Kaluđerica – Öffentlicher Raum im Spannungsfeld zwischen Legalität und Illegalität

Hallo und herzlich willkommen zu unserem ersten Blogeintrag zum Thema Informelles Bauen in Belgrad!

Kurz zu unserer Gruppe: Wir sind drei Architekturstudenten – Rafael Essl (24), Danijel Obradovic (25) und Hannes Schachner (24). Da wir alle drei aus der Architektur kommen haben wir bisher noch nicht so viel Erfahrung mit der Untersuchung von öffentlichen Räumen gemacht, wir sind aber motiviert uns dem Thema zu stellen und Euch an unseren Fortschritten und Erkenntnissen teilhaben zu lassen!

Unser Thema: Nachdem wir uns länger mit Belgrad und dessen unterschiedlichen Aspekten des öffentlichen Raumes, welche für uns zu untersuchen wert schienen, beschäftigt haben (Welche es noch gab wird später in einem eigenen Blogeintrag beschrieben, da Belgrad da einiges zu bieten hat), haben wir uns schlussendlich auf das Thema des informellen Bauens am Stadtrand von Belgrad spezialisiert. Wir beschäftigen uns genauer gesagt mit der größten dieser Siedlungen – Kaludjerica im Südosten der Stadt und werden dort den öffentlichen Raum analysieren. Was uns ebenfalls sehr helfen wird ist, dass Danijel direkt aus Belgrad kommt und uns sehr mit seinem Vorwissen hilft und natürlich auch wenn es um das Ansprechen von Partnern vor Ort geht.

Anbei ist das Abstract unseres Forschungsantrages für die Stadt Wien, bei der wir Fördermittel für eine Forschungsreise beantragen werden. Das Abstract gibt einen guten Überblick über die Geschichte Belgrads, wie informelle Siedlungen am Stadtrand entstehen konnten und was unsere Motivation dahinter ist. Viel Spaß beim Lesen!

“Belgrad, zu Deutsch die “weiße Stadt” und heutige Hauptstadt Serbiens ist gezeichnet von einer über 2000 Jahre zurückreichenden Geschichte. Die Stadt, gelegen an der Mündung von Save und Donau liegt seit jeher in einem Spannungsfeld zwischen östlichen und westlichen Kulturen. Die Besetzung der Osmanen und der Habsburger, sowie der Stellenwert den Belgrad als Hauptstadt des kommunistisch geführten Jugoslawiens einnahm, und zuletzt dessen Zerfall hinterließen tiefe Spuren in der Stadtmorphologie, welche noch heute sichtbar und im Stadtbild omnipräsent sind.

Ein Beispiel dieser prägenden Gebiete stellen informelle Siedlungen am Rande Belgrads dar, insbesondere die größte Siedlung dieser Art, Kaludjerica im Südosten der Stadt.

Entstanden durch die Parzellierung von Ackerland im Kommunismus entwickelte sich die Siedlung in den 1990er Jahren zur größten illegalen Siedlung am Balkan. Der Jugoslawienkrieg und dadurch ausgelöste Flüchtlingsströme gepaart mit einer überforderten Politik und fehlender stadtplanerischer Vorkehrungen führten zu einem rasanten Anstieg illegaler Bauten. Von der Politik weitestgehend ignoriert, konnte sich die serbische Mittelschicht Kaludjerica aneignen. Gerade deswegen ist diese Siedlung mit anderen informellen Siedlungen abseits von Europa nicht vergleichbar.

Der öffentliche Raum ist in Kaludjerica einer der brisantesten Aspekte den es zu erforschen gilt. Auf den ersten Blick ist dieser kaum fassbar, er existiert nur als Verbindung zwischen privaten Grundstücken, oder als Vorplatz vor wenigen öffentlichen Gebäuden. Diese Forschungsreise stellt den Anspruch zu untersuchen, wie sich öffentlicher Raum im Spannungsfeld zwischen Legalität und Illegalität zeigt, in welcher Form sich dieser entwickelt hat, und wie dieser verwaltet wird.”

Wir hoffen Ihr konntet Euch einen ersten Überblick über unser Projekt machen – bis bald,

Team Informelles Bauen in Belgrad

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