Lost in Transformation

Digitale Transformation_

Was kommt da auf uns zu?

Das ist die Frage die sich uns als Forschungsteam im Rahmen des interdisziplinären Projektes stellt. In allen Bereichen des Lebens scheint sich das Digitale auszubreiten. Doch nicht abrupt wie man sich eine Revolution vorstellt sondern schleichend und unbemerkt baut sich ein intelligentes System auf.
Wir sind schon mitten drin!
Wer steuert diesen Prozess, wer gestaltet ihn, wer sind die Gegner*innen und die Befürworter*innen dieser Revolution und was geschieht mit dem Leben der Individuen, wenn sie scheinbar unbemerkt Teil dessen werden, sind die Fragen die sich uns in der Annäherung an das Thema aufwerfen. Im Folgenden möchten wir uns eine erste theoretische Basis zur Einführung in den Diskurs aktueller Entwicklungen der Digitalisierung im Kontext Stadt legen.

Georg Simmel beschreibt in dem 1903 erschienenen Aufsatz „die Großstädte und das Geistesleben“ die Prozesse der Transformation des Menschen in der Stadt während der industriellen Revolution. Er sieht den Menschen in der Maschine, das Individuum kämpft mit dem Prozess sich völlig in das System einzugliedern und somit seine „leibliche Existenz“ zu verlieren. Hierbei ist Grundmotiv:

„(…) der Widerstand des Subjekts, in einem gesellschaftlich-technischem Mechanismus nivelliert und verbraucht zu werden“. Simmel 1903, Die Großstädte und das Geistesleben

Die Stadt als demokratischer Ort in dem sich die Kultur verkörpert ist Ausdruck diese „Kampfes“ wie Simmel diesen Prozess beschreibt. In der Stadt lässt sich ablesen wie die Gleichung zwischen den individuellen und überindividuellen Inhalten des Lebens aufgeht und sich die Persönlichkeit mit der äußeren Macht abfindet.
Simmel beschreibt wie sich die Psyche des urbanen Menschen verändert. Er stellt die These auf, dass die Reaktion auf das Leben im mechanisierten Raum die Reaktion ehemals von der natürlichen Handlung aus dem Gemüt (Individualität) heraus nun aus dem Verstand (Leistung / Gegenleistung) heraus geschieht. Alle Handlungen laufen in den Taktungen der Maschine die die Wege des Menschen scheinbar vorzugeben scheint.

Der Kampf des Großstädters um die Menschlichkeit in der Maschine, den Simmel in seinem Text ausführt, ist heute wieder brandaktuell denn wir stecken immer noch in der Maschine doch nun wird sie digital.

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Das Interview mit Sarah Spickermann unter dem Titel die „ethische Maschine“ greift genau diesen von Simmel beschriebenen Prozess auf und stellt die Frage wie sich der Mensch dazu positioniert. Sie spricht über die Transzendentalist*innen die den Menschen nur als Fehler in dieser sich selbst perfektionierenden Maschine sehen – verblüffend, wenn man sich die eingehenden Worte Simmels die vor über hundert Jahren geschrieben wurden dazu in Gedanken ruft. Sie haben den Verlust der „leiblichen Existenz“ akzeptiert, und genau diese Menschen programmieren gerade die Maschine neu.

Sarah Spiekermann im Interview

Nija-Maria Linke, Leonard Suttner, Hannah Niemand, Christopher Bindig

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