Tag 2 – Freiräume ohne Zuständigkeit

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Der Corviale wurde zwischen 1975 und 1982 nach den Plänen des italienischen Architekten Mario Fiorentini errichtet, der sich bei seinem Entwurf ganz an der Vorstellung einer idealen Stadt nach Le Corbusier orientierte. Eine der Grundideen Corbusiers war dabei die funktionale Gliederung der Stadt in Wohnen, Arbeiten, Freizeit & Erholung sowie Fortbewegung. Das funktionale Element Freizeit und Erholung sollte dabei im unmittelbaren Wohnumfeld ermöglicht werden und auf das Kollektiv der BewohnerInnen ausgerichtet sein. Auch im Corviale wurde diese Idee beispielsweise in Form eines Amphitheaters im öffentlichen Raum umgesetzt. Das Prinzip der autogerechten Stadt und der strengen Trennung von Fußgänger- und Autoverkehr dominieren den öffentlichen Raum rund um das Gebäude, was sich unter anderem an den großzügig angelegten Verkehrsflächen für den motorisierten Individualverkehr erkennen lässt. Hand in Hand mit dieser strikten Trennung und funktionalen Zuschreibung von privaten und öffentlichen Räumen geht eine bestimmte Vorstellung, wie sich die Menschen dort im Idealfall zu verhalten haben. Den Räumen werden somit bestimmte soziale Interaktionen zugeschrieben.

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Durch die strikte Einteilung des angrenzenden öffentlichen Raums in funktionale Einheiten wird dieser in viele Teile zerschnitten in denen zwar die einzelnen Funktionen ablesbar sind, aber die Wahrnehmung als zusammenhängende Einheit geht verloren. De facto existiert hier kein Freiraum, weil der öffentlicher Raum die Restfläche allen verplanter Flächen darstellt. Eine Rechnung, Fläche – Bebauung,- Verkehrsfläche,- Sportfläche, – Parkplatz = Öffentlicher Raum, Naherholung, schafft zwar eine Fläche in der auch ein Spielplatz und Parkbänke Platz haben aber, keinen keinen zusammenhängenden qualitativen Freiraum der sich an den Bedürfnissen der 3000 BewohnerInnen orientiert. Und obwohl es hier scheinbar viel Platz gibt, stehen die Flächen die tatsächlich als Erholungsfläche nutzbar sind in keiner Relation zu der Größe des Gebäudes und der Anzahl an Menschen. Ein Teil des Freiraums vor dem Corviale wurde zwar 2005 revitalisiert, doch leider wurde an der grundsätzlichen Gliederung und Zugänglichkeit der Freiflächen nichts geändert. Diese ist seit der Errichtung des Gebäudes in den 60er Jahren gleich geblieben und hat nichts mit den tatsächlichen Bedürfnissen der BewohnerInnen zu tun. Strenge geometrischen Formen und rechte Winkel zerschneiden das wenige an Freifläche das für die Menschen noch da ist.

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Mapping – öffentliche Freiflächen Corviale

Die Freiflächen hinter dem Corviale Grenzen an ein Art Naturschutzgebiet, das vom Corviale aus jedoch schwer zugänglich ist, da man erst einen Graben überwinden muss in der teils illegale und legale “Schrebergärten”, sowie Kleinviehhaltung zu finden sind. Ein Grund für die schlechte bis nicht vorhanden Planung und Instandhaltung des Freiraums liegt an der Tatsache dass die Wohnbaugenossenschaft Ater behauptet nicht zuständig zu sein für die angrenzenden Freiflächen, weil sie gar nicht Eigentümer sind, sondern die Region Latium?????

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https://www.lauraperettiarchitects.com/project/rigenerare-corviale/

Wie geht es mit dem Freiraum in Zukunft weiter? 

2015 hat die Wohnbaugesellschaft ATER einen Architekturwettbewerb durchgeführt bei dem es darum ging die Erdgeschosszone des Corviales zu optimieren. Gewinner des Wettbewerbes war das Architekturbüro von Laura Peretti. Mit ihrem Entwurf soll vor allem das Erdgeschoss durchlässiger gemacht werden.

 

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