London – Lillington Gardens // Das alltäglich Banale

»Das, was jeden Tag geschieht und jeden Tag wiederkehrt, das Banale, das Alltägliche, das Selbstverständliche, das Allgemeine, das Gewöhnliche, das Infra-Gewöhnliche, das Hintergrundgeräusch, das Übliche, wie soll man sich seiner bewusst werden, wie soll man es befragen, wie es beschreiben? Das Übliche befragen. Aber das ist es ja, wir sind daran gewöhnt. Wir befragen es nicht, es befragt uns nicht, (…) wir erleben es, ohne daran zu denken, als transportiere es weder Frage noch Antwort, als sei es nicht Träger irgendeiner Information.«


Georges Perec, L’Infra-ordinaire, 1989 

 

Lillington Gardens in London gilt als ein Pionierprojekt des sozialen Wohnbaus in England in der Nachkriegszeit. Seine architektonische Raffiniertheit kombiniert mit einer durchdachten, detaillierten  Planung wird noch nach 60 Jahren als ein Vorzeigeprojekt behandelt. Das Konzept des verdichteten Wohnbaus ermöglicht den Bewohnern intime, private Wohnräume, aber erlaubt gleichzeitig auch mehr Gestaltungsfreiheiten in gemeinschaftlichen Bereichen.

Durch die Vermischung des sozialen Wohnens und des Eigentums entsteht dabei aber eine Gentrifizierung, wodurch differenzierte Bewohnergruppen (Mittel- und Arbeiterschicht) verursacht werden. Es entstehen demnach auch unterschiedliche Manifestierungen in deren Raumaneignung, die wir in unserer erfroschen möchten.

Um uns mit den Identitäten der Bewohner vertraut zu machen, wollen wir im ersten Schritt die Idee des „Fenster zum Hof“ umsetzen. Das soll uns helfen, das Zwischenmenschliche auf natürliche und unverfälschte Weise auszuloten und zu beobachten. Die Fensterfronten in Lillington Gardens, die sich zu den Innenhöfen orientieren, rahmen den Alltag und die Benutzung der Gärten der Bewohner ein: Mittels Kartierungen, „voyeuristische“ Fotografien, Skizzen halten wir unsere Beobachtungen fest und hoffen, dass wir somit Rituale oder tägliche Gewohnheiten mitbekommen, beispielsweise das gemeinsame tägliche Gärtnern von zwei Nachbarn.

Basierend auf der Beobachtung wollen wir im nächsten Schritt als Einwohner uns in den Alltag integrieren und die Rollen wechseln. Die Umsetzung dieser Idee wäre etwa das Gärtnern und Anpflanzen in den Gartenanlagen. Wir erhoffen uns auf diese Weise einen regen Austausch mit den Bewohnern, und wollen uns aktiv in der Gemeinschaft beteiligen und die Idee des Zurückgebens verfolgen. Das Geerntete, wie beispielsweise Gemüse oder Kräuter, wollen wir den Nachbarn anbieten und schenken und treten in Interaktion mit ihnen. Wir befragen somit das Banale im freien Gespräch und bieten gleichzeitig etwas von uns an. Wir erhoffen uns, dass wir uns somit den Nachbarn annähern und einen besseren Einblick in ihr Leben und Alltag bekommen.