Bijlmer Tag 10 – The Finale Lesson!

Heute war der letzte Tag an dem wir Eindrücke aus dem Gebiet sammeln konnten. Daher haben wir uns entschlossen den gesamten Tag im Gebiet zu verbringen. Um 9.30 Uhr vom Frühstück angefangen, bis hin zum Abendessen um 20 Uhr. Einer unserer Schwerpunkte des heutigen Tages war die Untersuchung von Fußgängerströme zu den Spitzenzeiten, zur sogenannten Rush Hour an einem typischen Werktag. 

Obwohl wir bereits um 9 Uhr im Gebiet waren, beginnt der Tag hier ca. erst nach 11 Uhr. An der Station Ganzenhoef sehen wir Ströme in Richtung der U-Bahn zum Zentrum. Hier steigen um die Uhrzeit eher weniger Personen aus. Eine Zählung haben wir nicht durchgeführt, jedoch sehen wir dass sich auch die Fahrradabstellplätze schnell befüllen. Viele stellen deren Rad auch an Straßenlampen ab. Über dieses Problem – das ungenügende Angebot an Fahrradabstellplätze – werden wir heute zum ersten Mal aufmerksam. Auch ethnisch hat sich unsere ursprüngliche Annahme bestätigt, dass vom Gebiet die Mehrheit aus Personen mit Migrationshintergrund besteht. 

Kurz nach 12 Uhr bewegen wir uns in den geografischen Mittelpunkt unseres Untersuchungsgebiets, um zu sehen, ob Kinder, (zurzeit sind Sommerferien in den Niederlanden), das Angebot von Spiel- und Sportplätze nutzen. Leider finden wir diese wieder leerstehend. Womöglich kann es sein dass es derzeit Sondermaßnahmen aufgrund der Corona-Krise gibt… daher rufen wir kurzerhand beim Stadtamt und fragen nach. Wie wir erfahren stehen  alle Spiel- und Sportplätze ohne besonderen Sicherheitsmaßnahmen zur Nutzung frei. 

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Nach etwa einer Stunde Beobachtung ohne weitere auffallende Ergebnisse, nehmen wir Platz an unseren Lieblingsort, an dem bereits eine kleine Gruppe an Jugendliche verweilen und kommen sofort ins Gespräch. Diese erklären uns, dass sie sich als Kinder lieber zuhause trafen, anstatt draußen zu spielen in den Ferien. Auch das neue Sportzentrum in Bijlmer bietet viele Kurse in den Sommermonaten für Kinder und Jugendliche an. Nach einigen Mental Maps mit den Burschen, bleiben wir vor Ort, um auf weitere Ansprechpersonen zu warten.

Zu den vorhanden face to face Mental Maps haben wir uns auch überlegt eine andere Art der Methodik auszuprobieren und führten diesen Testlauf durch. Wir entschieden uns an einem ausgewählten Ort im Gebiet (welche eine hohe Durchgangsfrequenz vorweisen) einige unserer Mental Maps mit Stiften an Bäume zu heften. Obwohl auch selbst bei der Durchführung einige Zweifel hervor kamen waren wir umso erstaunter als wir nach einiger Zeit wieder an den Ort zurückkamen. Circa die hälfte der Karten waren doch sehr großzügig befüllt. Der Unterschied zu den Face to Face Mental Maps war jedoch, dass die Ausführung der “ProbandInnen” etwas anders ausfiel. Der Grund dafür ist wahrscheinlich unter anderem auch, dass bei den Face-to-Face Maps mehr Inspiration von den bereits durchgeführten Karten “übernommen” wurde. Wir haben uns entschieden zwei schematische Beispiele vorzulegen. Das erste Beispiel zeigt eine gesamte Geschichte über die eigene Bijlmer Story. Die anonyme Person, hat sehr ausführlich sein/ihr – wie im Titel der Karte erwähnt – “Ganzes Leben” beschrieben. Die Person beschreibt dass kein anderer Ort als Bijlmer für sie/ihn zum Wohnen in Frage käme. Der/Die 45-jährige liebt alles in Bijlmer und fühlt sich im Gebiet gut aufgehoben. Die Person lebt nicht nur  in Bijlmer, sondern arbeitet auch hier im Community Center in der Abteilung für Integration von Personen mit Migrationshintergrund. Die Karte war so interessant für uns zu lesen, dass wir uns beschlossen haben zu seinem/ihren Arbeitsort zu gehen, um nach der Person zu suchen. Leider waren wir nicht erfolgreich denn aufgrund der Covid-19 Krise kann man Termine nur mit langfristiger Vereinbarung im Vorhinein wahrnehmen.

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Das zweite Beispiel haben wir demonstrativ auf den Boden, neben einem Mistkübel gefunden. “Ironischerweise” auch im Süden des Untersuchungsgebietes, wo wir bereits die Erfahrung gemacht haben, nicht zu filmen, fotografieren oder Leute anzusprechen. Auch von anderen Personen haben wir gehört, dass die Medien Schuld für den schlechten Ruf des Viertels seien. Bei der Karte bekommen wir das Gefühl, dass die jeweilige Person sein/ihr Zuhause schützen will. Er/Sie schreibt, dass Bijlmer sein/ihr Ort wäre und nicht für negative Presseartikel publik steht. Wahrscheinlich mit der Annahme, dass wir Information für mediale Zwecke sammeln. Auch unsere Namen wurden durchgestrichen mit der klaren Message – Go home! als Titel der Karte. Obwohl wir den Hintergrund dafür verstehen, wundern wir uns, ob jemand bei einer Face-to-Face Erhebung/Befragung uns auch in dieser Art und Weise begegnen würde.

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Nach etwa 4 Stunden und 12 neuen Mental Maps von Personen ziemlich jeder Altersgruppe, entschieden wir uns den Beobachtungsort zu wechseln und verteilten uns in der Nähe der zwei U-Bahnstationen Ganzenhoef und Kraaienest. Wie erwartet steigen gegen 18 Uhr viele Personen aus der U-Bahn und bewegen sich Richtung Wohnblöcke oder Supermarkt. Um circa 20 Uhr entschieden wir uns nach einem sehr langen aber eindrucksvollen Tag, den Abend im Hotel zu verbringen und die letzten Tage nochmals Revue passieren zu lassen.

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Euer Amsterdam-Team,

Gabi und Martin

 

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