Zwischen Kunst und Forschung

Wer hätte gedacht, dass wir bei der Suche nach dem digitalen Layer in der Stadt in Schönbrunn landen. Das Interview mit Lilyana Petrova beginnt face-to-face am Küchentisch und endet in einem Spaziergang bei dem wir gemeinsam die Portale des Augmented-Reality Spiels “Ingress” durch Post-it’s im Raum materialisieren. Dieses GPS-basierte mobile Onlinespiel benutzt die tatsächliche Umgebung in Echtzeit als Spielfeldgrundlage. Die Spieler wählen zwischen zwei Teams und die Mission besteht darin, für sein Team die meisten Portale auf der “geheimen” Karte zu erobern. Diese Portale sind Orte bzw. Objekte wie Skulpturen, Denkmäler und andere mehr oder weniger “wichtige” kulturelle Stätten. Um diese für sein Team zu gewinnen, muss man sich physisch an diesen Ort begeben. Lilyana schlägt Schönbrunn vor denn dort gibt es viele Portale und kein Straßenlärm hindert das Filmen.

Sie erforscht den Zusammenhang von digitaler Technologie und Performativität der StadtbewohnerInnen. Wie beeinflusst der digitale Layer Bewegung und Interaktion? Um Alltagspraktiken zu untersuchen, verbindet sie Kunst und Forschung in ihrer Arbeit. So bestand ihr Zugang zur Ingress-Community beispielsweise darin, in einer einmonatigen Performance selbst Teil von ihr zu werden.

Mobile Technologien, so sagt sie, verändern die Art wie wir uns bewegen, kommunizieren und wie wir überhaupt ein Miteinander verstehen grundlegend. “Since its arrival the mobile phone has provided numerous practical tools such as personal road navigators, hand held cameras, video phones, and constant internet connection (3G, 4G). More than just tools, these items stand for everyday practices, from personal hobbies to social interactions, to love relations, to ways of seeing, ways of reading, ways of talking, ways of playing, and ways of moving.”

Petrova, Lilyana (2017): „The Little Mermaid is a Portal – Digital Mobility and Transformations“, in: Freudendal-Pedersen, Malene, Katrine Hartmann-Petersen und Emmy Laura Perez Fjalland (Hrsg.): Experiencing Networked Urban Mobilities: Practices, Flows, Methods, Routledge.

 

Nicht nur ein Hackerspace – das Metalab

Das Metalab – nicht nur ein Raum für “Hacker*innen”, im ersten Wiener Stadtbezirk, gut angebunden, ganz in der Nähe des Rathauses.

Heute trifft sich der Coding Club. Wir kommen unangemeldet, ein paar Menschen sitzen an Ihrem PC und arbeiten an ihren Projekten. Wir sind willkommen. An der Bar holen wir uns Getränke und setzen uns an den großen Tisch zu den Menschen vor Ihren Computern und werden mit in die Gespräche einbezogen.

Das Metalab ist ein Ort für technische und soziale Innovation wie uns Amir sagt. Wichtig ist es nicht alleine vor dem Computer in der digitalen Welt zu bleiben, sondern auch in der „echten“ Welt zu sozialisieren und gemeinsam Projekte zu gestalten und sich auszutauschen.

Amir gibt uns eine Führung durch das Metalab, die Souterrainflächen bieten auf ca. 200m² Raum, Werkzeuge, Maschinen und Infrastruktur um Menschen zu verbinden und gemeinsam an Projekten zu arbeiten.

Hier wird nicht nur am Computer gearbeitet, das Metalab ist vielmehr eine große Werkstatt die Menschen zusammen bringt und Wissen ihr verbindet. Hier treffen sich verschiedene Gruppen mit diversen Ausrichtungen und Themenbereichen, Workshops werden abgehalten ebenso ist es ein offener Raum für alle.

Community ist der Grundgedanke des Internets – ohne Communities macht das Internet keinen Sinn.

Amir erklärt sich bereit mit uns ein Interview zu führen, wir dürfen filmen.

hier gehts zum Metalab

Leonard Suttner, Hannah Niemand, Nija-Maria Linke, Christopher Bindig

All together now

“Die Stadt sei ‘der konsequenteste und insgesamt erfolgreichste Versuch des Menschen, die Welt, in der er lebt, nach seinen eigenen Vorstellungen umzugestalten. Doch wenn die Stadt die vom Menschen erschaffene Welt ist, dann ist sie auch die Welt in der er fortan zu leben verdammt ist. […]’(Park, 1967) Wenn Park recht hat, kann die Frage, in welcher Art von Stadt wir leben wollen, nicht von der Frage getrennt werden, welche Art von Menschen wir sein wollen, welche Art von sozialen Beziehungen wir anstreben, welches Verhältnis zur Natur wir pflegen, welchen Lebensstil wir uns wünschen, an welchen ästhetischen Werten wir festhalten.” (Harvey, S.28)

Als Kontrast zur mainstream, top-down Produktion der Smart City, wie beispielsweise a la Google Urbanism, finden wir das Phänomen einer zusehends wachsenden Gemeinschaft und Netzwerken die an alternativen Do-It-Yourself Modellen von “urban informatics” arbeiten. Wir befinden uns dabei im Feld einer Kritik gegen den technokratischen Reduktionismus der Smart City und ihre offensichtliche Gleichgültigkeit gegenüber der Komplexität der sozialen, politischen und kulturellen Aspekte der Stadt. (vgl. Banerjee, S.1)

Unter Digital Communities wollen auch wir diese Bewegungen zusammenfassen und lehnen uns dabei an die Verwendung des Begriffs durch die Plattform ARS Electronica an. In einem Wettbewerb, dem Prix ARS Electronica, suchen sie aller zwei Jahre nach den vielversprechendsten Projekten in dieser Kategorie.

(Was ist die Ars Electronica?)

ARS Electronica Center
ARS Electronica Center (https://www.aec.at/center/)

 

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Sub-Kategorien von Digital Communities (Quelle: Banerjee/Fischer-Schreiber)

“Die Kategorie „Digital Communities“ berücksichtigt die weit reichenden gesellschaftlichen Wirkungen des Internet ebenso wie die aktuellsten Entwicklungen im Bereich von Social Software, user-generiertem Inhalt, mobiler Kommunikation und ortsbezogenen Services. ‘Digital Communities’ würdigt das politische und künstlerische Potenzial digitaler und vernetzter Systeme und spricht damit ein breites Spektrum von Projekten, Kunstwerken, Programmen, Initiativen und Phänomenen an, in denen soziale und künstlerische Innovation gewissermaßen in Echtzeit stattfindet. […] Digital Communities setzen sich für eine umfassende menschliche Entwicklung ein, zu der auch die Neugestaltung des Machtgefüges zwischen BürgerInnen und Politik, Staat, Verwaltung und Wirtschaft im Sinne von größerer Teilhabe, einer Stärkung der Rolle des zivilen Sektors und der Gestaltung lebendiger Demokratie gehören.” https://www.aec.at/prix/kategorien/digital-communities/

Seize the power that technology provides and wield it thoughtfully.
(Banerjee/Fischer-Schreiber 2014, 51)

Eine Digital Community ist eine neue Form von Gemeinschaft, die noch nicht ausgiebig untersucht wurde – nicht zuletzt aufgrund ihrer Komplexität und ihrer ständig verändernden Form. Die heutigen Digital Communities sind eine wachsende Kraft im Stadtmachen geworden. Neben dem “tactical urbanism” und dem “Smart City” -Diskurs werden diese neuen, eine gemeinsame Aufgabe verfolgenden, real-virtuellen Formen von Gemeinschaften zunehmend zu konstitutiven Bestandteilen unseres (urbanen) Alltagslebens. (vgl. Banerjee/Fischer-Schreiber, S. 4f, nach MacFarlane 2014, Townsend 2013)

Ein Projekt das Digital Communities in den Kontext von Stadtentwicklung setzt, ist “Hackable City”  . In dem Forschungsprojekt werden die Möglichkeiten von digitalen Medien zur Stärkung von Bürgern und anderen Akteuren in einem demokratischen Prozess der Stadtentwicklung untersucht. Auch die Verschiebung der Rollen und Beziehungen zwischen Regierungen, (Design-) Fachleuten und BürgerInnen in diesem Prozess ist dabei von Interesse.

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“How can citizens, design professionals, local government institutions and others employ digital media platforms in collaborative processes of urban planning, management and social organization, to contribute to a liveable and resilient city, with a strong social fabric?”
(Ampatzidou u.a.)

Der Begriff des Hacking oder eher des Hacker Ethos stellt sich für die ForscherInnen als brauchbar dar, wenn es um die Sicherung des offenen Charakters unserer Städte geht. Auch, stellen sie heraus, können einige der Werte aus den als “Hacker” bezeichneten Subkulturen helfen über die Gestaltung digitaler Medien Plattformen in der “open city” nachzudenken. (vgl. Ampatzidou u.a. S.19)

“How can new media technologies assist to port the approaches of openness, collaborative learning and cooperation found in various instances of hacker culture – varying from Wikipedia to open source soft- and hardware – to the process of citymaking?” Diese als eine der Forschungsfragen (“Hackable City Research Question 2”) spricht das Teilen von Wissen an. Und führt uns somit zu einem Beispiel in Madrid der “El Campo de Cebada”.

El Campo de Cebada ist eines der 2013 vom Prix Ars Electronica prämierten Projekte. Das auf den ersten Blick vor allem auf einer großen Brache im Zentrum Madrids agierende Projekt, hat auch ein digitales Pendant: über eine digitale Plattform werden die verschieden Aktivitäten aller Akteure gesammelt und dokumentiert. Über diese transparente für alle offene Vernetzung und dem Austausch von Wissen wird der Zugang zum Campo de Cebada möglichst offen gehalten um ad-hoc und im common sense handeln zu können und unterschiedliche Nutzer*innen und Aktivitäten zusammen zu bringen.

 

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https://images.adsttc.com/media/images/51f1/1250/e8e4/4e6d/a300/0139/slideshow/02_espacializacion_elcampodecebada.jpg?1374753295

 

“Die Forderung war eigentlich mehr ein Befehl, dieser Krise fest ins Auge zu blicken und ein alternatives urbanes Leben zu entwerfen, das weniger entfremdet, sinnstiftender, spielerischer, dabei aber – wie immer bei Levebvre – auch konfliktreich und dialektisch ist, offen für das Entstehende, für Begegnungen (beängstigender und angenehmer Art) und für das ständige Streben nach bislang unbekanntem Neuen.” (Harvey, S.11)

 

 

 

Titelbild: © El Campo de Cebada

Ampatzidou, Cristina u. a. (2014): The hackable city: a research manifesto and design toolkit, Amsterdam: Knowledge Mile.

Banerjee, Ian 2014: Smart Cities – A contested marketplace for large corporations and small communities. In: Österreichische Ingenieur- und Architekten-Zeitschrift 159 (1): 1-12.

Banerjee, Ian und Ingrid Fischer-Schreiber (Hrsg.) (2014): ARS Electronica Digital Communities – Selected Projects from Prix Ars Electronica.

Coffey, Lewis (2015): „El Campo de Cebada“, https://www.smart-magazine.com/en/community-pool/

Harvey, David (2013): Rebellische Städte: vom Recht auf Stadt zur urbanen Revolution, Berlin: Suhrkamp.

MacFarlane, Colin (2014): Learning the City: Translocal Assemblage and Urban Politics, Oxford

Park, Robert (1967): On Social Control and Collective Behavior, University of Chicago Press.

Townsend, Anthony M. (2013): Smart cities: big data, civic hackers, and the quest for a new utopia, First edition. Aufl., New York London: WWNorton & Company

 

Von anderen Räumen

Lost in Transformation_

Ausgehend von den großen Fragen der Gestaltung der digitalen Stadt der Zukunft, fragen wir nach den jetzigen Stellschrauben für diese Entwicklung. Dass dabei auch immer eine “Ethik des Programmierens” vonnöten ist, erinnerte uns schon Sarah Spiekermann . Im Sinne dieser Argumentation (mal mehr, mal weniger explizit) gibt es eine zahlreiche Bewegungen in die Richtung, Digitale Medien und damit verbundene Technologie für kollektive Bewegungen zu nutzen, die jenseits von Marktinteressen eine (urbane) Gesellschaft formen will.  

Eine optimistische Sicht auf die Möglichkeiten eines “Empowerments” durch digitale Medien und die Räume, die durch diese Entstehen, gibt Hanno Rauterberg in seinem Buch “Wir sind die Stadt – Urbanes Leben in der Digitalmoderne” (2013, suhrkamp Verlag). Digitale Räume, die durch die digitalen Medien wie soziale Netzwerke entstehen, sind eng verwoben mit dem physischen Raum. Seiner Argumentation nach ersetzen sie keinesfalls das Handeln in der nicht virtuellen “realen” Welt – ergänzt dieses eher. Er betrachtet Phänomene wie Urban Gardening, Flashmobs und Proteste wie Occupy, die die digitalen Medien erst hervorgebracht oder gefördert hätten.

“In today’s world where public spaces and physical cultural spaces no longer retain their function as dominant social space, digital media plays important roles in nurturing daily sociality where concrete and abstract relationships, strong and weak ties, are formed.” (Lim, S.55)

Während Rauterberg in seinem Werk recht verallgemeinernd, teilweise sogar plakativ bleibt, geht bspw. Merlyna Lim (Canada Research Chair in Digital Media and Global Network Society an der “School of Journalism and Communication” der Carleton Universität) einen Schritt weiter. Sie forscht zu den gesellschaftlichen Auswirkungen von Technologie, insbesondere den digitalen Medien und Informationstechnologie. Innerhalb dessen untersucht sie genau die auch von Rauterberg erwähnten Phänomene und setzt die (digitalen) Sozialen Bewegungen explizit in einen Kontext zwischen digitalem, physischen und sozialen Raum.

Dafür, räumt sie ein, müsse man sich zunächst bewusst werden, dass sozialer Raum, wie er in den sozialen Medien produziert wird, ebenfalls innerhalb neoliberaler Logiken des Kapitalismus funktioniert. Soziale Medien, wie Facebook, sind nicht von den Marktkräften befreit – sie sind sogar der inbegriff digitaler Ökonomien, die die Nutzer*innen, ausbeutet. Statt eine wirkliche Gegenüberstellung von Zivilem und Kommerziellem zu bilden, stellen sie eher eher pseudo-heterotopie des Konsums dar (Foucault, 1986). Allerdings sind für die urbane Mittelklasse (wie Lim sie bezeichnet) diese Netzwerke die Orte an denen sie in die alltägliche Sozialisation eintauchen – um sich auszudrücken, miteinander zu interagieren, zu flirten, zu spielen und spaß zu haben, nichts was als Teil von zivilem Engagement eingestuft wird. Und doch, so Lim, seien diese sozialen Handlungen gewissermaßen politisch. Und zwar indem diese neuen sozialen Netzwerke eine Kultur ermöglichen und verstärken, die dazu beiträgt, eine Grundlage, einen Übungsplatz und einen Lernraum für Individuen zu schaffen, um ihre Meinung zu äußern, ihre Rechte zu erproben und mit anderen zu kollaborieren. Diese Kultur der Teilhabe kann für ziviles Engagement eingesetzt werden und gar für eine sinnvolle Teilnahme an Sozialer Bewegung genutzt werden. Beispielsweise waren viele der Protestierenden des “Arabischen Frühlings” keine politischen Aktivist*innen von Anfang an – sie sind ursprünglich aus anderen Gründen den Sozialen Medien beigetreten. (vgl. Lim, 56)

Die Autorin ist gleichzeitig Gründerin des ALiGN Netzwerkes  (Alternative Global Network Media Lab). Dieses Netzwerk will Initiativen und Gruppen unterstützen für ihre Angelegenheit zu mobilisieren und ihre Geschichten zu generieren um alternative Narrative zu schaffen für Hoffnung und Widerstand. Sie benutzen dafür digitale Medien und Technik um so marginalisierten Gruppen oder einfach zivilem Engagement eine Stimme zu geben.

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

Banerjee, Ian 2014: Smart Cities – A contested marketplace for large corporations and small communities. In: Österreichische Ingenieur- und Architekten-Zeitschrift 159 (1): 1-12.

Foucault, Michel (1986): „Of other spaces“, diacritics 16/1, S. 22–27.

Lim, Merlyna (2014): „Seeing spatially: people, networks and movements in digital and urban spaces“, International Development Planning Review 36/1, S. 51–72.

Coverphoto: https://www.madamasr.com/wp-content/uploads/2016/09/2011_Egyptian_protests_Facebook__jan25_card.jpg

 

Verlust der Stadtpolitik // Google Urbanism

Lost in Transformation.

„what makes power hold good, what makes it accepted, is simply the fact that it doesn‘t only weigh on us as a force that says no, but that it traverses and produces things, it induces pleasure, forms knowledge, produces discourse. It must be considered as a productive nework which runs through the whole social body, much more than as a negative instance whose functions is repression“ Michel Foucault 1984

http://netzphilosophie.org/wp-content/uploads/2013/02/Panoptikum-cc-by-sa-I-Punkt-Friman.jpg

Eines der Hauptaugenmerke unserer Forschung ist der Mensch in der Stadt: als Individuum und in Kollektiven der diversen Gesellschaft im Kontext der Digitalisierung. Und die Frage nach Machtverschiebungen, die innerhalb dieses Gegensatzes gerade stattfinden. Dabei beleuchten wir die Chancen für die Planung und die Nutzung der Stadt, die sich für Bürger*innen ergeben (Demokratisierung) – aber auch die großen Unternehmen, wie die Google-Mutterfirma Alphabet, die in der Stadtentwicklung mehr und mehr an Macht gewinnen.

„Algorithmen übernehmen die Stadtplanung – so wird der öffentliche Raum privatisiert.“

Alphabet startete im Jahr 2015 die Tochterfirma und versucht sich so als Akteur für Stadtentwicklung zu etablieren. So beauftragte die Stadt Toronto das Unternehmen um die Quayside, ein zwölf Hektar großes, unbebautes Gebiet am Wasser, unter dem Projektnamen Sidewalk Toronto in ein digitales Wunderwerk zu verwandeln.

https://sidewalktoronto.ca/

„Städte, sagt Alphabet, waren schon immer Plattformen; jetzt sind sie eben auch digitale. “Die großartigsten Städte der Welt waren immer Zentren des Wachstums und der Innovation, weil sie auf die Plattformen setzten, die von ihren visionären Führern eingesetzt wurden”, heißt es in dem Vorschlag. “Rom hatte Aquädukte, London die U-Bahn, Manhattan das gitterartige Straßennetz.” Toronto wird Alphabet haben. Inmitten dieser Plattform-Euphorie vergisst man leicht, dass etwa ein Straßennetz in der Regel keiner privaten Entität gehört, die fähig ist, manche auszuschließen und andere zu bevorteilen.“ (Süddeutsche)

Jedoch schafft Alphabet kein digitales Netzwerk, sondern ein gewaltiges Machtmonopol. Wie die auch die Süddeutsche Zeitung in einem kürzlich erschienen Artikel warnt, wäre das das Ende der Stadtpolitik, oder gar der Demokratie – indem die kommunale Planungshoheit durch Marktkräfte ersetzt wird.

Was würde passieren, wenn dieser sogenannte Google Urbanismus wirklich übergreifen würde? Dieser Frage geht eine Projektgruppe des Strelka Institute for Media, Architecture and Design in Moskau nach und startete das Projekt Google Urbanism. In diesem Projekt geht man von den öffentlichen Räumen der Stadt aus, die nur mit den aktiven Nutzern dieser Räume, als wesentlicher Bestandteil von demokratischer Stadtpolitik funktionieren. zum Interview

“Users are real people, and before being present in the digital space of tech platforms, they are always actually present somewhere in the physical space of the real world…Our project imagines a new type of “public license”, where “access to users’ presence” in public spaces could generate financial dividends for the city, similar to how licensing mining rights to private companies generates royalties for the state.” 

http://googleurbanism.com/
http://googleurbanism.com/

Das Projekt argumentiert für eine Art Lizenz für die Generierung und vor allem für die Abschöpfung von Daten im öffentlichen Raum, die von Unternehmen, insbesondere Google, erstanden werden kann. Die Erträge des Verkaufs kämen wieder der Stadt und ihrer NutzerInnen zugute.

Diese Studienabschlussarbeit spielt mit dem Gedanken eines an Public-Private-Partnership angelehnten Konzepts, das sich für die “Smart City” schon lange abzeichnet. Die Provokation dahinter durch das Spiel mit der Frage um die Funktion des eigenen Körpers als “Datenspender” im öffentlichen Raum, ist erst nach genauerem Hinsehen ersichtlich. 

Fragen die sich uns stellen:
Sollte die Stadt mit Google zusammenarbeiten?
Sollte man der Stadt Wien freiwillig Daten zur Verfügung stellen um Unternehmen wie Google auszubremsen?

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

Der überflüssige Mensch

Lost in Transformation.

Nach dem letzten Workshop geht ein Teil der Arbeitsgruppe in das Theaterstück „Golem oder der überflüssige Mensch“ im Schauspielhaus.

Golem oder der überflüssige Mensch

Die neue Epoche der Menschheit wird in eine dystopische Zukunftsvision in einer musikalischen Textcollage skizziert. Dabei wird die Schöpfungsgeschichte, der Mythos des Golems (in Verbindung mit dem Stück „Rossum’s Universal Robots“ das 1920 von Karel Capek aufgeführt wurde) verknüpft und durch Auszüge aus dem Transhumanismus zu einer (De-)Evolutionsgeschichte des Menschen gewoben. Die Risiken und Ängste, die diese Schwelle mit sich bringt, werden im Stück zugespitzt und erlebbar gemacht – man nimmt Position ein, im Diskurs der Digitalen Transformation.

Der Regisseur mit seiner Interpretation durch die Verarbeitung des Themas soll eine der Perspektiven für unsere Forschung darstellen. In den nächsten Tagen reflektieren wir ausgehend von der Präsentation und den aufkommenden Fragen den Fokus der sich in unserer Forschung bildet. Das Individuum und das Kollektiv – sind die beiden Dichotomien um die sich unserer Diskussionen drehen. Und dabei die Suche nach diesen in Verbindung mit städtischen und den entstehenden digitalen Räumen.

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

Verlust des Individuums

Lost in Transformation.

„Ich übergebe mein Recht, mich selbst zu beherrschen, (…) dieser Gesellschaft unter der Bedingung, dass du ebenfalls dein Recht über dich (…) ihr abtrittst. Auf diese Weise werden alle einzelnen eine Person und heiße Staat oder Gemeinwesen. So entsteht der große Leviathan oder (…) der sterbliche Gott, dem wir (…) Frieden und Schutz zu verdanken haben“ Hobbes 1651, Leviathan

Das Zitat von Thomas Hobbes wird heute mitten in der Digitalen Transformation in der eine vollständige Vernetzung der Menschen möglich wird, in einen neuen aktuellen Kontext gerückt. Die kontinuierliche Produktion von Daten über unsere Lebensweise und somit auch Handlungen im Raum macht uns transparent. Unternehmen wie Google fassen dies zu einem großen intelligenten System zusammen, dass sich einzig aus den Daten der Einzelnen speist. Etwas wovor man sich fürchten muss, wird durch die Sage des Meerungeheures Leviathan skizziert, damit macht Hobbes auf die Probleme aufmerksam die, die Dichotomie zwischen Freiheit und Sicherheit bringt.

https://www.pulsarplatform.com/blog/wp-content/uploads/2017/07/hobbes-leviathan.jpg

Nur, dass der Staat den Hobbes durch den Leviathan skizziert in der heutigen Zeit gegen die neuen Ungeheuer die sich aus den Menschen (Daten) speisen scheinbar ohnmächtig ist. Dies ähnelt den Dystopien die wir aus Science-Fiction Filmen kennen.

Wie die Zukunft der Stadt früher aussah … 

Entscheiden wir in digitalen Systemen eigentlich noch selbst? Oder wird alles der Perfektion der Effizienz unterworfen?

Sarah Spiekermann spricht sich im Interview (Die ethische Maschine) für eine Ethik des Programmierens aus. Wir brauchen eine Vorstellung davon wie wir in der digitalen Welt leben wollen. Sozusagen eine neue Utopie. Wie entwickelt man diese Utopie? Wer sind die Akteur*innen in diesem Entstehungsprozess?
Wir wollen in unserer Forschungsarbeit genau diesen Fragen nachgehen und Gegenentwürfe zum aktuell dominierenden System untersuchen. Was abseits von Facebook, Uber und AirBnB passiert und wie sich dieser Widerstand gegen den Verlust des Individuums in der digitalen Stadt ausdrückt ist der Ansatz dem wir nachgehen wollen.

Coverphoto – Quelle: http://dreamcatcherreality.com/memory-battery-matrix/

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

 

Lost in Transformation

Digitale Transformation_

Was kommt da auf uns zu?

Das ist die Frage die sich uns als Forschungsteam im Rahmen des interdisziplinären Projektes stellt. In allen Bereichen des Lebens scheint sich das Digitale auszubreiten. Doch nicht abrupt wie man sich eine Revolution vorstellt sondern schleichend und unbemerkt baut sich ein intelligentes System auf.
Wir sind schon mitten drin!
Wer steuert diesen Prozess, wer gestaltet ihn, wer sind die Gegner*innen und die Befürworter*innen dieser Revolution und was geschieht mit dem Leben der Individuen, wenn sie scheinbar unbemerkt Teil dessen werden, sind die Fragen die sich uns in der Annäherung an das Thema aufwerfen. Im Folgenden möchten wir uns eine erste theoretische Basis zur Einführung in den Diskurs aktueller Entwicklungen der Digitalisierung im Kontext Stadt legen.

Georg Simmel beschreibt in dem 1903 erschienenen Aufsatz „die Großstädte und das Geistesleben“ die Prozesse der Transformation des Menschen in der Stadt während der industriellen Revolution. Er sieht den Menschen in der Maschine, das Individuum kämpft mit dem Prozess sich völlig in das System einzugliedern und somit seine „leibliche Existenz“ zu verlieren. Hierbei ist Grundmotiv:

„(…) der Widerstand des Subjekts, in einem gesellschaftlich-technischem Mechanismus nivelliert und verbraucht zu werden“. Simmel 1903, Die Großstädte und das Geistesleben

Die Stadt als demokratischer Ort in dem sich die Kultur verkörpert ist Ausdruck diese „Kampfes“ wie Simmel diesen Prozess beschreibt. In der Stadt lässt sich ablesen wie die Gleichung zwischen den individuellen und überindividuellen Inhalten des Lebens aufgeht und sich die Persönlichkeit mit der äußeren Macht abfindet.
Simmel beschreibt wie sich die Psyche des urbanen Menschen verändert. Er stellt die These auf, dass die Reaktion auf das Leben im mechanisierten Raum die Reaktion ehemals von der natürlichen Handlung aus dem Gemüt (Individualität) heraus nun aus dem Verstand (Leistung / Gegenleistung) heraus geschieht. Alle Handlungen laufen in den Taktungen der Maschine die die Wege des Menschen scheinbar vorzugeben scheint.

Der Kampf des Großstädters um die Menschlichkeit in der Maschine, den Simmel in seinem Text ausführt, ist heute wieder brandaktuell denn wir stecken immer noch in der Maschine doch nun wird sie digital.

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Das Interview mit Sarah Spickermann unter dem Titel die „ethische Maschine“ greift genau diesen von Simmel beschriebenen Prozess auf und stellt die Frage wie sich der Mensch dazu positioniert. Sie spricht über die Transzendentalist*innen die den Menschen nur als Fehler in dieser sich selbst perfektionierenden Maschine sehen – verblüffend, wenn man sich die eingehenden Worte Simmels die vor über hundert Jahren geschrieben wurden dazu in Gedanken ruft. Sie haben den Verlust der „leiblichen Existenz“ akzeptiert, und genau diese Menschen programmieren gerade die Maschine neu.

Sarah Spiekermann im Interview

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig