Eine Siedlung – zig Facetten

Der öffentlicher Raum – ständiger Begleiter im Raumplanungsstudium – beschreibt Orte, die Planer:innen oft besonders interessieren. Nur logisch, dass wir uns neben den vielen anderen spannenden Themen auch hiermit intensiv auseinandergesetzt haben und es auch weiterhin werden.
Nachdem der Workshop nun vorbei ist, wie ihr bereits im letzten Blogpost lesen konntet, haben wir uns gegenseitig Aufgaben zugeteilt, um die weiteren Punkte umfassend zu bearbeiten. Ganz im Sinne der momentanen Pandemie ist nun Home Office die Devise. Das bedeutet konkret: Einzelarbeiten zu Hause, Absprachen via Skype und immer wieder Treffen für Diskussionen und Anpassungen, die jetzt auf dem Programm stehen.
Schließlich haben wir es geschafft und die Auseinandersetzung mit dem (halb)öffentlichen Raum ist zum Großteil abgeschlossen. Darum freut es uns die gesammelten Erkenntnisse in diesem Beitrag mit euch zu teilen. Wir wissen ja – ihr wartet bereits seit 2 Einträgen auf diese spannenden Geschichten.

Treffpunkt im Block “Green Market”
Grünraum, Spiel- und Sportplätze, Stellflächen für PKWs und Einkaufsmöglichkeiten – der (halb)öffentliche Raum jeder Stadt und Nachbarschaft ist durch viele verschiedene Aspekte charakterisiert – so auch die City Wall. Doch ist diese langgestreckte Siedlung tatsächlich auch als eine Nachbarschaft zu verstehen?
Wie so oft sind wir auch bei diesem Thema der Meinung, dass sich dies nicht so klar sagen lässt. Natürlich gehören die einzelnen Blocks der City Wall zusammen, sind sie doch alle von den gleichen baulichen Merkmalen geprägt. Wirft man ein Auge auf die Angebote und Gestaltungen im (halb)öffentlichen Raum, bemerkt man schnell, dass sich die einzelnen Teile der Siedlung doch sehr unterscheiden. Naja, so ein ganz einheitlicher Raum ist ja auch irgendwie langweilig, findet ihr nicht?

Für die detaillierte Analyse der City Wall haben wir zwei Blöcke ausgewählt und genauer unter die Lupe genommen. Dabei handelt es sich um Block 2 und Block 6 – darunter könnt ihr euch wahrscheinlich nicht viel vorstellen. Keine Sorge, da könnt ihr beruhigt sein, wir haben uns zu Beginn genauso schwer getan. Auch die Bewohner:innen Skopjes orientieren sich nicht mithilfe der Zahlen, sondern anhand besonderer, markanter Merkmale, welche im jeweiligen Block zu finden sind. Macht auch mehr Sinn, finden wir, denn die Probleme mit den Zahlen würden ja schon damit anfangen, zu klären, von welcher Seite aus man zu zählen beginnt. Ihr seht schon, das Konzept ist ausbaufähig.
Nehmen wir als erstes Beispiel Block 6, also von West nach Ost gezählt: Hier befindet sich direkt hinter der City Wall ein sehr großer Markt – der Green Market – und genau so nennt die Bevölkerung den Block auch. “Treffen wir uns im Hof der City Wall im Bereich des Green Market.” Und Zack! Alle wissen was gemeint ist. Sehr praktisch.

Abgesehen von den namensgebenden Elementen unterscheiden sich die Blocks aber auch in anderen Aspekten stark. Im Green Market-Block sind fast alle Parkplätze rund um den Markt angelegt, daher ist der Zwischenraum der City Wall sehr grün gestaltet. Die Erdgeschosszonen sind in diesem Abschnitt der Siedlung nicht so stark ausgeprägt, weil es durch den Markt schon ein sehr breites Angebot gibt. Der Apfel aus dem Green Market schmeckt doch viel besser als der aus dem Supermarkt, keine Frage.

Auch Block 2 hat so seine Besonderheiten. Geprägt durch einen historischen Platz, wird er heute noch mit dessen Namen in Verbindung gesetzt. Im Freedom Square Block sind, anders als im vorigen Abschnitt, auch im Zwischenraum der City Wall einige Stellplätze zu finden. Komischerweise gibt es gerade in diesem Block, neben gefühlt hunderten Autos einen Spielplatz für Kinder, im grünen Innenhof vom Abschnitt 6 ist jedoch keiner zu finden. Wer hat denn da jetzt mehr Freedom, die Autos oder die Kinder?

Was wir euch damit vor Augen führen wollen – die Blocks der City Wall sind in ihrer Ausgestaltung sehr unterschiedlich. Trotzdem finden sich im öffentlichen Raum einige Elemente, welche sich durch die ganze Siedlung ziehen. Dazu zählen die Erdgeschossnutzungen in den Zeilen, die entlang einer breiten Promenade für Fußgänger:innen verlaufen. Was uns neben den räumlichen Gegebenheiten des öffentlichen Raums noch brennend interessiert hat sind erneut die Meinungen der Medien, Expert:innen und Anrainer:innen. Wie schätzen sie die Qualität des Freiraums ein und wo sehen sie Verbesserungspotential?

Miserabel und doch gleichzeitig oho
Die großen Unterschiede der City Wall fielen uns erstmals zu Beginn unserer Recherche beim Durchschmökern einer Publikation auf. Als wir auch auf eindeutige Aussagen stießen, die den Grünraum als vernachlässigt und den Freiraum als MIV-dominiert bezeichneten, war klar: Dem müssen wir nachgehen! Und da wir kritische Geister sind, befragten wir daraufhin natürlich gleich die Expert:innen und Bewohner:innen zu diesen Aussagen und gewannen so interessante Erkenntnisse.

Die Übergangsbereiche, die unterschiedlichen Nutzungen der Zwischenräume und die Variation der Anordnung der Elemente sorgen für Differenzierung.

Nela Kadic, Skopje. Abseits der Kulisse.Strategien für eine junge Hauptstadt, 2014

 

The playgrounds are in a really good condition, they are new and easy to use and everything, but on some of the squares of the Wall and the greenery are not really taken care of.

Aleksandra Milosheska, Architektin aus Skopje

 

I like to walk next to the City Wall. It’s always nice to look up. There are trees and green and places for the children to play. I find them very enjoyable.

Bewohner:in aus Skopje

Im Grunde gehen die Meinungen der Bevölkerung aber auch der Expert:innen weit auseinander. Da hat sich das Nachfragen und Nachhaken wirklich gelohnt. Die Siedlung ist so weitläufig und divergent, dass es schwierig ist, die Assoziationen auf die ganze City Wall umzulegen. Durch die intensive Beschäftigung mit den gegebenen Strukturen wissen wir aber, dass alle Aussagen ihre Berechtigung haben – ist es eine Beschwerde über zu viel Verkehr oder eine Schwärmerei über die ruhigen und grünen Innenhöfe. Die Großwohnsiedlung ist so vielschichtig, dass man dort quasi alle Merkmale finden kann. Wir können es kaum erwarten, all diese Merkmale bei der Reise nächstes Jahr aufzustöbern und mit eigenen Augen zu sehen.

Coffee-to-bike!
Sowie sich die Merkmale der einzelnen Blocks unterscheiden, gehen auch die verschiedenen Nutzungen auseinander. In einem Bereich mit einer großen Platzsituation zum Beispiel macht es Sinn, hin und wieder Veranstaltungen zu organisieren. Vor allem in der Zeit von COVID-19 finden laut Aleksandra Milosheska immer wieder Events im öffentlichen Raum statt, da Innenräume dafür gemieden werden.
Was man sich in Wien vielleicht schwer vorstellen kann, ist die geteilte Nutzung des Freiraums. Wo die Gastgärten von großen überfüllten Cafés bis auf die Straßen und Wege hinausreichen, haben passierende Fahrradfahrer:innen fast das Gefühl sie sitzen mit am Tisch. Ein Kaffeehäferl im vorbeifahren mitgehen zu lassen, ist da gar nicht so unvorstellbar. Das Leben in Nordmazedonien findet sehr viel draußen statt, und wo kein Platz ist, wird eben einer geschaffen. Ein Weg durch das Gewusel wird immer gefunden. Gleichzeitig gibt es kleine Cafés, in welchen sich gefühlt drei Stammgäste jeden vormittag zum Tratscherl treffen. Die vielen Facetten lassen sich überall in der City Wall wiederfinden – man muss nur wissen wo.

Was wir bei einem Gespräch mit einer ehemaligen Bewohnerin auch herausgefunden haben – die Blocks stehen zum Teil wirklich für sich alleine. Als Kind spielte Biljana Lubarovska mit ihren Freunden eigentlich nur in dem Bereich der City Wall, in dem alle Nachbarskinder wohnten. Wurde mal ein anderer Block betreten, was nach ihrer Aussage eher selten vorkam, so war es eine richtige Expedition. Ob das heute auch noch so ist? Eine Mutter erzählte uns, dass sie sehr viele verschiedene Spielplätze mit ihrer Tochter nutzt. Also kommt man in der Siedlung wohl doch ein bisschen herum und trifft verschiedenste Leute. Nun, sind die in der City Wall lebenden Leute wirklich so unterschiedlich oder haben sie ihre Gemeinsamkeiten? Mehr zu der in der Siedlung und Skopje lebenden Bevölkerung erzählen wir euch beim nächsten Mal.

Ihr dürft gespannt sein!
Euer Skopje-City-Wall Team

Sind wir etwa schon am Ende??

So schnell sich die Sommerferien mit regnerischen Tagen dem Ende neigen, so rasch gingen auch unsere Workshop-Tage an der Alten WU zu Ende. Nicht nur die Fachschaft der Raumplanung packte schließlich ihre sieben Sachen um weiterzuziehen, sondern auch wir verließen die Spittelau nach vielen intensiven und arbeitsreichen Tagen. Unsere To-Do Liste ist natürlich noch viel zu lange, um jetzt die Beine hochzulegen, dennoch ist es an der Zeit für ein kleines Zwischenfazit, das wir euch nicht vorenthalten wollen. Falls ihr es seit dem letzten Beitrag vor Spannung kaum noch ausgehalten habt, mehr über die Nutzungen im (halb)öffentlichen Raum der City Wall zu erfahren, so wie wir es im letzten Blogpost angekündigt haben, müssen wir euch leider ein wenig vertrösten – aber keine Sorge, aufgeschoben heißt nicht aufgehoben.

Wie bereits in den bisherigen Blogeinträgen nachzulesen ist, waren wir keinesfalls untätig und stürzten uns trotz der bekannt widrigen Umständen mit viel Engagement und Motivation in die Arbeit. Corona, Reisewarnungen & Co. konnten uns nichts anhaben, schließlich hatten wir Flipcharts, Aquafix, Stifte und die Weiten des Internets! eine Reise und die Forschung vor Ort ist nicht zu ersetzen, gerade bei diesem Lehrveranstaltungsformat. Dennoch konnten wir viele Inhalte produzieren, und das ist doch schon mal eine gute Nachricht.
Unsere Arbeitsweise haben wir den Umständen entsprechend angepasst: Statt unserer Beine legten die Computermäuse die Kilometer am Bildschirm zurück. Statt den aufregenden Geräuschkulissen Skopjes lauschten unsere Ohren gespannt, was uns die zahlreichen Expert:innen via Skype erzählen konnten. Es lässt sich sagen: diejenigen, mit denen wir Kontakt hatten, taten alles um uns die Arbeit zu erleichtern. Es kristallisierte sich sehr schnell heraus, wie überaus groß die Hilfsbereitschaft bei allen Beteiligten war. Sie beantworteten Fragen, erteilten bereitwillig Auskunft, beteiligten sich ergiebig an Diskussionen und teilten Dokumente, Artikel oder Kontaktpersonen mit uns. Wirklich jede/r gab das Möglichste, um uns zu unterstützen. Mit Aleksandra Milosheska, einer jungen Architektin aus Skopje, hatten wir sogar unsere eigene Fotografin vor Ort…die uns, unabhängig von unserer Bitte, als kleine Überraschung, wie sie selbst sagte, mit über 100 qualitativen Fotos der City Wall versorgte!

Insgesamt drei zusätzliche Gespräche konnten wir in der Workshopwoche führen, es gab lediglich eine Ausnahme bei der wir leider versetzt wurden. Aber was nicht ist kann ja noch werden – wir bleiben jedenfalls dran!
Es gab einen weiteren Wermutstropfen zu verkraften. Die von uns angestrebte virtuelle Rundführung durch die City Wall konnte leider bisher nicht durchgeführt werden, da die Kontaktanfragen dazu unbeantwortet geblieben sind. Wir werden versuchen, erneut nachzufragen und hartnäckig zu bleiben, vielleicht sind wir noch erfolgreich. Drückt uns die Daumen!

Einen Nachteil hatten die langen ausführlichen Gespräche dann doch – Transkription heißt der Übeltäter. Wie lange eine Stunde Interview wirklich ist, merkt man eben erst wenn eine gefühlte Ewigkeit in die Tasten gehauen wird und nach mehreren Seiten Text gerade mal ein paar Minuten der Aufnahme zu Papier gebracht worden sind. Aber es ist ja für eine gute Sache und mehr als sinnvoll, insofern hieß es da, Zähne zusammenbeißen und die Finger tanzen lassen.
Keine Sorge – falls ihr nun denkt, wir saßen zwei Wochen lang stumm nebeneinander und ließen die Tasten glühen, dann liegt ihr falsch. Die Inhalte, Darstellungsmethoden, Karten und alles was dazu gehörte, musste natürlich überlegt, besprochen, ausprobiert, verworfen, neu konzipiert, wieder verworfen und schließlich noch finalisiert werden. So leise wir beim Transkribieren waren, so lebhaft und redselig waren wir beim gemeinsamen Diskutieren und Entwerfen. Ausgestattet mit Kaffee und Gebäck für das leibliche Wohl wurden manche Inhalte brisant diskutiert und wieder verworfen – hier haben sich teilweise unterschiedlichen Betrachtungsweisen verdeutlicht. Mit unseren drei Blickwinkeln sowie dem Blick der Expertinnen können wir dennoch selbstbewusst sagen, dass wir einen guten Rundumblick über die genannten Themen der City Wall erlangen konnten.

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Nach Abschluss unseres Workshops muss nun noch die weitere Vorgehensweise geklärt werden. Der Workshop ist zwar zu Ende, unsere Arbeit noch nicht. Die City Wall wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut.
Der weitere Fahrplan steht jedenfalls: Die sozialen Gruppen werden von uns nicht vernachlässigt und noch analysiert. Die anderen gesammelten Inhalte müssen noch visuell dargestellt werden, denn Bilder sagen bekanntlich mehr als 1.000 Worte. Apropos 1.000 Worte – transkribiert wird weiterhin, hip hip hurra.
Ein weiterer Punkt steht auf unserer Liste, über den wir aber noch nicht zu viel verraten wollen. Nur soviel sei gesagt: Es geht um eine Eisbahn, verlorene Maßbänder und um die eine oder andere streunende Katze. Na, schon eine Idee?

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Ihr seht schon: langweilig wird uns mit Sicherheit nicht, aber wir sind guter Dinge, alles zu einem guten Abschluss zu bringen. Damit euch nicht langweilig wird, werden wir euch weiterhin mit anregenden Blogbeiträgen versorgen. Da wir in nächster Zeit nicht mehr in Form eines Workshops zusammenkommen können, kann es sein, dass die Pausen zwischen den Updates etwas länger sein werden. Aber keine Sorge, wir vergessen euch natürlich nicht und ihr wisst: Gut Ding braucht eben Weile.

Bis dahin und bleibt gesund!
Euer Skopje-City-Wall Team

Die drei ??? und die Suche nach dem Geheimgang

Die City Wall – ein Symbol des Brutalismus, ein polarisierendes Bauwerk inmitten von Skopje und noch vieles mehr. Das ist das schöpferische Werk von Kenzo Tange, das wir bereits in den letzten Beiträgen kennenlernen durften. Darauf aufbauend ist uns folgende Frage im Kopf herumgeschwirrt: Wie funktioniert die Siedlung nun tatsächlich? Welche baulichen Strukturen machen die City Wall aus und welche Konflikte oder Geheimnisse lassen sich aufstöbern? Wir sind guter Dinge, dass ihr euch nach diesem Beitrag ein genaueres Bild von dem Komplex machen könnt. Los geht’s!

Die Chinesische Mauer in Skopje?
Fangen wir bei den offensichtlichen Aspekten an. In der City Wall sind zwei Arten von Gebäuden zu finden – lange 8-geschossige Zeilen und hohe 14-geschossige Türme. Die großen Dimensionen und hohen Geschosszahlen verbildlichen die massive Gestalt der Siedlung. Angeordnet sind die Gebäude – wie es der Name bereits verrät – wie eine Mauer rund um das Zentrum (PS: das wisst ihr wahrscheinlich schon wenn ihr aufmerksam mitgelesen habt).

Was man nun vermuten könnte: Als Mauer stellt die City Wall eine Abtrennung und Barriere zwischen der Innenstadt und umliegenden Bezirken dar. Gibt es dadurch Heerscharen von verzweifelten Passant:innen die Richtung Innenstadt stürmen wollen aber an den unüberwindbaren Hindernissen nicht vorbeikommen?
Nun, nicht ganz. Scheinbar gibt es keine so scharfe Trennung zwischen dem Zentrum und dem Rest der Stadt, wie es auf den ersten Blick scheint. Bei genauerem Hinsehen fallen einem nämlich einige Durchgänge auf, die durch die Gebäude führen. Schlecht für eine etwaige Verteidigung der Stadt, gut jedoch für die hoffentlich meist friedvollen Bewohner:innen, die täglich die City Wall passieren wollen. Nur finden muss man diese Passagen erst. Vor allem für uns aus der Ferne waren sie nicht gleich zu entdecken. Mit schlechten Augen, dafür umso stärkeren Beinen lässt sich jedoch auch einfach entlang der Blöcke spazieren und seitlich daran vorbeigehen. Zwar ein Umweg aber wer weiß, vielleicht gibt es entlang der schattigen Wege ja den ein oder anderen spannenden Ort oder Shop zu entdecken oder es wartet gar die/der zukünftige/n Traumfrau/mann um die Ecke!?

Etwas anderes, was es in der Siedlung unter anderem zu entdecken gibt, sind die divergenten Gebäudestrukturen. Nur wenige der Bauwerke vor dem Erdbeben haben dieses überlebt. Manchen davon lassen sich in der City Wall wiederfinden. Hinzu kommen neue Zubauten, welche erst Jahre nach dem Bau der Siedlung ergänzt wurden. Zu erkennen sind diese relativ schnell, denn sie sind weder Zeile noch Turm. Sie sind in der Theorie also kein offizieller Teil der City Wall. Bedeutung für den Raum haben diese Orte natürlich trotzdem – sei es in ihrer Funktion oder ihrer Struktur. Der Green Market zum Beispiel prägt den Raum durch seine massive Gestalt, Nahversorgungsfunktion und Anziehungskraft sehr stark.

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Einen der spannendsten Aspekte der durch die Anordnung der Gebäude entstand, wollen wir euch an dieser Stelle nicht vorenthalten: Den Zwischenraum – der wie es der Name schon andeutet, von den länglichen Zeilen und den Türmen eingeschlossen wird. Über diesen wollen wir euch aber nicht zu viel erzählen, schließlich gilt es in den nächsten Tagen wieder einen Blogpost zu füllen und wir wollen unser Pulver noch nicht zu früh verschießen.

Geht dem Zentrum die Luft aus?
Den Aspekt der City Wall als physische Barriere aus Sicht der Fußgänger:innen haben wir bereits kennengelernt. Es gibt noch einen weiteren Punkt, der uns bei der Recherche auffiel, welcher immer wieder genannt wurde. Skopje ist wegen der südlichen Lage, vor allem im Sommer, eine heiße Stadt – so weit so wenig verwunderlich. Dass es in der Innenstadt üblicherweise noch wärmer ist als in den Randbereichen der Stadt, dürfte auch niemanden sonderlich überraschen. Wenn nun aber die kühlenden Frischluftströme vom neben der Stadt liegenden Berg Vodno irgendwie aufgehalten werden würden, wäre das natürlich unvorteilhaft und nicht gerade förderlich für das Temperaturempfinden.

Fällt euch irgendwas ein, was massiv und groß genug wäre, um so etwas zu bewirken? Einigen Expert:innen und auch Bewohner:innen schon – Überraschung! Es ist die City Wall. Zugute halten muss man Kenzo Tange aber, dass er eigentlich bauliche Lücken in den Gebäuden geplant hatte, um einen Luftaustausch zu gewährleisten – diese scheinen über die Jahre aber leider verloren gegangen zu sein. Mut zur Lücke schien wohl nicht gerade das Motto gewesen zu sein. Diskutiert werden das Fehlen der luftdurchlässigen Ausschnitte sowie die physische Barrierewirkung eigentlich auf allen von uns betrachteten Ebenen.

Der leere vierte Stock zur Verbesserung des Mikroklimas wurde weggelassen. Die offenen Erdgeschosszonen wurden mit Ladenlokalen gefüllt, welche die Frischluftströme von den Hängen des Vodno in die Innenstadt blockieren.

Maren Harnack, Wahrzeichen im Untergang – Skopje zwischen Trauma und Identitätssuche, 2010

It’s very permeable, because there are plenty of passages, the distance between these passages is walkable. It’s very pedestrian friendly, let’s say.

Slobodan Velevski, Professor an der Fakultät für Architektur, Universität in Skopje

Yes, the buildings are way too long and you cannot take a short-cut to a place you need to go, instead you have to walk the whole length of the building then go around it. The ground floors should have been passages, but are now shops.

Bewohner:in aus Skopje

Barriere, ja oder nein? Wie so oft herrscht, wie zu erkennen ist, auch hier eine gewisse Uneinigkeit. Das kommt uns irgendwie bereits sehr bekannt vor, scheint so ein Skopje-Ding zu sein. Über eine Sache sind wir uns aber einig: Wir wollen mehr darüber erfahren!

Ey Mann, wo ist mein Auto?
Gesagt, getan. Tauchen wir also in die Geschichten der Nutzer:innen ein, um unseren Blick zu schärfen. Was erregt Aufmerksamkeit?
Manche Shops sind zusätzlich zu den Passagen Abkürzungen durch die Gebäude. Das erfreut die müden Beine, schließlich erspart man sich Zeit und man findet vielleicht sogar noch etwas im Geschäft, was gefällt. Schon praktisch, solche Insiderinfos!

Noch etwas konnten wir herausfinden. An manchen Gebäuden ist etwas anders – es sind teilweise keine Balkone mehr da, wo früher welche gewesen sein sollen. Expert:innen sagen uns, dass viele Bewohner:innen ihren Wohnraum pragmatisch erweiterten oder zwei Wohnungen aus einer machen, indem sie den Grundriss durch das Zubauen der Balkone vergrößern. Aus eins mach zwei, sozusagen.

Pragmatisch ist das richtige Stichwort, denn wie eine Erweiterung der Nutzfläche noch aussehen kann, zeigen uns mehrere Aussagen bezüglich der Tiefgaragen. Nun, eine Garage ist zum Parken da meint ihr? Das sehen offenbar nicht alle so. So einen überdachten Platz im Trockenen nur für das Auto zu verwenden wäre doch Verschwendung. Das Fahrgestell lässt sich ja locker auch oben auf der Straße irgendwo hinstellen, und siehe da: der Garagenplatz kann als Lagerplatz genutzt werden.

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Dieses Vorgehen scheint weiter verbreitet zu sein als man denkt. Gerüchte über einen Bewohner der sich hier sogar häuslich eingerichtet hat, können wir nicht bestätigen aber auch nicht dementieren.
Ihr seht, vielseitig nutzbar ist die City Wall auf jeden Fall. Wie diese Nutzung  im öffentlichen Raum sonst noch aussieht erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

Bis dahin und haltet die Augen offen!
Euer Skopje-City-Wall Team

What the f*ck happend here?

Wie ihr im letzten Blogpost erfahren habt, ist die City Wall mit ihren vielen Facetten sehr prägend für die nordmazedonische Hauptstadt. Beim schlendern durch oder um das Zentrum ist die Großwohnsiedlung nicht zu übersehen. Von fast überall erhascht man einen Blick auf das metabolistische Werk.

Neben den weit gestreuten Symboliken für diesen dominanten Häuserkomplex war es uns wichtig, die verschiedenen Meinungen von Bevölkerung, Expert:innen aber auch jene, welche in der Presse vermittelt werden, zu erfassen. Wie wird die City Wall tatsächlich wahrgenommen und wie wirkt sich das auf den Umgang mit der City Wall aus? Wie ihr es von uns schon gewohnt seid, werden wir diese Thematik auch dieses Mal wieder auf verschiedenen Ebenen betrachten, um gemeinsam mit euch bei unserer Suche voran zu kommen und uns so der lokalen Identität der Siedlung anzunähern.

Skopje 2014 – Eine neue Ära?
Während wir die Weiten des Internets durchforstet haben und den Begriff der City Wall durch die Google Suchmaschine geschickt haben ist uns schnell aufgefallen, dass Kenzo Tanges Bauwerke durchaus polarisieren und Staub aufwirbeln. Gleiches gilt jedoch auch für andere Projekte in Skopje, über welche wir insbesondere bei der Literaturrecherche zu Kenzo Tanges City Wall gestolpert sind. Ein waghalsiges Projekt, das erst vor wenigen Jahren realisiert wurde, sticht hierbei besonders stark heraus: Skopje 2014. Was wir herausfinden konnten: Es handelt sich um ein kostspieliges Prestigeprojekt der mazedonischen Regierung. Es wird seitens der Fachwelt scharf kritisiert. So behauptete der serbische Architekt Srdjan Jovanovic Weiss prompt “…es wird versucht, alles zu verbergen, was Tange getan hat”. Nach genauerer Betrachtung ist uns dies ebenfalls aufgefallen.

Mit nahezu peinlichen Bemühen wurden neoklassizistische Kitschfassaden und protzige Statuen errichtet – Skopje als Stadt des Brutalismus schien nicht mehr erwünscht. Dies äußert sich auch dementsprechend – wie dem Zukurzkommen der Pflege dieses architektonischen Erbes, wie uns auch Bewohner:innen und Expert:innen berichtet haben. Handelt es sich bei der City Wall nun um das geschmähten Relikt eines vergangenen Architekturphänomens? Viel wichtiger die Frage – Was ist denn nun das “wahre Skopje” in dieser Stadt voller Unterschiede und kultureller Vielfalt?

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Würdet ihr denken, dass man von der linken Abbildung mit nur ein paar wenigen Schritten in das Disneyland der Antike (so frech betitelt die Presse das Projekt) kommt? Wir zunächst nicht, der Vergleich macht uns nun jedoch sicher: Die einseitige Schwerpunktsetzung der politischen Verantwortlichen sorgte für einen fragwürdigen Rekord – Nirgends in Europa finden sich auf so engem Raum dermaßen viele Statuen und Skulpturen.
Bei den Werken der 1960er Jahre geht es um die Frage, wie sich deren Vernachlässigung räumlich niederschlägt. Statuen suchen wir hier vergebens, vielmehr geht es darum, die Zeugnisse der damaligen Stadtgeschichte langsam verschwinden zu lassen. Wo sich keine neue Fassade draufklatschen lässt, wird dann eben eine Werbetafel davor gestellt – so schien das Motto gewesen zu sein. Und wenn nicht aktiv etwas unternommen wird, dann wird wenigstens das Gegenteil davon gemacht, nämlich gar nichts.

Nun, was ist daran schlimm, wenn nichts getan wird? Wenn sich niemand kümmert, wird es auch nicht besser – in diesem Fall der bauliche Zustand der Gebäude. Fehlende Investitionen und Renovierungen machen sich schließlich räumlich bemerkbar.

Ist das Stadt – oder kann das weg?
Nachdem wir die relativ eindeutige politische Sichtweise kennengelernt haben, ging es uns im Weiteren darum, Aussagen in Medien, von Expert:innen und die Meinungen der Anrainer:innen zu sammeln und diese unter die Lupe zu nehmen. Diese Vorgehensweise könnte euch vom vorangegangenen Kapitel der Symbolik vielleicht bekannt vorkommen und wird euch noch öfter begegnen.

In der Literaturrecherche tauchten vor allem drei Aussagen wiederholt an die Oberfläche. Neben der bereits beschriebenen Verdrängung war es immer wieder auch der bauliche Zustand, der laut Fachartikeln und Büchern zu wünschen übrig lässt. Woran das unter anderem liegt, haben wir ja bereits geklärt. Immer wieder wurden auch kritische Meinungen der Bevölkerung in der Literatur erwähnt. Dabei war vom fehlenden städtischen Bezug die Rede. Eine City Wall ist eben durchaus massiv und sehr raumprägend – irgendwie logisch, dass die Meinungen dabei auseinander gehen.

Als engagierte Forscher:innen verlassen wir uns natürlich nicht nur auf Literatur alleine, sondern wollten selbst in unmittelbaren Kontakt mit Skopjes Einwohner:innen kommen und sie nach ihrer Meinung fragen – wenn auch nur digital, aber darin sind wir mittlerweile schon Profis.

 

Die Bauten des Wiederaufbaus werden von den Bewohnern Skopjes oft als Fremdkörper empfunden.

Maren Harnack, Wahrzeichen im Untergang – Skopje zwischen Trauma und Identitätssuche, 2010

 

I don’t know if it’s the local people, I really don’t know what’s the problem there but some of the places are in really good condition but some of them are just like: What the f*ck happened here?

Aleksandra Milosheska, Architektin aus Skopje

 

I strongly wish this initiative would help for stronger maintenance for cultural architecture like the City Wall cause no one is seriously taking care of these buildings and their surroundings.

Bewohner:in aus Skopje

Diese Zitate sind lediglich ein kleiner Auszug aus den analysierten Inhalten. Wir mussten feststellen, dass die Tendenz eher negativ ist, jedoch gibt es durchaus auch positive Meinungsbilder. Über eine Sache grübeln wir besonders: Wer ist schlussendlich wirklich für den Zustand eines Gebäudes verantwortlich? Ist es zu eindimensional, indem man sagt, die bösen Politiker seien schuld? Wie lässt sich erklären, dass innerhalb der City Wall scheinbar recht große Unterschiede bei der baulichen Qualität herrschen? Fragen über Fragen, wie zu erkennen ist.

Mit qualmenden Köpfen und vollem Arbeitsspeicher erlangten wird dann zwei wichtige Denkanstöße durch die Gespräche mit Expert:innen. Erstmal sei gesagt, dass die City Wall nicht gerade klein ist, um es untertrieben auszudrücken. Dementsprechend geht eine Renovierung nicht von heute auf morgen, schon gar nicht auf einmal. Die Verantwortlichen sind mit der grundlegenden Frage konfrontiert: Wo soll angefangen werden? Dann gibt es noch die Eigentümer:innen, die ebenfalls Verantwortung tragen. Man soll vor der eigenen Haustüre kehren, wie es so schön heißt.

Die Beantwortung dieser Frage ist komplexer wie es vielleicht scheinen mag, zu viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Diese gilt es zu diskutieren, ebenso die Frage wie die City Wall nun baulich tatsächlich aussieht. Ist sie nun ein Fremdkörper, quasi die Chinesische Mauer oder gibt es doch das ein oder andere Schlupfloch hindurch?

Ihr dürft gespannt sein!
Euer Skopje-City-Wall Team

Was Metabolismus und ein Flugticket gemeinsam haben…

Sie ist eine Großwohnsiedlung im Zentrum von Skopje – das ist alles was wir zu Beginn von der City Wall wussten. Aber wofür steht der nahezu 1,5 km lange Häuserkomplex bei näherer Betrachtung wirklich?

Die aufregende Suche nach der lokalen Identität der City Wall führte uns ziemlich schnell zur Thematik der Symbolik. Während unserer Recherchen zu Beginn des Sommersemesters entdeckten wir in vielen Fachartikeln und Büchern, wofür die Großwohnsiedlung angeblich stehen soll. Der Literatur alleine wollten wir aber nicht blind vertrauen, daher machten wir uns zudem auf eine digitale Erkundungstour, um andere Meinungen und Sichtweisen aufzudecken. Dabei ist uns in den Sinn gekommen – Symbolik ist für jeden Menschen etwas anderes. Jeder verbindet gewisse Merkmale, persönliche Geschichten sowie Erinnerungen mit der City Wall. Im folgenden Blogpost möchten wir einen Teil unserer gesammelten Erkenntnisse dieser unterschiedlichen Assoziationen mit euch teilen.

Nur kahler Beton?
Die City Wall wurde in einer sehr schwierigen Zeit für Skopje erbaut. Das Erdbeben im Jahre 1963 hat rund 80 % der Stadt zerstört. Nun galt es, möglichst schnell, möglichst viel Wohnraum für die nun obdachlosen Bewohner:innen bereitzustellen. Der japanische Star-Architekt Kenzo Tange hat dennoch versucht, in seinem planerischen Entwurf auf die Geschichte der Stadt einzugehen. Dies tat er indem er Bezug auf die historischen Strukturen der Stadt nahm und die Großwohnsiedlung wie eine mittelalterliche Stadtmauer um die Innenstadt und das historische Zentrum plante.

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Was ebenfalls klar erkennbar ist, nämlich bei der Analyse der baulichen Elemente der Siedlung, sind zwei relevante architektonischen Strömungen der damaligen Zeit, die Kenzo Tange meisterhaft vereinte: Japanische Metabolismus und Brutalismus. Die Merkmale des Brutalismus, wie experimentellen Formen, massive Bullaugen ähnliche Fenster, der Sichtbeton oder die geometrische und schmucklose Gestaltung sind auf den einzelnen Gebäude-Blöcken der City Wall klar sichtbar. Und dies nicht nur für die geschulten Augen eines Architekten oder Planers, sondern für jederfrau/mann.

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Im restlichen Stadtgebiet von Skopje finden sich eine Vielzahl an Bauwerken, welche dem Stil der City Wall entsprechen und von diesem maßgeblich beeinflusst wurden. Sehr markante Beispiele sind unter anderem das Postamt – die Pošta – oder das Studentenheim Goce Delchev. Egal ob real vor Ort oder via digitalen Spaziergang – all diese baulichen und strukturellen Elemente sind in der Großwohnsiedlung spielend schnell zu erkennen, aber was ist mit den restlichen Assoziationen?

Solidarität vs. Barriere
Neben den baulichen Symboliken, welche sich in den Strukturen wiedererkennen lassen, haben wir durch den direkten Vergleich von Aussagen verschiedenster Ebenen bzw. Akteur:innen einige neue Sichtweisen aufdecken können. Gegenübergestellt haben wir die Aussagen in deutschen und englischsprachigen Medien, die Aussagen von Expert:innen und die Meinung der Anrainer:innen. Dabei hat sich folgendes herausgestellt: Die typischen Symboliken, wie die bereits angesprochenen architektonischen Strömungen oder der Link zur Geschichte, sind in allen drei Ebenen vertreten. Wir haben durch diese Methode aber auch andere Erkenntnisse gewonnen, welche wir mit euch in Form von kurzen Zitaten teilen.

 

Als die Hilfsgüter für den Wiederaufbau nach Skopje kamen, wurde die Stadt schnell als “Stadt der Solidarität” bezeichnet.

Srdjan Jovanovic Weiss, The Architect’s Newspaper, 2017

 

It is emblematic and defining. No matter where you are in the city center, all the time you have certain sequences of the city wall in front of you.

Slobodan Velevski, Professor an der Fakultät für Architektur, Universität in Skopje

 

It is a wall. It blocks the air and the view.

Bewohner:in aus Skopje

Es gibt viele verschiedene Assoziationen, welche, neben den baulich sichtbaren Merkmalen, mit der City Wall verbunden werden. Die oben angegebenen Zitate sind vereinzelte Beispiele.Wie wir festgestellt haben, gehen die Sichtweisen sowohl zwischen als auch innerhalb der festgelegten Gruppen in unterschiedliche Richtungen. Grundsätzlich zeichnet die Siedlung eine Vielzahl an verschiedenen Symboliken aus. Doch sind all diese Gedanken genug um die City Wall in ihrer symbolischen Kraft zu beschreiben?

Ein Flug ins Herz der City Wall
Geht man von dieser theoretischen Betrachtungsweise einen Schritt weiter in die gelebten Symboliken der Bewohner:innen, ist zu erkennen, dass die City Wall genauso wie die meisten anderen Bereiche einer Stadt einen Alltagsraum darstellt. Menschen verbinden mit dem Gebäudekomplex ihr Unileben – Lernen im Freien und ein Bier trinken in der Bar -, den Umzug in die erste eigene Wohnung oder sogar den Kauf des allerersten Flugtickets. Bei der näheren Auseinandersetzung mit der Siedlung haben wir viele aufschlussreiche Erkenntnisse gewonnen und können jetzt die Symbolik der Siedlung aus all ihren Perspektiven besser verstehen. 

Im nächsten Blogpost werden wir euch die verschiedenen Ebenen des Umgangs mit der Großwohnsiedlung näher bringen. Wie beim letzten Mal schließen wir auch heute mit einem kurzen Teaser! Was es mit dem Foto auf sich hat und was die Verbindung zur City Wall ist, erfahrt ihr im nächsten Beitrag.

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Bleibt gespannt!
Euer Skopje-City-Wall Team

Field Trips ohne Field Trip

Leider haben sich unsere Befürchtungen als wahr herausgestellt – eine Reise nach Skopje, Nordmazedonien ist aufgrund der aktuellen Lage rund um COVID-19 schwer umsetzbar. Aktuell herrscht für Nordmazedonien die Reisewarnstufe 6 und vor Ort gibt es einige Beschränkungen im öffentlichen Raum, weshalb eine Reise sowie Forschung vor Ort gerade sehr fern wirken. Die Entscheidung, unseren Trip aufgrund der Umstände nicht anzutreten, hat uns, nachdem wir bereits mit mehreren sehr hilfsbereiten Nordmazedonier:innen in Kontakt waren und eifrig kulturelle Geheimtipps notiert haben, natürlich bestürzt.

Von diesem Hindernis lassen wir uns jedoch nicht aufhalten! Mit viel Motivation setzen wir unsere Forschung in angepasster Form – einem rund zweiwöchigen, intensiven Workshop – von Wien aus fort, um bereits gesammelte Inhalte zu ergänzen. Der hoffnungsvolle Gedanke, die Reise im Frühjahr nächsten Jahres doch noch nachholen und die City Wall live vor Ort sehen zu können , ist dabei ein ständiger Begleiter.

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Nach Absprache mit dem Lehrendenteam haben wir uns diese Woche in den frühen Morgenstunden zum ersten Workshoptag getroffen und wurden zugleich mit der ersten großen Aufgabe konfrontiert: Die Inhalte und Methoden entsprechend der aktuellen Lage zu adaptieren und digital umzusetzen. Kein einfaches Unterfangen für eine wissenschaftliche Arbeit, welche grundlegend darauf beruht, den öffentlich Raum mittels Feldforschung zu untersuchen und in einen intensiven Kontakt mit den dort ansässigen Akteur:innen zu treten.

Mit reichlich Kaffee und kreativem Geist haben wir deshalb unseren Forschungsantrag Schritt-für-Schritt durchgearbeitet und sind nach einem halben Tag zu folgendem Ergebnis gelangt: Die Struktur unserer Forschung basierend auf den drei Säulen TO BE, TO SEEM, TO LIVE mit den fünf Themenfeldern – Symbolik, Umgang, gebaute Strukturen, Funktionen und Angebote im (halb-)öffentlichen Raum sowie soziale Gruppen – kann fortbestehen. Jedoch müssen die Art unserer Forschungsarbeit und die Methoden substanziell modifiziert werden. So werden wir den geplanten Kontakt mit Anrainer:innen vor Ort durch digitale Lösungen und Onlinemedien ersetzen. Hierfür haben wir einen interaktiven Online-Fragebogen erstellt, der bisher umfangreiche Resonanz erlangt hat. Unsere geplanten Begehungen in der Großwohnsiedlung werden wir hoffentlich ebenfalls digital umsetzen können, und zwar über eine virtuelle Rundführung mit einer unserer Kontaktpersonen in Skopje – eine Antwort hierfür steht jedoch noch aus.

Wie es aktuell aussieht, lässt sich also doch ein wesentlicher Teil unserer Forschung alternativ digital abwickeln. Wir sind in dieser Hinsicht guter Dinge, denn: Die Nordmazedonier:innen, mit denen wir bisher in Kontakt getreten sind, sind uns sehr unterstützend entgegengekommen und haben uns zudem intuitiv Hilfe angeboten.

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Leider sind tägliche Updates und Dokumentationen zu unserer Expedition in Form eines Reisetagebuchs in unserem Fall nicht möglich. Wir haben uns deshalb dafür entschieden, euch im Laufe der nächsten zwei Wochen den Fortschritt unserer Recherchen, Interviews und Befragungen in kompakter Form zu präsentieren. Als kleinen Vorgeschmack zu den nächsten Beiträgen möchten wir euch ein aufschlussreiches Zitat zu unserer ersten Thematik, der architektonisch- und geschichtlichen Symbolik der City Wall, darlegen. Das Zitat stammt aus dem Expert:innengespräch mit der liebevollen Katerina Mojanchevska, welches wir vor rund 2 Wochen geführt haben.

The City Wall is one of the most markant images of Skopje. It’s directly related to the story of Skopje…that it was destroyed, then rebuilt through the solidarity of it’s people and of people abroad. It is a representation of this City of Solidarity, as Skopje was once called.

Katerina Mojanchevska, PhD Social Studies

Wir freuen uns, euch beim nächsten Blogpost mehr Einblicke zum Thema zu geben!
Liebste Grüße und bleibt gesund,
euer Skopje-City-Wall Team

Skopje – City Wall // Suche nach lokaler Identität

Zdravo na site! – Hallo zusammen!
Nach langem Warten und einigen Verzögerungen ist es hoffentlich bald so weit. Wir – Kathi, Simon und Tobi – können es kaum erwarten, unsere Forschungsreise nach Skopje, Nordmazedonien anzutreten. Die Zeit steht nicht still, die Uhr am Bahnhof Skopje seit 1963 schon. Grund dafür ist ein verheerendes Erdbeben, welches den Großteil der damaligen Stadt zerstört hat. Mit internationalem Engagement wurden Entwürfe für den Wiederaufbau entwickelt, die eine neue Zeitrechnung in der Stadtgeschichte von Skopje eingeleitet haben. Prominentestes bauliches Zeugnis hierfür und daher Ziel unserer Reise ist die City Wall, ein Entwurf des Japanischen Architekten Kenzo Tange, im  Zentrum der Stadt.

Wie tickt Skopje?
In Skopje war und ist die Frage nach der Identität schon immer allgegenwärtig. Grund dafür ist unter anderem die geschichtliche Entwicklung mit diversen Einflüssen und Ereignissen, die Skopje zu einem kulturellen Schmelztiegel geformt haben. Ausgestattet mit Stift, Papier und Motivation widmen wir uns während unserer Expedition der Forschungsfrage, wie die City Wall funktioniert und welche Elemente und Merkmale deren lokale Identität prägen. Mit geschärftem Blick erkunden wir die Wirkung und räumlichen Gegebenheiten der Siedlung sowie das Nutzungsverhalten der Bewohner:innen vor Ort. Um voll in das Geschehen einzutauchen, werden wir in der City Wall übernachten, vergnüglichen Plausch mit Anrainer:innen halten und versuchen, allerlei wunderliche Orte zu entdecken. Über all dies informieren wir euch in diesem Blog. Die Uhr tickt!

Do togaš! – Bis dahin!