Mein bester, bester Platz ist leer…

Der Stadtplaner William H. Whyte betonte die Wichtigkeit der Straße für das städtische Leben als er sagte: »The street is the river of life of the city, the place where we come together, the pathway to the center.«

Der Straßenraum unserer nahen Wohnumgebung spielt schon allein zeitlich gesehen eine große Rolle in unseren städtischen Leben.

Wir gehen täglich mindestens zweimal unsere Straße entlang. Wenn man 500m bis zur nächsten Station eines öffentlichen Verkehrsmittels annimmt, sind das etwa 92 h/Jahr.

In dieser Zeit nehmen wir natürlich auch wahr, was in unserer Umgebung passiert. So sehen wir täglich die ältere Dame von nebenan mit ihrem Hund spazieren und den kleinen Timmi in die Schule gehen.
Was wir nicht sehen, ist, dass die ältere Dame ihren Hund abgeben muss, da sie nach ihrer Operation nicht mehr mit ihm spazieren gehen kann. Dass Timmi sich sehnlichst einen Hund wünscht, und seine Eltern verzweifelt einen suchen mit dem er spazieren gehen kann um endlich Ruhe zu haben.

Warum wir das nicht sehen?

Weil wir den Straßenraum vor unserer Wohnung als reinen Transitraum nutzen.
Der Soziologe Sennett sagte dazu 1986 »der öffentliche Raum wird zu einer Funktion der Fortbewegung«
Wir gehen, oder wie man in Deutschland sagen würden: laufen, von A nach B, bemerken nur was sich schnell präsentiert und nehmen uns nicht die Zeit für die kleinen Facetten dazwischen.

Wie wir das ändern können?

Um das Potenzials deBench Bombing kleins Straßenraumes als Aufenthaltraumes auszuschöpfen muss dieser qualitativ aufgewertet werden um so unterschiedliche Leute zum Verweilen einladen.

Das Schaffen von Sitzmöglichkeiten ist eine der effiktivsten Möglichkeiten.
Oder wie der Soziologe und Stadtplaner William H. Whyte sagte: »People tend to sit, where there are places to sit.«
Diese laden ein für einen Moment inne zu halten um die aufkommenden Frühlingssonnen zu genießen oder bieten mobilitätseingeschränkten Leuten die Möglichkeit sich kurz auszuruhen und so auch längere Wege zurück zu legen.

Und würden so vielleicht eine Begegnung zwischen der älteren Frau von nebenan und Timmis Eltern ermöglichen.
Wie wir wissen setzt sich die Stadt Wien mit dieser Thematik weitgehend auseinander. In der Stadtentwicklungsplan 2025 sind klare Ziele zur Aufwertung des öffentlichen Raumes genannt. Zum Beispiel forciert die Stadt Wien die Schaffung von Mirkofreiräumen im Straßenraum, für die Sitzmöglichkeiten einen der wichtigsten Eingriffe bedeutet.
In Wien wurden in den letzten Jahren qualitative Projekte umgesetzt. Sitzgelegenheiten, die unterschiedliche Nutzer und Nutzerinnen ansprechen, mit Formen, Farben, Material und Konstellation spielen.

Es wurden aber auch Situationen geschaffen, über die ich mich sehr wunder. Und dann frage ich mich:

Doch sind die Wiener Lösungen die Besten, das Nonplusultra?

Um diese Frage zu beantworten werde ich eine andere Stadt in den Mittelpunkt meiner Forschungsarbeit stellen.

Mein Projekt Mein bester, bester Platz ist leer… untersucht die Berliner Sitzkultur, deckt Unbekanntes auf und lenkt den Blick auf diejenigen die Sitzbänke erst zum Leben erwecken: die Nutzer und Initiatorinnen.

Berlin ist nicht nur die Stadt der Raumpioniere, der Aneignung, der Eigeninitiative. Sondern derzeit auch die Stadt des Sitzens, auf der Straße zu sitzen und Leute zu beobachten ist hip. Nicht nur Cafes und Restaurants legen Wert auf Außenraumbewirtschaftung, auch jeder Laden der etwas auf sich hält, Privatpersonen und Initiativen besetzen den Straßenraum mit Sitzmöglichkeiten.

Ich werde den Berliner Stadtteil Nordneukölln untersuchen. Dieser besteht vorwiegend aus gründerzeitlicher Bausubstanz und ist dementsprechend ein sehr dicht bebauter Ortsteil mit einer hohen Anzahl an Bewohnern. Die Erdgeschosszone ist sehr belebt und weist eine immer größere Anzahl an Cafe´s und Läden auf, da sich Nordneukölln in Umbruchstimmung befindet und sich von einem Problembezirk mit strukturellen Defiziten zu einem Hipbezirk, mit kreativen Milieu und potenziellen Gentrifizieren entwickelt hat.

Diesen unterteile ich in 12 Abschnitte, welche ich in 12 Tagen begehen werde.
Hier untersuche ich Sitzmöglichkeiten die von der Stadt, also vom zuständigen Grünflächenamt, von Gewerbetreibenden z.B Außenraumbewirtschaftung, von Initiativen (teilweise mit Unterstützung von der Gebietsbetreuung oder ähnlichen) oder Privatpersonen in Form von Bench Bombing geschaffen wurden.

Wie ich das machen will?

Ich werde Ich werde die Sitzmöglichkeiten im öffentlichen Raum Aufspüren, Fotografieren und Kartografieren. Die Fotos werden mit Gps Daten aufgenommen, um eine Zuordnung zu erleichtern.
Danach werde ich die Sitzmöglichkeiten in Kategorien einteilen (Material, Form, Positionierung, Formel oder Informel).

Außerdem werde ich ausgewählte Projekte tiefer gehend betrachten. Ich werde durch stille Beobachtung feststellen, wer die Nutzerinnen sind, was für Tätigkeiten sie ausführen, und wie lange sie bleiben. Außerdem werde ich mit Nutzern, Akteurinnen und/oder Anrainern Interviews führe. Sie nach nach ihren Motiven, Erlebnissen oder Wünschen fragen.
Danach werde ich die gesammelten Daten aufbereiten und einen Katalog zum urbanen Sitzen in Nordneukölln erstellen.

Dieser Katalog soll helfen, die Stadt Wien, Planerinnen, Behörden und Gewerbetreibende für das Thema zu sensibilisieren, mögliche Mehrwerte aufzuzeigen und bestenfalls Unbekannte Lösungen nach Wien zu importieren.

 

 

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