Innere Peripherien

Wo transformieren sich Städte? Wo wachsen Städte? Wo sind noch Handlungsspielräume? An den inneren und äußeren Rändern, in den inneren und äußeren Peripherien.
Die äußeren Ränder werden von Klara Hrubicek (siehe Projekt: Gebrauchsspuren) die inneren von Helene Schauer getrennt untersucht, aber nach der gemeinsamen Expedition nach Madrid werden die Ergebnisse gegenübergestellt.

Hans-Heinrich Nolte beschreibt die innere Peripherie wie folgend: „eine Region innerhalb eines Staates, in der die Bedingungen so organisiert sind, daß die Vorteile den Menschen einer anderen Region dieses Staates zugute kommen. Diese andere Region nennen wir Zentrum.“

Metrozonen sind innere Peripherien, Maschinen der Städte; unwirtliche Nutzungen verorten sich in ihnen – Verkehrsgroßsystemen, Industrie, Logistik, Gewerbe, Kläranlagen und Deponien. Geprägt von diesen sind sie Gegenorte zu gewohnten urbanen Räumen und gleichzeitig Vorraussetzung für das Funktionieren dieses gewohnten Stadtbilds. Sie unterliegen raschen Transformationsprozessen, sowohl durch das Wachstum der Stadt und der damit einhergehenden Verdrängung großer Infrastrukturen an die äußeren Ränder, als auch durch die rasche Veralterung dieser Infrastrukturen, und die daraus resultierende Obsoleszenz. In Folge verbleiben sie als Leerstellen im dichten Stadtkontext.

Auch diese unwirtlich anmutende Resträume haben bereits Potentiale. Sie sind Experimentierräume, die Freiheiten zulassen, keiner gesellschaftlichen Kontrolle unterliegen – Regelverstöße werden toleriert, informelle Nutzung ist möglich. Diese Räume sind Ressource für das umliegende, dichte Stadtgefüge. Hier ist noch Platz für Nutzungen und Nutzergruppen, abseits des Interesses der Stadtplanung.
Es wird eine Wahrnehmungsänderung angestiftet – die Orte des zweiten Blicks, die Schönheit des Chaos, der Wert des Ungeplanten, die Relevanz des Vorhandenen wer- den erkannt. Es wird ein Umdenken im Umgang mit öffentlichen Restorten angeregt – nicht das Gestalten, sondern das Ermöglichen rückt in den Vordergrund. Die Potentiale einer innerer Peripherien werden da- durch gestärkt.

Untersucht wird anhand des Raumtyps Transitraum. Sie erzeugen Räume zweiten Rangs, Orte ohne Identität, Orte die keine Identifikation evozieren. Der Straßenraum ist durch seine ihm eingeschriebene Geschwindigkeiten geprägt, durch Unverbindlichkeit, doch was passiert in den angrenzenden Räumen, den Abstandsräumen, den Räumen anderer Geschwindigkeiten?

Transiträume erzeugen Peripherien an ihren Rändern. Die inneren Peripherien, die Metrozonen weisen Ähnlichkeiten mit Transiträumen auf. Sie sind Orte des Übergangs, der temporären Verbindlichkeiten und vorrangig nur aus der Durchreise bekannt. Metrozonen sind an Transiträumen entstanden, Metrozonen sind geprägt durch Transiträume, Transiträume sind Metrozonen – die Widersprüchlichkeit ist in der Diskussion über Metrozonen und Transiträume keineswegs störend, zeigt sie doch die enge Verflechtung dieser.

 

 

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