Tag 7: Escaping town, escaping history

An diesem Tag entschlossen wir uns, die Umgebung von Sarajevo zu erkunden, um den Geist und das Herz der Stadt besser zu verstehen.

Kozija Cuprija war der erste Ort, den wir über Güterwege und alte Straßen erreichten. Kozja Cuprija ist eine Steinbrücke über den Fluss Miljacka, ein paar Kilometer östlich des alten Zentrums von Sarajevo, erbaut im 16. Jahrhundert. Die Brücke ist Teil der Carigrader Straße, die während der osmanischen Herrschaft von Sarajevo in die östlichen Teile des Reiches bis nach Konstantinopel zog. Die Kozja Cuprija ist eine der vier alten osmanischen Brücken in der Stadt, die noch erhalten sind.

Mit der Seilbahn gelangten wir auf den Hausberg Sarajevos, den Trebević. So konnten wir uns einen Blick über die Topographie und Stadtstruktur des östlichen Teils der Stadt machen. Abgesehen von einem herausstechenden Wolkenkratzern, einer handvoll Hochhäusern und kleinen Siedlungen mit Mehrfamilienwohnhäusern, wird diese Stadt von Einfamilienhäusern dominiert, welche quer über die Hänge verstreut sind. Der avantgardistische österreichisch-ungarische Städtebau um 1900 wurde nicht bis ins 21. Jahrhundert weitergetragen. Heute investieren österreichische Firmen vielmehr in sehr dichte Wohnbauprojekte ohne soziale Infrastruktur, um jeden Quadratmeter finanziell auszuschlachten.

Nach der Ankunft bei der Bergstation des Trebevićs, erkundeten wir die 400m lange Bobbahn, die für die Olympischen Spiele 1984 errichtet wurde und während der Belagerung im Herrschaftsgebiet der serbischen Truppen lag. Jetzt ist die halbzerfallene Bobbahn mit Graffiti und wuchernder Vegetation überseht, eine Augenweide der Vergänglichkeit. Durch die seit April in Betrieb gegangen Seilbahn ist sie auch leicht erreichbar für Touristen und somit bereits vom Geheimtipp zum Bestandteil jeder herkömmlichen Sarajevoreise geworden.

Wir gingen weiter zum Hotel Pino Nature, das vom Architekten Sirkovec Amir Vuk-Zec entworfen wurde. Das Hotel soll dem Trebević den alten Glanz der Olympischen Winterspiele wieder zurückbringen, welches der Berg noch immer für die Sarajile hat. Das Hotel liegt in einem Pinienwald, in der Gegend des ehemaligen Lieblingsortes der Sarajlije, dem Hotel Prvi Šumar.

Die Rückkehr auf das Straßenniveau machte uns Unbehagen und so begaben wir uns in den etwas schwer zu findenden 10. Stock eines Hotels an der Maršala Tita Straße, dem höchsten Gebäude -so far- im Zentrum der Altstadt.

Danach besuchten wir das War Childhood Museum, dessen Ausstellungsstücke ausnahmslos gesammelte Erinnerungsstücke an den Krieg beinhaltet. Diese sind persönliche Erinnerungen von Personen, welche damals Kinder waren. Trotz der gelungenen Gestaltung machte und die Ausstellung hauptsächlich traurig. Anna empfand, dass man den Fokus auf die Kindheit noch weiterdenken könnte und z.B. den vor dem Museum spielenden Kindern einen Spielplatz zur Verfügung stellen könnte.

Die eigenen Kindheitserinnerungen während des Krieges kehrten zu Marijana zurück und sie erzählte uns, wie sie als Kind auf den Straßen und in den Kellern spielte. Anna kamen diese Erzählungen sehr bekannt vor. Ihre beiden Omas hatten im 2. Weltkrieg Ähnliches erlebt. Dies brachte uns zur Konklusion des Tages, dass sich die Geschichte im Kreis zu drehen scheint. Vielleicht können wir dem Loop eines Tages entkommen…

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