Die eigene Meinung

06.09.2020
Fieldtrips
Brüssel – Modelwijk // Mon Amie La Cité Modèle

Die eigene Meinung

Heute ist unser letzter Tag in der Siedlung. Ein Teil der Gruppe war in der Cité Modèle unterwegs und hat letzte Raumanalysen durchgeführt, der andere hat einen  Abstecher nach Antwerpen gemacht, um das “Kiel” zu besuchen, dem bekanntesten Projekts Braems, welches unter anderem als “geglückte” Cité Modèle gilt. Zu diesem Ausflug wird es einen kurzen Bericht geben, darauf Folgen werden unsere abschließenden Reflexionen zu der Exkursion. Die Reflexionstexte wurden einzeln verfasst und stellen die persönlichen Meinungen der ExkursionsteilnehmerInnen dar.

Kiel, Antwerpen

Nach der Überquerung eines großen Autobahnkreuzes etwas außerhalb des Stadtzentrums Antwerpens befindet sich die Siedlung Kiel, die ebenfalls in den 50er Jahren von Renaat Braem geplant worden ist. Wir wollten uns die Siedlung vor Ort genauer anschauen, da sie als eines der besten und erfolgreichsten Projekten Renaat Braems gilt und als gleiche Bauaufgabe als Wohnsiedlung mit der Cité Modèle interessant zu vergleichen ist.
Nähert man sich, bemerkt man sofort den starken Einfluss Le Corbusiers und der Prinzipien moderner Architektur der 50er Jahre. Freie Erdgeschosszonen, freier Grundriss, Licht Luft Sonne, grüner Freiraum. Die Gebäude sind sehr gut und viel besser als die Cité Modèle erhalten, auffällig sind vor allem die vielen Farben, die sich durch die Gestaltung der Siedlung Kiel ziehen. Die Erscheinung der Wohnblöcke auf den ersten Blick wirkt freundlicher, sanfter und etwas menschlicher.
Das Erschließungsprinzip ist den Blöcken 1,2,3 der Cité Modèle sehr ähnlich – man betritt ein gläsernes Foyer, welches im Erdgeschoss frei eingestellt ist, der Aufzug bildet einen eigenen Volumenkörper, in welchem man in die Vertikale gelangt und von dem aus man in die Laubengänge zur Erschließung der Wohnungen tritt.
Die Erdgeschosszone ist hier sehr frei, das Durchlaufen der Siedlung ist angenehm und von Durchblicken geprägt. Wie auch im öffentlichen Raum der Cité Modèle bilden alte, große Bäume eine ruhige Atmosphäre und bieten Schutz vor Wetter und Blicken. Jedoch ist der Außenraum relativ unspektakulär, hier gibt es keine großen Gesten und entwerferische Statements wie in der Cité Modèle. Der öffentliche Raum der Cité Modèle scheint stärker eine Gemeinschaft unter den Bewohnern bilden zu können als dieser hier. Aber wir haben nicht viel Zeit und müssen schon wieder aufbrechen.

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Reflexion

Exkursionsteilnehmer I

Kann die Cité Modèle eine Modellstadt für unsere Zukunft sein? Diese Frage hat mich so ziemlich seit Beginn der Recherche über die Siedlung beschäftigt.
Heute kann ich sagen: für mich ist die Cité Modèle eindeutig zukunftsfähig und zukunftsweisend. Hiermit möchte ich bestehende Probleme, mit denen offensichtlich Cités wie diese zu kämpfen haben, nicht beschönigen oder entwerten, jedoch denke ich, dass diese vor allem soziologischer oder sozialer Natur sind und nicht unbedingt auf die jeweilige Architektur zurückzuführen sind.

Vor allem in Bezug auf den öffentlichen Raum zeigt die Cité Modèle Möglichkeiten auf, wie man gemeinschaftlicher zusammenleben und sich Raum teilen kann. Es macht einen Unterschied, ob ich in einem schmalen Reihenhaus mit kleinem privaten Garten und hohen Mauern wohne, oder in einer Siedlung, in der viele andere Menschen Räume mit mir teilen, und die mir das Gefühl von Gemeinschaft aber auch viel Freiheit gibt. Die üblichen Begegnungen und Situationen mit anderen Bewohnern verändern den Alltag und somit auch das Leben. Für mich ist das ein Lebensentwurf, der erstrebenswert erscheint. Man lebt miteinander, nicht nebeneinander.

Besuche ich Siedlungen wie diese, überkommt mich immer das Gefühl, dass unsere Zeit in die falsche Richtung läuft, zurück in alte Muster verfällt. Hat man in den 50er Jahren nicht viel fortschrittlicher gedacht als heute? War dort nicht mehr Mut vorhanden an eine bessere Zukunft zu glauben, in der Gemeinschaft und Zusammenleben erstrebenswerte Ziele waren, und in der man sich nicht dem unbezwingbaren Individualismus gebeugt hat?

Auch wenn sie meiner Meinung nach zu sehr nach banalen polemischen Bildern, wie der „Damm“ gegen das Chaos der Altstadt oder die „Insel“ des Sozialismus, entworfen worden ist, so sind diese gebauten Räume heute die Realität vieler Bewohner. Eine Realität, von der die meisten Bewohner gar nicht wissen (wollen), wie oder warum sie entstanden ist. Und trotzdem hat sie einen Effekt auf die Atmosphäre in der Siedlung und auf die Art und Weise des Wohnens und Lebens. Sie zeigt, dass Architektur und die Stadtplanung bis zu einem gewissen Grad in der Lage ist, das Zusammenleben von Menschen zu verändern. Oder zumindest Denkanstöße zu geben. Bei mir hat es zumindest einen Anstoß gegeben.
Renaat Braem, es war mir eine Ehre.

 

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Exkursionsteilnehmer II

„For the Japanese, space is a continuous flow, alive with interactions and ruled by a precise sense of timing and pacing. The name for that is ‘MA.’ MA is the Japanese word for space or ‘space-time’, but it does not correspond to our idea of space. The main difference is that when we say space we imply room or empty areas. To the Japanese, MA connotes the complex network of relationships between people and objects.“
Derrick de Kerckhove
Wir wollten mit unserer Forschungsfrage versuchen einen Ort anders als gewohnt zu beschreiben. Neben den gewohnten oftmals statistischen Abstraktionen aus Politik oder Architekturdiskursen besitzt ein Ort eine expressive Dimension. Einen unverwechselbaren Charakter der ihm verliehen wird über die Geschichten, Gedanken und Gefühle mit dem seine Bewohner ihn betreten. Dazu wollten wir möglichst viele Meinungen einfangen und haben deswegen viele Gespräche geführt. Dabei besitzt das Interview die besondere Eigenschaft nicht nur einen reinen Informationsaustausch darzustellen, sondern transportiert durch eine Art Metadaten in Form von Stimme, Gestik und Mimik weitere Eindrücke über den Partner. Unser erstes Interview mit Jozef Wouters hat für eine Weile einen eher düsteren Takt vorgegeben und einen bleibenden Eindruck hinterlassen, weswegen Ich es als nötig empfand es als einziges Interview unmittelbar im Anschluss vollständig zu transkribieren. Er hat einige Punkte angesprochen, die nicht unmittelbar mit der Siedlung zu tun haben, aber nicht unwesentlich für das Projekt waren. Man wurde erinnert wie wichtig es ist von Zeit zu Zeit einen Schritt zurück zu gehen und darüber zu reflektieren unter welcher Prämisse man handelt. Was gibt mir das Recht hier Menschen in ihrem Umfeld, mit Ihren Probleme zu begaffen für eine paar Tage? Welchen Mehrwert gedenke Ich daraus zu ziehen für mich und für jemand anderen? Woher kommt dieser Drang Dinge sezieren zu wollen, nach etablierten Schemen zu kategorisieren und ein Produkt zu schaffen, was suggeriert man wisse jetzt mehr als vorher? Man habe jetzt ein weiteres kleines Stück über Architektur gelernt, dass man bei Bedarf wieder aus der Schublade kramen kann.
Doch ein straffer Zeitplan schafft gute Abhilfe bei revolutionären Gedanken und so bekamen wir immer mehr Zusagen für Interviews und neue Tipps für weitere Kontaktpersonen von unseren Interviewpartnern. Es gab anscheinend großen Gesprächsbedarf. Die weiteren Gespräche mit aussenstehenden Experten verdichteten das Narrativ der misslungenen Architektur. Eine interessante Geschichte des Versagens trotz bester Absichten entfaltet sich, denn offensichtlich scheint dort am Rande Brüssels etwas nicht in Ordnung zu sein. Es gibt Probleme mit Drogen und Kriminalität und das sozialistische Utopia, der Traum von einer besseren Gesellschaft, ist längst in Vergessenheit geraten. Das Künstlerkollektiv Les Meutes zeichnen ein Bild der Unnahbarkeit, des schwierigen Zugangs in eine fremde Welt, in die man keinen Zugang findet selbst wenn man nichts anderes als helfen möchte. Francis Strauven empfängt uns in einem Palast, dem Erbe Braems angemessen, und scheint etwas enttäuscht als ihm bewusst wird dass wir uns hauptsächlich für die Modellstadt interessieren, einen lediglich kleinem und „nicht so gutem Teil wie andere Projekte“ in Braems Oeuvre. Alles andere an relevanten Hintergründen, könnten wir in seinem Buch nachlesen, dass er uns mitgebracht hat. Christophe Pourtois ist irgendwie getrieben und scheint seltsam froh der großen Stadt mit ihren Verpflichtungen entkommen zu sein und hier in seinem Reich wo er der CEO ist mit dem Austausch von Modellen in einem Umgriff seinen Fingerabdruck für die Nachwelt hinterlassen zu können und seine Kompetenzen als Kunsthistoriker und Anwalt zu verbinden. Stafy schließlich schafft es am Ende, mit ein paar Worten in gebrochenem Englisch lauter zu reden und mehr zu sagen als alle anderen davor. Einen Ort detaillierter zu beschreiben und welche Dinge ihn prägen, ohne die entsprechenden Fachbegriffe zu kennen. Und es ist ein schöner Ort, der hauptsächlich darunter leidet, dass neue Sozialwohnungen geschaffen werden müssen, dass alte Konzepte der Geschlossenheit aufgebrochen werden mit neuer Architektur die versucht alte Ästhetik zu imitieren, das Gewinn erzielt werden muss, dass mehr Parkplatz und Verkehrsflächen als qualitativer Außenraum gelten und den Bewohnern und ihrem Verständnis von Raum nicht genug Gehör geschenkt wurde. Und am Ende bleibt der Eindruck, dass all das nicht wirklich mein Problem ist.

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Exkursionsteilnehmer III

Insgesamt beschäftige ich mich nun seit einem halben Jahr mit der Cité Modèle, die letzten zwei Wochen war ich endlich auch vor Ort. Das Projekt ist aber noch lange nicht abgeschlossen: Einerseits steht noch die zentrale Abgabe aus, andererseits schaffe ich es bis heute nicht, mir eine Meinung über die Cité Modèle und das ganze Drumherum zu bilden. Zu widersprüchlich waren die ganzen Eindrücke und Einschätzungen zu der Siedlung, jedes Interviews und Gespräch, das wir geführt haben, zeichnet ein eigenes Bild über die Siedlung. Ich kriege die verschiedenen Eindrücke dabei nicht auf einen Nenner, sie lassen sich in meinem Kopf nicht miteinander vereinbaren.

Ein Beispiel für einen solchen Widerspruch in meinem Kopf ist beispielsweise die Einordnung von Renaat Braem, den führenden Architekten der Cité Modèle. Ich tue mir sehr schwer, ihn als Person und im Speziellen seine Motivation bei Konzeptualisierung der Siedlung richtig einzuordnen und zu bewerten. Obwohl Braem selbst dieser Denkschule entspringt, kritisiert er in seinen Schriften wiederholt die verfehlte Kapitalismuskritik der CIAM und Le Corbusiers, meiner Meinung nach zurecht und mehr oder weniger treffend. Der konkrete Output in der Praxis, unter anderem mit der Konzipierung der Cité Modèle, scheint jedoch in meinen Augen genau das zu sein, was er selbst kritisiert. Die BewohnerInnen der Cité Modèle sollen nach Braem durch die besondere Architektur und der damit verbundenen Lebensweise zu revolutionären Massen umerzogen werden, ein typischer Denkfehler von CIAM, möchte man meinen. Und de facto handelt es sich bei der Cité Modèle um eine stinknormale mittelgroße Sozialwohnungssiedlung, in der Arbeitslose und im Niedriglohnsektor arbeitende Menschen, mal mehr, mal weniger freiwillig untergebracht werden. So handelt es sich bei der Cité Modèle schlussendlich um eine dem kapitalistischen Wirtschaftssystem inhärente Angelegenheit und ist weit entfernt von revolutionären Ansprüchen steht, welche Braem formuliert. Aber: Die belgischen Verhältnisse genauer betrachtend, ist die Cité Modèle eben doch was sehr Besonderes. Sie ist die größte und einer der wenigen Sozialwohnungssiedlungsprojekte Belgien. Sozialer Wohnungsbau im größeren Maßstab ist hier sehr selten. Der Großteil der Menschen lebt in Reihenhäusern und oft in Eigentum. Viele Kleinfamilien, auch geringverdienende, zahlen vermutlich ein halbes bis ganzes Leben lang ihre Häuser ab. Das solche Lebensumstände eine konservative Einstellung zu Arbeit und Kapital fördern, ist kein Geheimnis. In Anbetracht dessen macht die Cité Modèle im Sinne Braems eben doch Sinn und ist als fortschrittlich zu bewerten.

Bei jedem Interview – Braem war fast jedes Mal auf irgendeine Art und Weise Thema – wurden sehr konträre Standpunkte zu ihm und seiner Arbeit formuliert. Ähnlich ist es mit vielen anderen Themen, hervorzuheben sind an dieser Stelle auch die Berurteilungen verschiedener Parteien, inwiefern die BewohnerInnen der der Cité Modèle dort gerne leben oder nicht. Ich sträube mich dabei dagegen, die gewonnen Einschätzungen von AnwohnerInnen und Externen einfach als „verschiedene Meinungen“ stehen zu lassen. Ziel soll sein, die Äußerungen der Personen sinnvoll einordnen zu können. Für eine Einordnung braucht es eine ausreichende theoretische Basis, an der es mir noch fehlt. Zu oft verrenne ich mich bei meinen Analysen und merke die Grenzen meines Theorieverständnisses, deshalb stehen bei mir in den nächsten Wochen vor allem umfangreiche Lesesessions an.

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Perroquet

04.09.2020
Fieldtrips
Brüssel – Modelwijk // Mon Amie La Cité Modèle

Perroquet

Gestern Abend bekamen wir kurzfristig eine Zusage für ein Interview mit Christophe Pourtois. Er ist seit 2017 Vorsitzender des Foyer Laekenois. Das Foyer Laekenois ist eine Immobiliengesellschaft des öffentlichen Dienstes (SISP), die von der Wohnungsbaugesellschaft der Region Brüssel (SLRB) genehmigt und kontrolliert wird.
Die Mehrheit des Kapitals ist im Besitz der öffentlichen Hand (hauptsächlich der Region Brüssel, der Stadt Brüssel und der CPAS), ihr Verwaltungsrat spiegelt die vorhandene kommunale Mehrheit wider. Das Foyer Laekenois wurde 1920 gegründet. Ihr Vermögen ist auf verschiedene Stadtteile von Laeken und der Stadt Brüssel verteilt. Das Vermögen setzt sich aus kleinen Einzelhäusern, vor allem aber aus großen Gebäuden mit fast hundert Wohnungen zusammen.
Die Cité Modèle, die in den 1950er Jahren im Zuge der Weltausstellung von 1958 ins Leben gerufen wurde, ist der emblematische Standort des Unternehmens. Die Häuser des Foyer Laekenois befinden sich innerhalb der Siedlung in Block 7. Sie verwaltet nahezu 3.800 Wohnungen, die über Laeken und den Distrikt Nord verteilt sind, mit mehr als 7.500 Einwohnern.
Von anderen Interviewpartnern haben wir bereits erfahren, dass es immer wieder Probleme mit dem Vorsitzenden Christophe Pourtois gab. 2017 als er noch zahlreiche hohe Mandate in der Stadt Brüssel inne hatte, war er Teil eines Skandals, da er öffentliche Gelder veruntreute und in Folge dessen aus der Partei ausgeschlossen wurde und an den Rande Brüssels in die Cité Modèle versetzt.
Nachdem ein Security überprüft wer wir sind, werden wir von einer Mitarbeiterin zu Christophe Pourtois Büro begleitet. Er empfängt uns sehr freundlich und nimmt mit uns an seinem Besprechungstisch platz. Er stellt sich uns als CEO des Unternehmens vor und beschreibt uns seine Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche. Auf dem Papier ist das Foyer Laekenois ein privates Unternehmen mit Teilhabern der Stadt Brüssel, welches hauptsächlich Sozialwohnungen verwaltet und realisiert. Er beschreibt wie das Sozialwohnungssystem in Brüssel funktioniert. Bei einer Wohnung wird kalkuliert welche Miete die Kosten deckt, zb. 500 Euro für eine 2-3 Zimmer Wohnung. Von dem Mieter wird anteilig von seinen Einkünften berechnet wieviel er Miete zu zahlen hat, zb. kann er 150 Euro leisten. Die Differenz zwischen den veranschlagten 500 Euro und den, für den potentiellen Mieter erschwinglichen 150 Euro, werden durch staatliche Fonds (bis zu 75%) ausgeglichen um ein Minusgeschäft zu verhindern und die Kredite bei der Bank für Neubauten abzahlen zu können.
Er berichtet uns des weiteren über die bereits realisierten neuen Wohnblöcke. Neben neuen Grundrissen mit offenen Küchen, gibt es auch einen Block mit shared spaces, also gemeinschaftlichen Küchen und Aufenthaltsbereichen. Am Ende des Gesprächs zeigt er uns noch stolz das große Modell der Siedlung, in dem von jedem fertiggestellten neuen Block ein Modell angefertigt und in den Umgriff eingefügt wird. 2030 soll die Siedlung dann vollständig renoviert sein.
Auf unsere Nachfrage hin, dürfen wir uns noch zwei im Moment leer stehende Wohnungen in den Blöcken 8 und 1 mit Begleitung von zwei Mitarbeitern von Innen ansehen.

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Nachdem wir nun Vormittags ein Gespräch hatten mit Einblicken in die Position von Personen verantwortlich für die Siedlung, freuen wir uns heute sehr als Abschluss mit einer Bewohnerin der Cité Modèle reden zu können. Stafy ist Fotografin und lebte über 20 Jahre in der Cité Modèle und wurde schließlich im Zuge der Renovierung ihres Wohnblocks umgesiedelt und kehrt seitdem nur in die Siedlung zurück um Freunde zu besuchen und zu fotografieren.
Wir verabreden uns an der Metrostation neben der Siedlung und setzen uns in eine Nische neben Block 6 um uns etwas zu unterhalten. Sie erzählt uns eine vollkommen andere Geschichte der Siedlung als wir Sie von allen vorherigen Interviewpartnern gehört haben. Sie ist Anfang der 80er Jahre mit ihren italienischen Eltern aus Molenbeek nach Laeken gezogen, da die Familie eine Sozialwohnung benötigte. Sie beschreibt die Cité Modèle als ein Dorf, ein abgeschlossener Kosmos in der Stadt. Sie beschreibt eine sehr familiäre Community in der jeder jeden kannte und man in konstanten Austausch mit den Nachbarn stand.
Sie zeigt auf den neuen Wohnblock 9, der ihren alten ersetzt hat und erzählt wie Sie und ihre Familie vor der Wohnung im Erdgeschoss auf der Wiese bei schönem Wetter gesessen sind. Aus dem Gespräch geht hervor dass die früher Außenräume aktiver benutzt wurden. Sie erwähnt dass dabei die Gemeinschaft ein wichtiger Teil war. Die Bewohner hatten einen Bezug zueinander, und es war selbstverständlich vor dem Block auf der Wiese zu sitzen und sich auszutauschen. Als wir nachfragen meint Sie dass die Gegebenheiten dafür heute anders sind, die Bewohner sind privater, mehr abgekapselt voneinander und zurückgezogen in ihrer eigenen Wohnung. In den alten Blöcken waren die Fassaden offener, es gab große Fenster und Terrassen die dafür sorgten, dass eine offene Kommunikation zwischen den Bewohnern stattfand. Man spazierte vorbei, grüßte sich, die Türen der meisten Wohnungen standen offen und man ging einfach hinein um seine Freunde zum spielen abzuholen.
Wir merken schnell wie tief Sie mit der Siedlung und ihrer Community verbunden ist. Sie erzählt uns wie die Siedlung einen in ihren Bann zieht und ein entkommen schwer macht, aber ohne das negativ zu meinen.

„The problem with the Cité Modèle is, that when you live here your life doens´t go on. Everybody who leaves the Citè, goes up. You start to reach your aims and live some kind of a better life. When you live here, it’s very cozy. You are going to meet your friends and neighbors every day, outside or in an apartment, and have a good time. But you don’t leave this little village. Sometimes the Cité Modèle is like a prison. But there is also a big advantage: You will never be alone here.“

Sie zeichnet ein sehr schönes und authentisches Bild der Siedlung. Sie sagt, die Dinge haben sich sehr verändert, es kamen neue Leute dazu und neue Wohnungen, aber die Seele oder wie Sie sagt „Vibes“ bleiben gleich.
Nachdem wir uns eine Weile unterhalten haben, spazieren wir zusammen durch die Siedlung uns Sie zeigt uns alle Orte und ihre Geschichte dazu. Sie zeigt uns Ecken wo man sich heimlich treffen konnte um nicht von den Bewohnern gesehn zu werden, wo man trinken und rauchen konnte und wo man am besten die Wand besprühen konnte.
Wir erleben die Siedlung in ein neuem Licht und an dem sonnigen Freitag Abend so belebt wie noch nie. Es sind viele Menschen draußen, die Spielplätze und der Basketballplatz voll mit Kindern, eine Gruppe alter Männer unterhalten sich auf einer Bank und man hört Kinder in der Siedlung Böller zünden und lachen. Wir begegnen den mittlerweile mit uns befreundeten Securities in lila bei der Patroullie und Stafy redet mit Ihnen und Sie fragen uns ob wir wirklich sicher sind, dass wir nicht eine Wohnung in der Cité Modèle mieten wollen.
Ständig treffen wir unterwegs junge Leute die Stafy kennen und sie wie eine alte Freundin begrüßen und sich kurz mit ihr unterhalten. Besonders in Erinnerung bleibt einer der Bewohner, der offensichtlich in Eile an uns vorbeigeht und Stafy nachruft ob Sie seinen Papagei gesehen hat. Sie erzählt uns dass der Papagei eine lange Geschichte in der Siedlung hat und einem der Bewohner gehört und ständig dort anzutreffen ist. Auf einmal scheint die ganze Nachbarschaft mobilisiert auf der Suche nach dem entkommenen Papagei. Uns wird über die Wiese zugerufen ob wir was gesehen haben und einige Jugendliche streifen durch den Park und suchen die umliegenden Bäume ab und Stafy lacht mit uns über die allgemeine Aufregung.

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Als wir zusammen durch die Siedlung spazieren, beginnt sich das so mühsam durch andere konstruierte Bild einer schlechten Nachbarschaft mehr und mehr aufzulösen und wir fragen uns ob Renaat Braems Idee, vielleicht anders als erwartet, doch erfolgreich war.

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Maria Theresa und der Guccirucksack

03.09.2020
Fieldtrips
Brüssel – Modelwijk // Mon Amie La Cité Modèle

Maria Theresa und der Guccirucksack

Als unseren ersten Tagespunkt treffen wir heute Francis Strauven zu einem Interview. Er ist der Biograf Renaat Braems und hat den Architekten lange Zeit begleitet. Er bietet uns an das Interview von einer ursprünglich geplanten Brasserie in Brüssel in den Palast der Akademien zu verlegen.
Wir begeben und somit ins einzige Neoklassizistische Viertel Brüssels erbaut unter der Österreichischen Monarchie.
Wir folgen ihm durch den menschenleeren Palast in ein eigens vorbereitetes Zimmer mit einem großen runden Tisch, einer Flasche Wasser und vier Gläser.

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Er erzählt uns zu Beginn einiges über Braems anderen großen Wohnungsbau in Antwerpen mit dem Namen Kiel. Das Projekt entstand ungefähr zur selben Zeit wie die Cité Modèle und behandelte die selben ideologischen Themen, wurde jedoch im Gegensatz zur Cité Modèle, ein voller Erfolg und international angesehen, während die Siedlung am Rande Brüssels in Vergessenheit geriet. Wir fragen ihn ob Renaat Braem später erneut auf die Siedlung und deren Entwicklung zu sprechen kam.

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„Well, it’s a good question, because at a certain moment I had even a discussion with him some time during the 70s on the project and my critique. I said to him, it’s not really a city in Brussels here somewhere. If you look at the streets here in Brussels and how they work, it’s impossible there. He would say no and he wouldn’t accept criticism. And then we took the car and we went there and he defended it before my eyes. He was very faithful to his concept.
We were at that moment in a totally different mood. It was the time of the rediscovery of the European city as a as a value, as a very valuable living structure. And Braem didn’t agree. There has to be a much more open space, much more green etc.“
Wir versuchen ebenfalls darauf einzugehen warum das eine Projekt so ein Erfolg wurde und das andere nicht.
„That’s also because the people of Antwerp of the building society, the corporation there were very proud and had a vision to really show the world something. And indeed after the war, there were international visitors also coming to the Kiel to look at it. The apartments were exceptionally big. And that’s because that moment, there was in Belgium not an official regulation for apartment buildings. There were no norms of the state, they were still working on it. And then one man of the building society, Adrian I think his name was, went to Brussels and defended the point of view that these apartments, what they stand for, that’s our conception of social housing. And he really pushed it. But for for the Cite Model, it doesn’t work. There was not such a man who who pushed it.“

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Nach dem Interview fahren wir wieder zur Siedlung. Dort haben wir noch einiges für die Raumanalysen zu erledigen. Zudem hat sich der junge Erwachsene, den wir vorgestern getroffen haben (siehe Blogeintrag vom 01.09.), im Folgenden nennen wir ihn V, wieder bei uns gemeldet. Er habe eine „Business-Idee“ für uns. Wir sind interessiert. Wir wollen ihn in der Cité Modèle treffen, aber er lässt uns eine Adresse etwa 100 Meter von der Siedlung entfernt zukommen und bittet uns dort hin zu kommen Wir schreiben und telefonieren hin und her, eigentlich wollen wir in der Cité Modèle bleiben, aber schlussendlich überredet uns V zu der Adresse zu kommen. Als wir dort ankommen, stehen wir vor einer Shishabar. Hier riecht es jedoch weniger nach Shisha-Tabak als nach Cannabis. Im Außenbereich sitzen einige junge Männer, welche uns skeptisch begutachten. Bald kommt V aus der Bar hinaus und bittet uns hinein. Er sagt uns, wir sollen uns schonmal an den Tisch mit dem Gucci-Rucksack setzen, er komme gleich nach. Wir gehen in die Shisha-Bar hinein, diese ist komplett menschenleer. Der Gucci-Rucksack befindet sich im hintersten Eck des Lokals. V hat anscheinend was besonderes mit uns vor. Circa 5 Minuten warten in der leeren Bar, dann kommt unser Geschäftspartner nach, und zwar sehr gut gelaunt und freundlich, also so wie wir ihn bereits kennengelernt haben. Dann geht es zu Sache. Er hat zwei Anliegen: Erstens hat er Interesse an unseren Postkarten, 1.000 Stück würde er gerne haben und diese dann bei einem Festival Anfang Oktober in der Siedlung verkaufen. Zweitens möchte er, dass ein großes Live-Graffiti bei diesem Festival gemalt wird, welches dann auch als Exponat fungiert.

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Ob er vom Des-Blocs-Festival spricht, fragen wir ihn und er bejaht dies. Wir erzählen, dass wir vor zwei Tagen erst mit den OrganisatorInnen des Festivals ein Interview geführt haben, bei dem wir ihnen auch die Postkarten gezeigt haben und diese kein großes Interesse hatten die Motive in irgendeiner Art für das Festival zu verwenden. V stört sich an dieser Tatsache jedoch nicht und erklärt uns voller Euphorie nochmal, was er vorhat. Nun nimmt er ein Blatt Papier und schreibt wortlos eine kleine Rechnung auf, welche mit einem dreistelligen Betrag endet. Er schiebt das Blatt in unsere Richtung und sagt, wir würden davon die Hälfte kriegen. Ob der Vorschlag so in Ordnung ginge, fragt er uns. In der Rechnung geht er davon aus, dass eine vierstellige Auflage der Postkarten auf dem Festival verkauft würde. Wir können uns das nicht vorstellen, zumal wir bereits einige von den Karten, die wir verschenkt haben in den Mülleimern der Cité Modèle wiedergefunden haben. Außerdem erklären wir ihm, wir seien zum Des-Bloc-Festival nicht in Brüssel, können also das Graffiti auch nicht vor Ort sprühen. Auch das sei kein Problem meint V, dies habe er nämlich schon berücksichtigt, beim Postkartenerlös würde genug rumkommen, um ein Flugticket hin- und zurück zu bezahlen. Er würde für die Postkartenlieferung, wenn nötig, auch nach Österreich kommen. Die Flüge kosten ja fast nichts. Wir sind etwas skeptisch.

Das ganze Setting erinnert zudem an einen schlechten Gangsterfilm, wir warten förmlich darauf, dass die naive StudentInnengruppe aus Österreich, welche die BewohnerInnen der Cité Modèle seit elf Tagen mit Fotografieren, Beobachtungen und Posteinwürfen tyrannisiert, endlich ausgenommen wird. Aber V scheint es ernst und gut mit uns zu meinen. Wir sagen ihm, dass wir ihm die Grafiken auch einfach per Mail schicken können, die Motive auf Postkarten drucken oder Ähnliches kann er dann selber. Wie viel Geld wir dafür wollen, fragt er uns. Wir diskutieren eine Weile weiter.

Zum Abschluss unseres Geschäftstreffens lädt uns V ein, mit ihm noch etwas in der Siedlung abzuhängen, jedoch unter einer wichtigen Bedingung: Über unseren Deal sollen wir in Anwesenheit der anderen nicht sprechen, es sei nicht gut, wenn die Leute zu viel über seine Geschäfte wissen. Wir verlassen die Shisha-Bar gemeinsam, V übernimmt die Rechnung.

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Schwellenraum

02.09.2020
Fieldtrips
Brüssel – Modelwijk // Mon Amie La Cité Modèle

Schwellenraum

Betritt man die Cité Modèle, durchzieht ein roter Bodenbelag auf Wegen und Plätzen die öffentlichen Räume der Siedlung, gesäumt von großen Bäumen, Spielplätzen und Wohnblöcken. Hierauf wird man zu fast jedem Eingang eines Blocks, zur Metro, zum Sportplatz oder zum Kulturzentrum geführt. Überdachte öffentliche Räume an spezifischen Orten wie als Umrahmung des Hauptplatzes, oder als Verbindung des Riegels, bilden ein Stück mehr Intimität und laden zum Verweilen vor allem bei Regen ein. Hierzu zählen auch die Räume zwischen den Betonpfeilern, die das Erdgeschoss der Türme freihalten. Vor jedem Haupteingang zu einem Block befindet sich ein solcher überdachter öffentlicher Raum, auch vor dem Eingang des Kulturzentrums. Dringt man weiter in die Wohnblöcke ein, betritt man ein gläsernes Foyer, in dem sich Briefkästen und schwarze Bretter finden lassen. Darauf betritt man den Aufzug – ein enger, geschlossener Raum. Kommt man in seinem gewünschten Stockwerk an, findet man sich in einem kleinen Vorraum zum Laubengang wieder. Man sieht bereits die Höhe, auf welche man nun befördert wurde und kann eine grandiose Aussicht auf die Stadt oder auf Teile Flanderns genießen (direkt hinter der Cité Modèle befindet sich die Grenze zwischen Region Brüssel und Region Flandern). Durch die verglaste Tür gegangen, weht einem der Wind ins Gesicht und die sehr filigrane Konstruktion der Laubengänge lassen so manches höhenängstiges Wesen kurz schlucken. Hier fühlt man bereits eine gewisse Intimität und möchte nicht zu lange verweilen, da man auf dem schmalen Gang direkt vor den – zwar meistens mit Vorhängen oder anderen Mitteln verschlossenen – Glasflächen der Wohnungen steht. Man spürt die Nähe, die geringe Distanz. Die letzte Schwelle um die Wohnung zu betreten bildet eine längliche Stufe aus Beton, die frei auf dem Laubengang steht.

Vom Laubengang aus sieht man hinüber auf die Nachbarn – einerseits typische belgische Reihenhäuser eines nach dem anderen, aber auch ein Gebiet mit 3 hohen Wohntürmen, die noch höher als die der Cité Modèle sind, grenzt direkt an die Siedlung. Der Unterschied? Diese „Siedlung“ hat de facto keine öffentlichen Räume. Die Autoschranken an den Eingängen werden gesäumt von Schildern mit „Privateigentum“ oder „Kameraüberwachung“, Grünflächen sind abgezäunt, Wohnturmeingänge streng überwacht. Die einzigen öffentlichen Räume bilden die Parkplätze, von denen aus man schnell in seinen Wohnturm verschwindet.

Zurück zur Cité Modèle. Die Laubengänge, von denen gesprochen wurde, bilden ein interessantes Element im Hinblick auf die vorhandenen Blickbeziehungen in der Cité. Während wir auf dem Hauptplatz sitzen und dem Alltagsgeschehen zuschauen, beobachten wir, wie die Bewohner von dem offenen öffentlichen Platz über überdachte Räume in das Foyer verschwinden. Eine Minute später werden die Leute auf einem beliebigen Stockwerk von der Maschine wieder hinausgespuckt, auf den offenen Laubengängen sind sie den Blicken anderer Bewohner von anderen Blöcken oder Plätzen ausgesetzt, bis sie ihre Wohnungstür öffnen und Privatsphäre erlangen.

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Was sich im Unterschied zu einer Großwohnsiedlung wie der Cite Modele zeigt, ist dass es hier den Raum dafür gibt. Sei es der Garten oder der Balkon, es gibt viel Fläche für aneigbaren Außenraum. Was in der Siedlung vereinzelt auf den rar gesähten Balkonen und Laubengängen passiert scheint hier nicht wegzudenken zu sein. In der Siedlung bleibt oft unverhandelt wem der Außenraum angehört oder die verfügbare Fläche zu klein, was einer Aneignung im Wege steht. Archivbilder zeigen dass in den Blöcken 6 und 7 früher Laubengänge auf mehreren Geschossen vorhanden waren jedoch zu Gunsten von mehr Wohnraum einverleibt wurden. Der effektive Außenraum verlagert sich somit in den kollektiven öffentlichen Bereich, welcher zwar enorm groß ist aber kaum nutzbar, da kein Gefühl von Zugehörigkeit entstehen kann. Eine Nutzung beschränkt sich meist auf Sitzgelegenheiten, Spaziergänge oder Abstellplatz für den Einkaufswagen. Hinzu kommt, wie bereits von Jozef Wouters oder Les Meutes erwähnt, die Problematik des „gesehen werdens“. Es besteht durch die Architektur der Siedlung eine permanente Beobachtung für die Teilnehmer des öffentlichen Raumes, was dazu führt dass die Hauptsammelpunkte für Jugendliche Bänke unterhalb der Bäume sind mit erschwerter Einsicht von den umliegenden Wohntürmen. Der einzige Raum in dem somit Anonymität gewahrt bleibt, ist die eigene Wohnung.
Um einen Einblick in diese Räume zu erhalten, haben wir uns heute mit dem Fotografen Michael De Lausnay getroffen. Er hat vor 13 Jahren in einem Projekt 50 Wohnungen der Cite Modele fotografiert um einen Einblick hinter der Uniformität der Außenhaut zu erhalten. Er holt extra für uns die alten Ausstellungsbilder aus dem Keller um sie uns zu zeigen und scheint sehr froh, dass nach so langer Zeit noch Interesse an den Fotografien besteht.

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Die Meinung der anderen III

01.09.2020
Fieldtrips
Brüssel – Modelwijk // Mon Amie La Cité Modèle

Die Meinung der anderen III

 

Heute geht es am Vormittag wieder in die Siedlung. Heute begehen wir wieder gemeinsam die Siedlung. Unter anderem versuchen wir heute auf das Dach von Block 7 zu gelangen. Im Gegensatz zu Block 1, 2 und 3 sind die Eingangstüren hier aber alle abgeschlossen, also müssen wir warten, bis jemand das Haus verlässt, um dann schnell hereinzusteigen. Ein paar Minuten dauert es bis wir uns Zugang verschaffen. Wir steigen die Treppen hoch bis in den 8. Stock und werden dort enttäuscht. Eine massive Stahltür hindert uns jedoch letztendlich daran, das Dach zu besteigen. Später am Tag sollten wir noch erfahren, warum die Dächer der Cité Modelè grundsätzlich so schwer zu erreichen sind. Gelohnt hat sich die kleine Erkundungstour durch den Block 7 trotzdem, vom Treppenhaus aus hat man einen wunderschönen Blick auf das Atomium und über ganz Brüssel.

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Als wir uns wieder zurück zum Hauptplatz der Cité Modèle begeben laufen wir an zwei jungen Erwachsenen vorbei. Einer von ihnen hat uns beim Fotografieren beobachtet und fragt uns höflich, was wir in der Siedlung den zu Suchen haben. Wir erzählen, dass wir StudentInnen aus Wien seien und uns für ein Projekt mit der Siedlung hier beschäftigen. Er wirkt sehr interessiert, setzt sich zu uns und bietet uns an einen Joint mit ihm zu rauchen. Dankend lehnen wir ab, trotzdem unterhalten wir uns eine Weile mit ihm. Er selber wohne nicht mehr hier in der Cité Modèle, aber sei hier aufgewachsen und besucht gerade seine Familie. Zuerst zeigt er auf den einen Block – „Da wohnen meine Eltern“ – dann auf den nächsten – „dort mein Cousin“ – und in einer anderen Himmelsrichtung wohnen noch andere Familienmitglieder. Unser Gespräch wird in etwa 1-Minuten-Takt unterbrochen, da ständig neue Jugendliche vorbeilaufen, die unser neuer Bekannter grüßt und mit denen er sich kurz unterhält. Anscheinend war er länger nicht mehr in der Cité Modèle zu Besuch. Als wir ihm die Postkarten zeigen, möchte er wissen wer das „CTM“-Graffiti gemacht hat. Wir erzählen ihm, dass wir die Postkarten selber gestaltet haben. Er fragt jetzt sofort nach einer Telefonnummer: Er habe ein Projekt, dafür könne er einen Graffitisprüher sehr gut gebrauchen. Er würde uns am heute Abend auf ein Bier einladen, um weiteres zu besprechen. Wir geben ihm eine Nummer, melden tut er sich aber im Laufe des Abends nicht mehr.

 

 

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Die Graffiti-Postkarte und Block 7

Am Nachmittag fahren wir wieder Richtung Innenstadt, um zwei Interviews zu führen. Zuerst fahren wir zu BNA-BBOT. Hierbei handelt es sich um eine Organisation, die sich eine riesige Audiodatenbank von unterschiedlichen Interviews unterhält, in der die BürgerInnen Brüssels ihr Sicht der Dinge kundtun. Unter anderem waren sie auch in der Cité Modèle, und dies kommt uns sehr gelegen. Eigentlich hatten wir geplant, selber aktiv Leute in der Siedlung anzusprechen. Das machen wir zwar auch ab und zu, angesichts des aktuellen Infektionsgeschehnisses in Brüssel hat dies aber einen unangenehmen Beigeschmack. Wir kriegen Zugriff zu der Datenbank mit den Interviews in der Cité Modèle, diese sind für unser Projekt Gold wert. Im Gespräch mit den zwei, sehr netten VertreterInnen der BNA-BBOT merken wir sehr schnell, dass wir in unseren Projekten sehr ähnliche Ansätze verfolgen. Es geht viel um individuelle Eindrücke, welche eingefangen werden sollen, zudem unterhalten wir uns darüber wie man sich als AußenstehendeR zur Cité Modèle erlebt und bewertet. Die Medien würden ausschließlich negativ über die Siedlung berichten, beispielsweise machen Suizide bei denen Menschen von den Türmen der Cité Modèle springen immer wieder Schlagzeilen. Uns wird nun ein bisschen klarer, warum die Dächer der Siedlung vermutlich so gut abgeriegelt sind.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Nach einer guten Stunde, die sich nur wie eine halbe anfühlt, müssen wir leider schon wieder aufbrechen. Wir steigen in einen Stadtbus welches uns an dem Gebäude der Europäischen Kommission vorbeifährt und landen einige Zeit später im Büro von „Les Meutes“, einem interdisziplinären KünstlerInnenkollektiv aus Brüssel, welches sich mit Theater, Film Musik und noch vieles mehr beschäftigt. Das Kollektiv hat eine besondere Rolle für die Cité Modèle und ihre BewohnerInnen: Seit vier Jahren organisieren das große „Des Blocs“-Festival in der Siedlung, in dessen Rahmen jedes Jahr teilweise mehrere Filme und Theaterstücke entstehen und gezeigt werden. Dabei sind die BewohnerInnen der Cité Modèle die zentralen Akteure, manchmal als SchauspielerInnen oder MusikerInnen, wenn sie Lust haben, kriegen sie aber auch die Möglichkeit die Regie zu übernehmen. Die Künstler von Les Meutes geben uns einen so umfangreichen Einblick in die Siedlung, dass es den Rahmen des Blogs sprengen würde. Circa drei Stunden unterhalten wir uns mit den Künstlern, neben ihren Erfahrungen und Eindrücken über die letzten Jahre zeigen uns unzählige Fotos und weitere Exponate von Ausstellungen vom Des-Blocs-Festival, welche sehr aufschlussreich für unsere Arbeit sind. Als wäre das nicht genug, kriegen wir noch einige sehr interessante Kontakte von BewohnerInnen aus der Siedlung und weiteren interessanten Personen die interessante Personen.

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„Karim is one of the main figures. Everything comes around because he was the first one to become interested in Cite Models and then bring it back to the Cite Modele. There have been other initiatives, but It’s very hard to get in Cite and getting to know the people, and so you would have like large institutions saying they were going to do something over there and then people would just see it and be like, no, we’re just going to destroy it. So for example one thing was the art festival, a modern art festival came there and made a sculpture, and I think they [the inhabitants] completely destroy the stuff. And then the artists would declare the result to be like an architectural/sculpture stuff. The artist was saying just leave it like that, because now it’s theirs. And I think that was a good approach but the first move by the artist would have been the large sculpture in the middle of the square which didn’t know what people wanted.

At first when we started the festival, we came to the inhabitants with ideas about a project, but then we decided to listen more. What do you want to do? What is it you want to do? And then after some time, it’s already the fourth year of us dong the festival Des Blocs. Now we try to develop two approaches because we want people to participate and to be happy with what they do. We also want to do some things that we are proud of. So, for instance, this year, there are two different approaches to cinema. This year, mostly cinema was involved in regard to the sanitary issues in the Cite Modele.  And we basically decided, OK, we will concentrate everything on the month of August and produce four movies. And two of them were what we call productions. So we come with ideas and a director and we take the people with us saying „this is the idea, do you want to participate? Do you want to do it?“ And then there are two more movies focused more on  „what kind of movie do you want to do? Let me help you write it. Let me help you direct it. You will hold the camera. You do all the sound. All of that.“

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Eine Insel der Ordnung und Klarheit

31.08.2020

Fieldtrips

Brüssel – Modelwijk // Mon Amie La Cité Modèle

Eine Insel der Ordnung und Klarheit

Nun ist es soweit, die zweite Woche mit einem straffen Terminplan beginnt, wir begeben uns vorerst wieder in die Siedlung. Zwar haben wir noch 6 Tage in Brüssel, aber sehr viel Zeit werden wir in der Cité Modèle nicht mehr verbringen können. Wieder erreichen uns neue, sehr spannende Interviewzusagen, in den nächsten Tagen führen wir jeden Tag mindestens ein Gespräch. Und weil wir auch heute eines führen werden, beschließen wir heute einzeln und nicht in der Gruppe durch die Siedlung zu laufen mit der Hoffnung, so effizienter zu sein. Seitdem wir die Cité Modèle vor Ort erleben, haben wir ständig neue Ideen für Raumanalysen. Diese müssen nun auf Umsetzbarkeit überprüft werden, zudem darf für die Nachbereitung der Exkursion kein Foto fehlen. Jeder Eindruck soll festgehalten werden.

Sobald man die Insel der Cité Modèle betritt, findet man sich auf rotem Asphalt wieder, der fast alle Wege und Plätze der Cité Modèle durchzieht. So wie Adern einen Körper versorgen und durchdringen, wird unsere Insel der Orthogonalität und Klarheit, die Cité Modèle, von ihren Bewohnern und Nutzern durchdrungen.

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Von Renaat Braem nach klassischen Regeln der Modernen Architektur entworfen, folgt sie klaren Prinzipien wie Licht, Luft, Sonne, freie Erdgeschosszonen, Blickachsen.Die Wohnblöcke 1, 2, und 3, welche die größten der Siedlung sind, formen das Zentrum, das „Forum“ der CTM. Dieser Platz, von einem quadratischen überdachtem Säulengang umgeben, bietet als Plateau im öffentlichen Raum der Siedlung den besten Blick auf die Innenstadt Brüssels. Die Blöcke 4, 5, und 8 sind etwas kleiner und breiter, sie haben ebenfalls ein freies Erdgeschoss und markieren als zweitgrößte Türme die Eckpunkte der CTM. Der 5-geschossige Riegel bestehend aus den Blöcken 6 und 7 bildet die Abgrenzung der Insel – Abgrenzung hin zur Altstadt, zum Chaos, zum Kapitalismus der Expo ’58. Nur auf der Höhe des Blocks 2 ist dieser Riegel geöffnet: hier befindet sich eine Rampe, die ehemals als große Geste in Richtung Expo-Gelände zeigte, und welche heute zur Metro-Station führt – ein wichtiger Punkt, an dem zu jeder Zeit Menschen in den Untergrund verschwinden und ausgespuckt werden. Hier ist die schnellste öffentliche Verbindung ins Brüsseler Zentrum, alle 10 Minuten fährt von dieser Endstation (erst seit 1998) eine Metro in ca. 30 Minuten in die Innenstadt.

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Die bereits genannten Blöcke sind alle noch im Originalzustand, außer Block 4, bei dem gerade die letzten Fensterelemente der neuen Fassade angebracht werden, und Block 2, der gerade als nacktes Betonskelett in der Landschaft steht und auf sein neues Kleid wartet. 

Ist der Hauptplatz der Cité Modèle deswegen so wenig belebt, da durch die jetztige Baustelle die direkte Verbindung zur Metro fehlt und Block 2 nicht bewohnt ist? Wir fragen uns, ob die Bewohner den Platz nutzen und durchqueren würden, wäre Block 2 keine abgrenzende und lautstarke Baustelle. 

Die restlichen Wohnblöcke (9-17) sind alle ca. 4-geschossig und bilden keine Hochpunkte mehr, ein Teil von ihnen war ebenfalls schon Bestand und wurde bereits renoviert, andere Blöcke wurde in den letzen Jahren neu dazu gebaut und machen die Cité dichter und den Freiraum kleiner.

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Nachdem wir die Siedlung abgelaufen sind, treffen wir uns gegen 14:00 Uhr am Hauptplatz der Cité Modèle und erzählen uns unsere neu gewonnen Eindrücke und Fortschritte in der Raumanalyse. Wir diskutieren ob wir es schaffen könnten auf das Dach von Block 7 zu gelangen. Von außen sieht es aus als führe das Treppenhaus direkt hoch zum Dach. Zeit das auszuprobieren bleibt heute aber nicht, in einer Stunde sind wir mit Jesse Honsa zu einem Interview verabredet. Dieses führen wir online von zu Hause aus, Jesse war unlängst in Istanbul und die belgischen Einreisebestimmungen sehen für ihn eine Quarantäne vor.

Jesse Honsa ist Architekt und forscht im Rahmen seiner Doktorarbeit an der KU Leuven über Großwohnsieldungsprojekte. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie die Wohnungsproblematik adressiert wurde von der Industrialisierung bis zur Gegenwart. Dabei beleuchtet er die institutionellen und wirtschaftlichen Hintergründe sowie welchen Einfluss der Maßstab eines Projekts auf die Leistbarkeit des Wohnens hat, vor allem an Beispielen aus England.

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Er liefert uns interessante Vergleiche und Einblicke über wie Wohnungspolitik betrieben wurde.

Wir versuchen anzusprechen ob in Belgien vielleicht nicht die gesellschaftlichen Gegebenheiten vorhanden waren um ein Wohnungsprojekt mit der Dimension der Cite Modele umzusetzen.

„I think, as you said, the single family house in Belgian‘s is the predominant model, and this means that it really marginalizes every other type of living. That‘s if you live in a in anything except a single family house, you’re somehow a marginal or poor person. And in fact one difference would be: I mean, the UK also has its problems with this idea of the single family house and especially in the Thatcher Era and the privatization of housing. But it‘s even more pronounced in Belgium, I think, because here everyone buys his own plot of land and you build your house. Whereas I think in the UK there‘s a very large or speculative building industry that builds repetitive houses.“

Wir fragen ihn ebenfalls ob sich das Bild von Großwohnsiedlungen in einem Land wie England, wo die Annäherung und Konfrontation der Gesellschaft damit konstanter funktioniert hat, von dem eher negativ behafteten Image in Belgien unterscheidet.

„Let‘s say since the 90s, since the Thatcher era, it generally had a bad image because, there‘s such a campaign against social housing. And so there‘s a famous book written by Alice Colman called Utopia on Trial, in which the book is literally like a trial in which she‘s accusing large housing estates of producing crime of misery, etc… There are several other academicly important research projects that tried to attack large scale housing. And subsequently, even not only the conservative governments, even Labor and liberal governments have often times attacked this type of living because it‘s always somehow a scapegoat. It‘s always a way that you can project all of the problems of society. Yeah, it‘s like an image, you know, it‘s a very big thing in the city. So you can always project your problems onto that. And so for several decades, it‘s had this negative image. But at the same time, London‘s housing problems have become so severe that I oftentimes find it strange that, you know, rise towers, public high rise towers are attacked for it. And they say that it produces crime. But then there‘s also a luxury high rise towers being built. You wonder, is it that architectural type or is it just the people that are being somehow segregated and forced into this type of living? So. And what‘s strange in London nowadays in the last 10 years or so is that a lot of these states are being demolished and because large developers are moving in wanting the land, basically managed to convince local municipalities to sell to them.“

„A lot are being demolished. But then some are also being preserved and they‘re becoming like architectural heritage. So it‘s like you either become protected and become a monument or you disappear. And sometimes it‘s not clear why one or the other.“

Schließlich fragen wir ihn noch nach seinem persönlichen Eindruck von der Cite Modele.

„I mean, I think the description was correct, that it doesn‘t really fit. There‘s a few other large housing projects through Brussels and Flanders as well, but it‘s a bit of an island. Especially because it was part of this expo. And even with other large scale housing projects, I feel that they‘re more integrated into the city in Brussels, but with Cite Modele, I see it more as a Model, as a Mockup sitting on a Podium somewhere.“

„But there‘s like a weird friction between prototypes and then the reality, if they are mass produced. And the Cite Modele, it wasn‘t really mass produced. But because with a prototype you‘re trying to to sell an idea. So you want it to look good. And I also see that even in some of the London projects, like the earlier models, the ones that they were exhibiting, that they wanted to sell an idea, if it‘s an idea about high rise towers or garden cities or whatever, and the earlier ones oftentimes have some nice qualities to them because they were trying to sell them. Whereas later on, if it does become something that‘s mass produced, that attention to detail is lost and all of that sweat put into the original. A lot of those ideas get cut out later on. You cut from the budget.“

Halbzeit

Wir verbringen den Tag heute über unsere bisher gewonnen Erkenntnisse zu reflektieren und Schlüsse für unser weiteres Vorgehen zu gewinnen. Für die nächste Woche stehen Interviews an mit Jesse Honsa, welcher über Großwohnsiedlungen forscht, einer Bewohnerin der Siedlung, den Veranstaltern des Musikfestivals in der Cité Modèle und eventuell Francis Strauven, dem Biografen von Renaat Braem.

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Happy Birthday Renaat

Nach dem gestrigen ExpertInneninterview, bei dem es unter anderem auch viel über den besonderen Entstehungskontext der Cité Modéle ging, haben wir uns heute die Zeit genommen unsere Literaturrecherche noch weiter zu vertiefen. Wir halten besonders Ausschau nach einigen Werken, die wir in Wien nicht auftreiben konnten. Hierfür haben wir einige Bibliotheken und Buchhandlungen in der Cité Modèle sowie der Brüsseler Innenstadt aufgesucht. Erste Station soll die Stadtbibliothek im Block 3 der Citè Modéle sein, bei der wir uns bereits eine Bibliothekskarte beantragt haben.

Wie jeden Tag machen wir uns aus unserer Unterkunft in der Reihenhaussiedlung auf den Weg zur Cité Modèle. Langsam aber sicher sind Teile unserer Gruppe von dem Weg zur Siedlung angeödet: Jeden Tag laufen wir, teilweise mehrmals täglich, gute 20 Minuten durch die immer gleichen Reihenhaussiedlungen, und es gibt wie immer nichts anderes zu sehen als die immer gleichen Garagentore und kitschig-dekorierten Eingangstüren. Auf den Straßen bewegen sich nur vereinzelt Menschen, sie haben dabei fast immer einen Hund an der Leine. Zwar mutet die Gegend dörflich an, jedoch scheint es niemanden hier zu interessieren wer wir sind und warum wir durch ihre kleinen Wohnstraßen laufen. Niemand beachtet uns oder sucht Blickkontakt, gegrüßt wird erst recht nicht. Als wir endlich in der Cité Modèle ankommen, freuen wir uns wieder kleine Grüppchen von Jugendlichen und tobende Kinder zu sehen. Zwar sieht hier alles teilweise etwas trist aus, aber es ist Leben auf den Wegen und Plätzen. Auch hier werden wir nicht gegrüßt oder Ähnliches, aber immerhin werden wir bemerkt. Und das obwohl herumirrende Studentengrüppchen, welche die Siedlung untersuchen und Fotos machen für die BewohnerInnen Cité Modèle vermutlich keine Besonderheit sind.

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Wir begeben uns in die Bibliothek, welche den Namen Fernand Brunfant trägt. Und das nicht ohne Grund. Brunfant wurde 1886 in der Nähe der kleinen belgischen Stadt Dinant geboren und kam in seinem Studium an der Brüsseler Akademie der Bildenden Künste zur Architektur. Von Anbeginn stand in seiner Arbeit als Architekt die Soziale Frage im Vordergrund, zudem war er ein großer Anhänger der Modernismus. Im Laufe der Zeit war er immer weniger als Architekt tätig sondern widmete sich seiner politischen Karriere. Schon 1911 wurde er als Mitglied der Belgischen Arbeiterpartei Stadtrat der Gemeinde Laeken, später nach der Eingemeindung dieser auch Stadtrat in Brüssel. Von 1930 bis 1961 war Brunfant fast durchgehend Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Er spielt eine zentrale Rolle in der Realisierung von Sozialen Wohnungsbau in Belgien. Der „Brunfant-Act“, ein im Jahr 1949 erlassenes Gesetz, bezuschusste die Kommunen bei der Errichtung von Straßen und Sozialen Wohnungsbauprojekten. Der „Brunfant-Act“ war dabei einer der wenigen großangelegten Wohnungsbauinitiativen Belgiens. Aus diesem Gesetz entstand schlussendlich auch die Cité Modéle.

Wir leihen uns die Abhandlung über die Cité Modéle von Bernard, P. et. al  (2012): La Cité Modèle à Bruxelles. Vie(s) d’un grand projet. aus. Endlich! Lange haben wir versucht dieses Buch in die Hände zu kriegen, jedoch war es unmöglich innerhalb der österreichischen Grenzen an dieses heranzukommen. Wir blättern das erste Mal durch und werden nicht enttäuscht: Circa 220 Seiten über die Cité Modèle inklusive vieler Pläne, Skizzen, Einordnungen und ausführlichen Informationen über die geplanten Sanierungsarbeiten. Wir verlassen nun die Siedlung Richtung Westen, um einen Bus in Richtung Innenstadt zu nehmen. Auch hier werden wir noch mit circa 100 Meter Reihenhausbebauung konfrontiert, aber dann ändert sich das Stadtbild drastisch.

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Zu sehen ist nun das kolossale Stadion Roi Baudouin und das Expogelände der Weltausstellung 1958 ist deutlich ausgeschildert. Wie schon in den Interviews mit Jozef Wouters und dem ExpertInnenteam thematisiert, sollte die Citè Modèle, wörtlich übersetzt „Modellstadt“, als eine Art Exponat auf der Weltausstellung 1958 fungieren. In Wirklichkeit wurde die Siedlung jedoch erst circa 10 Jahre nach der Ausstellung fertiggestellt. Zudem hatte Renaat Braem, der Architekt einen besonderen Umgang mit der EXPO1958. Er überzeugter Antikapitalist schirmte er schon in den ersten Plänen das Innere der Cité Modèle mit einer über 400 Meter langen Damm in Form eines Wohnblocks von der EXPO1958 ab. Die BewohnerInnen sollten nicht mit den kapitalistischen Idealen konfrontiert werden, die bei der Weltausstellung einen halben Kilometer weiter hochgehalten werden. Es mutet ironisch an, dass ausgerechnet das Modell dieser Siedlung selbst bei der EXPO1958 ausgestellt wurde.

La Cité Modèle. L’intérêt de cette photo est de présenter presque tous les architectes associés à ce projet.

In der Innenstadt besuchen wir einige Bücherläden und Bibliotheken, um an noch mehr Literatur zu kommen. Unter anderem besuchen wir das CIVA, einem Museum/Bücherei/ Archiv rund um die Brüsseler Architektur und Stadtplanung. Schon während unserer Recherche sind wir auf sie gestoßen und sie schienen in ihrem Archiv vielversprechende Skizzen zu beherbergen. Leider war es uns jedoch nicht möglich online einen Termin zu vereinbaren. Vor Ort wird uns ein Formular ausgehändigt, dieses ausfüllen wir aus und der freundliche Angestellte des Archives macht uns Hoffnungen, dass wir im Laufe der nächsten Woche vorbeischauen können. Er führt uns zudem in die Bücherei und zeigt uns einige Literatur zur Cité Modèle und eine Braem-Biographie, verfasst von Francis Strauven. Dieses Buch hatten wir schon lange im Auge, auch ein Interview mit Braems Biographen ist angefragt. Wir erhalten beim Durchblättern einen guten Gesamtüberblick über Braems Architektur und Philosophie und sehen einige Interessante Skizzen. Sven Sterken hatte uns beim Interview zudem nahegelegt, Braem’s Biographen Strauven nach einem Interview zu Fragen. Eine Antwort auf unsere Anfrage steht aus.

PS. Wir wünschen Renaat Braem alles Gute zum 110. Geburtstag

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A Private Affair

28.08.2020

Fieldtrips

Brüssel – Modelwijk // Mon Amie La Cité Modèle

A Private Affair

Wir sind sehr froh spontan heute ein Interview mit weiteren Beteiligten über die CIte Modele führen zu können. Wir treffen uns heute mit

Sven Sterken, Professor für Architekturgeschichte und Geschichte des Urbanismus der Universität Leuven

Leen Meganck, Direktorin der flämischen Denkmalschutzbehörde

und Karina van Herck, ebenfalls tätig für die flämische Denkmalschutzbehörde

Im Zuge des Interviews wollen wir heute näher verstehen, in welchem Kontext die Cité Modèle entstanden ist und wie Sie sich entwickelt hat. Dazu muss man näher auf die Entwicklung der Moderne in Belgien eingehen.

Anders als in den Nachbarländern Deutschland, Frankreich oder Niederlande waren Architekten an der Modernisierung der Städte in Form von Großwohnsiedlungen kaum beteiligt. Dem zu Grunde liegt ein in Belgien damalig ständig präsenter Konflikt zwischen Sozialistischer und Christlich Demokratischer Partei. Dies führte zu der Notwendigkeit für Koalierung und verhinderte eine einheitlich staatlich organisierte Wohnungspolitik. Hinzu kamen die vollständig konträren Perspektiven der Christdemokraten und Sozialisten, wie ein ideales Wohnen zu funktionieren hatte. Während sich die Sozialisten nach sowjetischem Vorbild große Siedlungen und ein gemeinschaftlichen Leben vor Augen hatten, fokussierten sich die Christdemokraten auf die Propagierung des klassischen Einfamilienhauses mit Garten und eigenem Grundstück.

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“The catholics in the eyes of the socialists”

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“The socialists in the eyes of the catholics”

LM: „We see that each political branch has its view on how housing should be. And there we have a clash between the socialist view, which has a tendency to high rise at a certain point and communal buildings, whereas the catholic ideal was each family should have it’s own house on it’s own plot of land and so we got a clash of all those ideas. And we’re very good in Belgium to kind of each do what we think is best and we get a merry urban mix of all those solutions. But we don’t have really a complete city like Vienna at a certain point, which is dominated by one political view. So each political party tries to kind of put its landmarks and it did. But it will always be a mix.“

Schlussendlich setze sich die Christliche Volkspartei CVP 1945 mit dem De Taeye Gesetz durch. Ministerpräseident Alfred De Taeye formulierte die Intentionen dahinter so:

„Zur Verbesserung unserer nationalen Wohlfahrt trägt der Besitz eines eigenen Hauses mehr bei als viele Worte über die Volkserziehung. Die ganze Familie kann inmitten der Natur leben und an der Schönheit der Schöpfung teilhaben, wie sie in Fauna und Flora ihren Ausdruck findet. Es geht dabei nicht um ein wenig Naturlyrik, sondern darum, in ständigem lebendigen Kontakt mit der Natur zu sein, was eine erfrischende Wirkung auf die lebende Zelle der Familie hat.“

Was darauf folgte war eine beispiellose Entstehung von suburbanen Siedlungsstrukturen. Was in anderen Ländern in den 50ern allgegenwärtig wurde, große Wohnsiedlungen als Bild der Modernisierung, blieb in Belgien Ausnahme von der Regel.

Durch die massive finanzielle Förderung des Eigenheims verlagerte sich die Architekturproduktion auf das Individuum, die Moderne wurde zur privaten Angelegenheit. In Belgien fehlten somit Institutionen, welche sich um die Umsetzung von Sozialen Wohnraum im großen Stil gekümmert hätten. Keine Partei hat sich dafür zuständig gefühlt, beispielsweise Soziale Einrichtungen oder Kirchen umzusetzen. Dies führte dazu das Projekte wie die Cite Modele schon mit der Grundsteinlegung zum scheitern verurteilt waren. Anders als beispielsweise große sozialen Wohnungsprogramme in Frankreich in den 1960er Jahren. Bei der Umsetzung derartiger Projekte wurden dafür eigene Institutionen geschaffen, die über ein großes Budget verfügten und die Koordination sämtlicher beteiligter Parteien übernahmen. So konnten alle Dimensionen einer neuen Siedlungen berücksichtigt werden.

SS:

„That’s very much the belgian way of approaching things. To financial means you stimulate the very local initiative and it’s very rare that we have like this big lets say government run operations, either in urban planning or in other domains.“

„The architects designs this as a whole, sort of multidimensional whole, with living areas, shopping, recreation and so forth, but the authorities that have to realize this are all different and often don’t talk to each other, envy one another and i think that’s indeed a real drama and even still today it’s really a big problem.“

In diesem Kontext enstand die Cite Modele, multidimensional entworfen als 1 zu 1 Modell einer begehbaren sozialistischen Utopie, eine Satelitenstadt am damals kaum bebauten Rand Brüssels. Einen Spaziergang vom Gelände der Expo 58 entfernt und ein Gegenvorschlag zu der kapitalistischen Euphorie der Nachkriegsjahre, die ihren Ausdruck in der Expo und ihrem Sinnbild des Atomiums fand.aa

SS:

„There is also a very important rhetoric in the plan of the Cite Modele. If you look on the plan, you see on the right hand side there was the side of the World Fair, which for Braem was like the manifestation of the capitalist world order, american inspired and so forth. This was his reading of that Expo, as sort of a metaphor for Belgium that was really very much under the influence of the US at that time. So that’s why he built this huge 6 storey building block literally as a dam against that capitalists. So the left side would then be his idea of the more or less communal or communist way of living. So there’s indeed a lot of rhetorics involved in that figure of the Cité Modèle.“ „What we should not forget is that we’re talking here about the 50s, which is also the moment where the cold war really starts to become something very tangible in the daily reality life of the people. … I can imagine that the negative perception of for example the Cité Modèle might also have been fueled by this tension that was growing in the context of the Korean War and that kind of international events, where people were really becoming scared, that communism was a threat. So I think that also played a role in the perception of this kind of collectivists schemes.“ „What you have to take into consideration, is that Brussels after the war is the strategic location in Europe. In fact the Expo 58 was organized principally because the Belgian government realized that the only way that we can survive as being such a tiny nation, is to occupy a let’s say prominent position in the diplomatic world. So that’s when they decided, we want to become the capital of Europe. That’s also when the European Commission decided to have its seat in Brussels, and shortly afterwards the NATO also came to Brussels. So that’s something to take into account. Imagine if there would have been a war, between the US and the USSR, Brussels would have been the first place to bomb of course.“

LM:

„[The mood was] a little „American Dream“ at that point I think, which was very alluring. And of course there was this communist threat, but i think the main atmosphere was still like „we’ve survived the difficult years after WW II, and now we’re getting in a positive vibe, in a good flow“ and there’s modernity which will improve our lives.“

Wir versuchen einen Bogen in die Gegenwart zu spannen und zu ergründen wie sich die Siedlung heute präsentiert. Vorab haben wir unseren Interviewpartnern einen Auszug aus dem Interview mit Jozef Wouters zukommen lassen, in dem er sich dafür ausspricht die Siedlung abzureißen, da wirtschaftliche Aspekte und „die Realität der Bewohner“ gegen eine kostspielige Renovierung sprechen.

LM:

„Because you think, this thing has an important history. And it has historical qualities, which we want to preserve and we want to show as a story, and as something which might inspire also future generations. So if you ask me „this costs a lot to preserve, why shouldn’t we tear it down?“ – no. Because this is absolutely a very interesting historical landmark for us. So it’s worth investing.“

SS:

„It’s very radical of course. What many people forget, because of the fact that these projects are so rare, is that – and that’s very paternalistic to say – people need to learn how to live in this kind of places. And that was part of the experiments.

And this is something we tend to forget. That in the 1950s there was an idea of modernity, not only in relation to construction, but also in terms of living. This was a totally new type of collective living, organized by the states for the people and so forth, and this is something very difficult for us to understand today, because we have grown into very individualistic approaches.“

LM: „The first inhabitants have been very happy to live there, and adapted very well to the new way of living, because they came from slums. … They were very proud, they were often not really low (class), they were middle class – there was a mix, which worked.

But we’re also dealing with a sociological problem nowadays – lot of the inhabitants died or moved out, people with really no prospect for future are kind of dumped into those big buildings and areas and we have a different public, which doesn’t feel proud to be there, which doesn’t feel some sort of „ownership“. Of course they rent, and the previous ones rented too, but they were proud and it was „their house“, while now you see a lot of movement – people come in for a few months, go further on and so, … I think we’re dealing with a sociological problem.“

KVH: „I talked to inhabitants of the Cite Modele, more than 10 years ago, but they were very positive about living there. And my conclusion was that the idea of it being a ghetto and this negative image was more from outsiders.“

Wir haben durch das Gespräch einen sehr interessanten Einblick über die Entstehung der Siedlung erhalten und den historischen Hintergrund auf den wir in den folgenden Tagen öfters zurück kommen werden.

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Die Meinung der anderen II

27.08.2020

Fieldtrips

Brüssel – Modelwijk // Mon Amie La Cité

 

Nachdem wir durch unser gestriges Interview interessante Einblicke von jemandem erhalten haben, der sich längere Zeit als Außenstehender in der Siedlung aufgehalten hat, wollen wir heute versuchen die Meinung der Bewohner selbst zu ermitteln.

Die Siedlung wurde ursprünglich als sozialistisches Vorzeigeprojekt im Rahmen der Expo 58 in Brüssel konzipiert. Der Komplex sollte zur Eröffnung fertiggestellt sein und als Unterkunft für die Besucher der Weltausstellung dienen und später als Sozialwohnungen umgenutzt werden. Anfangs konzipiert mit 1100 Wohnungen dienten vor allem der Block 5 & 6 als klare Abgrenzung zur „hässlichen“ Stadt. Auf der anderen Seite wäre das Gras schließlich grüner.

Geplant waren weiterhin alle Elemente die als notwendig erachtet wurden für eine Stadt in der Stadt. Ein Gesundheitszentrum, Sportanlagen, eine Turnhalle, Schule, Einkaufsgallerie und eine Kirche.

Tatsächlich umgesetzt wurde nur eine Pumpanlage und viel später Anfang der 70er Jahre ein erstes Kulturzentrum. Die Fertigstellung der Siedlung erfolgte auch nicht wie geplant 58 sondern erst später. 1963 konnten die ersten Bewohner eine Wohnung beziehen. Für damalige Verhältnisse stellte die Siedlung sehr moderne Wohnungen mit Zentralheizung, Einbauküche und Bad bereit.

Über Socialmedia Kanäle bekommen wir einen ersten Eindruck über die Bewohner der Siedlung von heute und früher.

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Unsere Vorrecherche liefert eine weitere Annäherung an die momentane Konstellation der Bewohner in der Siedlung (Stand 2011, vor Fertigstellung der Neubaublöcke):

– Es gibt 1312 Erwachsene und 676 Kinder

– 322 alleinstehende Frauen, 154 alleinstehende Männer

– 218 Paare ohne ein Kind

– 154 Frauen mit Kind

– 21 Männer mit Kind

– 260 Paare mit Kind(ern)

– 15% der Einwohner sind arbeitstätig

– 22% leben von Gesundheitsfonds

– 5% sind Rentner

– 21% haben eine Essensstempelkarte

– 10% leben vom CPAS (Centres Publics d‘Action Sociale)

– 7% haben kein Gehalt

– 71% verdienen weniger als 16.980 € pro Jahr

– 72% sind älter als 40 Jahre

– 35% sind älter als 60 Jahre

– 63% sind Belgier (viele Eingebürgert)

– 22% stammen aus Nordafrika

– 6,5% stammen aus Zentralafrika

Durch die dem Coronavirus geschuldeten Umstände, haben wir uns entschieden die Befragung der Bewohner über Postkarten durchzuführen. Wir haben Postkarten mit verschiedenen Motiven drucken lassen und nach Brüssel mitgebracht. Die bedruckten Postkarten dienen als Geschenk für die Bewohner, während eine beigefügte blanko Postkarte als Antwortmöglichkeit auf unsere Fragestellungen gedacht ist.

Heute Vormittag suchen wir erneut die Bibliothek in der Siedlung auf um die Mitarbeiterinnen darauf anzusprechen, ob es möglich ist in unserem Anschreiben an die Bewohner anzugeben den Bibliotheksbriefkasten als Abgabestelle festzulegen. Nachdem uns eine freundliche Dame versichert dass das kein Problem sein sollte, passen wir unsere Flyer entsprechend an und drucken eine finale Version. Pro Paket jeweils ein Postkartenmotiv, ein Flyer und eine blanko Postkarte. In dem Flyer beschreiben wir wer wir sind und stellen Fragen an die Bewohner:

Was ist die Cite Modele in ihren Augen?

Was hat sich über die Zeit verändert?

Was macht die Cite Modele zu ihrem zu Hause?

 

Wir sind gespannt wieviele der 400 verteilten Postkarten den Weg zurückfinden werden.

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Brüssel – Modelwijk // Mon Amie La Cité Modèle

 

Die Großwohnsiedlung Cité Modèle entstand in der Nachkriegszeit und im Zuge der Expo 58 als eine der ersten Großbauprojekte Belgiens am Rande von Brüssel. Geplant von einem Architekturkollektiv, hauptsächlich unter dem Modernisten Renaat Braem, beinhaltet das Projekt zahlreiche sozialistische Wohn- sowie Stadtvorstellungen. Erst zehn Jahre später waren die Baustellenarbeiten beendet – wohl eine Demonstration des chaotischen und schlechten Zustands der damaligen Baupolitik Belgiens – jedoch wurde sie nie wirklich nach den Vorstellungen Braems umgesetzt. Viele öffentliche Einrichtungen wie Schulen, eine Kirche oder ein zentrales Einkaufszentrum wurden nicht gebaut und die Siedlung konnte somit Braems Vision von einer Stadt in der Stadt nicht wirklich gerecht werden.

 

Im Vordergrund soll bei der Expedition das Leben danach stehen, welche Geschichten das Gebäude und seine Bewohner geschrieben hat, welchen Einfluss die Architektur auf diese Geschichten hat und wie sie zur Integrität eines Ortes beitragen.