Stadtrand und Peripherie

Der Stadtrand Wiens und seine Qualitäten für die Stadt werden im städtebaulichen Diskurs zunehmend abgebildet. Wie in vielen europäischen Hauptstädten verzeichnet auch Wien ein Großstadtwachstum seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und auch in den kommenden Jahren hat die Stadt mit einem Bevölkerungswachstum zu rechnen. Dadurch entsteht nicht nur ein baulicher Nutzungsdruck auf den Stadtrand Wiens, sondern auch auf den öffentlichen Raum. Der öffentliche Raum als Lebensraum dient als Raum des Austauschs, der Begegnung, aber auch des Konflikts. Manchmal müssen gewohnte Erwartungshaltungen an den öffentlichen Raum verändert werden um die Potentiale der Räume am Rande der Stadt zu erkennen.

Das Erkennen geschieht mittels Spaziergängen bzw. Streifzügen. Der Spaziergang, als Analysemethode, dient als Darstellungsform innerer und äußerer Welten und ist somit keine Darstellung ansich, sondern eine Wahrnehmung, die allerdings, geprägt durch Erfahrungen, frühere Darstellungen voraussetzt. Es geht darum eine Wahrnehmungsform zu finden, die es erlaubt eine bekannte Situation neu zu beurteilen.

Durch einen Vergleich mit einer anderen Stadt, die in ihrer Vergangenheit und auch Gegenwart ein starkes Stadt- und Bevölkerungswachstum erlebt hat, können Erkenntnisse darüber gewonnen werden, wie mit den öffentlichen Lebensräumen am Stadtrand umgegangen werden kann bzw. welche Prozesse sich aus den Bedürfnissen heraus entwickelt haben. Vielleicht bedarf es manchmal keiner Gestaltung im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr eine Neuinterpretation dieser bereits vorhandenen Räume.

„Die Stadt gedeiht an ihren Brüchen“Jörg Witte

Als zu untersuchender Raumtyp, beispielhaft hinsichtlich des Aspekts des sich verdichtenden Stadtraums, dienen die Transiträume in der Peripherie von Wien und Madrid. Entlang von Transiträumen treffen die unterschiedlichsten Nutzungen aufeinander. Es sind Orte wo Altes und Neues sich gegenüberstehen – aneinander gewachsen mit der Zeit. Mit Transiträumen sind hier nicht nur klassische Orte, wie Flughäfen oder Bahnhöfe gemeint, sondern Übergangsräume. Welche gesellschaftlichen Phänomene lassen sich dort ablesen und welche Relevanz spielt der öffentliche Raum, der in diesen Zonen oft eher als Bruch oder Restraum wahrgenommen wird?

„Die sich räumlich verändernden alten und neuen Peripherien erzählen uns von den Prozessen der Stadt.“ Thorsten Heitkamp

Madrid erlebte in den fünfziger bis siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts einen starken Bevölkerungszustrom. Ungefähr vierzig Prozent aller, in der autonomen Region ansässigen, Personen leben im Umland der Stadt Madrid. Die Stadt hatte in ihrer Vergangenheit keine hohe Regelungsdichte der Raumplanung zu verzeichnen, dadurch haben sich andere Suburbanisierungsprozesse abgezeichnet, als etwa in Wien. Trotzdem lassen sich ähnliche Entwicklungsstrukturen in beiden Städten ablesen.

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