in eine Seitenstraße. Dort entdeckten wir zwei doch sehr unterschiedliche, kleine Quartiersplätze. Der eine war lebendig, Kinder spielten Fußball, während die älteren ihnen dabei zusahen. Ein typisches Sonntagsszenario also. Der andere Platz, nur 30 Meter weiter, war komplett leer. Und woran lag das? Am ersten Platz sorgten Bäume, Sitzgelegenheiten und Spielinfrastruktur für eine lebendige Atmosphäre. Also gilt weiterhin eine der Grundregeln der Stadtplanung, dass nämlich erst die nötige Grundlage für eine gewünschte Belebung gegeben wird.

Weiter ging es dann wieder auf die andere Seite des Viertels, das im Großen und Ganzen fußläufig sehr angenehm zu begehen ist. Immer informeller muteten die Häuser, immer holpriger wurden die Straßen, immer argwöhnischer wurden die Blicke, als wir uns dem verlassenen Textilkombinat näherten, nachdem das Viertel auch benannt ist. Mirjana klärte die misstrauischen Bewohner*innen ob unseres Interesses auf und sofort verwandelte sich das Stirnrunzeln in den Gesichtern in ein höfliches Lächeln. So entdeckten wir die ein oder andere sehr inspirative Nachnutzung der teilweise baufälligen Fabrikgebäude, Blumenkästen machten das Grau der Vergangenheit bunter und hier und da belebten kleine Läden die langen Straßen.

Mirjana lotste uns dann durch einen wirklich schmalen Spalt zwischen zwei halbverlassenen Barracken, der nach etwa 20 Metern den Blick auf den düster anmuteten Kühlturm der Fabrik freigab. Die Szenerie öffnete sich bei jedem Schritt durch das hohe Grün der verwilderten Freifläche, die hier und da mit Hinterlassenschaften und Feuerstellen von Raumaneignenden gemustert war. Wir konnten uns nicht zurückhalten, in den betongewordenen Monolith des Kühlturms zu steigen, in dem wir die beeindruckenden Sichten genossen. Lost places in Reinform! Danach gingen wir noch etwas weiter in Richtung des beängstigend schiefen zweiten Schlotes, dessen Vorbau auch schon bessere Zeiten gesehen hatte. Mirjana erzählte uns weiteres Interessantes über das Viertel und die gelegentliche Nutzung des verlassenen Areals durch Partyfeiernde bevor lauter werdendes Gebell uns einen schnellen Rückzug antreten ließ.

An der Busstation angekommen, verließ uns Mirjana wegen einem Termin, jedoch nicht ohne uns vorher noch eine Empfehlung für eines der Grillrestaurants an der Hauptstraße zu geben, in dem wir dann diese beeindruckende Führung Revue passieren ließen. Typischerweise waren die Augen dann wie immer größer als der Magen, weshalb wir nun ersteimal die ausgezeichnete Schlachtplatte und den Fladen verdauen müssen.

Bis morgen und Gute Nacht wünschen Vali, Karina und Joshua

 

 

 

Zurück in Wien – unser Fazit

Heute morgen sind wir drei wieder nach Wien zurückgekehrt. Damit ist der erste Teil unseres Projektes, die Forschungsexpedition nach Belgrad, zur Erforschung des öffentlichen Raumes in Kaludjerica, beendet. Es wartet aber noch viel Arbeit auf uns, wie wir im gestrigen Blogeintrag anklingen ließen. Während der letzen sieben Tage haben wir versucht so viele Eindrücke und Meinungen wie möglich in Kaludjerica zu sammeln. Insgesamt blicken wir sehr positiv auf unsere Forschungsexpedition zurück. Obwohl wir etwas überfordert in Belgrad ankamen, fanden wir sehr schnell Zugang zur Siedlung und deren BewohnerInnen. Wir lernten sehr hilfsbereite und nette Leute kennen, die viel zu unserem Verständnis der Siedlung beitrugen. Mit so viel Offenheit und Interesse hätten wir nicht gerechnet. Überraschenderweise war es viel einfacher als erwartet, Anschluss zu finden, obwohl uns die BewohnerInnen von Kaludjerica anfangs eher skeptisch gegenüberstanden.

Insgesamt besuchten wir die Siedlung fünf mal, wir durchquerten sie mit dem Auto, zu Fuß und mit dem Bus. Wir schossen zirka 900 Fotos, nahmen fast vier Stunden Audiomaterial bei Gesprächen und Interviews auf. Diese führten wir auf drei verschiedenen Sprachen, auf Deutsch, Englisch und Serbisch. Wir führten Interviews mit den ExpertInnen Prof. Eva Vanista Lazarevic und Vladimir Parezanin, den BewohnerInnen Danijela, Mladen und Sladjana, sowie den Angehörigen der Kirchengemeinde Djordje und Jovan, die sich beide aufgrund ihrer Arbeit sehr gut mit der sozialen Struktur der Siedlung auskennen.

Wir haben nun nach dieser intensiven Beschäftigung mit dem Thema das Gefühl die Vorgänge und Strukturen in der Siedlung sehr gut zu verstehen. Den öffentlichen Raum in Kaludjerica kann man auf zwei Ebenen betrachten. Einerseits als den klassischen institutionellen öffentlichen Raum, also Plätze, Märkte, die Kirche, den Friedhof, Spielplätze, usw., der zum Großteil in den letzten Jahren geschaffen wurden um die Siedlung aufzuwerten. Andererseits als jenes nachbarschaftliches Zusammenleben, durch das die lange Nicht-Existenz der oben genannten Treffpunkte kompensiert wird. Das gesellschaftliche Leben und die Öffentlichkeit in dieser Siedlung funktioniert wohl noch immer sehr niederschwellig über Nachbarschaftstreffen in privaten Gärten, gemeinsames Essen und Trinken nach der Kirche, am Vorplatz des Supermarktes reden usw., also klassisches dörfliches Gemeinschaftsleben.

In den nächsten Wochen werden wir euch weiterhin über die Aufarbeitung unserer Forschungsergebnisse auf dem Laufenden halten und euch im Herbst unsere Ergebnisse präsentieren. Wir werden dazu einen kleinen Radiobeitrag in der Architektursendung A Palaver auf Radio Orange produzieren und gemeinsam mit den anderen Fieldtrips Teams die Publikation Fieldtrips 3 des Future Labs gestalten.

Also bleibt dran – es geht spannend weiter…

Vielen Dank für euer Interesse und bis bald!!

Hannes, Danijel und Rafael

Der letzte Tag in Kaluđerica

Der letzte Tag unserer Forschungsreise nach Belgrad ist vergangen und verbrachten ihn natürlich wieder in Kaludjerica. Wir versuchten in Kontakt mit den BewohnerInnen der Siedlung zu kommen, um die Forschungsergebnisse, die wir in den letzten Tagen gesammelt haben zu überprüfen und außerdem noch weitere Details herauszufinden. Wir sprachen deswegen mit Schülern in einer Bäckerei über ihre Treffpunkte und mit einer Kellnerin in einem Café über die BewohnerInnen der Siedlung. Die Schüler erzählten uns, dass sich Kinder und Jugendliche vor allem vor den beiden größeren Grundschulen in Kaludjerica treffen oder in den Gärten ihrer Eltern. Die Kellnerin empfahl uns ein weiteres Mal in ihr Café zu kommen, und zwar früh am Morgen, um mit älteren BewohnerInnen zu reden. Diese Aufgabe müssen wir leider Danijel übertragen, der im Juli wieder nach Belgrad kommen wird. Wir hatten unmittelbar danach aber ohnehin ein Gespräch mit einem älteren Bewohner der Siedlung, nämlich mit Mladen, einem serbokroatischen Einwanderer, den wir am Samstag in der Kirche kennengelernt hatten. Er wohnt schon seit fast 40 Jahren in Kaludjerica und erzählte uns bereitwillig von der Geschichte der Siedlung und den früheren Treffpunkten, beispielsweise von der ehemaligen Kegelbahn am heutigen Schulgelände.

Danach dokumentierten wir eine der größten Bauruinen in der Siedlung, von der wir annehmen, dass sie von Jugendlichen als Treffpunkt genutzt wird und außerdem die Busstationen der Linie 309, die die Verbindung nach Belgrad darstellen und um die sich deshalb auch kleinere Zentren mit Geschäften und Verkaufsständen entwickelt haben.

Obwohl wir heute den letzten Abend in Belgrad verbringen und wir eine intensive Forschungswoche hinter uns haben, ist die Arbeit damit natürlich noch nicht abgeschlossen. Die Interviews die Danijel auf Serbisch geführt hat müssen übersetzt und unsere Forschungsergebnisse dokumentiert und verarbeitet werden. Außerdem werden wir weiter Informationen zusammentragen. Danijel wird im Juli ein weiteres Mal nach Kaludjerica kommen, um dem Tipp der Kellnerin, mit den älteren BewohnerInnen im Café zu sprechen, nachzukommen. Außerdem werden wir von Wien aus noch ein letztes Interview mit Tiana, einer Architekturstudentin, die in Kaludjerica aufgewachsen ist, führen. Sie hatte leider unser heutiges Interview kurzfristig absagen müssen.

Es ist ein komisches Gefühl morgen nach Wien zurückzukehren. Die Woche in Belgrad war echt spannend, vielfältig und es gab viele Gelegenheiten Rakia zu trinken (vor allem mit den Interviewpartnern…), wir haben viel erlebt und einige neue Erfahrungen gemacht. Während unseres Aufenthaltes gab es Ups and Downs, sowohl was unseren Anspruch an den Erwartungen der Reise, als auch die Dynamiken in der Gruppe betrifft, was aber bei so einer intensiven Reise normal ist.

Unser letzter Tipp ist keine Literatur, sondern die Empfehlung euch die Stadt Belgrad (und vielleicht auch die Siedlung Kaludjerica) selbst anzusehen. Die Stadt ist von Tourismus noch sehr unberührt, wirkt sehr lebendig und nicht angepasst. Wie ihr seht lohnt es sich ihr einen Besuch abzustatten…

Im Labyrinth von Kaluđerica

Auch der sechste Tag unserer Forschungsreise neigt sich dem Ende zu. Damit bleibt uns nur noch ein Tag in Belgrad – am Freitag früh machen wir uns auf den Rückweg nach Wien. In den letzten Tagen haben wir viel erlebt, erforscht und dokumentiert.

Heute stand nach einem kurzen Besuch in der Belgrader Innenstadt die nähere Erforschung Kaludjericas am Plan. Nachdem uns gestern Danijela und Sladjana im Gespräch erzählt haben, dass sie als Kinder oft in Ruinen spielten, und wir bei unserer ersten Ankunft in Kaludjerica ebenfalls Kinder in einer Häuserruine spielen sahen, fanden wir es wichtig diese informellen öffentlichen Freiräume, die sich Kinder aneignen, zu finden und zu kartografieren. Mit einer Karte ausgerüstet durchquerten wir die Siedlung auf der Suche nach diesen Plätzen und wurden fündig! Über die ganze Siedlung verteilt stehen unvollendete Häuser. Laut den Friseurinnen gibt es in Kaludjerica zu wenig Orte für Kinder und diese sind alle im Zentrum der Siedlung. Deswegen spielen die Kinder in den Bauruinen. Da die informelle Bautätigkeit von Seiten der Stadt Belgrad beendet wurde, gibt es heute aber nicht mehr so viele unvollendete Häuser wie früher.

Bei der Durchquerung der Siedlung, fanden wir außerdem ein verstecktes Freibad auf das uns die Friseurinnen hingewiesen haben, außerdem Bienenstöcke (urban beekeeping), einen landwirtschaftlichen Betrieb (urban farming) im Zentrum der Siedlung und die Kanalisation Kaludjericas, den Bach der die Siedlung durchkreuzt. Heute wurde uns die labyrinthische Wegstruktur der Siedlung mehrmals zum Verhängnis. Die zahlreichen Sackgassen und schlechte Kartierung wurden uns erst heute so richtig bewusst.

Der heutige Lesetipp “Informelles Wohnen als Routine? Multiple urbane Transformationen in der Agglomeration Belgrad: Das Beispiel Kaludjerica” von Daniel Göhler, Marija Bamberg, Ivan Ratkaj, und Danica Santic befasst sich mit der Entwicklung informeller Siedlungen im ehemaligen Jugoslawien und im speziellen mit der Entwicklung von Kaludjerica. Wenn euch das Thema Informalität im Bezug auf den Wohnraum interessiert seid ihr mit diesem Text gut aufgehoben.

Do skorog vidienja, s postovanjem / bis bald und liebe Grüße!

Expect the Unexpected

Ein weiterer Forschungstag neigt sich dem Ende zu. Wir sind nun schon vier Tage in Belgrad. Erneut haben wir den Großteil des Tages in Kaludjerica verbracht und unsere Expedition wieder bei der Kirche gestartet. Dort wurden wir erneut sehr freundlich empfangen, diesmal war Priester Jovan zu sprechen, bei Rakia und Kaffee. Anfangs sahen wir das ganze eher als Höflichkeitsgespräch, da wir uns von ihm nicht viel mehr neue Informationen erwarteten, aber nach dem langen Gespräch haben sich sehr viele Fragen geklärt. Er zeigte uns ein Foto vom ehemaligen Fußballstadion in Kaludjerica, auf dem heutigen Kirchengelände. Weiters zeigte er uns auf einer Karte von Kaludjerica den ältesten Teil der Siedlung welcher schon 1850 entstand.

Der Priester weiß sehr viel über das Leben und die Treffpunkte in Kaludjerica. Das öffentliche Leben der Jugend verlagert sich offenbar mehr und mehr in die Innenstadt, während sich die Pensionisten einen eigenen Club als Treffpunkt eingerichtet haben (dessen genaue Position wir noch finden müssen). Das Gemeinschaftsgefühl ist hier nach wie vor die größte Qualität. Großfamilien leben zusammen in bis zu 500m2 großen Häusern, die verschiedenen Generationen verteilen sich auf den einzelnen Geschoßen. Oft werden Nachbarhäuser auch von Familienmitgliedern bewohnt. Diese treffen sich dann in den halbprivaten Vorgärten, die in Serbien im Gegensatz zu Österreich generell eine große Rolle als Treffpunkte spielen.

Wir fanden heute auch das Gemeindeamt der Siedlung, das verwaltungstechnisch zur Gemeinde Grocka gehört. Wir erfuhren von Pater Jovan, dass Kaludjerica offenbar in naher Zukunft eine eigene Dorfgemeinde von Belgrad und damit unabhängig von der bisherigen Verwaltung durch den Vorsteher von Grocka wird. Das bestätigt unseren Eindruck, dass die Stadt Belgrad an der Aufwertung aber auch der Kontrolle der Siedlung großes Interesse hat.

Außerdem sahen wir die Polizeistation, sowie eine große neu gebaute Grundschule, deren Sportplätze und Freiräume offenbar auch nach der Unterrichtszeit von Kindern als Treffpunkt genutzt werden. Wohl die größte Überraschung, die wir heute in Kaludjerica erleben, ist die Entdeckung einer Außenstelle der Fakultät für Agrikultur der Universität Belgrad an der Grenze zur Nachbargemeinde.

Der heutige Buchtipp Unfinished Modernisations: Between Utopia and Pragmatism“ von Maroje Mrduljas und Vladimir Kulic beschreibt den Vorgang der Legalisierung Kaludjericas sehr anschaulich anhand von Gesprächen mit BewohnerInnen der Siedlung und passt daher sehr gut zu unseren heutigen Erkenntnissen, da die Siedlung heute weitgehend legal zu sein scheint.

Kaluđerica – Öffentlicher Raum im Spannungsfeld zwischen Legalität und Illegalität

Hallo und herzlich willkommen zu unserem ersten Blogeintrag zum Thema Informelles Bauen in Belgrad!

Kurz zu unserer Gruppe: Wir sind drei Architekturstudenten – Rafael Essl (24), Danijel Obradovic (25) und Hannes Schachner (24). Da wir alle drei aus der Architektur kommen haben wir bisher noch nicht so viel Erfahrung mit der Untersuchung von öffentlichen Räumen gemacht, wir sind aber motiviert uns dem Thema zu stellen und Euch an unseren Fortschritten und Erkenntnissen teilhaben zu lassen!

Unser Thema: Nachdem wir uns länger mit Belgrad und dessen unterschiedlichen Aspekten des öffentlichen Raumes, welche für uns zu untersuchen wert schienen, beschäftigt haben (Welche es noch gab wird später in einem eigenen Blogeintrag beschrieben, da Belgrad da einiges zu bieten hat), haben wir uns schlussendlich auf das Thema des informellen Bauens am Stadtrand von Belgrad spezialisiert. Wir beschäftigen uns genauer gesagt mit der größten dieser Siedlungen – Kaludjerica im Südosten der Stadt und werden dort den öffentlichen Raum analysieren. Was uns ebenfalls sehr helfen wird ist, dass Danijel direkt aus Belgrad kommt und uns sehr mit seinem Vorwissen hilft und natürlich auch wenn es um das Ansprechen von Partnern vor Ort geht.

Anbei ist das Abstract unseres Forschungsantrages für die Stadt Wien, bei der wir Fördermittel für eine Forschungsreise beantragen werden. Das Abstract gibt einen guten Überblick über die Geschichte Belgrads, wie informelle Siedlungen am Stadtrand entstehen konnten und was unsere Motivation dahinter ist. Viel Spaß beim Lesen!

“Belgrad, zu Deutsch die “weiße Stadt” und heutige Hauptstadt Serbiens ist gezeichnet von einer über 2000 Jahre zurückreichenden Geschichte. Die Stadt, gelegen an der Mündung von Save und Donau liegt seit jeher in einem Spannungsfeld zwischen östlichen und westlichen Kulturen. Die Besetzung der Osmanen und der Habsburger, sowie der Stellenwert den Belgrad als Hauptstadt des kommunistisch geführten Jugoslawiens einnahm, und zuletzt dessen Zerfall hinterließen tiefe Spuren in der Stadtmorphologie, welche noch heute sichtbar und im Stadtbild omnipräsent sind.

Ein Beispiel dieser prägenden Gebiete stellen informelle Siedlungen am Rande Belgrads dar, insbesondere die größte Siedlung dieser Art, Kaludjerica im Südosten der Stadt.

Entstanden durch die Parzellierung von Ackerland im Kommunismus entwickelte sich die Siedlung in den 1990er Jahren zur größten illegalen Siedlung am Balkan. Der Jugoslawienkrieg und dadurch ausgelöste Flüchtlingsströme gepaart mit einer überforderten Politik und fehlender stadtplanerischer Vorkehrungen führten zu einem rasanten Anstieg illegaler Bauten. Von der Politik weitestgehend ignoriert, konnte sich die serbische Mittelschicht Kaludjerica aneignen. Gerade deswegen ist diese Siedlung mit anderen informellen Siedlungen abseits von Europa nicht vergleichbar.

Der öffentliche Raum ist in Kaludjerica einer der brisantesten Aspekte den es zu erforschen gilt. Auf den ersten Blick ist dieser kaum fassbar, er existiert nur als Verbindung zwischen privaten Grundstücken, oder als Vorplatz vor wenigen öffentlichen Gebäuden. Diese Forschungsreise stellt den Anspruch zu untersuchen, wie sich öffentlicher Raum im Spannungsfeld zwischen Legalität und Illegalität zeigt, in welcher Form sich dieser entwickelt hat, und wie dieser verwaltet wird.”

Wir hoffen Ihr konntet Euch einen ersten Überblick über unser Projekt machen – bis bald,

Team Informelles Bauen in Belgrad

Ein Koloss der Zeit

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Heute, eine Woche nach unserem ersten Tag im Rozzol Melara, dokumentieren wir die Veränderungen an unserer letzten Hinterlassenschaft einer Intervention, räumen auf und sammeln noch ein letztes Mal einige kurze Statements von zwei unserer Kontakte ein. Mit geschulterten Ergebnissen, Rohdaten und einer unzähligen Anzahl von Eindrücken machen wir uns auf, es geht zurück nach Wien. Dort sortieren und analysieren wir weiter, was diese öffentlichen Räume in und um einem derartigen, massiven, von Identitäten und Konflikten strotzenden Großwohnbau zu bedeuten haben. Aus einigen Ideen, manchen Antworten, aber vor Allem intensiven Eindrücken werden wir nun ein Booklet formen.

Nach einer intensiven Woche, die unerwartet schnell auch schon wieder vorbei ist, steht dieser Koloss der Zeit mehr oder weniger unverändert da.

Ladies am Werken

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Nach den aktiven Tagen der Interventionen geht es darum unsere Hinterlassenschaft der ersten Station einzusammeln, die Veränderungen und bestenfalls Anmerkungen und Erweiterungen unserer Aktionen aufzunehmen, einzuschätzen und zu dokumentieren. Angekommen am Ort der ersten Intervention fanden wir nur mehr Relikte vor. Der von uns ausgewählte „Nicht Ort“ war wohl doch bestimmt genutzt, so dass unsere Aneignung klaren Widerstand erzeugte. Bis auf einen traurigen Haufen unserer Zerstörten Infobox war nichts mehr übrig oder vor zu finden.

Diese klare Message war anfangs schwer zu nehmen, allerdings auch eine starke Mitteilung: „Hier geschieht etwas!“ Wir wissen zwar leider nicht was genau diese Aggressionen auslöste, haben jedoch auch dadurch eine Antwort bekommen und können uns immerhin auf ein nettes Nachmittagsprogramm freuen. Denn die interessierten Ladies des „Mammuts“ haben uns eingeladen an ihrem regelmäßigen Näh-/Bastel- und vor Allem Tratschkränzchen teil zu nehmen. Zwei Pinata und 5 Duftkissen später endet für uns dieser Tag.

Die kalte Schulter

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Ein Tag voller Auf und Abs begann mit guten Penne Bolognese in der „Microarea“ des Rozzol Melara, einer gemeinnützigen Organisation zur Mieterbetreuung. Bei dem Essen kommen wir mit Antonio ins Gespräch. Als Zivildiener betreut er einen der vielen Tagesprogrammpunkte und lernt Neuankömmlingen aus fernen Ländern Italienisch. Mit vollem Bauch und vielen interessanten Informationen gefüllt machen wir uns auf, um die dritte und letzte Intervention unserer Expedition aufzubauen.

Schock! Unser Equipment für den letzten Tag muss Beine bekommen haben, das Leben und Organisieren im öffentlichen Raum zeigt sich von seiner härteren Seite. Sitzgelegenheiten und Tisch fanden einen neuen Besitzer und das obwohl wir doch noch Pläne dafür gehabt hätten.

Gerade eben fertig aufgebaut und bereit ein kommunikatives „Come Together“ zu werden, bereitet das Wetter dem Ganzen ein jähes Ende. Bei Regen und Sturm ziehen wir von dannen und hinterlassen eine Papierwand voller Fragen, die dem Unwetter wohl nicht sehr lange Stand hält.

Die gelbe Promenade

BLOG_Gelb

Heute am ersten Tag unserer Expedition landeten wir ausgespuckt aus dem Cinquecento mit unseren beiden Expertinnen im Rozzol Melara, überschüttet von Informationen wird uns klargemacht, dass uns das unangekündigte Besetzen von Räumen in dem Kontext dieser Nachbarschaft Probleme bereiten wird. „Wir sollen uns doch nur nicht im Gefängnis widerfinden!“

Die gelbe Promenade zeigt uns ihr lebendiges Gesicht, wir tauchen ein in einen Block, seine Orte, seine Gesellschaft.

MEIN BLOCK !?!

Es Geht nach Triest.
7 Tage. Ein Auto. 2 Passagiere.
Ein Block. Unser Block. Euer Block?
3 Räume. 3 Interventionen. 3 Rückschlüsse.

Im Kontext von Rozzol Melara wollen wir untersuchen wie sich Identität, Konfliktkultur und Öffentlicher Raum beeinflussen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Aneignungsfähigkeit von rohem Raum – einem Möglichkeitsraum.

Stur wirkt er, kalt ist er, für mich unverständlich warum er mich so anzieht.
Wie kann ich ihn Mein machen?

Mein Block !?!

 

hands on // in Zeiten der Krise

„Krise: ‘Entscheidung‘, Wendepunkt, allgemeine Bezeichnung für die plötzliche Zuspitzung oder das plötzliche Auftreten einer Problemsituation, die mit den herkömmlichen Problemlösungstechniken nicht bewältigt werden kann.“ (Rammstedt 2011, S. 382)

Wir leben im Zeitalter der Krise. Alles ist Krise. Die Wirtschaft- und Finanzwelt taumelt von einer Krise in die nächste. Schuldenkrise, Regierungskrise, Eurokrise, Krisenländer. 2015 sind viele Menschen aus Krisengebieten geflüchtet. Seitdem spricht man von der Flüchtlingskrise, die durch die Ein- und Durchreise der Geflohenen entstand. Folgt man der Argumentation der Wiener SPÖ, befindet sich auch Wien in einer Krise, aus der man sich “herausinvestieren” müsse. Gibt es eine positive Sicht auf Krisen? Oder: Ist die Krise überhaupt sichtbar?

Mit der Expedition werden wir die kleinen und großen Krisen lokalisieren, präzisieren und herausfinden, ob und wie sich die vermeintliche Krise im öffentlichen Raum auswirkt. Fragen der Krisenmomente aus Wien mitnehmend, tragen wir sie auf unsere Expedition in die Welt und suchen Antworten und weitere Fragen, die sich in der (angeblich) krisenumtosten europäischen Stadt stellen.

Wenn die Krise ein Wendepunkt ist, was löst sie aus? Welche Art von Initiativen und Akteur*innen werden durch die Krise aktiviert? Welche Kräfte werden freigesetzt? Und wie verändert sich das Bild der Gesellschaft, der Lebensweisen, der Stadt und insbesondere des Öffentlichen Raumes im Zuge der Neuordnung bestehender Strukturen?