[Tag 8] Garten Eden

Element des Zauns an der Calea Vacaresti —-“Wenn die Intelligenz fehlt, dann wird Geld gefährlich”

Das Gespräch mit Ștefan Ghenciulescu war für uns eine Möglichkeit unsere bisher erlebten Tage zu reflektieren und die Erfahrungen zu ordnen. Über die Kommunikation haben wir es geschafft eine Struktur in unsere Gedanken zu bekommen und Inhalte in ihren Zusammenhängen zu verstehen. Ștefan Ghenciulescu selbst ist Bukarester, Architekt, Herausgeber der Architekturzeitschrift Zeppelin und dieses Jahr unser Gastprofessor an der Technischen Universität Wien.

Im Grunde hatten wir ein lockeres Gespräch in einem hippen bukarester Gastgarten mit dem Namen Grădina Eden. Hier ist ein Hochhaus- und Sanierungsvorhaben des Herrenhauses aufgrund von Konflikten zum Erliegen gekommen und in der kultivierten Wildnis des Hofes wurde mit einfachen aber wirkungsvollen Mitteln ein sozialer Treffpunkt geschaffen.

Wir kamen auf das Thema der Partizipation zu sprechen, weil uns aufgefallen war, dass in Zusammenhang mit dem Vacaresti Naturpark sehr wenig Wert auf Zusammenarbeit mit der Bevölkerung gelegt wird. Ștefan meinte, das wäre ein schwieriges Thema hier, da die Menschen dafür noch nicht bereit seien und der Egoismus noch zu stark haftet. Partizipation hat in Rumänien noch ein Nieschendasein. Doch eine Entwicklung ist zu erkennen. Ștefan erzählte uns von Studio Basar und eine Gruppe, die sich “de Architectura” nennt. Hier werden Architekturkurse für Kinder an Schulen eingerichtet. “Aber nicht um kleine Architekten zu schaffen, sondern mündige Bürger”, so Ștefan Ghenciulescu. Eine demokratisch organisierte Gesellschaft ist wie ein Gebäude. Ist es einmal errichtet, muss man sich fortwährend um die Instandhaltung kümmern, möchte man verhindern, dass es zerfällt und verwahrlost.

Auch haben wir versucht zu erfahren, was die Bukarester denn an ihrer Stadt lieben und worauf sie stolz sind. Bukarest, als Großstadt und wirtschaftliche Macht innerhalb Rumäniens ist Anziehungspunkt derer, die einen festen und gerecht bezahlten Job suchen. Wir haben herausgehört, dass Bukarest oft nur als Mittel zum Zweck für ein privat erfülltes Leben dienen soll. So ist das Ziel der Stadtverwaltung auch ein wirtschaftlich starkes Bukarest und anlehnend an das Vorbild der Städte der vereinigten arabischen Emirate, wie zum Beispiel Dubai, zu gestalten. Wir wollten wissen, was ein vermutliches Ziel der öffentlichen Hand in Bezug auf die Zukunft des Vacaresti Naturparks sein könnte und Ștefan meinte, das würde eher wie ein Freizeitpark aussehen. Laut dieser Meinung finden wir hier also kein Stoff für einen Schutzteppich des Naturschutzgebietes. Wir sagen, die Politiker erkennen nicht das Besondere an diesem Park und die Potentiale, welche diesem Gebiet zugesprochen werden können und Ștefan antwortete, man erkenne das Besondere eher an dem was außerordentlich ist oder scheint und immer mit Konsum und dem Spektakulären zu tun hat.

Auch streiften wir die Themen Tourismus und UNESCO und kamen darüber auf den Denkmalschutz zu sprechen. Ein Diskurs welcher auch den Damm betrifft. Auf jeden Fall und was uns überrascht hat, es gibt Denkmalschutzämter und Denkmalschutzgesetze hier in Bukarest. Natürlich kann das nicht mit dem System, das wir kennen, gleichgesetzt werden. Auch wird hier ausschließlich “punitiv”, also bestrafend gehandelt. Subventionen, Steuererleichterungen und solche Dinge gibt es nicht. Stephan meinte zu unserem erstaunen, dass die Denkmalbehörden kein Interesse am Vacaresti Naturpark zeigen und eher dagegen sind, diesen zu erhalten. Hilfe aus von dieser Seite brauchen wir uns nicht erhoffen.

Richard lenkte nun das Gespräch auf internationale Wettbewerbe um den Park, wie wir sie mit Frau Tudora besprochen hatten. Ein schwieriges Thema, so sieht es auch Stephan. Solche Wettbewerbe werden hinterher nicht wirklich ernst genommen und anders ausgeführt und abweichend von der ursprünglichen Gestaltung.

Ein paar Sätze werden noch folgen…

 

 

 

 

 

 

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