Von anderen Räumen

Lost in Transformation_

Ausgehend von den großen Fragen der Gestaltung der digitalen Stadt der Zukunft, fragen wir nach den jetzigen Stellschrauben für diese Entwicklung. Dass dabei auch immer eine “Ethik des Programmierens” vonnöten ist, erinnerte uns schon Sarah Spiekermann . Im Sinne dieser Argumentation (mal mehr, mal weniger explizit) gibt es eine zahlreiche Bewegungen in die Richtung, Digitale Medien und damit verbundene Technologie für kollektive Bewegungen zu nutzen, die jenseits von Marktinteressen eine (urbane) Gesellschaft formen will.  

Eine optimistische Sicht auf die Möglichkeiten eines “Empowerments” durch digitale Medien und die Räume, die durch diese Entstehen, gibt Hanno Rauterberg in seinem Buch “Wir sind die Stadt – Urbanes Leben in der Digitalmoderne” (2013, suhrkamp Verlag). Digitale Räume, die durch die digitalen Medien wie soziale Netzwerke entstehen, sind eng verwoben mit dem physischen Raum. Seiner Argumentation nach ersetzen sie keinesfalls das Handeln in der nicht virtuellen “realen” Welt – ergänzt dieses eher. Er betrachtet Phänomene wie Urban Gardening, Flashmobs und Proteste wie Occupy, die die digitalen Medien erst hervorgebracht oder gefördert hätten.

“In today’s world where public spaces and physical cultural spaces no longer retain their function as dominant social space, digital media plays important roles in nurturing daily sociality where concrete and abstract relationships, strong and weak ties, are formed.” (Lim, S.55)

Während Rauterberg in seinem Werk recht verallgemeinernd, teilweise sogar plakativ bleibt, geht bspw. Merlyna Lim (Canada Research Chair in Digital Media and Global Network Society an der “School of Journalism and Communication” der Carleton Universität) einen Schritt weiter. Sie forscht zu den gesellschaftlichen Auswirkungen von Technologie, insbesondere den digitalen Medien und Informationstechnologie. Innerhalb dessen untersucht sie genau die auch von Rauterberg erwähnten Phänomene und setzt die (digitalen) Sozialen Bewegungen explizit in einen Kontext zwischen digitalem, physischen und sozialen Raum.

Dafür, räumt sie ein, müsse man sich zunächst bewusst werden, dass sozialer Raum, wie er in den sozialen Medien produziert wird, ebenfalls innerhalb neoliberaler Logiken des Kapitalismus funktioniert. Soziale Medien, wie Facebook, sind nicht von den Marktkräften befreit – sie sind sogar der inbegriff digitaler Ökonomien, die die Nutzer*innen, ausbeutet. Statt eine wirkliche Gegenüberstellung von Zivilem und Kommerziellem zu bilden, stellen sie eher eher pseudo-heterotopie des Konsums dar (Foucault, 1986). Allerdings sind für die urbane Mittelklasse (wie Lim sie bezeichnet) diese Netzwerke die Orte an denen sie in die alltägliche Sozialisation eintauchen – um sich auszudrücken, miteinander zu interagieren, zu flirten, zu spielen und spaß zu haben, nichts was als Teil von zivilem Engagement eingestuft wird. Und doch, so Lim, seien diese sozialen Handlungen gewissermaßen politisch. Und zwar indem diese neuen sozialen Netzwerke eine Kultur ermöglichen und verstärken, die dazu beiträgt, eine Grundlage, einen Übungsplatz und einen Lernraum für Individuen zu schaffen, um ihre Meinung zu äußern, ihre Rechte zu erproben und mit anderen zu kollaborieren. Diese Kultur der Teilhabe kann für ziviles Engagement eingesetzt werden und gar für eine sinnvolle Teilnahme an Sozialer Bewegung genutzt werden. Beispielsweise waren viele der Protestierenden des “Arabischen Frühlings” keine politischen Aktivist*innen von Anfang an – sie sind ursprünglich aus anderen Gründen den Sozialen Medien beigetreten. (vgl. Lim, 56)

Die Autorin ist gleichzeitig Gründerin des ALiGN Netzwerkes  (Alternative Global Network Media Lab). Dieses Netzwerk will Initiativen und Gruppen unterstützen für ihre Angelegenheit zu mobilisieren und ihre Geschichten zu generieren um alternative Narrative zu schaffen für Hoffnung und Widerstand. Sie benutzen dafür digitale Medien und Technik um so marginalisierten Gruppen oder einfach zivilem Engagement eine Stimme zu geben.

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

Banerjee, Ian 2014: Smart Cities – A contested marketplace for large corporations and small communities. In: Österreichische Ingenieur- und Architekten-Zeitschrift 159 (1): 1-12.

Foucault, Michel (1986): „Of other spaces“, diacritics 16/1, S. 22–27.

Lim, Merlyna (2014): „Seeing spatially: people, networks and movements in digital and urban spaces“, International Development Planning Review 36/1, S. 51–72.

Coverphoto: https://www.madamasr.com/wp-content/uploads/2016/09/2011_Egyptian_protests_Facebook__jan25_card.jpg

 

Verlust der Stadtpolitik // Google Urbanism

Lost in Transformation.

„what makes power hold good, what makes it accepted, is simply the fact that it doesn‘t only weigh on us as a force that says no, but that it traverses and produces things, it induces pleasure, forms knowledge, produces discourse. It must be considered as a productive nework which runs through the whole social body, much more than as a negative instance whose functions is repression“ Michel Foucault 1984

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Eines der Hauptaugenmerke unserer Forschung ist der Mensch in der Stadt: als Individuum und in Kollektiven der diversen Gesellschaft im Kontext der Digitalisierung. Und die Frage nach Machtverschiebungen, die innerhalb dieses Gegensatzes gerade stattfinden. Dabei beleuchten wir die Chancen für die Planung und die Nutzung der Stadt, die sich für Bürger*innen ergeben (Demokratisierung) – aber auch die großen Unternehmen, wie die Google-Mutterfirma Alphabet, die in der Stadtentwicklung mehr und mehr an Macht gewinnen.

„Algorithmen übernehmen die Stadtplanung – so wird der öffentliche Raum privatisiert.“

Alphabet startete im Jahr 2015 die Tochterfirma und versucht sich so als Akteur für Stadtentwicklung zu etablieren. So beauftragte die Stadt Toronto das Unternehmen um die Quayside, ein zwölf Hektar großes, unbebautes Gebiet am Wasser, unter dem Projektnamen Sidewalk Toronto in ein digitales Wunderwerk zu verwandeln.

https://sidewalktoronto.ca/

„Städte, sagt Alphabet, waren schon immer Plattformen; jetzt sind sie eben auch digitale. “Die großartigsten Städte der Welt waren immer Zentren des Wachstums und der Innovation, weil sie auf die Plattformen setzten, die von ihren visionären Führern eingesetzt wurden”, heißt es in dem Vorschlag. “Rom hatte Aquädukte, London die U-Bahn, Manhattan das gitterartige Straßennetz.” Toronto wird Alphabet haben. Inmitten dieser Plattform-Euphorie vergisst man leicht, dass etwa ein Straßennetz in der Regel keiner privaten Entität gehört, die fähig ist, manche auszuschließen und andere zu bevorteilen.“ (Süddeutsche)

Jedoch schafft Alphabet kein digitales Netzwerk, sondern ein gewaltiges Machtmonopol. Wie die auch die Süddeutsche Zeitung in einem kürzlich erschienen Artikel warnt, wäre das das Ende der Stadtpolitik, oder gar der Demokratie – indem die kommunale Planungshoheit durch Marktkräfte ersetzt wird.

Was würde passieren, wenn dieser sogenannte Google Urbanismus wirklich übergreifen würde? Dieser Frage geht eine Projektgruppe des Strelka Institute for Media, Architecture and Design in Moskau nach und startete das Projekt Google Urbanism. In diesem Projekt geht man von den öffentlichen Räumen der Stadt aus, die nur mit den aktiven Nutzern dieser Räume, als wesentlicher Bestandteil von demokratischer Stadtpolitik funktionieren. zum Interview

“Users are real people, and before being present in the digital space of tech platforms, they are always actually present somewhere in the physical space of the real world…Our project imagines a new type of “public license”, where “access to users’ presence” in public spaces could generate financial dividends for the city, similar to how licensing mining rights to private companies generates royalties for the state.” 

http://googleurbanism.com/
http://googleurbanism.com/

Das Projekt argumentiert für eine Art Lizenz für die Generierung und vor allem für die Abschöpfung von Daten im öffentlichen Raum, die von Unternehmen, insbesondere Google, erstanden werden kann. Die Erträge des Verkaufs kämen wieder der Stadt und ihrer NutzerInnen zugute.

Diese Studienabschlussarbeit spielt mit dem Gedanken eines an Public-Private-Partnership angelehnten Konzepts, das sich für die “Smart City” schon lange abzeichnet. Die Provokation dahinter durch das Spiel mit der Frage um die Funktion des eigenen Körpers als “Datenspender” im öffentlichen Raum, ist erst nach genauerem Hinsehen ersichtlich. 

Fragen die sich uns stellen:
Sollte die Stadt mit Google zusammenarbeiten?
Sollte man der Stadt Wien freiwillig Daten zur Verfügung stellen um Unternehmen wie Google auszubremsen?

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

Der überflüssige Mensch

Lost in Transformation.

Nach dem letzten Workshop geht ein Teil der Arbeitsgruppe in das Theaterstück „Golem oder der überflüssige Mensch“ im Schauspielhaus.

Golem oder der überflüssige Mensch

Die neue Epoche der Menschheit wird in eine dystopische Zukunftsvision in einer musikalischen Textcollage skizziert. Dabei wird die Schöpfungsgeschichte, der Mythos des Golems (in Verbindung mit dem Stück „Rossum’s Universal Robots“ das 1920 von Karel Capek aufgeführt wurde) verknüpft und durch Auszüge aus dem Transhumanismus zu einer (De-)Evolutionsgeschichte des Menschen gewoben. Die Risiken und Ängste, die diese Schwelle mit sich bringt, werden im Stück zugespitzt und erlebbar gemacht – man nimmt Position ein, im Diskurs der Digitalen Transformation.

Der Regisseur mit seiner Interpretation durch die Verarbeitung des Themas soll eine der Perspektiven für unsere Forschung darstellen. In den nächsten Tagen reflektieren wir ausgehend von der Präsentation und den aufkommenden Fragen den Fokus der sich in unserer Forschung bildet. Das Individuum und das Kollektiv – sind die beiden Dichotomien um die sich unserer Diskussionen drehen. Und dabei die Suche nach diesen in Verbindung mit städtischen und den entstehenden digitalen Räumen.

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

Verlust des Individuums

Lost in Transformation.

„Ich übergebe mein Recht, mich selbst zu beherrschen, (…) dieser Gesellschaft unter der Bedingung, dass du ebenfalls dein Recht über dich (…) ihr abtrittst. Auf diese Weise werden alle einzelnen eine Person und heiße Staat oder Gemeinwesen. So entsteht der große Leviathan oder (…) der sterbliche Gott, dem wir (…) Frieden und Schutz zu verdanken haben“ Hobbes 1651, Leviathan

Das Zitat von Thomas Hobbes wird heute mitten in der Digitalen Transformation in der eine vollständige Vernetzung der Menschen möglich wird, in einen neuen aktuellen Kontext gerückt. Die kontinuierliche Produktion von Daten über unsere Lebensweise und somit auch Handlungen im Raum macht uns transparent. Unternehmen wie Google fassen dies zu einem großen intelligenten System zusammen, dass sich einzig aus den Daten der Einzelnen speist. Etwas wovor man sich fürchten muss, wird durch die Sage des Meerungeheures Leviathan skizziert, damit macht Hobbes auf die Probleme aufmerksam die, die Dichotomie zwischen Freiheit und Sicherheit bringt.

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Nur, dass der Staat den Hobbes durch den Leviathan skizziert in der heutigen Zeit gegen die neuen Ungeheuer die sich aus den Menschen (Daten) speisen scheinbar ohnmächtig ist. Dies ähnelt den Dystopien die wir aus Science-Fiction Filmen kennen.

Wie die Zukunft der Stadt früher aussah … 

Entscheiden wir in digitalen Systemen eigentlich noch selbst? Oder wird alles der Perfektion der Effizienz unterworfen?

Sarah Spiekermann spricht sich im Interview (Die ethische Maschine) für eine Ethik des Programmierens aus. Wir brauchen eine Vorstellung davon wie wir in der digitalen Welt leben wollen. Sozusagen eine neue Utopie. Wie entwickelt man diese Utopie? Wer sind die Akteur*innen in diesem Entstehungsprozess?
Wir wollen in unserer Forschungsarbeit genau diesen Fragen nachgehen und Gegenentwürfe zum aktuell dominierenden System untersuchen. Was abseits von Facebook, Uber und AirBnB passiert und wie sich dieser Widerstand gegen den Verlust des Individuums in der digitalen Stadt ausdrückt ist der Ansatz dem wir nachgehen wollen.

Coverphoto – Quelle: http://dreamcatcherreality.com/memory-battery-matrix/

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

 

Lost in Transformation

Digitale Transformation_

Was kommt da auf uns zu?

Das ist die Frage die sich uns als Forschungsteam im Rahmen des interdisziplinären Projektes stellt. In allen Bereichen des Lebens scheint sich das Digitale auszubreiten. Doch nicht abrupt wie man sich eine Revolution vorstellt sondern schleichend und unbemerkt baut sich ein intelligentes System auf.
Wir sind schon mitten drin!
Wer steuert diesen Prozess, wer gestaltet ihn, wer sind die Gegner*innen und die Befürworter*innen dieser Revolution und was geschieht mit dem Leben der Individuen, wenn sie scheinbar unbemerkt Teil dessen werden, sind die Fragen die sich uns in der Annäherung an das Thema aufwerfen. Im Folgenden möchten wir uns eine erste theoretische Basis zur Einführung in den Diskurs aktueller Entwicklungen der Digitalisierung im Kontext Stadt legen.

Georg Simmel beschreibt in dem 1903 erschienenen Aufsatz „die Großstädte und das Geistesleben“ die Prozesse der Transformation des Menschen in der Stadt während der industriellen Revolution. Er sieht den Menschen in der Maschine, das Individuum kämpft mit dem Prozess sich völlig in das System einzugliedern und somit seine „leibliche Existenz“ zu verlieren. Hierbei ist Grundmotiv:

„(…) der Widerstand des Subjekts, in einem gesellschaftlich-technischem Mechanismus nivelliert und verbraucht zu werden“. Simmel 1903, Die Großstädte und das Geistesleben

Die Stadt als demokratischer Ort in dem sich die Kultur verkörpert ist Ausdruck diese „Kampfes“ wie Simmel diesen Prozess beschreibt. In der Stadt lässt sich ablesen wie die Gleichung zwischen den individuellen und überindividuellen Inhalten des Lebens aufgeht und sich die Persönlichkeit mit der äußeren Macht abfindet.
Simmel beschreibt wie sich die Psyche des urbanen Menschen verändert. Er stellt die These auf, dass die Reaktion auf das Leben im mechanisierten Raum die Reaktion ehemals von der natürlichen Handlung aus dem Gemüt (Individualität) heraus nun aus dem Verstand (Leistung / Gegenleistung) heraus geschieht. Alle Handlungen laufen in den Taktungen der Maschine die die Wege des Menschen scheinbar vorzugeben scheint.

Der Kampf des Großstädters um die Menschlichkeit in der Maschine, den Simmel in seinem Text ausführt, ist heute wieder brandaktuell denn wir stecken immer noch in der Maschine doch nun wird sie digital.

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Das Interview mit Sarah Spickermann unter dem Titel die „ethische Maschine“ greift genau diesen von Simmel beschriebenen Prozess auf und stellt die Frage wie sich der Mensch dazu positioniert. Sie spricht über die Transzendentalist*innen die den Menschen nur als Fehler in dieser sich selbst perfektionierenden Maschine sehen – verblüffend, wenn man sich die eingehenden Worte Simmels die vor über hundert Jahren geschrieben wurden dazu in Gedanken ruft. Sie haben den Verlust der „leiblichen Existenz“ akzeptiert, und genau diese Menschen programmieren gerade die Maschine neu.

Sarah Spiekermann im Interview

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

Solidarität am Rande des Rollfelds

Hands on // In Zeiten der Krise

Tag Sieben

Drückende Hitze – um uns herum viel Asphalt – die Natur erobert langsam ihren Raum zurück. Wir befinden uns auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Ellinikon. Deroffizielle Betrieb ist schon seit 2001 eingestellt. 2016 gab es hier noch Camps für Geflüchtete. Auf dem Flugfeld steht ein langsam zerfallendes Flugzeug. 

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2005 wurde ein Wettbewerb für die Nachnutzung des Flughafen Areals ausgeschrieben. Der Gewinnerentwurf, der einen großen Park und Wohnraum vorsah, wurde jedoch infolge der Krise fallengelassen.

Das ehemalige Gelände des Flughafens wird derzeit an mehrere private Investor-Gruppen verkauft. Wohnungen, Hotels, Casinos und ein Park sollen hier entstehen.

hier gehts zum Masterplan

Im Juni .2016 wurde eine Absichtserklärung zwischen dem  Hellenic Republic Assets Development Fund (TAIPED), der Greece’s state privatization agency und dem Investitionskonsortium zu der Übergabe geschlossen. Der Preis für das Areal liegt bei 915 Millionen Euro.

Das Projekt soll vor allem zahlungskräftige Interessierte anziehen. Von den großen Plänen sieht man heute noch nichts.

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In unserer vorherigen Recherche und Vorbereitung der Expedition steht der ehemalige Flughafen als Symbol für Privatisierung und Planung von oben herab, die Griechenland im Rahmen der Austeritätspolitik prägt. Ein über Athen schwebendes Damoklesschwert. Die Gegend ist verlassen – eine Fahrschülerin lernt hier das Autofahren.

Wir sind auf dem Weg zur „Metropolitan Community Clinic at Hellinko“. Sie hat hier auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens einen Platz gefunden. Einen Ort, welchen die Gründer*innen der Klinik nehmen konnten, um hier zu arbeiten. In der Stadtverwaltung sitzen Freund*innen des Projekts, die bislang schützend ihre Hände über das Projekt halten. “Legal sind wir nicht – aber geduldet”, sagt Maritta Corley, die uns herumführt und mit uns über die Geschichte der Klinik spricht.

Maritta ist in Pension, ehemalige Pharmazeutin. Sie wollte nicht nur zuschauen und sich und ihr Land bemitleiden, als die Krise begann.

“Die Zeit der Tränen ist vorbei, nun muss man handeln”, sagt sie uns – ihr Wunsch nach einer Veränderung ist stark.

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Die Krise zieht viele Folgen nach sich, der Zerfall der Gesundheitssystems ist drastisch, für manche sogar existentiell  – Menschen verloren durch die Krise ihren Job, einige ihre Wohnung, wenn sie oder ihre Kinder krank werden fängt sie niemand auf – die Kosten für Medikamente werden nicht übernommen. Zu dem kommen viele andere Bedürftige und Geflüchtete.

“Die Klinik ist offen für alle – egal woher”. Das war der Gedanke mit dem der Kardiologe George Vichas und sechs weitere Personen 2011 die Idee einer solidarischen Klinik festigten – im Herbst 2011 konnten sie das Areal auf dem alten Flughafen beziehen. Die kleine Gruppe ist nach Aussage von Maritta nun auf rund 250 Freiwillige angewachsen.

Die Klinik funktioniert heute eher als Verteilerstation für Medikamente, eine große gemeinnützige Apotheke. Untersuchungen werden nicht mehr so häufig gemacht – die meisten Menschen kommen mit einem Rezept, die Medikamente bekommen sie dann in der Klinik. Die einzige Bedingung, um Medikamente zu beziehen, ist ein Gehaltsnachweis, der die Bedürftigkeit der Patienten bestätigt.

Die Medikamente kommen als Spende aus ganz Europa, Geld nehmen sie nicht an. Wir besuchen das Medikamentenlager – ca. fünf Personen überprüfen und sortieren hier die ankommenden Medikamente. Neben uns steht ein Schrank voller Babynahrung – die Versorgung der Klinik umfasst auch Nahrung und Hygieneartikel für Säuglinge und Kleinkinder.

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Die Metropolitan Community Clinic in Ellenikou (MKIE) ist eine der lauten Stimmen gegen die Planungen, die Privatisierungen und Kommerzialisierungen des Gebiets. Maritta geht nicht davon aus, dass ihre solidarische Einrichtung noch Platz finden wird, wenn die Bagger kommen, um das Gelände gewinnbringend umzugraben. “Reiche Menschen mögen es nicht Armut zu sehen.” sagt sie ganz trocken. Wo die Medikamente danach ausgegeben werden und die Freiwilligenarbeit fortgesetzt wird, weiß sie noch nicht.

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Wir verabschieden uns von Maritta. Der Warteraum der Community Clinic ist voller Menschen, die auf Solidarität angewiesen sind.

Auf der sicheren Seite

Hands on // In Zeiten der Krise

Tag Sechs

Der Tag startet mit einer Verabredung mit Marie, der Praktikantin von SynAthina. Tags Zuvor hat sie angeboten uns mit zu ihrem zweiten „Job“ zu nehmen. Sie engagiert sich auf Freiwilligen-Basis in einem selbstorganisierten Gemeindezentrum namens „Khora“. Es handelt sich um ein von Flüchtlingen verwaltetes Haus, das sich nach und nach zu einem wichtigen Treffpunkt für den gesamten Stadtteil entwickelt hat. Das Haus steht offen für alle. Im Gegensatz zu vielen anderen Häusern, die besetzt wurden, haben sich die Beteiligten hier für die Gründung einer NGO entschieden und das Haus gemietet.

Die Einrichtung mit seinen fünf Stockwerken bietet verschiedene Sprachkurse, ein Café mit Mittags- und Abendangeboten, ein Spielraum für Kinder und einen eigenes Stockwerk für Frauen. Es herrscht eine gute, entspannte Stimmung. Kinder rennen herum und schreien, Menschen verschiedener Herkunft sitzen in Gruppen herum und unterhalten sich. Einige stürmen in die Klassenräume, damit sie nicht zu spät kommen. Freiwillige Helfer*innen gibt es so viele, dass niemand unsere Kontaktperson Marie aus Frankreich kennt. Leider haben wir uns verpasst und wir können sie im Trubel nicht finden.

Eine Dame am Empfang erklärt uns, dass die Organisation eine horizontale Hierarchie hat. Nur die Aufgabenbereiche sind verteilt. Jede Woche findet ein offenes Plenum statt.

 

Das Besondere an diesem Kulturzentrum in Exarchia ist die geräumige Werkstatt. Hier werden aus gebrauchten Möbeln, Spenden und Fundstücken neue Einrichtungsgegenstände hergestellt. Genutzt werden sie nicht nur von der Khora Association selbst. Auch viele der Flüchtlingsunterkünfte und besetzten Häuser, aber auch Privatpersonen beziehen hier her ihre Möbel.

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Wir sind uns sofort einig, dass der Ort ein gelungenes Beispiel für ein offenes Kulturzentrum ist. Es bringt die Menschen zusammen, gibt ihnen kostenlosen Input und aktiviert sie selbst Wissen und Können weiterzugeben und etwas daraus zu machen. Es ist eines der Projekte, die wir im Herzen behalten, selbst wenn wir sie nicht in unsere Arbeit über öffentliche Außenräume einbinden wollen.

Im Anschluss besuchen wir wieder einmal den Elephertias Platz an der westlichen Seite des Emborikó Trigono, dem Handels-Dreieck. Hier steht jeden Dienstag und Freitag der Bus der Organisation Praksis, der mit Duschen ausgebaut ist und ein Angebot für Obdachlose und Bedürftige ist. Unsere offizielle Anfragen ein Interview mit den Angestellten des Busses machen zu dürfen blieben trotz vieler Versuchebislang unbeantwortet. Ohne das offizielle OK von oben, wollen uns die Helfer*innen nichts davon erlauben.

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Wir fragen nach weiteren Kontakten, Telefonnummern, rufen an, werden weitergeleitet und an andere Stellen verwiesen. Trotz fehlender Erlaubnis, erzählt uns der ägyptische Übersetzer dann doch einige Eckdaten des Projekts und wir finden heraus, dass sie diesen Ort ausgewählt haben, da die Menschen sowieso schon hier sind. Bislang gibt es keine weiteren Stationen des Duschbuses.

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Am Nachmittag sind wir auf den Spuren der offenen Gemeinschaft Atenistas unterwegs. Sie haben sich durch Interventionen im öffentlichen Raum in den letzten Jahren zum Gegenstand vieler Diskussionen gemacht. Meist handelte es sich dabei um eher kleine Eingriffe, wie das Aufstellen von Bänken, das Anbringen von Designelementen und Farbe in der Stadt. Es geht ihnen darum, in der eigenen Stadt aktiv zu werden, Objekte hinzuzufügen und Orte zu verschönern. Teilweise in Absprache mit der Stadt, teilweise als spontane „Verschönerungsaktion“ ohne Erlaubnis der Stadtverwaltung und der Anwohner*innen polarisierte die Vereinigung mit ihren Projekten immer wieder die Meinungen der Athener*innen. Ein Projekt gelistetes von ihnen ist der „DIY-Pocket-Park“ im Stadtviertel Gazi. Er befindet sich auf einem schmalen Streifen Brachfläche entlang einer dicht befahrenen Straße. Als Intervention wurde hier die Fläche von Müll gesäubert, gelb angestrichene Paletten zu Sitzgelegenheiten zusammengetragen und Plastikbecher in den Zaun gesteckt, sodass er zu einem Schriftzug wird. Der gemeinschaftliche Entstehungsprozess wurde öffentlichkeitswirksam in einem Video dokumentiert

Link zum Video

Bürger*innen der Nachbarschaft wurden nicht eingebunden, wie uns der Automechaniker der Werkstatt am Eck erzählt. Die Fläche ist in einem äußerst schlechten Zustand. Die Plastikbecher sind verschwunden, die Paletten kaputt, entwendet, wahllos über den Bereich verstreut. Es liegt sehr viel Müll herum.

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Mit den Stimmen der Atenistas-Kritik im Ohr, diskutieren wir über den Anspruch der Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit von städtischen Aktionen. Ob es dabei um Aktivierung von Stadtbewohner*innen geht? Geht es nur um die (wenn auch kurzfristige) Beautification des Ortes, bei dem die weitere Entwicklung der Fläche keine Rolle spielt? Oder führen solche Aktionen am Ende sogar zu einer Frustration und Demotivation der Nachbarschaft, wenn ein Ort wie dieser nach einer spontanen ästhetischen Aufwertung innerhalb kürzester Zeit ein derart verwahrlostes Bild abgibt?

Am frühen Abend kehren wir zu dem Café und Skate-Pool Latraac im Stadtviertel Kerameikos zurück.

Einer der Initiatoren und Gründer Zachos Varfis arbeitet heute und steht hinter der Bar. Er hat Architektur in London studiert und im Athen der Krisenzeit zusammen mit einem wechselnden Team von Helfer*innen, Mitarbeiter*innen, Gründer*innen und Investor*innen die Idee eines Skate-Cafés realisiert. Er habe auch darüber nachgedacht, einen öffentlichen Raum zusammen mit der Athener Verwaltung zu schaffen, doch die Unterstützung sei aufgrund seiner wirtschaftlichen Bestrebungen, den Skatepark mit einem Café zu kombinieren, nicht möglich gewesen. Die Variante den Park als private Fläche anzubieten habe ihm einfach viel mehr Freiheiten gelassen.IMG_7206

Auch der Versuch einer Crowdfunding-Finanzierung und Gespräche mit Investoren scheiterten. Seine Ideen seien schon sehr konkret gewesen und die wirtschaftliche Situation in dem „Krisen-Athen“ instabil. Daher entstand die Idee, das Grundstück selbst zu mieten und eine brachliegende Fläche in einem eher unattraktiven Gebiet der Stadt zu einem sozialen Ort zwischen Sport und Treffpunkt zu machen.

Durch ein besonderes modernes CNC-Fräß-Verfahren wurden die Einzelteile der Skatebowls hergestellt. Die Holzrampen und das Mobiliar des Ortes folgen einem schlichten zeitgenössischen Design. Das sei ihm wichtig, erzählt er uns. Immer wieder betont er die Design-Elemente des Parks.

Viele wollten nur Krisen-Geschichten hören, aber er glaube, dass das Projekt auch allein seines Entstehungsverfahrens und der neuartigen Fertigung wegen besonders sei. Die Krise bringe sehr gute Publicity.

Durch die Dokumenta sind viele Künstler*innen bei ihm ein und ausgekehrt. Sie haben hier Projekte verwirklicht. Seit der Eröffnung ist das Café ein Ort für kreativen Austausch, und das ist Teil des Konzeptes.

Der Ort liegt in einem Viertel, das wie er selbst sagt, schon vor einigen Jahren alle Anzeichen eines in naher Zukunft gentrifizierten Bezirks hatte. Ein Investor kaufte große Bereiche auf und veranstaltete ein jährliches Kunst- und Kulturfestival. Ziemlich bald eröffneten hippe urbane Cafés. Doch das führte bislang noch nicht zu einer Veränderung des gesamten Gebiets. Prostitution, Drogenhandel, Armut und Leerstand sind weiterhin fester Bestandteil des Bezirks. Dies sei auch der Grund, warum man den Ort mit hohen Mauern und einer verschließbaren Tür versehen müsse.

Die Öffnungszeiten sind von 12 Uhr Mittag bis etwa 1 Uhr nachts. Konsumieren muss hier keiner. Manchmal finden Parties statt. Dann wird die Bowl zu einer großen Sitzgelegenheit. In Rücksicht auf die Anwohner*innen wurden Skate-Ruhepausen in den frühen Nachmittagsstunden festgelegt, in denen sich viele Athener*innen wegen der Hitze für ein Nickerchen hinlegen.

Die Krise selbst war für Zachos keine Motivation den Skate-Park zu eröffnen. Er wollte sowieso immer mit seinen Händen arbeiten, statt im Büro zu sitzen. Der Park ist ihm und seinem Team gut gelungen und zieht Menschen aus der ganzen Stadt an. Manche zum Trinken und Essen und viele zum Skaten.

Vor dem Gespräch hatten wir eine gewisse Erwartungshaltung. Wir gingen davon aus, dass ökonomisch krisenhafte Zeiten als Blockade wirken. Wir gingen davon aus, dass Aktionen verhindert werden und die Krise in anderen Fällen Menschen aktiviert. Wir dachten auch, die Krise fördere Tatendrang und eröffnet Möglichkeitsräume. Wir dachten, dass in dem Fall von LATRAAC die wirtschaftlich schlechte Lage und die mangelnden Aufträge erst für die Idee der jungen Iniator*innen sorgten, Projekte jenseits ihrer Kernprofessionen voranzutreiben. Unter Umständen hätte die Stadt oder ein Investor/ eine Investorin außerdem mehr Interesse gehabt, das Projekt zu fördern. Während andererseits die Grundstückspreise für einen Ort im Zentrum der Metropole außerhalb dieser Periode wohl kaum erschwinglich gewesen wären. Das Interview verlief dann anders und gab uns andere Einsichten.

Innen und Außen

Hands on // In Zeiten der Krise

Tag Vier und Fünf

Die letzten Tage waren arbeitsintensiv. Teil unserer Methode ist es, möglichst viel zu Fuß zurück zu legen, um so offen für Neues zu sein und nicht ausschließlich zielgerichtet von Ort zu Ort zu gehen. Dies hat es uns ermöglicht einige neue Projekte zu finden.

Den Sonntag nutzen wir um uns und unsere Forschung zu ordnen, Texte und Emails zu schreiben und die Richtung für die nächsten Tage ausführlich zu diskutieren. Wir werden bis spät in die Nacht, quasi bis zum nächsten Morgen zusammensitzen…

Wir überprüfen unsere Begrifflichkeiten: „Top-Down“ und „Bottom-Up“ waren die Ausgangspunkte für eine zugespitzte Sicht auf Plätze, Aneignung und Krise. Dass die Begriffe nicht konsistent sind und uns verschiedene Hybridformen begegnen werden, war bereits in Wien klar. Wo liegen die Alleinstellungsmerkmale der öffentlichen Räume und was macht sie vergleichbar, sind nun nach den ersten Tagen die bestimmenden Diskussionsfragen.

Viel wird über die Nachhaltigkeit der einzelnen Projekte diskutiert und wie diese im Zusammenhang mit der Produktion der Orte sowie ihrer raumprägenden Akteure und Akteurinnen steht. Die Begriffe Funktion und Nutzung werden auseinandergenommen. Ihnen gegenübergestellt wird die Frage, wie sich die Anziehungskraft von spezifischen öffentlichen Räumen entfaltet.

Es ist von Nöten, die bislang gesammelten öffentlichen Räume zu clustern. Immer neue Sortierungsvarianten werden erprobt und offenbaren fortwährend andere Aspekte der Räume. Der Begriff der Beautification hält Einzug in unsere Diskussion. Natürlich poppt auch die Rolle der Finanzierung der Räume auf. Im Laufe des Tages kristallisiert sich heraus, welche Orte für unsere Fragestellung bedeutsam sind und welche nicht.

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An jedem Platz setzten wir die Frage nach seiner Bedeutung in der Krise an und suchen den Hebel, der den Wendepunkt markiert, an dem herkömmliche Problemlösungstechniken nicht mehr ausreichend waren. Und irgendwann ist es der nächste Tag.

Hauptpunkt der Tagesordnung des fünften Expeditionstages ist das Interview bei SynAthina in den Räumlichkeiten der Athener Vizebürgermeisterin. SynAthina ist eine Art Plattform, an die Athener*innen mit ihren Ideen herantreten können, wie sie den öffentlichen Raum und die Lebensqualität in Athen positiv beeinflussen können. Die von der US-Amerikanischen Stiftung Bloomberg Philanthropies unterstütze Aktion begegnete uns in Athen und bei der Recherche in Wien bereits viele Male.

SynAthina verfügt über einen Kiosk im öffentlichen Raum, den wir uns vor dem Interview noch einmal anschauen werden. Der Kiosk ist eigentlich ein großer Container, zentral gelegen und einfach zu finden. Über eine Internetplattform kann sich jede*r, der*die registriert ist, für den Kiosk anmelden und ihn nach eigenen Vorstellungen nutzen. Einzige Bedingungen sind, die Veranstaltung muss öffentlich sein und darf keinen rassistischen Hintergrund haben. Heute werden kostenlose HIV-Schnelltests angeboten. Der Kiosk selbst ist relativ schlicht gestaltet. Er verfügt über keine Lagermöglichkeiten und die verschiedenen Nutzer*innen müssen ihr Equipment immer wieder an- und abtransportieren.

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Auf dem Weg zu unserem Interview-Treffpunkt sehen wir einen weiteren Bus mit dem Praksis-Logo. Er steht an einer Straßenecke, davor ist ein Plastiktisch und ein paar Stühle gestellt. Wieder dürfen wir nur sehr eingeschränkt photographieren – zum Schutz der Nutzer*innen. Dieser Ableger von Praksis bietet Interessierten sehr niederschwellig Hilfe in Rechtsfragen an. Schwerpunkt sind Fragen zu Asyl in Europa, aber auch zu griechischen Recht. Genauso informieren sie über medizinische Versorgungseinrichtungen in Athen und andere Belange. Wir sind überrascht, wie offen die Menschen hier am Straßenrand über solch existenzielle Themen reden. Ein kleiner Transporter, ein Tisch, ein paar Stühle plus solidarische Aktivist*innen, die sehr bemüht sind um die Menschen, die zu ihnen kommen – mehr braucht es nicht um aus dem öffentlichen Raum eine humanitäre Anlaufstelle zu machen.

Im Büro der Vizebürgermeisterin angekommen begrüßen uns zwei Mitarbeiter*innen von SynAthina sowie eine Praktikantin aus Frankreich. Die sich entspinnende Diskussion ist sehr informativ und wird unter uns sehr kontrovers geführt. Eines der Ziele von SynAthina ist es, dass Wissen der Bevölkerung für Stadtverwaltung nutzbar zu machen und die Bevölkerung zu unterstützen, ohne sie zu bevormunden. Des Weiteren bietet die Plattform online einen vereinfachten Zugang zu Verwaltungsformularen an. Hierdurch soll eine mühsame Hürde für viele Menschen genommen werden. Eine Mitarbeiterin ist ausschließlich mit Recherche beschäftigt, um Athener Initiativen anzuwerben und dem Netzwerk von SynAthina hinzuzufügen. Die Bottom-Up Initiativen profitieren durch das wachsende Netzwerk und die Community, in dem auch sie Wissen und Ressourcen austauschen und auf einfache Art und Weise Gleichgesinnte für neue Projekte finden können. Interessierte können nach Themen geordnet sich dem Netzwerk nähern und die vielfältigen Angebote nutzen.

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SynAthina unterstützt die Bottom-Up Initiativen, ohne dass sie selber welche anstoßen. Projekte im öffentlichen Raum sind jedoch häufig nur von temporärer Dauer. Der Verwaltungsaufwand für dauerhafte Lösungen stellt auch SynAthina vor Schwierigkeiten.

Die von SynAthina entwickelte Methode ist so erfolgreich, dass sie demnächst in die Verwaltung überführt werden soll um mehr Befugnisse zu haben. Gleichzeitig werden dieses Jahr 30 Städte aus dem In- und Ausland nach Athen kommen und die Methode „SynAthina“ lernen und Ableger schaffen. Eine der teilnehmenden Städte ist die ägyptische Hauptstadt Kairo.

Im Anschluss an das Interview gehen wir uns eines ihrer Projekte anschauen. Eine Fußgängerzone soll implementiert werden. Der dazugehörige Beschluss liegt schon Jahre zurück und wurde ungefähr 2002 von der Stadtverwaltung verabschiedet. Das Projekt hat provisorischen Charme. Es ist nicht herauszufinden, ob und wenn wie eine Beteiligung stattgefunden hat. Die Schilder deuten die neue Nutzung in den engen Straßen an, deren Eingänge teils mit Gitter, teils mit hölzernen Blumenkästen für den motorisierten Verkehr gesperrt sind. Auf Grund seiner Zentralität kreuzen wir diesen Ort nicht zum ersten Mal. Schon vormals schien es uns als würden die Athener*innen andere Orte wählen, um ihre Pausen zu verbringen und zu verweilen. Wirklich neue Erkenntnisse lassen sich an diesem Ort nicht gewinnen.

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Wir entscheiden uns für einen Spaziergang in das bislang unbekannte Viertel Kerameikos. Von mehreren haben wir gehört es gäbe dort einen ganz besonderen Skatepark. Eher Top-Down, als Bottom-Up. Aus einer Reihe von brachliegenden Baufeldern sticht eines hellerleuchtet heraus. Statt eines Maschendrahtzauns hat es eine eiserne Tür mit einem kleinen Durchgang. Daneben hängt ein Schild. „Eat.Drink.Skate – LATRAAC“ steht auf der Getränke- und Speisekarte

Dahinter verbirgt sich eine Skateanlage mit einer Bar. Am Tresen kommen wir schnell in ein Gespräch. Wir fallen auf mit unserem Mikrophon, mit dem wir die Geräuschkulisse einfangen wollen. Für den nächsten Tag verabreden wir uns auf ein Interview mit dem Chef und Initiator des Projektes. Schon jetzt erkennen wir die angedeuteten Besonderheiten des privaten Ortes, gegenüber den brachliegenden Nachbargrundstücken.

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Wir lassen den Abend ausklingen, während wir den Skater*innen zuschauen.

Von einer Dusche im Bus zu einem Haus am Meer.

Hands on // In Zeiten der Krise

Tag Zwei

Den heutigen Expeditionstag beginnen wir mit einem Spaziergang in den Straßen und Plätzen des historischen Athens.

Die Formation der Plätze bilden in Beziehung zu den umliegenden Bauwerken wie z.B. dem Parthenon, ein Dreieck. Vom Syntagma Platz im Osten begeben wir uns über die Einkaufsstraße Ermou in Richtung der Metrostation Thissio. Der Spaziergang wird mit zwei Kameras und einem Tonaufnahmegerät dokumentiert.

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Drei Wochen vor unserer Ankunft war die Ermou Street Schauplatz einer Demonstration gegen die Festnahme einer Studentin, außerdem wurde gegen die Geschäftsöffnungszeiten an Sonntagen protestiert. Während der Demonstration wurden einige Schaufenster der Geschäfte zerstört. Davon ist heute nichts mehr viel zu sehen. Die Läden, die die eingeschlagenen Scheiben noch nicht ausgetauscht haben, verstecken die gesprungenen Scheiben unter Aufklebern für aktuelle Rabattaktionen.

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In der Nähe der Metrostation Thissio verkaufen einige Menschen gebrauchte Gegenstände am Straßenrand. Die Waren sind auf einer Decke ausgelegt. Im selben Moment, in dem wir passieren kommen vier Polizei Motorräder mit Blaulicht auf sie zugefahren. Die Händler packen eilig ihre Sachen zusammen. An vielen Ecken in Athen werden Dinge angeboten – eine Genehmigung dafür gibt es vermutlich in den meisten Fällen nicht.

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Unser Spaziergang führt uns weiter: Nun von Thissio im Westen des Stadtgrundrissbestimmenden Dreiecks nach Omonia, der nördlichen Spitze. Dort sind wir um 14:00 Uhr mit der Architektin Nelly Sfakianaki verabredet. Auf halber Strecke liegt der Platz Koumoundourou – die Szenerie erweckt unserer Aufmerksamkeit. Vor der Parteizentrale der derzeitigen Regierungspartei Syriza stehen viele Polizisten und auf dem Platz steht ein Bus. Wir schauen ihn genauer an – die Aufschrift des Busses und die sich davor versammelnden Menschen lässt  seinen Zweck erahnen. Es ist ein mobiler Bus, der obdachlosen und Drogenabhängigen Menschen eine Möglichkeit bietet sich zu waschen und mit Medikamenten versorgt zu werden.

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Im Bus kommen wir ins Gespräch mit Simona. Sie ist Psychologin und die Ansprechpartnerin für die Nutzer und Nutzerinnen des Busses. Gerne würden wir sie interviewen und Photos machen. Dafür müssen wir uns aber erst die Erlaubnis der Dachorganisation Praksis einholen. Die Arbeit mit marginalisierrten Gruppen und mobilen Busen erinnert uns an Projekte in Wien. Wir werden wiederkommen und uns genauer mit dem Bus und dem Platz beschäftigen.

Für unsere nächste Verabredung mit Nelly sind wir auf Grund unserer spontanen Entdeckung spät dran. Wir begeben uns vor das Shopping-Center Hondras am Omonia Platz und warten auf sie. Nelly hat bei einem Projekt mitgewirkt von dem sie denkt es würde in unsere Forschungsarbeit passen. Wir wissen bislang nur, dass es ein Projekt im „Public Space“ ist. Alles andere sollen wir gleich erfahren.

Die Gegend um den Omonia Platz wirkt heruntergekommen. Sexarbeit und Drogenkonsum prägen das Bild des Viertels. Es ist dringend nötig, dass hier mehr gemacht wird, sagt die Architektin – doch dafür fehlt Geld oder Energie.

Wir laufen durch eine enge Straße, die auf den kleinen Park zuläuft den Nelly uns zeigen möchte – neben uns reinigt ein Mann in gekauerter Haltung eine Heroinspritze.

Nelly ist 37, selbständige Architektin, und wollte etwas verändern „einfach etwas machen, statt zusehen“– so hat sie sich mit anderen Menschen zusammengetan, um den Park in dem wir jetzt stehen auf einer Brache zu initiieren. Hätten sie es nicht getan, wäre womöglich an diesem Ort auch ein Parkplatz, wie üblicherweise auf den Brachen in Athen. Für Nelly ist es eine Premiere. Sie sieht den fertiggestellten Park auch zum ersten Mal. Aus persönlichen Gründen konnte die Architektin nicht bis zur Fertigstellung an dem Projekt teilnehmen – nun ist sie sehr glücklich den begrünten Park zu sehen.

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Entstanden ist ein offen zugänglicher Platz mit grünem Rasen und einigen Palmen und Blumenbeeten. Sitzbänke und Sträucher gibt es nicht. Eine bewusste Entscheidung. Junge Männer liegen auf dem Rasen, ein älterer Mann wäscht sich am Wasseranschluss der Rasenbewässerung. Die Verwaltung des Parks liegt nun in der Hand der Stadt.

Wir fragen uns: Was kann dieser Park in der Nachbarschaft ändern? Kann  er die Identifikation mit dem Ort positiv beeinflussen? Regt er zum Mitreden an? Erzeugt er Reibung oder löst er Konflikte? Wie nachhaltig funktioniert er?

Nelly berichtet, dass die Treffen für die Initiative des Parks beim Kiosk von Synathina abgehalten wurden. Auf Synathina sind wir schon in unserer vorherigen Recherche gestoßen. Die Fäden laufen langsam zusammen. Nelly gibt uns weitere Kontaktdaten von Menschen die uns bei der Forschung behilflich sein könnten. Zufälligerweise ist eine Person davon für morgen mit uns verabredet.

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Nach einem Bier und Pita Souvlaki am Nahe gelegenen Imbiss verabschieden wir uns von ihr – sie ist ab Montag in Frankreich, am Donnerstag kommt sie wieder – vielleicht sehen wir uns dann noch einmal.

Die zweite Hälfte des Tages beginnt: Wir laufen zum Syntagma Platz. Unser Ziel ist das „Stavros Niarchos Foundation Cultural Center“. Ein kostenlosen Shuttelbus der Stiftung soll uns hinbringen..

Bei unserer Ankunft am Syntagma Platz ist der sonst üblich starke Verkehr am Syntagma Platz sehr ruhig – er steht nahezu still. Die Traube aus sich versammelnden Paparazzi klärt uns auf Nachfrage hin auf: Emmanuel und Brigitte Macron spazieren ebenfalls auf der Ermou Straße. Bald werden sie eintreffen. Vorher hielt der französische Präsident eine Rede vor griechischen Wirtschaftsvertreter*innen in SNFCC. Der Syntagma Platz ist in heller Aufregung als das Präsindentenpaar umringt von Bodyguards über den Platz schreitet. Wir setzen uns an die Bushaltestelle und schauen dem Treiben zu. Die sie umringenden Griechen jubeln den Macrons zu.

Es dauert eine Weile bis der Verkehr zu dem gewohnten Chaos am Syntagma Platz wiedergefunden hat – der Shuttlebus kommt und nimmt uns mit an die (ehemalige?) Peripherie der Stadt ans Meer. Dort angekommen sind wir beeindruckt von dem imposanten Gebäude – mitsamt Park hat es rund 670 Millionen Euro gekostet.

In dem Gebäude befindet sich die neue Staatsoper und die Nationalbibliothek – wichtige öffentliche Einrichtungen. Geldgeber und Inititor war aber nicht etwa der Staat – sondern die Stiftung des Reederers Stavros Niarchos. Das “Stavros-Niarchos-Foundation-Cultural-Center” wurde Anfang des Jahres dem Staat übergeben – ein Geschenk mit Prämissen.

Wenn der Staat die Qualitätsansprüche der Stiftung nicht halten kann, muss er zahlen und sich rückwirkend an den exorbitanten Baukosten beteiligen. In vier Jahren soll das Cultural Center komplett vom Staat betrieben werden. Das Programm des Centers ist momentan umsonst. Es werden Pilates, Running und weitere Aktivitäten angeboten. Der Park verfügt über dutzenden Installationen, die den Park aktiv erlebbar machen.

Eigentlich gibt es heute keine Führung auf Englisch. Doch eine Mitarbeiterin des SNFCC erklärt sich freundlicherweise bereit unseine private Führung durch den Park bis auf das Dach des Geäudes zu geben.

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Ein Verbindung der Stadt zum Meer gab es früher nicht – der Park und das Gebäude des international renommierten Architekten Renzo Piano stellen diese nun her. Der Park ist von der nördlichen / nordöstlichen Seite erschlossen. Die Eingänge des Parks knüpfen an die Straßen an die in die Stadt führen – vom höher gelgenen Teil des Parks sieht man wie die Pfade in die Stadt übergehen – insgesamt hat der Park somit 9  Eingänge. Der etwa 500m lange Park steigt auf eine Höhe von 32m bis über die Dächer der beiden Kulturbauten an. Am höchsten Punkt des Parks angelangt eröffnet sich dem Besucher und der Besucherin eine herausragende Aussicht bis zum ehemaligen Hafen Phalerum.

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Vom SNFCC-Gelände gibt es eine Rad- und Fußgängerbrücke über die breite dichtbefahrene Straße zur Faliro-Hafenbucht. Eine Besonderheit in der weitestgehend autogerechten Stadt Athen. Der Park ist umzäunt und Securities bewachen die Pfade des Parks.

Wir genießen den Sonnenuntergang mit Blick auf das Meer bei einem Bier auf dem Dach des Gebäudes und begeben uns zum Ausgang des Parks in dem sich gerade Menschen versammeln, um gemeinsam unter freien Himmel einen Film zusehen. Heute Abend wird “Jenseits von Afrika” gezeigt.

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Ein Koloss der Zeit

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Heute, eine Woche nach unserem ersten Tag im Rozzol Melara, dokumentieren wir die Veränderungen an unserer letzten Hinterlassenschaft einer Intervention, räumen auf und sammeln noch ein letztes Mal einige kurze Statements von zwei unserer Kontakte ein. Mit geschulterten Ergebnissen, Rohdaten und einer unzähligen Anzahl von Eindrücken machen wir uns auf, es geht zurück nach Wien. Dort sortieren und analysieren wir weiter, was diese öffentlichen Räume in und um einem derartigen, massiven, von Identitäten und Konflikten strotzenden Großwohnbau zu bedeuten haben. Aus einigen Ideen, manchen Antworten, aber vor Allem intensiven Eindrücken werden wir nun ein Booklet formen.

Nach einer intensiven Woche, die unerwartet schnell auch schon wieder vorbei ist, steht dieser Koloss der Zeit mehr oder weniger unverändert da.

Termine über Termine

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Zeigte sich der Block gestern von seiner harten Seite, konnten wir heute erste Informationen und Reste unserer zweiten Intervention aufsammeln. Der Pool war immer noch gefüllt, die Kerzen wurden angezündet und unsere Fragen waren beantwortet. Sie regten sogar eine Konversation über den besetzten Platz an, die sich über die Plakate Ausdruck verschaffte.

Nachdem wir die Erweiterungen unserer Aneignung festhielten und den Raum in seinen Urzustand zurückversetzten, besuchte uns Giulio, ein triestiner Architekt. Mit ihm bewegen wir uns durch den Hof und seine Räume, diskutieren dabei über deren Aufgaben, Potentiale, vor Allem aber über die unterschiedlich wahrgenommenen Identitäten der Orte.

Im Anschluss an ein neuerliches Mittagessen, klärt uns Lorella, die Leiterin der ansässigen Mikroarea über deren Aufgaben Ziele, sowie den offiziellen, strukturellen Aufbau der Organisation auf.

Mit vollem Bauch und etwas Verspätung wandern wir Richtung Stadtzentrum wo wir uns wieder mit Cristina, unserer Ansprechpartnerin bei ATER treffen. Sie versorgt uns mit Kopien, Scans und Informationen von vorangegangenen Forschungen, Zeitungsartikel, alten Bildern und vielem mehr.

Schlussendlich wächst der Koffer mit mehr und mehr Informationen. Bei einem abendlichen caffè Lungo versuchen wir eine grobe Ordnung zu schaffen und uns nochmal auf den morgigen, letzten Tag im „Mammut“ vorzubereiten.

Ladies am Werken

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Nach den aktiven Tagen der Interventionen geht es darum unsere Hinterlassenschaft der ersten Station einzusammeln, die Veränderungen und bestenfalls Anmerkungen und Erweiterungen unserer Aktionen aufzunehmen, einzuschätzen und zu dokumentieren. Angekommen am Ort der ersten Intervention fanden wir nur mehr Relikte vor. Der von uns ausgewählte „Nicht Ort“ war wohl doch bestimmt genutzt, so dass unsere Aneignung klaren Widerstand erzeugte. Bis auf einen traurigen Haufen unserer Zerstörten Infobox war nichts mehr übrig oder vor zu finden.

Diese klare Message war anfangs schwer zu nehmen, allerdings auch eine starke Mitteilung: „Hier geschieht etwas!“ Wir wissen zwar leider nicht was genau diese Aggressionen auslöste, haben jedoch auch dadurch eine Antwort bekommen und können uns immerhin auf ein nettes Nachmittagsprogramm freuen. Denn die interessierten Ladies des „Mammuts“ haben uns eingeladen an ihrem regelmäßigen Näh-/Bastel- und vor Allem Tratschkränzchen teil zu nehmen. Zwei Pinata und 5 Duftkissen später endet für uns dieser Tag.

Erleben

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Bei zwei Ristretto und einem Menta starten wir unseren Tag mit Peter, einem gebürtigen Wiener der sein Zuhause in Triest gefunden hat. Er betreute als langjähriger Gärtner die „Wüste“ des Melara, erzählte uns seine Geschichte und führt uns durch seine alte Wirkungsstätte. Nachdem uns die Zeit davoneilt, beginnen wir unsere zweite Intervention auf zu bauen und bekommen auch gleich Unterstützung.

Station 2 von 3 bespielt nach dem gestrigen inneren öffentlichen Raum heute den außen Raum zwischen den Stützen des Rozzol Melara.

Erkennenlernen

Nach einem Informativen gestrigen Tag, folgte heute der erste Tag unserer drei Interventionen. Die öffentlichen Räume im Inneren des „Mammuts“, wie das Rozzol Melara auch genannt wird, sind untertags die Aufenthaltsräume der Jugendlichen, die sich vor der brennenden Hitze der strahlenden Sonne verstecken. Die sich überkreuzenden Verbindungsgänge, bilden in der Mitte einen Platz. An diesem Ort positionieren wir unsere erste Station, besetzten einen Ort der von den BewohnerInnen nur als Transitraum genutzt wird. Eine gebogene Wand wird von uns mit Papier und darauf stehenden Fragen verkleidet.

Was siehst du hier? Was ist deine Geschichte an diesem Ort? Was ist dieser Ort für dich? Was willst du hier verändern? Ist es ein Ort? …

Day one: Welcome to Istanbul!

Day01

The journey including a stop in Bucharest takes all day and it is already early evening when I arrive at the airport where Laura picks me up. We take the bus to the city. Almost all buses go to „Taksim Square“, an indication that it must be a central point in the city. The bus stops in the middle of a narrow street and we are told to get out, supposedly we are already in Taksim but I am confused though, as I cannot see anything around us looking like a square. When we get off the bus we find ourselves in a busy, narrow street with traffic passing us closely while carrying the suitcases. I immediately ask Laura about the square, who leads me there to find it finally opening up two streets further. Curious that the bus stop isn´t closer…?!

One can hear Turkish music from a loudspeaker. On one side of the square there is a summer festival in progress. People are selling traditional food and handicrafts. It is Friday night and the festival area by Taksim becomes a busy place.

I pull my suitcase down the uneven, partly under construction, Istiklal Street. Side streets are going up and downhill, frequently offering a glimpse of the Bosporus. We meet Ekin, a close friend of Laura, in front of Galatasaray School in Istiklal and he leads us the way through the labyrinth of alleys, where we lose orientation right after the third change of direction…

MEIN BLOCK !?!

Es Geht nach Triest.
7 Tage. Ein Auto. 2 Passagiere.
Ein Block. Unser Block. Euer Block?
3 Räume. 3 Interventionen. 3 Rückschlüsse.

Im Kontext von Rozzol Melara wollen wir untersuchen wie sich Identität, Konfliktkultur und Öffentlicher Raum beeinflussen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Aneignungsfähigkeit von rohem Raum – einem Möglichkeitsraum.

Stur wirkt er, kalt ist er, für mich unverständlich warum er mich so anzieht.
Wie kann ich ihn Mein machen?

Mein Block !?!