LEHREN UND LERNEN

Bildungslandschaften in Bewegung

Im vergangenen Sommersemester hat in OpenMarx das neu konzipierte Sondermodul "Bildungslandschaften in Bewegung" stattgefunden, in dem sich 25 Studierende der Fakultät Architektur und Raumplanung intensiv mit unterschiedlichen Aspekten von Bildungsräumen beschäftigt haben. Kern und Fokus des Moduls waren neue Arbeitsräume in Bildungslandschaften, neue Lehr- und Lernformen und ihre räumliche Dimension sowie die gesellschaftliche Sensibilisierung für Raumfragen. Dieses Modul wurde von Lehrenden mehrerer Abteilungen getragen: Zeichnen und visuelle Sprachen, Gebäudelehre, Raumgestaltung, Baugeschichte und Bauforschung und Örtliche Raumplanung. Die gesamte Lehrveranstaltung setzte sich aus einer Ringvorlesung, mehreren Übungen und Seminaren und zwei Stehgreifentwerfen zum Bildungsthema zusammen.

Bildungslandschaften in Bewegung

Foto: Jasmin Redl

Das Modul ist eine Zusammenstellung mehrerer transdisziplinärer und institutsübergreifender Lehrveranstaltungen und versteht sich als Teil des universitären Lehr- und Forschungsschwerpunkts “Arbeitsraum Bildung”, der sich im Zuge des “Parlaments der Fragen” 2015 an der Fakultät formiert hat. Aus dieser Arbeitsgruppe entstand bereits der Workshop „Bildungslandschaften in Bewegung“, der im Oktober 2016 in der TVFA-Halle der TU Wien in Kooperation mit der AUVA stattgefunden hat, und an der über 50 Fachleute aus dem Bildungsbereich teilgenommen haben. Als Weiterentwicklung dieses Schwerpunktes wurde im vergangenen Sommersemester erstmals ein Sondermodul mit folgenden Schwerpunkten angeboten: offenen Lernwelten Raum zu geben, ein kritische Hinterfragung des Ist-Zustands, didaktische Inputs, Öffnung der Inhalte nach außen, Arbeiten mit aktuellen Themen der Gesellschaft, und Impulse für gesellschaftsrelevante Kommunikationsprozesse in Gang zu setzen.

Der gemeinsame Ort des Moduls war OpenMarx, in dem jeweils am Mittwoch den ganzen Tag Lehrveranstaltungen stattgefunden haben, die öffentliche Ringvorlesung ihren Ort hatte und die Abschlussarbeiten im Juni gezeigt wurden. Durch eine Kooperation mit der Studienrichtung Bildungswissenschaft der Uni Wien, die sich in diesem Semester mit der pädagogischen Dimension des Raumes beschäftigt haben, fand an drei gemeinsamen Terminen ein reger Austausch der Studienrichtungen zum Thema des Zusammenwirkens von Pädagogik und Architektur statt.

Workshop
Foto: Jasmin Redl

Das Modul bestand aus vier Kernfächern, und vier Ergänzungsfächern und wurde im Sommersemester 2017 abgehalten.

Kernfächer:
Kritische Architekturpraxis (Ringvorlesung, 2.0 ECTS)
Konzeption: Corina Binder und Renate Stuefer
Die Ringvorlesung war eine öffentliche Vortragsreihe, in der 5-6 Vortragende pro Termin über aktuelle Tendenzen und Aspekte in der Bildungsarchitektur gesprochen haben und im Anschluss bei einer Podiumsdiskussion mit dem Publikum Meinungen ausgetauscht haben. Themen der Vortragsreihen waren: Allgemeine Einführung von Bildungslandschaften, Bildungsbauten im Kontext, Schulen bzw. Kindergärten bauen und nutzen, Pädagogisches Arbeiten in Bildungsräumen, Dynamisches Lernen, Strategien zur Raumaneignung, Planungsphase Null und Partizipatives Forschen. Die Vorträge wurden abwechselnd von Corina Binder, Renate Stuefer, Karin Harather und Christine Egeler moderiert.

Vortragende der Ringvorlesung:
Christian Kühn, Renate Stuefer, Karin Harather, Raphaela Kogler und Ian Banerjee (TU Wien); Bernd Wiltschek (BIG); Rainer Hauswirth und Jutta Kleedorfer (Stadt Wien); Corinna Straka (Stadtschulrat); Henning Schluß (Uni Wien, Bildungswissenschaft); Karin Schwarz-Viechtbauer (ÖISS); Barbara Feller (Architekturstiftung Österreich, bink); Hemma Fasch (fasch&fuchs Architekten); Clemens Kirsch (Architekt); Caren Ohrhallinger (nonconform); Michael Zinner (schulRAUMkultur, Kunstuniversität Linz); Antje Lehn (Akademie der bildenden Künste Wien); Christine Egeler (Achitektin und Coach); Katharina Rosenberger (KPH Wien/Krems); Armin Knauthe (Original Play); Edwin Scheiber (Direktor Wiedner Gymnasium/Sir Karl Popper Schule); Christoph Maurer, Martina Piok (COOL); Heidi Schrodt (BildungGrenzenlos); Monika Seyrl (Reggio-Pädagogik); Josef Ebenberger (MA 49, Waldschule Ottakring); Brigitte Rechberger (Volksschuldirektorin Feldkirchen an der Donau, OÖ); Gertrude Meister (Kindergartenleiterin Schukowitzgasse, Wien); Marina Thuma (Institut Bewegtes Lernen); Andrea Walenta (City Bound Wien); Martin Plackner (Werkstatt für Spiel und Pädagogik); Joachim Rauch, Edith Svec-Brandl und Raimund Kleinhagauer (AUVA)

Workshop
Foto: Jasmin Redl

Workshop
Foto: Jasmin Redl

Spezialgebiete der Gebäudelehre (VU / 2.5 ECTS)
LVA-Leitung: Corina Binder
Fokus dieser Lehrveranstaltung waren Bildungsneubauten. Anhand des Besuchs von neu errichteten Schulgebäuden in Wien und Graz wurden die unterschiedlichen Abläufe im Schulalltag, die tatsächliche Nutzung der Räume und ihre Auswirkungen auf Lern- und Arbeitsprozesse analysiert. Diese “Erforschung im Feld” ist ein wesentlicher Bestandteil um Prozesse besser verstehen zu können und das Wissen in zukünftige Planungen mit ein zu beziehen. In Kleingruppen wurde über die Sichtbarmachung von Schulalltag nachgedacht, Interview mit ArchitektInnen, SchulprojektbetreiberInnen, PädagogInnen und SchülerInnen geführt, Plananalysen angefertigt und ein Kurzfilmdrehbuch für eine Schule konzipiert.

Phänomene der Zweckästhetik (VU / 2.5 ECTS)
LVA-Leitung: Karin Harather, Renate Stuefer, Armin Knauthe
In dieser Lehrveranstaltung wurde die Wahrnehmung geschärft, (materielle) Werte und Wertigkeiten hinterfragt und das eindeutig Zweckgerichtete, das alltäglich Praktikable, das scheinbar Selbstverständliche oder auch nur das zufällig Vorhandene als Gestaltungsgrundlage für bildungsrelevante Räume in den Blick genommen. Im Wiedner Gymnasium und in Kindergärten in Wien entstanden Ad-hoc-Interventionen mit denen sich die SchülerInnen und Kindergartenkinder Raum individuell und spielerisch aneignen konnten.

Vorsichtige Annäherung (VU / 3.0 ECTS)
LVA-Leitung: Dörte Kuhlmann, Claudia Maria Walther, Katharina Tielsch
Fokus Bildungsraum, Schul-(er)leben anhand von Bestandsschulen in Wien. Die LVA untersuchte die Wahrnehmung und das Verhalten der SchülerInnen im Lebensraum Schule. Ausgewählte Gründerzeitschulen aller Schulstufen in Wien wurden einen Tag lang besucht und beobachtet, die Studierenden gestalteten eine Architekturvermittlungsstunde mit den SchülerInnen, analysierten die Lernraumstruktur und machten Akustikmessungen.

Ergänzungsfächer:
Spiel Raum Stadt (PR / 2.5 ECTS), Emanuela Semlitsch
OPENinnovation (VU / 3.5 ECTS), Christian Peer
2 Stegreifentwerfen (UE / 2.5 ECTS), Karin Harather und Renate Stuefer
UNI Wien, Bildungswissenschaft: Raum als Pädagogische Dimension (SE, 5.0 ECTS), Henning Schluß

Für den Herbst ist eine Publikation mit allen Inhalten des Sondermoduls “Bildungslandschaften in Bewegung” geplant.

Link zum Arbeitsraum Bildung – Bildungslandschaften in Bewegung

Die Ringvorlesung wurde unterstützt durch die AUVA Allgemeine Unfallversicherungsanstalt.
Workshop