Von Teppichen die auf Pyramiden liegen

Und täglich grüßt der Skanderbeg. Zweiter Tag, drittes Date mit unserem Lieblingsplatz. Alle Wege führen nach Rom, aber alle Wege führen auch über den Skanderbeg Platz, wenn es nach uns geht. Aber alles mal der Reihe nach.

Heute Morgen hatten wir ein Treffen mit Mirjana, einer Studentin der Epoka Universität, Department für Architektur. Sie ist Teil der vierten Edition von SpaRe.Life 2019, einer Summer School zum Thema “Pocket Gardens. Ephemeral Regeneration of super-blocks in Tirana”. Wir haben ein Treffen mit dem veranstalteten Professor auf der Universität ausgemacht und werden weiterhin die Kooperation aufleben lassen und die Synergien nutzen.

Nach einem stärkenden Kaffee ließen wir uns wieder auf den Skanderbeg Platz treiben. Diesmal mit keinem speziellen Grund. Wir machen liebend gerne einen kleinen Umweg über den zentralen Platz Tiranas. Unser Ziel heute war die Pyramide sowie ein Spaziergang durch das angesagte Blloku.

Auf dem Weg vom Skanderbeg Platz zur Pyramide geht man am besten entlang der zentralen Achse Tiranas, die den radialen Städtebau der albanischen Hauptstadt durchschneidet. Gleich fällt der kunterbunte städtebauliche Ensemblehaufen aus italienischer Kolonialarchitektur der Marke Toskana-Sehnsucht, neoklassizistischer Diktatorenfantasien und moderner Hochhausnadeln auf. Dieses Nebeneinander begegnet uns öfter und wir finden es zunehmend ansprechend. Weniger appetitlich erscheint die grün gestaltete Uferpromenade des Flusses “Lana”. Haben wir doch schon herausgefunden, dass für dieses Kleinod der ein oder andere (illegal) errichtete Wohnblock über Nacht weichen musste.

Aber dann, einmal über die große Prachtstraße, lugt die Pyramide aus dem Stadtwäldchen hervor. Andächtig verbrachten wir vor der Pyramide einige Minuten und staunten über die Architektur. Wir sehen auch Jugendliche, die die Spitze der Pyramide besteigen. Darf man das? Sollen wir auch? Nicht lange darüber nachgedacht, machten wir aus einem Wunsch eine Tat. Doch vorher vergewissern wir uns noch, ob der wachhabende, gut bewaffnete Polizist an der Pyramide etwas gegen unseren Plan hat. Nein? Ok dann los! Nicht ganz ungefährlich, aber trotzdem lustig. Die plattige Rampe, bis vor ein paar Jahren noch marmor- jetzt eher graffitibekleidet ist ganz schön rutschig. Oben herrscht eine wunderbare Aussicht über Tirana. Als wir ein paar Jugendliche ebenfalls die Pyramide erklimmen sehen, breiten wir prompt unseren Urban Carpet aus. “Are you from Tirana?” “Kosovo!” “Oh…nice!” Das war wohl nichts, aber es wird nicht unser letzter Besuch dort oben gewesen sein. Der Mix aus Aussichtspunkt, ruinöser urbaner Struktur und die durchaus abstrakte Struktur des Gebäudes wirken auf uns einfach anziehend. Und nicht nur auf uns, denn nach kurzer Zeit kommen doch noch einige junge BewohnerInnen Tiranas, die ihren Freitagnachmittag im Antlitz der Vergangenheit rauchend verbringen wollen.

Fazit: Beste Attraktion, die wir je in einer Stadt gesehen (und bestiegen) haben, da sind wir uns einig. Können wir nur empfehlen.

Next Stop: Universiteti Politeknik i Tiranës und der davorliegende Mutter Teresa Platz. Dieser steht auch auf unserer Liste der Orte für unserer Teppich-Methode. Doch heute leider nicht, denn dieser Tage ist der Platz schon für das Colour Day Festival genutzt, egal schauen wir trotzdem morgen hin. Dann starten wir halt das Urban Carpet Festival, wir bräuchten wohl nur etwas Musik und Getränke.

Aber Moment mal, diese Randbebauung und die ganze Aufmachung erinnern doch an was. Ach ja, richtig, an das EUR (Esposizione Universale di Roma) in Rom, Mussolinis etwas ausgeartete städtebauliche Intervention, die doch etwas martialisch rüberkommt. Im gleichen neoklassizistischen Stil präsentiert sich dann auch die polytechnische Universität in Tirana. Dort machten wir einen kleinen Regenstopp, auch weil uns ein Besuch der oft frequentierten Treppen davor empfohlen wurde. Heute ist alles verwaist.

Aus diesem Grund spazieren wir dann auch weiter durch Blloku, einer der wohl interessantesten Stadtteile Tiranas. Früher absolut prädestinierte Wohngegend für regimetreue BewohnerInnen, inklusive der einen ganzen “Blloku” einnehmenden Villa Hoxhas. Heute präsentiert sich das Viertel als hippe Ausgehmeile der mittleren hipster-Oberschicht, Bars und Restaurants wechseln sich mit Cafés ab. Aber auch die farbenfrohen Fassaden, die Tirana berühmt gemacht haben, finden sich hier in großer Zahl. Durch Blloku werden wir noch öfter laufen, deshalb hier nur einmal ein erster Eindruck des für uns als jungen Forschenden natürlich auch ansprechenden Ambientes.

Bis dahin, Servus, Habedieehre und Ciao!

 

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