Field Trips in Public Space 5: BIG THINGS. Öffentlicher Raum im Wohnungsbau der 60er und 70er Jahre

„Die Siedlungen der 1960er und 1970er Jahre sind die sichtbaren Zeugnisse eines Sozialstaats, der heute wie eine ferne Utopie erscheint. Sie waren als vollwertige Umgebungen geplant, die ihren Bewohner*innen nicht nur ein gesundes, sondern auch ein sozial und kulturell befriedigendes Umfeld bieten sollten. Die jüngeren Diskussionen um die Qualitäten der Siedlungen – Möglichkeiten der Aneignung, individuelle Lebensgestaltung, soziale Probleme und gestalterische Defizite – blenden dies weitgehend aus und unterstellen, dass sie für die meisten Ihrer Bewohner*innen heute kaum mehr sind als praktische Schlafstätten.
 
Diese Siedlungen zeichnen sich durch ein differenziertes Angebot von Freiräumen und Räumen für die Gemeinschaft aus, das programmatisch begründet war und die Gestaltung der Siedlungen auf allen Maßstabsebenen durchzieht. Während sie in der aktuellen Städtebau-Diskussion oft als „undefiniert“ bezeichnet und eher negativ gesehen werden, können sie unter zunehmend neoliberalen Marktbedingungen dringend nötige Orte der Aushandlung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts sein, die wir uns in neuen Siedlungen leider nur noch selten leisten.“

Maren Harnack