Tag 5: Die Entdeckung der Schönheit Sarajevos

Wir haben es endlich geschafft und sind zum letzten unserer 6 ausgewählten Schauplätze gefahren: in das Viertel Grbavica. Die exakt gleiche Planung aus dem Jahre 1948 existiert auch im serbischen Novi Sad, ein weiteres Indiz eines modernistischen copy-paste Städtebaus. Bis 1992 galt Grbavica als modernes Nobelviertel, in welchem viele Offiziere wohnten. Während der Belagerung wurde es stark umkämpft und schliesslich von den serbischen Truppen eingenommen. Demnach erwarteten wir uns ein zerschossenes Ghetto…

Promenade am zerschossenen Gebäude

Wir verglichen unser Foto von der Belagerung mit der aktuellen Situation und mussten feststellen, dass vor allem das Stadion, wieder so rekonstruiert wurde, wie es vor dem Krieg war. Die Wohnblock wurden großteils renoviert, nur bei einigen wenigen sind die Einschüsse noch zu sehen. Geschockt waren wir, als wir im 10. Stock noch die schwarzen Plastikplanen erkannten, welche man während der Belagerung statt den Fensterscheiben anbrachte, damit in der Nacht nicht die Wohnraumbeleuchtung nach aussen drang. Ansonsten stellten wir fest, dass man die Belagerung an diesem Ort nicht mehr spürt. Das Viertel ist zwar definitiv arm, aber es wird gerade an einer neuen Strasse gebaut, die zum Teil auch schon fertig gestellt ist und zu unserer großen Überraschung eine Fahrradspur beinhaltet. (Anm.: Wir haben heute den 20. Fahrradfahrer in der Stadt gezählt.)

Obwohl das Viertel (und in einem kleineren Ausmass die gesamte Stadt) ein Parkplatzproblem hat, da das Stadtbild von PKWs dominiert wird, waren einige Innenhöfe zwischen den kreuz und quer gestellten Wohnblock sehr idyllisch. Von angepflanzten Blumenbeeten, über neu asphaltierte Wege bis zu überwucherten Gstetten haben wir alles gefunden.

grüner Innenhof die Überwucherung

Nachdem wir wieder eine Reise ins Ungewisse machten (an Bushaltestellen gibt es keine Informationen ob wann welcher Bus kommt) und uns so Richtung Zentrum begaben, fuhren wir dort angekommen mit dem Mapping fort. Während in der untersuchten Zone die Zmaja od Bosne durch den Autoverkehr beinahe zu einer unüberwindbare Barriere wird, kann man in den Parallelstrassen wunderschöne Ausblicke auf den von kleinen Häuschen gesäumten Gegenhang erhaschen oder im Park neben der Moschee dem Plätschern des Kanals, der beinahe den Autolärm übertönt lauschen.

beauty of Sarajevo

 

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