Tag 1 – räumliche Annäherung

 

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Schon der erste Besuch des Geländes stellt sich als Herausforderung dar. Rund 10 Minuten Luftlinie liegen zwischen dem Corviale und meinem Apartement, doch die verbaute Umgebung und fehlenden öffentlichen Durchgänge verlängern den Hinweg auf fast eine dreiviertel Stunde. Stacheldrahtzäune ziehen an mir vorbei als ich dem Gebäude immer näher komme.

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Dass Italiens Abfallentsorgung bei Weitem nicht mit jener von Wien vergleichbar ist, ist klar. Trotzdem wirkt die Gegend rund um den Corviale auch für Rom besonders verdreckt zu sein. Alte Autokarosserien, überquellende Müllcontainer und verstreuter Sperrmüll häufen sich an, als ich mich dem Gebäude nähere. Aus diesem Berg aus Müll wächst er dann empor, bis ich schließlich direkt vor ihm stehe: Der Corviale.

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Schon die räumliche Annäherung gestaltete sich schwierig, gerade zu unmöglich ohne Auto. Und auch das Eindringen in das Gebäude ist keine leichte Aufgabe. Fußgänger spielen hier eine untergeordnete Rolle und ich verlaufe mich beinahe in den unzähligen Stiegenaufgängen, Schächten und Gängen, in denen es nicht mehr weiter geht. Doch genauso schnell sie sich verschließt, so schnell gibt sie Wege und Blickwinkel wieder frei. 

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Einmal im Inneren angelangt, ändert sich die Tonlage. Die Mauer, vorher so abweisend, wird lebendig und frei. Ihre Bewohner rufen sich durch die Gänge zu, selbst ich wurde zwischen den rund 8000 EinwohnerInnen als eindeutig fremdartig erkannt und mehrmals angesprochen. „… Architecto…?” “…Si!…” oder so ähnlich liefen die Konversationen dann ab. Schon der Fotograf Otto Hainzl, die Anrainerin Brigitte Cordes und wahrscheinlich auch unser Instinkt haben uns vorgewarnt, dass man sich mit Englisch hier nur schwer durchschlagen wird. Trotzdem: Die ersten Eindrücke sind positiv und der Optimismus über die bevorstehenden Tage überwiegt.

 

 

 

 

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