Zwischen Literatur und Architektur – von Bijlmer nach Amsterdam Centraal – ein induktiver Prozess

In der neuen Woche starten wir in alter Frische wieder im Bijlmer Zentrum, diesmal wollten wir weitere Informationen über die Geschichte des Gebiets sammeln aus Literatur und fotografischen Exemplaren in der OBA Bijlmerplein.

Das OBA ist keine Bibliothek im gewöhnlichen Sinn. Das neue Gebäude hat zwei Etagen mit vielen Fenstern und einen Innengarten. Es ist offen und leicht. Unten grenzt das Gebäude an den Bijlmerplein, oben am Bijlmerdreef verläuft eine Treppe entlang der Fassade zum Einkaufsviertel. Diese Treppe ist innen und außen gespiegelt.

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Die Aktivitäten werden sowohl vom OBA als auch vom Imagine IC organisiert. Diese beiden Organisationen kennen sich gut. Bevor der Umzug in das neue Gebäude stattfand waren die beiden Organistationen bereits in einem Gebäude situiert. Marlous Willemse ist Direktor von Imagine IC. „Das Leben und Arbeiten mit dem OBA war so gut, dass wir beschlossen, das neue Gebäude auch zu teilen. Gemeinsam haben wir ein breites Programm, um unsere Nachbarschaft und Stadt anzubieten. ‘ Sie haben die gleiche Hausnummer und teilen sich das Büro und die Aktivitätsbereiche. Imagine IC organisiert genau wie das OBA Ausstellungen und Debatten. Sie bereichern sich gegenseitig. ” So sieht der Direktor auch die Zusammenarbeit. ‘Das OBA ist für die Anwohner freizugänglich. Ein solcher offener Raum ist von großer Bedeutung für das Engagement der Menschen beim Sammeln des Erbes ihrer eigenen Zeit und ihres eigenen Ortes.

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Es ist ersichtlich dass die Zusammenarbeit funktioniert. Ein großes Blasenschild der charakteristischen Wabenwohnung Daalwijk hängte für die Eröffnung des neuen Standortes in der Vitrine. Es ist eine Leihgabe des Amsterdamer Museums. Willemsen: „Es ist Teil des Erbes unserer Nachbarschaft und eine wichtige Erinnerung an die fast fünfzigjährige Geschichte der Hochhäuser im Bijlmermeer. Wir haben jetzt den Raum, um dieses wichtige Erbstück zu zeigen. ”

Die MitarbeiterInnen waren äußerst freundlich und zuvorkommend und haben uns detailliert die Geschichte des OBA erläutert, sodass wir vollkommen das Zeitgefühl verloren haben. Sodass der Nachmittag schon unlängst begonnen hatte. Auf unsere Fragen wie dieses “neuartige Zentrum” von der Bevölkerung in den letzten Jahren aufgenommen wurde kamen durchaus positive Resonanzen. Es wird ein sehr herzlicher Umgang miteinander gepflegt, jedoch muss man auch anmerken dass an diesem Ort nur jene BewohnerInnnen der Nachbarschaft sind die auch wirklich Interesse für Literatur und Kunst zeigen.

 

Durch den bedingten Zeitstress war ein Mittagessen heute nicht möglich und musste durch einen kleinen Snack ersetzt werden. Nach einer umfassenden Analyse von Bijlmer und einem kleinen Einblick des neuen Stadterweiterungsgebiet Ijburg war es für uns nun auch mal an der Zeit das Zentrum von Amsterdam zu erreichen.

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Unser erster Halt war das Architekturzentrum. Das  Gebäude befindet sich neben dem NEMO Science Museum und sieht im Vergleich zu dem Gebäude ziemlich klein aus. Das Gebäude wurde von René van Zuuk entworfen und ist ein kompaktes, skulpturales Gebäude, das aus drei Ebenen besteht. Die derzeitige Ausstellung handelt von der Amsterdamer Stadtentwicklung im Zeitraum von 2000 – 2030. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Kontext um Wohnungsbau, räumliche Ambitionen und Großstadtprojekte mehrmals radikal verändert. Die Ausstellung visualisiert diesen Transformationsprozess und die zukünftige Entwicklung in einer Zeitleiste ab.

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Amsterdam ist bautypologisch gesehen eine sehr vielfältige Stadt und so unterschiedlich wie die Bebauung sich in den einzelnen Bezirken über die Jahrzehnte entwickelt hat, so hat sich auch der Sinn des Planungsverständnis verändert. Vom Volumenbau bis zum Hochhausbau, von der alten Ikone (Silodam) zur neuen Ikone Nord-Süd Linie Der Entwicklungsprozess dieses Zeitraums wird anhand von Daten der Statistik Niederlande erläutert.

 

Unseren Tagesausklang haben wir in einem Cafe in der Amsterdamer Innenstadt verbracht. Diesmal wollten wir vom kleinen in den großen Maßstab gehen und waren auf der Suche nach Einheimischen (zwischen den hunderten deutschen Touristen), um sie nach deren Meinung über Amsterdam Zuidoost – Bijlmer zu befragen. Die Antworten waren eher einschlägig; die meisten der Befragten meiden das Gebiet.

Eine der genannten Gründen war die dezentrale Lage des Viertels, ausgehend von dem Mangel an Einrichtungen wie Lokale, Restaurants sowie auch Museen und/oder Kulturzentren. Unter den Befragten waren insbesondere für Frauen ein Punkt besonders wichtig – Sicherheit. Fast jede von den etwa zehn befragten Frauen im Stadtzentrum, sagten sie fühlen sich nicht sicher in Bijlmermeer.

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Alles in allem sind wir zufrieden über das dazugewonnen Wissensspektrum sowie auch weiteren Detailinfos von Bijlmer in der Bibliothek, ebenso über die Entwicklung der Architektur in den letzten 20 Jahren und kehren zu unserem Hotel zurück. Bijlmer ist einzigartig – diesen Satz trug vor einigen Tagen einer unserer Blogeinträge und heute sahen wir wieder, dass es kein vergleichbares Gebiet in Amsterdam sowie auch sonst irgendwo in den Niederlanden existiert, dessen Charakter so widersprüchlich von innen- und von außen- gesehen wird. Trotz allem versuchen wir objektiv zu bleiben, obwohl es nicht leicht ist und sind gespannt, wie wir diese Objektivität auch in die Endergebnisse übertragen werden.

 

Euer Amsterdam-Team,

Gabi und Martin

 

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2 Kommentare zu “Zwischen Literatur und Architektur – von Bijlmer nach Amsterdam Centraal – ein induktiver Prozess

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