Gentrification is a Thing!

Die Agenda unseres heutigen Tag war es allgemeine Informationen von BewohnerInnen mittels Mental Maps zu sammeln, um das Viertel genauer untersuchen zu können. Jedoch wurde bei allen Gesprächen ein Thema sehr betont – Gentrifizierung.

Heute erzählen wir euch warum man nach Bijlmer zieht, warum man hier bleibt und wie die BewohnerInnen die Aktivitäten privater Investoren und Politik bewerten.

Wir beginnen heute mit den Geschichten von Marie, Jabaral und Louisa – drei Personen in deren 20er, Anfang 30er Jahren, deren Storys wir als Teil der Gentrifizierungsprozesse einstufen können. Alle drei sind aus unterschiedlichsten Gründen nach Bijlmer gezogen, und alle lieben den Ort von Henno Eggenkamp am Wasser (dort trafen wir sie auch). Marie ist ein Familienmensch und wohnt seit etwa 2 Jahren in Bijlmer. Hier haben sich auch ihre Eltern angesiedelt. Obwohl sie und ihr Ehemann gute Jobs haben und sich selbst in die “Mittelklasse” einstufen, erzählte sie uns, dass eine große Wohnung für ihre Familie in Amsterdam nicht leistbar wäre. Sie wollten ursprünglich nicht hierher umziehen, jedoch sieht sie es jetzt anders – “Die Medien seien Schuld für den schlechten Ruf des Viertels!”.

Ähnlich sieht es auch der 27-jähriger Jabaral. Er ist 2019 nach Bijlmer zugezogen, da viele seiner Kommilitone und Freunde da wohnten. Wie man von seiner Mind Map erkennen kann spaltet sich sein Leben in zwei Teile – “Living” in Bijlmer und “Life” eher im Amsterdamer Zentrum. Im Vergleich zu seiner letzten Wohnung in Diemen (näher zum Zentrum und der Universität), zahlt er hier fast den gleichen Betrag an Miete, jedoch ist er hier “Teil einer Community und nicht nur der anonyme Nachbar, von nebenan”.

IMG_5521-minDie letzte Karte kam von Louisa – einer Studentin, welche erst ihren dritten Tag als Bewohnerin mit uns verbrachte. Selber hat sie sich nicht so gut in der Gegend ausgekannt, wusste aber bereits welche Bereiche sie nach bestimmten Aspekten zuordnen konnte. Ihren Worte nach muss man als Frau “tough” sein. Ihren Safe-Space findet sie wie viele andere StudentInnen in Kleiburg und teilte uns mit, dass wenn sie es sich leisten könnte, gerne wieder im Zentrum Amsterdams wohnen wollen.

Die Gemeinsamkeiten dieser drei Personen kann man leicht von deren Mental Maps  erkennen. Eine weitere überraschende Gemeinsamkeit ist, dass man in der Gegend als “NeuzugezogeneR” hohe Miete zahlt. Wir haben uns ein bisschen tiefer mit der Thematik befasst und haben entdeckt, dass es ein Businessmodell ist, Wohnungen (aber auch gesamte Gebäude) zu kaufen und weiterzuvermieten, insbesondere an StudentInnen. Vor allem in Bijlmer funktioniert dieses Modell ganz gut, da die Wohnungen relativ groß sind und sich dadurch vor allem für Wohngemeinschaften eignen. Eine 100 m2 Wohnung kann z.B. leicht drei Studenten unterbringen, welche jeweils etwa 700 Euro pro Monat zahlen. In den alten Gebäuden kostete so eine Wohnung nur etwa 100.000 Euro vor 10 Jahren – heute jedoch mindestens dreifach so viel.

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Diese Problematik haben wir auch mit unseren nächsten GeschprächspartnerInnen – Zuwena und Nathifa – besprochen.

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Die zwei Schwestern mit surinamischen Wurzeln sind neue Entrepreneurs und haben den Bijlmer Bookstore gegründet. Der Grund – es gab einfach keinen Bookstore mit Werken von Autoren, welche die Gesellschaft gerne liest. Hier kann man Bücher von afrikanischen, surinamischen aber auch amerikanischen Autoren finden, welche auf den niederländischen Massenmarkt fehlen. Selber wohnen die zwei Schwester bereits deren ganzes Leben in der Nähe unseres Untersuchungsgebiet. Während  Zuwena noch bei ihren Eltern in einem Low-Rise-Building wohnt, wohnt die Nathifa 2 Minuten von ihre Familie entfernt in einem der Bijlmer High Rise Building – Ganzenhof. Die gleichen Probleme am Wohnungsmarkt haben wir auch von den zwei Entrepreneurs gehört – die Gentrifizierung hat sich im Laufe der Jahre  auch in Bijlmer stark ausgeprägt. Dadurch dass sich in den letzten Jahrzehnten eine starke Community in den verschiedenen Ethnien gebildet hat, wollen die Leute die hier aufwachsen, nicht wegziehen. Jedoch macht sich der Druck am Wohnungsmarkt auch in Amsterdam bemerkbar, die Nachfrage in den urbanen Raum zu ziehen steigt und deshalb wird das Angebot am Wohnungsmarkt immer geringer. Somit sind im Laufe der Jahre auch in Bijlmer die Miet und Kaufpreise angestiegen. Zuwena erzählte uns dass man die ehemaligen Gemeindewohnungen “verwahrlosen” ließ bis man sich entschied die Gebäude abzureißen und neue freifinanzierte Wohnungen zu bauen. Einerseits lassen die neuen Wohngebäude dem Viertel eine Aufwertung spüren… zumindest was die Kosten für Wohnraum betrifft – doch zu welchem Preis?! Es ist offensichtlich dass selbst in Bijlmer Verdrängungsprozesse stattfinden, welche von Politik und Gesellschaft unterschiedlich verstanden werden. Nathifa und Zuwena wünschen wir viel Erfolg bei der Realisierung ihrer Ideen und bedanken uns herzlich für das Interview und deren Geschenke.

In den nächsten Blogeinträge versprechen wir die gesammelten Fragen und Meinungen von den Interviews und BewohnerInnengesprächen mit unseren nächsten Interviewpartner aus Planung und Politik zu diskutieren.

Bleibt dran und bis morgen!

Euer Amsterdam Team,

Gabi und Martin

 

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2 Kommentare zu “Gentrification is a Thing!

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