Symboliken und wo sie zu finden sind

Nachdem wir gestern nur bis zur Grenze zwischen der Förderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska gekommen sind, machen wir uns heute zum westlichen Ende Sarajevos nach Dobrinja und Lukavica (Stadtteil Sarajevos auf dem Gebiet der Republika Srpska) auf.

Busfahrt nach Istočno Sarajevo vorbei an monströsen Wohnbauten
Busfahrt nach Istočno Sarajevo vorbei an unzähligen Wohnbauten

Die Anreise per Bus bestätigt unsere gestrigen Ausführungen bezüglich des öffentlichen Verkehrs: Der Bus bringt uns nur bis Dobrinja. Einige Meter vor der Grenze zur Republika Srpska, die übrigens an dieser Stelle nicht gekennzeichnet ist, befindet sich die Endstation. Gemeinsam mit uns machen sich einige weitere Passagiere zu Fuß auf den Weg in die Republika Srpska. Nach einigen Metern erblicken wir den Busbahnhof von Istočno Sarajevo (Ost-Sarajevo), wo der Weg mit den Öffis fortgesetzt werden könnte.

Völkerwanderung durch Niemandsland des Öffentlichen Verkehrs
Völkerwanderung durch Niemandsland des Öffentlichen Verkehrs
Busbahnhof Istočno Sarajevo
Busbahnhof Istočno Sarajevo
Gegenüberliegende Häuser mit grünen Hausnummern und Straßenschildern (Föderation Bosnien und Herzegowina) sowie blauen (Republika Srpska)
Gegenüberliegende Häuser mit blauen Hausnummern und Straßenschildern (Republika Srpska) sowie grünen (Föderation Bosnien und Herzegowina)

Unser Ausflug nach Istočno Sarajevo hat vor allem einen Grund: Wir wollen die Statue und den Park von Gavrilo Princip besuchen, denn die Meinung zur Person Gavrilo Princip teilt Bosnien. Für die einen ist er der Attentäter Franz Ferdinands und Sophies, für die anderen ist er ein Held, fast ein Märtyrer, der das Land von Österreich-Ungarn quasi befreit hat. Als Beispiel für die widersprüchlichen Sichtweisen hinsichtlich der Ereignisse 1914 haben wir bereits in einem vorigen Blogeintrag die Benennung der Straße Obranj erläutert. Weiters wurde die Brücke des Attentats während des Bosnienkrieges von Princip-Brücke in Lateinerbrücke umbenannt – ein Zeichen seitens der bosniakischen Bevölkerung.

In Istočno Sarajevo wurde 2014 ein deutliches Symbol bezüglich dieser Debatte gesetzt: Man benannte einen zentralen Park in diesem Stadtteil nach Gavrilo Princip und setzte eine Statue hinein. Ein Graffiti würdigt ihn ebenso.

Graffiti von Gavrilo Princip
Graffiti von Gavrilo Princip

Auf unserem Spaziergang durch Istočno Sarajevo sehen wir erstmals deutliche nationalistisch motivierte Symboliken, die uns so zuvor im Rest Sarajevos kaum begegnet sind. In unseren Gesprächen, als auch Recherchen, wurde dies jedoch schon im Vorhinein vermutet, da Sarajevo zu fast 80% (Zahlen von 2015) von Menschen, die sich selbst als Bosniaken bezeichnen, bewohnt wird – im Vergleich: 1991 waren es knapp unter 50%. Diese deutliche Mehrheit macht es nicht notwendig, sich von anderen Gruppen beispielsweise im Öffentlichen Raum abzugrenzen. Subtil gibt es jedoch durchaus Zeichen, die quasi den Territorialanspruch verdeutlichen – wie etwa die Benennung der Straßen. Jener Öffentliche Raum in Sarajevo, den wir bis vor dem heutigen Tag besucht haben, wird, bis auf die große Anzahl an Moscheen, kaum durch Symboliken vereinnahmt.

Serbisches Kreuz auf einer Hauswand in Istočno Sarajevo
Serbisches Kreuz auf einer Hauswand in Istočno Sarajevo

Interessant wird es diesbezüglich in anderen Teilen des Landes, in denen die Bevölkerungsstruktur heterogener ist. So beispielsweise in Mostar, wo die Verteilung zwischen kroatischer und bosniakischer Bevölkerung quasi ausgeglichen ist, diese jedoch räumlich nahezu unabhängig voneinander leben. Lena wird nach Sarajevo Mostar besuchen, und darüber kurz im Vergleich berichten.

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