Bonne dimanche et 100 pap

Die erste Woche sitzt tief in den Knochen, und das nicht nur weil wir in dieser Woche 70 km durch die Stadt gelaufen sind, sondern weil wir in Brüssel und vor allem in St. Josse tatsächlich angekommen sind. Gefühlt ist es auch eher ein Monat als nur eine Woche und die Stadt ist tatsächlich wie ein zu Hause geworden.

Der Sonntag ist schön und die Sonne taucht die Innenstadt in ein sanftes Licht. Der Vormittag ist hier belebt durch die Flaneure, die durch die Stadt drängeln, in Cafés oder auf Plätzen sitzen und ihre Zeit vertreiben.

Wir sind dann doch froh, als wir die Grenze der Innenstadt passieren, und wieder nach St. Josse eintauchen. Im Supermarkt und beim türkischen Bäcker um die Ecke wird noch schnell eingekauft und wir werden mit einem freundlichen „bonne dimanche“ wieder auf den Weg geschickt, der uns vorbei an alten Bekannten führt. Dem Café Beton, dessen tägliche Besucher wir freundlich anlächlen und dem Place Bossuet, auf dessen Bänke eine Handvoll Männer ins Gespräch vertieft ist. Bonne dimanche! Schönen Sonntag und ducken uns vor dem Schwall Tauben, der durch unser Schlendern in die Höhe schießt.

Der Sonntag wird ansonsten ruhig. Das nachbarliche Gegacker der Hühner und die lachend spielenden Kinder im Hinterhof sind die Geräuschkulisse dieses Tages. Erst gegen abends starten wir für eine neue Tour zu einem Platz, der die Grenze zu Schaerbeek markiert. Auf dem Weg bleiben wir bei einer Kreidetafel stehen, die etwas von commune hospitalière erzählt und auf jener ein nicht ganz deutliches „table ouvert“ – offene Tafel geschrieben steht.

Wir treten in den Hof und schauen durch die Glasfassade hinein. In diesem Augenblick geht die Türe auf und wir werden mit einem freundlichen „Bonjour“ in das Gebäude gezogen und aufgrund der Englisch-Französisch Barriere in den Garten weitergeleitet. Die Offenheit mit der wir empfangen werden und Raum für uns gemacht wird ist beeindruckend und überwältigend. Wir erklären unser Projekt, die Zufälligkeit mit der wir hier vorbeikamen und reden vor allem mit Sophie, einer Sozialarbeiterin, die uns erklärt, dass dieses Haus derzeit von Menschen ohne gültige Papiere bewohnt wird. Sans Papiers.

Wir werden weitergebracht in den ersten Stock, in eine der Wohnungen, die von einer Familie bewohnt wird und werden herzlichst von Frau und Kind empfangen und in die kleine Küche geführt. Hier sitzen eine Runde Männer, essen, besprechen und trinken Bier. 2 Stühle werden sofort für uns gebracht, wir werden zum Essen eingeladen und hier sollen wir nochmals beschreiben was wir tun und warum wir hier sind. Wir reden mit Pietro, der alles Gesagte für die Anderen übersetzt. Wir erfahren mehr über die Arbeit, die alle hier leisten und dass es eine weitere Squad in St. Josse gibt. Einer der Männer zückt sofort das Telefon, um uns zu helfen und ruft dort an. Wir bekommen einen Termin für den nächsten Tag um den Standort in St. Josse zu besuchen.
Einer der Männer fragt wie wir davon gehört hätten, dass sie dort an dem Standort seien. „Par hasard“ sagt Pietro. Also zufällig. Der andere meint es gibt doch keine Zufälle. Alles passiert aus gutem Grund. Die erste Woche gibt uns genau dies Bild wieder zurück. Alles fügt sich. Richtige Zeit, richtiger Ort.

Wir gehen zurück in den Garten. Wir trinken ihr Bier. 100 pap. Wir reden über persönliche Geschichten, über Politik und die Arbeit. Wir reden englisch, französich, deutsch, italienisch.

 

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