Erste Erkundung

Wir kommen zusammen in Athen an. Für den einen ist es die Rückkehr zum Zuhause des letzten Jahres, für den anderen die Ankunft in einer noch unentdeckten Stadt.

Am ersten Tag tauchen wir ein, in Athens Häusermeer. Wir laufen die Straßen entlang, den Blick auf die Wände der Stadt geheftet, auf der Suche nach den Slogans, Sätzen und Zeichen die die geführten Diskurse sichtbar machen. Es sind kryptische Zeichen eines anderen Alphabets. Zeichen die für den, der die Sprache nicht kennt, vor allem grafische und räumliche Aspekte aufzeigen. Für den anderen sind es vertraute Laute, deren Bedeutungen sich aber nur teils vor Ort erschließen lassen.

Die Parolen und Aussagen wiederholen sich und sind meist linker, antifaschistischer oder auch anarchistischer Gesinnung. SOLIDARITÄT FÜR IMMIGRANTEN, PAPIERE DEN IMMIGRANTEN, FUSSTRITTE DEN RASSISTEN, ANTIFA HEISST ANGRIFF, SOLIDARITÄT MIT DEN HAUSBESETZERN sind nur einige der Aussagen.

Wir gehen von einem Slogan, auf der Suche nach dem nächsten die Straße entlang, der Blick wie hypnotisiert auf die Wand gerichtet – bis wir erschreckt feststellen, dass wir uns gar nicht die Menschen und unsere Umgebung ansehen! Dabei sind um uns herum doch die MigrantInnen, für die sich an den Wänden so eingesetzt wird und die Menschen für die die beschriebene Wände zum alltäglichen Bild gehören!

Wir befinden uns im Stadtteil Platia Viktorias, einer Nachbarschaft die schon vor der Flüchtlingskrise, migrantische communities besaß und seit 2015 zentrale Anlaufstelle für viel Flüchtlinge geworden ist. Auf dem Viktoria Platz bietet sich uns ein Bild von einem viel genutzten öffentlichen Raum. Überall sitzen oder stehen Menschen. Auf den Bänken, auf den Rasenflächen, auf den Mäuerchen. Größtenteils sind es Gruppen von jungen Männern die wahrscheinlich aus dem Nahen- oder Mittleren Osten stammen, aber auch Kinder, Frauen und GriechInnen.

Viktoria_Park

Wir fragen uns ob die MigrantInnen die Slogans an der Wand verstehen – nur vereinzelt haben wir arabische oder englische Sätze entdecken können. Wir fragen uns auch wo sich die Verfasser der Botschaften aufhalten und an wen sie sich genau richten.

Zurück zu Hause reflektieren wir das gesehene und nehmen uns für den nächsten Tag vor, die Schriftzüge und Plakate mehr im Kontext des jeweiligen Viertels zu betrachten und wollen heraus finden, wie sich die an der Wand geführten Diskurse mit dem Charakter des Stadtteils zusammen bringen lassen.

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