“O tirona, ti je e jona!”

Heute Morgen trafen wir Eneida, eine Studienabsolventin der Architektur an der Epoka Universität. Sie hat einen Artikel über den Skanderbeg Platz in der Zeitschrift City Observer verfasst , was uns dazu führte sie auf einen Kaffee einzuladen und uns alles über den repräsentatisvsten Platz in Tirana zu erzählen. Ihren Artikel findet man hier (Seite 150 ff.). Nach einem hochspannendem Interview gab sie uns sogar noch einen Spaziergang durch das Zentrum und über den Skanderbeg Platz (dies sollte unser vierter Besuch in drei Tagen darstellen, ab morgen geht es dann weiter in die Vororte!). Zusammen gingen wir im Zuge des Spaziergangs dann noch zum nahegelegenen Parku Rinia, dem Park der Jugend, wo gerade die Tirana Pride stattfand. Im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten, in denen traditionell Prides stattfinden, zeigte sich die Besucher*innenzahl in Tirana überschaubarer, doch immerhin etwas! An die siebzig Menschen im kollektivem Party-Modus wohnten der farbenfrohen kunterbunten Veranstaltung bei, begleitet von fünf Kamerateams. Gleich sprachen wir die geringere Beteiligung der Bevölkerung an. Unsere Frage wurde insofern plausibel beantwortet, als dass sich viele Junge Tiraner*innen nicht durch die hier anwesenden Medien „outen“ wollen. Und ja, das geht recht schnell. Wir bekamen Regenbogen Fahnen und T-Shirts geschenkt. Aufschrift: Chill Man, some people are gay. Nur halt auf Albanisch. Und siehe da, unsere Tu Wien-Sackerl zogen wohl sehr schnell die Aufmerksamkeit der Leute auf uns. So schnell konnten wir gar nicht gucken, da wurde bereits eine Kamera und ein Mikro vor Valentins Gesicht gehalten und gefragt, warum er hier ist und ob er die „LGBT supportet“. Antwort: Of course I do!

Nach dem intensiven Inputs des Vormittags verbrachten wir eine kurze Pause bei Tirana Ekspres, einem Kulturzentrum mit Veranstaltungen und Café. Zurzeit läuft dort unter anderem eine Aktion, bei der die eigene Unterstützung für LGBT in Worte gefasst werden kann. Auch auf unsere Frage nach einer Anbringung unserer Nadelmethode zeigten sich die Besitzer sehr kooperativ und hängten unsere mitgebrachten Karten von Tirana auf, damit die Gäste ihre Lieblingsorte markieren können. Danach ging es zurück in die Wohnung, damit wir den ersten großen Einsatz unsere Urban Carpets vorbereiten konnten.

Am frühen Abend trafen wir uns dann mit Arda und ihrer Freundin Flori im Parku i Galerise Kombetare te Arteve, wo auch das Cloud Festival stattfindet. Wir wollten unbedingt die Synergieeffekte zwischen unserer Methode und den verweilenden Menschen vor Ort nutzen und breiteten unsern Urban Carpet aus. Während der Interaktion mit Passanten halfen und Arda und Flori mit Übersetzungen (sie wurden mit Mozartkugeln und Mannerschnitten vergütet) während wir die jungen Menschen nach ihren Lieblingsorten und -Treffpunkten erfragten.Sehr schnell entwickelte sich eine starke Dynamik aus Diskussionen, Markierungen, Debatten und Erkenntnissen, genau das wollten wir erreichen! Viele der Passanten hielten an, ohne das wir sie explizit für uns gewinnen mussten, ihr Interesse bestand meist von selbst, was uns natürlich sehr freute und natürlich auch ob der Frage nach dem Funktionieren der Methode erleichterte. Die Ergebnisse präsentieren wir zwar erst am Ende, dennoch können wir bereits einige signifikante Aussagen der Bewohner*innen präsentieren.

“the real public spaces in Tirana only exist along the central axis, there happens the improvement”

“the bad places in the city are caused by the air- and noise pollution of the cars, these places are awful”

“bars and coffees are our public spaces”

Natürlich stellen diese Aussagen nur Momente einer jeden Meinung dar, dennoch finden wir diese sehr aussagekräftig. Vor allem die letzte Aussage sollte für uns in unserem weiteren Vorgehen noch interessant werden, aber dazu morgen mehr! Bis zum Ende unserer Intervention begleitete uns traditionelle Musik, oder um es mit dem Titel eines der dargebotenen Lieder zu sagen: “O tirona, ti je e jona! – Oh Tirana, du gehörst uns!” Fazit: Ein voller Erfolg. Ergebnisse folgen unter anderem auf unserem Instagram Account

@urban_carpet_tirana.

Der Abend wurde mit einem gemeinsamen Besuch im Nationalmuseum abgerundet. Eintritt frei und offen bis 01:00, aber nur weil es der vorletzte Samstag im Monat war. Unsere Locals führten uns durch das Museum und erzählten von der Geschichte Albaniens. Angefangen von den (umstrittenen) Vorfahren der Albaner*innen, den Illyrer*innen, bis zu den doch sehr bedrückenden Exponaten zu exekutierten Volksfeinden der Hoxha-Diktatur zeigte sich uns die diverse und doch sehr intensive Geschichte des Landes. Als wir wieder Heim kamen, waren wir überwältigt vom Tag und von den vielen Eindrücken die wir gesammelt haben. Jetzt erst mal alles verarbeiten!

 

 

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