[Tag 1] HALLO BUKAREST

Angekommen… nach einer guten Stunde Flugzeit sagen wir “Hallo Bukarest”. Wir verlassen den Flughafen und begeben uns auf die Suche nach einem Stadtbus. Nachdem wir die richtige Linie gefunden haben, geht es direkt los, quer durch die Stadt. Der Bus ist überfüllt und Richard muss stehen. Die offenen Fenster sorgen, zumindest solange der Bus in Bewegung ist, für eine frische Briese. Erste Eindrücke rollen an uns vorbei. So auch der Victoria Palast – nun können wir sicher sein, wir sind in Rumänien!

Nach der Busfahrt, die so lange dauert, wie der Flug selbst, erreichen wir schlussendlich unser Forschungszentrum im 13. Stock der Asmita Gardens. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Stadt Wien. Der atemberaubende Blick von hier oben auf den Vacaresti Naturpark überzeugt uns sofort. Neugier schlägt Müdigkeit. Nach einer kurzen Erfrischung wollen wir los.

Kaffee, Tschick und ab in den Park!

Treppe

Nur wenige Meter trennen uns und den Park. Wir erklimmen die letzten Stufen der Böschung und tauchen ein in eine neue, uns unbekannte Umgebung. Der bis gerade noch gut zu hörende städtische Lärm schwindet mit jedem Schritt den wir den Wall tiefer hinuntersteigen. Wir können es kaum glauben, nach nur so wenigen Metern haben wir die Großstadt völlig hinter uns gelassen. Wir folgen dem Pfad und lassen uns von ihm leiten. Warnschilder entlang des Weges weisen auf die größten Gefahren hin, die es hier gibt. Zecken!

Der Hinweis hält uns jedoch nicht davon ab, auch kleinere Trampelpfade zu wählen, schließlich sind zwei von uns dreien geimpft.

So kommt es dazu, dass wir Alex begegnen. Gute zwei Stunden führt uns unser neu gewonnener Guide durch sein Revier. Von ihm erhalten wir neue und bisher unbekannte Hintergründe. Laut Alex ist die nordwestliche Ecke des Naturparks, in der wir uns aktuell befinden, ein stadtbekannter Treffpunkt für liebessuchende Großstadtromantiker. Romantiker wohl gemerkt. Doch nicht nur das erfahren wir. Unser redefreudiger neuer Freund meint außerdem:

“Die meisten Bukarester kennen diesen Park gar nicht, ich selbst habe ihn auch erst vor einem Jahr für mich entdeckt.”

Während wir mit Alex durch das Gelände spazieren begegnen uns weitere Naturfreunde. Viele sind es jedoch nicht. Rückblickend haben wir in den zwei stunden nur eine Hand voll Leute gesehen. Alex findet das gut. Auf die Frage, was er von der Umgestaltung des Parks halten würde, erwidert er mit skeptischem Blick:

“Davon halte ich gar nichts, der Park gefällt mir so wie er ist und ich finde es auch schön, dass ihn nur so wenige Leute kennen und nutzen.”

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Mittlerweile ist es spät geworden und die untergehende Sonne lässt uns für heute den Heimweg antreten…

 

 

= Die meisten Bukarester kennen diesen Park gar nicht =

 

 

2 Kommentare zu “[Tag 1] HALLO BUKAREST

  1. Peter A. Weinstock

    Interessanter Bericht! Ich denke, die vielen Betonumrandungen des Naturschutzgebietes müssen iregndwie mit dem Hochwasserschutz zusammenhängen. Die Donau fließt ja nicht weit weg direkt an Bukarest vorbei.

    1. Roman

      Lieber Peter, wir freuen uns über dein Interesse und mit dem Damm hast du auch ein bemerkenswertes Element des Parks herausgesucht.

      Wir arbeiten daran, den symbolischen Wert dieser Umrandung von der Entstehung bis heute zu ergründen und diesen Schwellenbereich zwischen Park und Stadt zu verstehen.

      Nun zu deiner Frage. Du liegst ganz richtig mit deiner Vermutung. Ich hole ein wenig aus um die Geschichte verständlich zu machen.
      Das Gebiet des heutigen Parks war einst besiedelt. 1988 begann die radikale Enteignung der verbliebenen Landbesitzer durch die kommunistische Regierung. Grund dafür war ein von Ceaușescu in Auftrag gegebener Entwicklungsplan, der den Titel „Amenajare Lac Văcărești“ (dt. Einrichtung See Văcărești) trug. Eine hydrotechnische Anlage, die dem Schutz vor Überflutungen, durch den Fluss Dâmbovița, welcher die Stadt durchquert, gewährleisten sollte. Die Bauarbeiten begannen nachdem die EigentümerInnen aus ihren Häusern in angrenzende Wohnblocks umgesiedelt wurden. Durch die autoritäre Interessensdurchsetzung seitens des kommunistischen Regimes entstanden problematische Eigentumsverhältnisse, die bis heute nachwirken. Für die massive Seeanlage wurde von Ingenieuren ein künstlicher Betondamm entwickelt, der einen Umfang von rund 4 km misst. Nach der Fertigstellung des Damms wurde versucht die Fläche mit Wasser zu füllen, welches aus dem angrenzenden Fluss Dâmbovița herausgepumpt wurde. Durch Planungs- und Umsetzungsfehler konnte der künstlich angelegte See die Wassermasse allerdings nicht halten und so wurden die Bauarbeiten nach einem Besuch Ceaușescus, wegen dessen Unzufriedenheit im Sommer 1989 vorerst eingestellt. Mit dem Fall des kommunistischen Regimes und dem Tod Ceaușescus im Dezember 1989 geriet das eingestellte Entwicklungsprojekt in Vergessenheit und die Zone verblieb als stillgelegte Baustelle.

      Durch verschiedene Grundwasserquellen, die in dem Gebiet vorhanden waren, wurde nach und nach unterschiedlichen Fischarten der Zugang ermöglicht. Durch den schützenden Charakter des Damms, die heterogene, geologische und somit für die Besiedelung ungeeignete Bodenbeschaffenheit und eine gewisse Hilflosigkeit der Stadt und Bevölkerung, aufgrund der ungeklärten Eigentumsverhältnisse, entwickelte sich das Gebiet langsam von selbst weiter. Diesen Prozess haben wir mit der Wortkombination ‘Passive-Aktivitat’ zusammengefasst.

      Wir haben keine fundierten Informationen dazu, aber die Donau ist nicht weit und eventuell hatte Ceaușescu tatsächlich die Idee aus Bukarest eine Hafenstadt zu machen und mit der Donau zu koppeln.

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