Der Tag der Abreise

Am Tag der Abreise hatten wir noch kurzfristig einen Interviewtermin bekommen: So fuhren wir mit dem kompletten Gepäck ins Sarajevo City Center, um dort mit Emina Mandzuka „the Head of Marketing“ der Al Shiddi Group in Bosnien zu reden. Von der unruhigen Bling-Bling-Architektur ging es mit dem Aufzug hinauf in den Büroturm. Als wir ausstiegen, erschien uns das Stiegenhaus eher wie die Erschließung eines Parkhauses – „Luxury“, wie Frau Mandzuka die Flächen des Turmes mit verschiedenen Nutzungen beschrieb, war das nicht. Auch die Büroflächen waren alles andere als Chick: niedrige Decken, enge Räume und Standardtüren. Fenster haben wir keine zu Gesicht bekommen.

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Luxus auf Arabisch: Trotz rigider Gestaltungspolitik eine „informelle“ Lampe

Frau Mandzuka ist eine charismatische Frau, die den positiven Präsentationsmodus einer PR-Beauftragten, perfekt beherrschte. Schnell wurde uns klar, Al Shiddi, der saudische Scheich aus Riad und Eigentümer des Sarajevo City Center, ist „Gott“ unter diesem Dach. Mehrmals betonte Frau Mandzuka wie großzügig und offenherzig er sei. Das Sarajevo City Center ist ein „Geschenk“ von ihm an die Bosnier, denn schließlich bleibe das Gebäude für immer. Auch bei dem Design lag das letzte Wort bei Al Shiddi. Sowohl Architektur als auch Einrichtung wurde nach seiner persönlichen Definition von Luxus gestaltet. Das Erscheinungsbild jedes einzelnen Details wie der Mediafassade oder die gesamte Farbgebung sind den Vorstellungen des arabischen Scheichs geschuldet. Das erklärt möglicherweise auch warum die  zwei Projekte des gleichen bosnischen Architekten Sead Golos, das BBI Center und das Sarajevo City Center, so unterschiedlich sind.

Nach dem Interview ging es auf die osmanische Befestigungsanlage Bijela Tabija ganz am östlichen Ende der Stadt. Von hier hat man einen schönen Blick über die gesamte Stadt und das genau aus der Richtung der Hauptachse, an der Sarajevo entstanden ist. Im Dunst des aufsteigenden Nebels über der Stadt erkannten wir die Orte und Gebäude, denen wir in den letzten 10 Tagen so viel Zeit gewidmet haben. In die andere Richtung reichte unser Blick weit in das bewaldete Tal des Miljacka. Wir genossen den Ausblick und ließen die Stadt noch ein letztes Mal auf uns wirken.

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Von der Bijela Tabija: Sarajevo auf einem Blick

Dann ging es mit dem Taxi der Hauptachse Sarajevos entlang durch die gesamte Stadt: von der osmanischem Altstadt und dem K.-und-K.-Zentrum, über die modernistische Stadt des Sozialismus bis ans andere Ende zum Sarajevo International Airport. Es war ein schöner Abschluss, die gesamte Stadt an einem Stück zu durchfahren und alle Orte der letzten 10 Tage noch ein Mal im Schnelldurchlauf zu passieren. Wir erreichten den Flughafen – der Alltag in Österreich ruft.

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Auf dem Weg zum Flughafen: die Istiqlal-Moschee

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