Ein Treffen mit Lenin und Stalin, Hoxha schaut lieber weg

Heute wurden wir von Professor Fabio Naselli zum Mittagessen auf der Epoka Universität eingeladen. Fabio ist Gastprofessor und Organisator der bereits erwähnten SpaRe.Life 2019 Summer School. Wir konnten uns über unsere Projekte austauschen und netzwerken. Die Epoka Universität ist eine private Bildungseinrichtung mit einer Fakultät für Architektur und Ingenieurwesen. Diese liegt noch abgelegener von Tirana, wenige Minuten vom Flughafen entfernt. Das rege Treiben und das Interesse von Studierenden für das, was wir da im Schlepptau hatten, leitete sogleich in unsere Methode ein. Also ließen wir uns die Chance nicht nehmen um unseren Urban Carpet auf dem Hauptplatz vor der Mensa auszubreiten. Hierbei wollen wir uns sehr herzlich bei Sindi Balla und Rexhina Basha – mit Mirjana zwei Mitorganisatorinnen der SpaRe.Life Summer School – bedanken. Sie haben uns wieder mit vielen neuen Informationen über den öffentlichen Raum beglückt und konnten mit ihrem Wissen über Tirana den Urban Carpet weiter ausschmücken. Langsam ist er voll, aber je bunter desto besser! Es ist immer wieder schön, unser Projekt über Junge Menschen mit jungen Menschen voranzutreiben, wir sind wirklich beeindruckt von der Expertise der Studierenden vor Ort. So ergibt sich für uns doch so langsam ein Bild der Stadt, des Treibens, der Gedanken, der Probleme und Hoffnungen der jungen Menschen die hier leben. Wir haben viele Eindrücke gewonnen, ob von Fachleuten, Experten, Studierenden aber eben auch von zufälligen Passanten auf den Straßen Tiranas. Unser Poträit soll schließlich ein Bild der gesamten Stadt sein, weshalb wir uns die nächsten Tage wieder vermehrt auf die Straße begeben wollen um auch mit Nichtstudierenden weiter in Kontakt treten zu können.

Nach unserem Besuch kamen wir in unser Apartment zurück, um uns für das nächste Treffen vorzubereiten. Am Spätnachmittag hatten wir ein Treffen mit den Organisator*innen von Tirana Social Center geplant – ein Kollektiv, welche ein verlassenes Gebäude in Tirana in ein Jugendzentrum verwandeln wollen. Ihr Plenum fand in der Wolke von Tirana statt, welche auch der Ort des Cloudfestivals ist. Kurzerhand trafen wir uns auf der Wiese vor der Wolke um uns auszutauschen und  rollten ein zweites Mal an diesem unseren Urban Carpet aus. Auch über das Projekt der kunterbunt gemischten Aktivist*innen von Tirana Social Center haben wir so einiges erfahren können. Auch sie hatten die Reize von Kombinat für sich entdeckt und sind wohl auf die Strukturen der Arbeitersiedlung fokussiert. Auf jeden Fall ein sehr interessantes Treffen das auch uns wieder mit Informationen versorgte und den Teppich etwas bunter machte.

Die Tage zuvor haben wir auch erfahren, dass sich im Zentrum alte Stalin- und Leninstatuen aus der Ära des diktatorischen Regimes verstecken sollen. Wieder machten wir einen kleinen Umweg auf dem Nachhauseweg und entdeckten diese hinter dem Kunstmuseum. Besonder ist uns dabei die Anordnung einer klotzigen Hoxha-Bildhauerei aufgefallen – er dreht sich von Lenin und dem doppelten Stalin weg und schaut gegen einen Wellblechzaun. Einen recht hohen Wert dürften diese für die Bevölkerung wohl nicht mehr haben. Der versteckte Hinterhof wird anscheinend auch als geheimerer Treffpunkt von Jugendlichen um Musik zu hören und Gras zu rauchen genutzt, alles unter den wachsamen Augen der ins nichts gestikulierenden Kommunisten. Schnell ertappte uns ein Wachtmeister, welcher eiligen Schrittes auf uns zurannte. Wir beendeten die Fotosession mit unserem Urban Carpet und versuchten ein diskretes Verhalten zu imitieren. Mit einem Augenzwinkern und einem verschmitztes Lächeln signalisierte er uns jedoch schnell, dass uns kein Verweis droht. Glück gehabt! Er fragte, woher wir denn kommen und antwortete uns gleich auf Deutsch. Er war fünf Jahre lang in Frankfurt, aber auch in Nürnberg und München. Warum wissen wir nicht. Auf die Frage warum Lenins Arme fehlen, erzählte er uns, dass nach dem Ende des diktatorischem Regimes die Statuen gefällt und die kupfernen Arme von der Bevölkerungen für ander Dinge verschmolzen wurden. Wieder was gelernt!

Liebe Grüße aus dem jetzt nicht mehr verregnetem Tirana.

2 Kommentare zu “Ein Treffen mit Lenin und Stalin, Hoxha schaut lieber weg

  1. Susanne Pizzigano

    Hallo Expedition: Tirana!

    Wie geht es euch denn mit eurer Methode?
    Von außen scheint es ja voll aufzugehen.

    Toll wäre es, Zwischendurch oder Tagesaktuell mal einen Eindruck zu bekommen, was die Leute so ankreuzen und einzeichnen. Wäre interessant zu sehen, wie sich das von Ort zu Ort verändert.

    1. Expedition: Das neue Tirana

      Hallo Susanne, danke für dein Kommentar.

      Die Teppichmethode funktioniert großartig. Die Unterstützung, die wir von lokalen Architekturstudentinnen bekommen ist aber essenziell. Sie helfen uns mit Übersetzungsarbeit und erklären unser Anliegen. Einmal haben wir den Teppich ohne lokale Unterstützung ausgebreitet und es war schwieriger den Kontakt zu den Menschen aufzubauen. Nicht jedeR hier spricht gut Englisch bzw. kennt sich in der Thematik öffentlicher Raum aus. Es ist schon des Öfteren vorgekommen, dass die Leute Cafés. private Sportplätze oder nur den Namen eines Stadtteiles markieren. Das hat auch damit zu tun, dass öffentlicher Raum, wie wir ihn in Westeuropa kennen, nicht existiert.
      Unterschiede in der Teppichmethode an verschiedenen Orten haben wir noch nicht festgestellt.

      Liebe Grüße,
      Das Tirana Team

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