Stadtentwicklung in Amsterdam

 

Klassisch für die Nachkriegszeit wurden in den 60er Jahren neue Flächen für Stadtentwicklungsgebiete gewidmet. Eine davon war Bijlmermeer – damals war dieses Viertel noch eine reine Wasserfläche, jedoch wurde sie aufgeschüttet und besteht ist heute geprägt durch ein Wohnviertel mit Hochhäusern und Reihenhäusern. Diese Praxis findet auch noch heutzutage  Planungsprojekten Anwendung,  welche zur blauen und/oder grünen Infrastruktur gehören. 

Amsterdam steht genauso wie Wien unter großem Druck des Bevölkerungswachstums, die Problematik die sich aber vor allem in Amsterdam erkennen lässt ist ein teilweise enorm hoher Flächenverbrauch für niedrig geschossige Wohnkomplexe. Heute stellen wir zwei komplett neue Stadtentwicklungsgebiete in Amsterdam vor stellen uns die Frage: Wie werden die Themen in Bezug auf soziale, wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit in Amsterdam behandelt?

Das erste Gebiet befindet sich in IJburg – eine künstlich angelegte Insel, im Osten von Amsterdam. Bereits im Jahr 1999 wurde mit dem Bau der ersten Anlage begonnen. Aufgrund des steigenden Drucks des Bevölkerungszuzuges nach Amsterdam entschied man sich 2014 weitere Anlagen in IJburg zu errichten, nach Fertigstellung aller geplanten Projekte soll die Nachbarschaft 18.000 Wohnungen für 45.000 Einwohner bieten. 

Ijburg

Eines der prägnantesten Projekte ist Sluishuis, es unterscheidet sich allein schon von seiner Größe und Struktur komplett zum Rest der Gebäude auf den Inseln und wird das erste schwimmende Bauwerk im Stadtteil Ijburg. Das Design des gemischt genutzten Gebäudes ist von seiner komplexen Umgebung inspiriert, insbesondere von der dichten Stadt mit einer großen Infrastruktur auf der einen Seite und weiten Landschaften mit kleinen städtischen Siedlungen auf der anderen Seite. Das Sluishuis-Gebäude wird mit angehobenem Zentrum in Richtung IJburg abgewinkelt, wodurch eine große Öffnung entsteht, durch die Wasser aus dem See in den Innenhof und Sonnenlicht in die inneren Wohnungen des Gebäudes gelangen kann. Sluishuis unterscheidet sich aus drei verschiedenen Blickwinkeln. Von einer Seite ähnelt es einem Schiffsbogen mit einem Gewässer darunter, während es von einer anderen Seite eine vertikale grüne Gemeinschaft darstellt. Von der dritten Seite scheint es sich um eine städtische Struktur zu handeln, die auf die Straße führt.

Visualisierung

Das zweite Gebiet liegt unmittelbar in der Nähe von Bijlmermeer und ist geschichtlich von vielen Ereignisse geprägt. Das E-buurt war anfangs ein See, dann befanden sich dort Hochhäuser aus den 60er Jahren in Wabenformationen, welche in den 90er abgerissen wurden. Die Fläche wurde nach dem Abriss freigelassen und Flora und Fauna haben einen städtischen Habitat gefunden. Bereits vor 30 Jahren war geplant, dass hier ein Wohnviertel mit Reihenhäuser entsteht. Da das Interesse an diesem Stadtteil wächst, entschieden sich Gemeinde und private Investoren dieses Gebiet neu zu planen. 

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Zur Zeit befinden sich hier Rasenflächen und Bäume, welche oft von den BewohnerInnen “informell” zum Grillen und Picknicken genutzt werden. Laut Mr. Troche sind das “Brownfields” für die eine planerische Neugestaltung vorgesehen sind. Wie man auf Darstellung sehen kann, gibt es ein paar Hochhäuser die in Planung sind, aber ohne Wohnnutzung, sie sind lediglich für  Büro- und Gewerbenutzung bestimmt. Da genau in diesem Teil mehrere Bäume weg müssen, werden diese durch begrünte Fassaden ersetzt. Klassische Reihenhaussiedlungen im Süden Amsterdams haben sich im Laufe der Jahre bewährt und werden auch hier gebaut. Eine Dachbegrünung soll dafür sorgen, dass man von den nahe liegenden Hochhäuser die Fläche noch immer als Grünraum wahrnimmt. Wie man aus unten abgebildeten Plänen erkennt sind verschiedene Nutzungen wie Urban Gardening, Spiel- und Sportplätze sowie ein Platz mit Sitzmöglichkeiten im Norden des Gebietes geplant.   

Untitled-1

Auf die Frage wie man es schafft in Zukunft ein Zuhause für die stark wachsende Bevölkerung nur mit diesen Bebauungsstrukturen zu realisieren, waren die Experten nicht einstimmig. “Es gäbe genug weitere Flächen, welche umzuwidmen wären” – sagte Mr. Troche. Da in den Niederlanden ein Naturschutzgebiet in Mitten des Landes als Sperrzone ausgewiesen wurde, kann hier keine bauliche Entwicklung urbaner Strukturen stattfinden.

Somit muss man weiter künstliche Insel anlegen und innerstädtische “braune” Flächen umwidmen und bebauen. Die Idee etwas höher zu bauen und so größeren Wohnraum zu schaffen, bleibt in Amsterdam unbeliebt, obwohl sich eine größere Masse an Menschen eher eine Wohnung in einem Hochhaus leisten könnten, anstatt “ein Haus im Wasser” oder ein Reihenhaus in der Peripherie. 

Wir fragen uns jedoch was passieren wird, wenn die Stadt weiter ins Wasser wächst. Obwohl wir selber diese neue Bauten als attraktiv empfinden, verstehen wir nicht, wie diese Projekte für die Mittelklasse leistbar sind. Wenn wir an soziale Gerechtigkeit denken, finden wir dass das Angebot, nicht die Nachfrage abdecken kann. Ein weiteres Thema, welches wir mit Skepsis beachten ist die ökologische Nachhaltigkeit. Wenn man so einfach künstliche Insel ins Wasser baut und grüne Flächen in Bauland umwidmen kann, weil sie nicht “genug grün” sind, was bleibt dann unserer nächsten Generationen noch übrig? Amsterdam und vor allem Bijlmermeer ist ein Gebiet, welches durch die unterschiedlichsten Flora- und Fauna Arten geprägt sind. Wir haben das Gefühl, dass das Leute sehr leichtsinnig mit dem Grünen Lebensraum umgehen und der Meinung sind dass Habitate schnell von selbst entstehen und leicht umziehen können. Persönlich sind wir aber einer anderen Ansicht und finden es Schade, dass das kapitalistische Denken von Geld und Beton vor die Naturwelt gestellt wird und somit Lebensräume zerstört bzw. verkleinert. 

Morgen ziehen wir zurück zu unserem Gebiet und versuchen die tieferen Gedanken und Wünschen der BewohnerInnen zu erfassen, aber auch bis jetzt unerkannte Konfliktpunkte und Verbindungen zu entdecken. Bis dann!

 

Euer Amsterdam-Team,

Gabi und Martin

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Ein Kommentar zu “Stadtentwicklung in Amsterdam

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