Genua – Le Lavatrici // It’s a compromise!

 

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Der Schwerpunkt unseres zweiten Tages in Genua war ein weiteres Gespräch mit Fachleute. Prof. Gian Luca Porcile hat für uns ein Treffen im Büro des Architekten Antonio Lavarello organisiert, der uns eine weitere Tiefe über dem Hintergrund des „Lavatrici“-Architekten, der Konzeption und der Realisierung des Wohnkomplexes verleiht hat.

Aldo Luigi Rizzo, der Architekt des „Lavatrici“ wurde in Como geboren, eine Stadt die stark vom Rationalismo geprägt war, Tatsache die in seiner Formensprache abgelesen werden kann. Er hat sein Studium beim genuesischen Architekten und Planer des Referenzprojektes Forte Quezzi, Luigi Carlo Daneri, abgeschlossen, von dem er im Funktionalismus eingeweiht wurde.

Die Zeitspanne in der das Projekt „La Lavatrici“ erbaut wurde, stellte sowohl einen politischen als auch einen architektonischen Wendepunkt dar, was unter anderem eine negative Wahrnehmung des Wohnkomplexes verursacht hat. In 1962 wurde in Italien ein Enteignungsgesetz eingeführt der als Ziel das Errichten von Sozialbauten hatte. Das „Lavatrici“ wurde aber nach dem Höhepunkt des Sozialbaus und dem Bewölkerungswachstum in Genua errichtet, in einer Zeit ohne zu viel Bedürfnis für diese Projektdimension. Dieser unstabile Sozialrahmen zur Zeit der Planung wurde dann weiters auch in der Ausführung zwiegespalt. Die Hälfte des Wohnkomplexes wurde vom Staat und die Andere von der Cooperativa, einer sozialen Genossenschaft, gefördert, was Unterschiede in der Qualität der Bausubstanz verursacht hat. Diese Zusammenarbeit des Staates mit der Cooperativa hatte, verglichen zu vorigen Sozialbauten, den Vorteil einer Wohnqualitätssteigerung, die näher an den damaligen zeitgenössischen Bedürfnissen lag.

Ein weiterer Kontrast der damaligen Zeit ist durch die Architektursprache zu verstehen. Aldo Luigi Rizzo plante das „Lavatrici“ als brutalistisches Komplex während die Postmoderne in den genuesischen Kontext auftritt. Weiters kann das Projekt als ein Ausgleich zwischen der Diga di Begato und dem Colle degli Ometti angesehen werden. Das erste dieser Sozialbaukomplexe wurde als eine durchgehende mächtige Anlage, wie eine Festung konzipiert, wobei der Andere durch einen dörflichen Stil und menschlicheren Maßstab gekennzeichnet ist. Pegli 3 war ein Mittelweg zwischen diesen zwei Ansätzen, es stellt die Idee eines urbanisierten Dorfes dar und bildet ein territoriales Wahrzeichen. Dieses Spiel zwischen den Maßstäben ist in der Wahrnehmung von der Ferne und dem Vorort-Erleben wiederfindbar. Wegen seiner Gestalt erscheint es aus der Weite wie ein Monster, der die Landschaft besetzt hat wobei im Inneren die Landschaft eingerahmt wird und dadurch das Projekt näher dem menschlichen Maßstab gebracht wird.

2 Kommentare zu “Genua – Le Lavatrici // It’s a compromise!

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