Die Fassaden der Moderne – wortwörtlich und symbolisch

Bijlmer hat viele Fassaden. Nein – nicht nur die diversen Außenseiten der Gebäude, sondern auch die Fassade als Charakter, welche das eigentliche Wesen des Viertels verbergen. Heute haben wir uns mit der Frage befasst – Aus welchen Bausteinen Bijlmer zusammengesetzt wurde und welche davon authentisch geblieben sind?

Wenn man über die Epoche der Moderne – der 70 Jahre spricht, erkennt man Disparitäten zwischen Kultur und Architektur dieser Periode, welche von Krisen, Veränderungen und Umbrüchen geprägt wurde. Im Allgemeinen assoziiert  man die 70er mit Leichtigkeit und einer gewissen Exotik der “Blumenkinder” und werden mit Adjektiven wie “wild”, “frisch”, “lebendig”, “rebellisch” usw. bezeichnet. Die Gegensätzlichkeit dazu zeichnet sich in der Architektur der 70er ab; sie werden als statisch, formgebunden, rational, funktional sowie auch industriell beschrieben. Zielführender Aspekt dieser Architektur war die schnelle Schaffung von Wohnraum für die Masse der Gesellschaft. Wirtschaftliche und politische Bedürfnisse standen vor jenen der einzelnen Individuen.

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Unsere heutigen Erkundungen des Gebiets, lassen uns hinterfragen:

Kann die gebaute Umwelt eine Änderung der Gesellschaft verursachen? 

In der Planung lernen wir, dass Räume nach potentieller Nutzung und Verhalten zu gestalten sind. Nutzungen wie Street-Fitness, Urban-Gardening, Parkour sowie weitere Zwischennutzungen waren den PlanerInnen der 70er unbekannt, sind jedoch heutzutage ein Teil des Erscheinungsbildes von Bijlmer. Die Nutzungen als auch die Kunstwerke im öffentlichen Raum (z.B. diverse Graffiti in den Durchgangsräume) sprechen dafür, dass sich bestimmte Individuen bzw. Gruppen den Raum aneignen, um deren Individualität hervorzuheben oder ein Statement setzen.

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Auf Expedition mit Erwartungen! Die langen und tiefen Recherchen vor der Abreise deuteten darauf hin, dass Bijlmer eine extreme architektonische aber auch gesellschaftliche Verwandlung in den “90ern” erlebt hat. Und obwohl sich diese Erwartung tatsächlich verwirklicht hat, ist die Epoche der Moderne noch immer spürbar – durch die hohen Wohnkomplexe aus Fertigteilen mit breiten grünen und grauen Zwischenräumen, durch das Gefühl, dass viele Menschen hier wohnen, aber sich das Erscheinungsbild dennoch durch ein Geisterviertel visualisiert.

Der deutsche Soziologe und Filmtheoretiker Siegfried Kracauer sagt: “Die Raumbilder sind die Träume der Gesellschaft”. Wir verbleiben mit folgenden Raumbilder und lassen euch überlegen wovon die Bijlmer-Gesellschaft träumt.

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Einkaufswagen

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Euer Amsterdam Team,

Gabi und Martin

 

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2 Kommentare zu “Die Fassaden der Moderne – wortwörtlich und symbolisch

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