Tag 3: Am Stadtrand von einer „Stadt am Rand“

An diesem Tag lag der Fokus der Betrachtung auf den Stadträndern von Sulina. Besonders am westlichen Stadtrand reiht sich an der Donaupromende ein typisch lipowanisches Haus an das andere. Die Menschen, die hier leben, üben vor allem Fischfang aus und ihre Wohnhäuser liegen beinahe direkt an der Donau. Die Straße, welche bis hierhin führt, wurde vor ein paar Jahren sogar befestigt und kann problemlos mit dem Fahrrad befahren werden.

Die lipowanischen Wohnviertel liegen an den Rändern der Stadt, erklärt mir mein Übersetzer, da Fischfang und Jagd zu den ursprünglichen Erwerbstätigkeiten der ethnischen Gruppen gehören. Charakteristisch sind die blaue Farbe der Wohnhäuser, die riedgedeckten Dächer oder die charakteristisch gestaltete Gartentür, welche den Eingangsbereich zum Grundstück darstellt. (siehe Titelbild) Anhand dieser Merkmale kann einfach festgestellt werden welchen ethnischen Ursprung deren Bewohner haben.

Die Bar „Lebada Vesela“, welche ich am Nachmittag besuchte, liegt ebenfalls dort, fast mitten in der Natur und ist bei den Fischern durch die Nähe zu ihren Wohnorten recht beliebt. Doch an diesem Nachmittag kamen eher nur rumänische Männer mittleren Alters. Der Barmann erklärt mir, dass einige Lipowaner auch als Bauarbeiter arbeiten, aber das stellt eher einen Kompromiss zu ihrer ursprünglichen Lebensweise dar. Die Bauarbeit dient vor allem dem Verdienst und dem Aufbau eines guten Lebens.

Eine Erkenntnis dieses Tages ist, dass Bars die eigentlichen Treffpunkte der Lipowaner sind, obwohl sich das heute leider nicht anhand dieser Bar bestätigen lassen konnte. Besonders am späten Nachmittag werden die Bars gut besucht, versicherte mir der Barmann. Die Kirche und die Gemeinschaft verfolgen eher Erhalt und Weitergabe religiöser und kultureller Werte und Traditionen, während Bars jedermann offenstehen und Orte der Kommunikation darstellen. Die Bars in der Innenstadt von Sulina werrden zwar eher weniger von den Fischern besucht, können aber eher als Treffpunkte von der jüngeren Generation von Lipowanern gesehen werden. Dennoch sind jene an den Stadträndern authentischer, weil es näher an ihren Wohnorten liegt.

Morgen ist Sonntag und ich werde an einer Probe für einen Tanz- bzw. Gesangauftritt der Gemeinschaft der Lipowaner teilnehmen. Diese Gemeinschaft ist eine wichtige Institution in Sulina, um das Brauchtum zu erhalten und an die weiteren Generationen weiterzugeben. Der Field Trip bleibt also weiterhin spannend!

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