Der Weg ist das Ziel

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Zwei Tage, zwei unbekannte Länder.

Wir sind aufgebrochen! Eingestiegen in unser Schiff, unser Lebensraum für die kommenden Wochen. Die Landschaft zieht vorbei, in einem kroatischen Dorf stehen Menschen vor ihren Häusern am Straßenrand, es ist Montagmorgen sieben Uhr. Der Straßenzug der gestern wie ausgestorben wirkte ist voll mit BewohnerInnen die auf eine Lieferung Ihres Bauers warten. Die Temporalität jener Situation, die den Raum um die breite Durchgangsstraße in einen Marktplatz wandelt fasziniert. Auch in unserer Expedition steuern wir mit verschiedenen Geschwindigkeiten Orte an, um temporär den Raum anzunehmen, in dem wir ankern und forschen.

In Belgrad beginnt mit dem Überqueren der Stadtgrenze die Vorbereitungsphase der Expedition. Kommunistischer Brutalismus, das zerbombte Militärministerium, quirlige Straßenszenen, fluchende Taxifahrer und Geschwindigkeit. Diese Stadt strahlt in jedem Augenblick eine unbändige Lebendigkeit aus. Wir lassen uns bei einem Spaziergang treiben, eine Eisverkäuferin kühlt ihre Waren mit dem Strom einer Straßenlaterne. In der Erdgeschossvorzone eines Supermarktes legt ein alter Herr gebrauchte Taschenbücher zum Verkauf aus. Wir fragen uns, wo die Informalität im öffentlichen Raum beginnt. Informelle Bauten lassen sich schwer von den formellen Pendants im innerstädtischen Kontext unterscheiden. Parasitäre Aufstockungen, die so genannten Pilzhäuser, sind jedoch schnell identifiziert. Eine Tragwerkskunst die fernab unseres baurechtlichen Verständnisses liegt und dennoch seit Jahrzehnten besteht. Wir stellen die Vermutung auf, dass sich das kreative Beugen von Regeln in Belgrad allgegenwärtig manifestiert. Wir werden auch der Frage nachgehen, inwieweit die Stabilität des Informellen Vorteile für Akteure und den öffentlichen Raum verschaffen kann.

In der anstehenden Expedition steuern wir verschiedene, durch Informalität geprägte Orte an. In einer bereits in Wien durchgeführten Expertenumfrage erhielten wir eine Auflistung möglicher zu untersuchender öffentlicher Räume. In den kommenden drei Tagen werden wir Akteure Treffen, in Gesprächen vor Ort deren Sicht auf Chancen und Risiken der jeweiligen Gebiete gewinnen.

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