Tag 2: Erste Erkundungen und Gespräche

Am Vormittag erkundete ich die Stadt auf eigene Faust und legte den Fokus auf den öffentlichen Raum. Sulina besteht vereinfacht aus sechs parallel zur Donau verlaufenden Straßen, welche entsprechend als Straßen 1 bis 6 bezeichnet werden. Die donaunahen Straßen sind eher befestigt und die umgebende Gebäude mehrgeschossig. Einige Bänke an der Donauuferpromenade und an einigen Wohnblocks sorgen für Aufenthaltsqualität in diesem Bereich der Stadt. Die Straßen 3 bis 6 hingegen sind eher unbefestigt und Einfamilienhäuser dominieren das Straßenbild. In diesem Gebiet ist die scharfe Trennung zwischen dem öffentlichen und privaten Raum durch Zäune sehr auffällig und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum ist durch das Fehlen von Sitzmöglichkeiten sehr gering. (siehe Titelbild)

Den Nachmittag und Abend verbrachte ich wieder mit meinem Übersetzer. Er organisierte für mich ein Leihrad und führte mich zuerst zu dem Haus einer älteren Lipowanerin. In ihrem Vorgarten tranken wir zuerst ihren Schnaps und begonnen anschließend das Interview im Laufe dessen eine Freundin dazukam. Ich erfuhr, dass beide in der Gesangsgruppe der lipowanischen Gemeinschaft in Sulina aktiv sind und wurde sogleich zu der nächsten Probe eingeladen. Sie beide sind stolz auf ihre Herkunft und ich erfuhr etwas über ihre Lebensgeschichte. Sie  meinen, dass Sulina früher, zur Zeit der Donaukommission, eine offenere Stadt war. Für sie ist es wichtig in die Kirche zu gehen, da man dort andere Leute trifft und es für sie eine gewisse Tradition in ihrem Alltag hat.

Die nächste Station war die Bar „La Autogara“, welche das günstigste Bier der Stadt anbietet und aus diesem Grund viele Fischer, welche vor allem auch Lipowaner sind, zum Feierabend anlockt. Leider blieben die Versuche meines Übersetzers jemanden zum Interview zu bewegen erfolglos.

In der Bar des Vorabends organisierte er mir dann zwei Interviewpartner, einen Bauarbeiter und einen Schüler. Ich lernte in den Gesprächen, dass auch für die jüngeren Generationen ihre ethnische Herkunft und die Pflege der russischen Sprache wichtig sind. Die zwei Männer meinten aber, dass sie nicht aktiv an der lipowanischen Gemeinschaft teilnehmen und dieser Ort in ihrem Alltag keine so große Rolle spielt.

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