Verlust der Stadtpolitik // Google Urbanism

Lost in Transformation.

„what makes power hold good, what makes it accepted, is simply the fact that it doesn‘t only weigh on us as a force that says no, but that it traverses and produces things, it induces pleasure, forms knowledge, produces discourse. It must be considered as a productive nework which runs through the whole social body, much more than as a negative instance whose functions is repression“ Michel Foucault 1984

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Eines der Hauptaugenmerke unserer Forschung ist der Mensch in der Stadt: als Individuum und in Kollektiven der diversen Gesellschaft im Kontext der Digitalisierung. Und die Frage nach Machtverschiebungen, die innerhalb dieses Gegensatzes gerade stattfinden. Dabei beleuchten wir die Chancen für die Planung und die Nutzung der Stadt, die sich für Bürger*innen ergeben (Demokratisierung) – aber auch die großen Unternehmen, wie die Google-Mutterfirma Alphabet, die in der Stadtentwicklung mehr und mehr an Macht gewinnen.

„Algorithmen übernehmen die Stadtplanung – so wird der öffentliche Raum privatisiert.“

Alphabet startete im Jahr 2015 die Tochterfirma und versucht sich so als Akteur für Stadtentwicklung zu etablieren. So beauftragte die Stadt Toronto das Unternehmen um die Quayside, ein zwölf Hektar großes, unbebautes Gebiet am Wasser, unter dem Projektnamen Sidewalk Toronto in ein digitales Wunderwerk zu verwandeln.

https://sidewalktoronto.ca/

„Städte, sagt Alphabet, waren schon immer Plattformen; jetzt sind sie eben auch digitale. “Die großartigsten Städte der Welt waren immer Zentren des Wachstums und der Innovation, weil sie auf die Plattformen setzten, die von ihren visionären Führern eingesetzt wurden”, heißt es in dem Vorschlag. “Rom hatte Aquädukte, London die U-Bahn, Manhattan das gitterartige Straßennetz.” Toronto wird Alphabet haben. Inmitten dieser Plattform-Euphorie vergisst man leicht, dass etwa ein Straßennetz in der Regel keiner privaten Entität gehört, die fähig ist, manche auszuschließen und andere zu bevorteilen.“ (Süddeutsche)

Jedoch schafft Alphabet kein digitales Netzwerk, sondern ein gewaltiges Machtmonopol. Wie die auch die Süddeutsche Zeitung in einem kürzlich erschienen Artikel warnt, wäre das das Ende der Stadtpolitik, oder gar der Demokratie – indem die kommunale Planungshoheit durch Marktkräfte ersetzt wird.

Was würde passieren, wenn dieser sogenannte Google Urbanismus wirklich übergreifen würde? Dieser Frage geht eine Projektgruppe des Strelka Institute for Media, Architecture and Design in Moskau nach und startete das Projekt Google Urbanism. In diesem Projekt geht man von den öffentlichen Räumen der Stadt aus, die nur mit den aktiven Nutzern dieser Räume, als wesentlicher Bestandteil von demokratischer Stadtpolitik funktionieren. zum Interview

“Users are real people, and before being present in the digital space of tech platforms, they are always actually present somewhere in the physical space of the real world…Our project imagines a new type of “public license”, where “access to users’ presence” in public spaces could generate financial dividends for the city, similar to how licensing mining rights to private companies generates royalties for the state.” 

http://googleurbanism.com/
http://googleurbanism.com/

Das Projekt argumentiert für eine Art Lizenz für die Generierung und vor allem für die Abschöpfung von Daten im öffentlichen Raum, die von Unternehmen, insbesondere Google, erstanden werden kann. Die Erträge des Verkaufs kämen wieder der Stadt und ihrer NutzerInnen zugute.

Diese Studienabschlussarbeit spielt mit dem Gedanken eines an Public-Private-Partnership angelehnten Konzepts, das sich für die “Smart City” schon lange abzeichnet. Die Provokation dahinter durch das Spiel mit der Frage um die Funktion des eigenen Körpers als “Datenspender” im öffentlichen Raum, ist erst nach genauerem Hinsehen ersichtlich. 

Fragen die sich uns stellen:
Sollte die Stadt mit Google zusammenarbeiten?
Sollte man der Stadt Wien freiwillig Daten zur Verfügung stellen um Unternehmen wie Google auszubremsen?

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

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