Jugend im öffentlichen Raum

von Michael Gidam

Oft werden Jugendliche im öffentlichen Raum in Wien von älteren Mitgliedern der Gesellschaft als unangenehm oder gar als Gefahr empfunden. Das Bild von jugendlichen Gruppen im öffentlichen Raum wird von medialer Seite, indem Meldungen über Schlägerbanden und Komasäufer gerne als Zeichen des allgemeinen Verfalls der Jugend propagiert werden, meist negativ geprägt. In Folge dessen werden Jugendliche durch die Polizei oder private Sicherheitsdienste, die Gebrauch vom jeweiligen Hausrecht machen, des Öfteren von öffentlichen Plätzen verwiesen. Doch auch schon bevor es dazu kommt wird versucht Jugendliche soweit es geht aus den innerstädtischen öffentlichen Räumen fernzuhalten. Jugendaffine Nutzungen, wie etwa Skateparks, werden deshalb am Stadtrand und im Industriegebiet realisiert; dort wo es “eh niemanden stört”. Dass diese Entwicklung von Seiten der Jugendlichen nicht auf Gegenliebe stößt und diese Räume, aufgrund der schlechten Erreichbarkeit und unattraktiven Lage, erst recht nicht genutzt werden, scheint wenig zu überraschen. Hinzu kommt, dass Jugendliche sich in einer Öffentlichkeit wiederfinden, in der sie keine Gestaltungsmacht haben. Der öffentliche Raum der sie umgibt wurde in der überwiegenden Mehrheit der Fälle von Erwachsenen gestaltet und unterliegt bestimmten Nutzungsvorstellungen die Erwachsene haben. Wenn die tatsächliche Nutzung und Aneignung des öffentlichen Raumes nicht mit den Vorstellungen Erwachsener konform geht entsteht schnell ein Gefühl der Unstimmigkeit und in weiterer Folge Unsicherheit. Der dem Raum ursprünglich angedachte Nutzen wird daraufhin meist durch den oben genannten Platzverweis wiederhergestellt. Auf Bedürfnisse der Jugend wird hierbei keine Rücksicht genommen.

In meiner Untersuchung möchte ich den Konflikt zwischen der in sich heterogenen Gruppe der Jugendlichen und anderen Gruppen der Gesellschaft im öffentlichen Raum aufzeigen und ursächlich analysieren. Ebenso möchte ich darstellen, was dieses nicht- vorhanden-sein von Umsetzungen jugendlicher Vorstellungen ihrer Umwelt für Konsequenzen im Bewusstsein Jugendlicher von Stadt und ihrem Leben darin sowie in gezeigten Handlungsmustern hat. Ziel meines Field-Trips soll es werden, den erfolgreichen Umgang mit dieser Art von Konflikt in einer anderen Metropole zu erforschen und gewisse Rahmenbedingungen formulieren zu können, die für Wien, hinsichtlich der jugendgerechten Herstellung von öffentlichem Raum, von Relevanz sein können.

 

2 Kommentare zu “Jugend im öffentlichen Raum

  1. Rolf Weishaupt

    Ich bin selbst in der Jugendarbeit tätig und es würde mich interessieren, ob positive Beispiele für einen akzeptierenden Umgang mit Jugendlichen im Öffentlichen Raum gefunden wurden und was diese auszeichnete.
    Danke für eine Rückmeldung.

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